Online: 1 Heute: 20 Gesamt: 173503
Episode 04
  Episode 04: Winteralbtraum Teil 1
"GREEN! GREEEEEEEEEEN!" Von einem Albtraum erwacht, war Pink aus ihrem warmen Bett herausgesprungen und rannte wie von einem Blitz getroffen, durch ihre und Greens Wohnung, auf der Suche nach eben dieser Mitbewohnerin, denn Pink musste er ihr von ihrem Albtraum erzählen. Das war lebenswichtig! Es könnte alles Mögliche passieren wenn sie es ihr nicht sagte.
Sie rannte auch sofort in Greens Zimmer, doch es war niemand dort zu finden.
"GREEN!" Aus lauter Panik traten bereits erste Tränen in ihrem Gesicht hervor, welche schnell zu waren Sturzbachtränen heranwuchsen. Doch da fiel ihr plötzlich was ein, Green hatte ihr etwas erzählt... aber was war es noch Mal?
Pink versuchte sich zu konzentrieren und lange stand sie einfach nur regungslos da, bis ihr einfiel, dass Green ihr am Vortag erzählt hatte, dass deren Klasse auf eine Klassenreise gingen und sie deshalb einen Tag vor der Abreise bei Sho übernachten würde. Oder so was ähnliches...? Aber sie hörte sich eigentlich nicht so glücklich darüber an. Aber was war jetzt mit Pinks Albtraum?! Naja war ja auch nicht so wichtig...
...
Natürlich war es WICHTIG! Es war LEBENSWICHTIG! Aber wie sollte sie es Green bloß erzählen...
Pink seufzte. Dann fasste sie einen Entschluss;
Sie würde jetzt weiter schlafen!


Der Zug ratterte über die Schienen, vollbeladen mit munteren Schülern, die es gar nicht abwarten konnten, deren Reiseziel zu erreichen und sich mit voller Energie in die Klassenreise hineinzustürzen, mit allem was dazu gehörte. Sho war einer von Denen die sich am meisten freute. Zwar war sie mit ihrer Familie schon so gut wie überall auf der Welt gewesen und so sportlich wie Green war sie auch nicht, doch sie freute sich auf all das was eine Klassenfahrt von einer normalen Reise unterschied: Unfug anstellen. Außerdem war die Reise zum großen Teil auf ihren Mist gewachsen... auf ihr und ihr Geld.
Green schien ihre Euphorie nicht ganz zu teilen.
"Ach Green, nun komm schon! Wir fahren nach Hokkaidô! Das ist doch einfach wunderbar, Hach... ein wahrer Wintertraum!" Sho schwärmte weiter, sprach von der Romantik und dem Flair eines Kamins, gepaart mit Schnee und einem Kakao - dazu noch den passenden Mann...
"Wohl eher ein Winteralbtraum...", sagte Green eher zu sich selbst als zu der schwärmenden Sho. Diese sah sie fragend an.
"Was hast du gesagt?" Doch die Befragte schüttelte denn Kopf.
"Ach nichts, ist nicht so wichtig. Sag mal... schneit es zu dieser Jahreszeit in Hokkaidô?", ihre Stimme zitterte ein wenig als sie dies sagte. Ihre Freundin ah sie verwundert an, was bei Greens Aussage auch nicht gerade verwerflich war.
"Ähm, Green, wieso schaust du nicht einfach aus dem Fenster? Es schneit schon seit einer halben Stunde." Greens Antworten war ein Seufzen. Sie wollte es einfach nicht wahr haben... es schneite... schon beim Gedanken davon fing sie an zu frieren. Sie zog ihre Jacke fester an sich. Eine ganze Woche Schnee und Eis...für sie gab es nichts schlimmeres, ein wahrer Winteralbtraum...


Der Schnee knirschte unter denn Füßen der Schüler und rief nicht gerade schöne Erinnerungen in Greens Gedächtnis. Erinnerungen die sie schon verdrängt hatte, die sie nur noch in ihren Albträumen heimsuchten... Sie versuchte nicht in den Himmel hinaufzusehen, welcher weiß sein würde, verschleiert durch die weiße Pracht von Oben. Es genügte die kleinen Flocken vor ihren Augen zu sehen, welche sich mit dem am Boden liegenden Weiß vereinte, um ein Zittern in Green hervorzurufen, obwohl sie zwei Jacken anhatte, welche sie eigentlich vor der Kälte beschützen sollten.
Ein Klaps auf den Rücken ließ sie aus ihren Tagträumen erwachen und sie sah Shos Gesicht vor ihrem.
"Du siehst nicht gut aus, bist etwas bleich im Gesicht..." Shos Sorge um Green wurde von ihren Klassenkameraden unterbrochen, denn diese hatten nun das Hotel ausfindig gemacht, in welchem sie vier Tage lang übernachten sollten. Nicht ohne Grund waren sie kurz sprachlos, welches Sho in vollen Zügen genoss. Denn das Hotel hatte sie immerhin ausgesucht, da es ihre Familie war, welche die Klassenfahrt zu mehr als 60% finanziert hatte - wie so viele Arrangements der Schule (manchmal fragte sich Green, wem die Schule überhaupt gehörte). Sho liebte den Luxus, daher konnte man sich in etwa vorstellen, wie deren Bleibe aussah. Es war auf jeden Fall alles andere als eine normale Jugendherberge. Das Hotel war wahrlich ein Luxus Hotel im westlichen Stil. Das Erste was Green in den Sinn kam war, dass sie sich so ein teures Hotel niemals leisten könne. Doch sie war im gewissen Sinne schon auf solch einen Anblick vorbereitet gewesen, da sie immerhin mit Sho zusammen gelebt hatte und sie in diesen paar Jahren ein paar Mal zusammen im Ausland gewesen waren. Die Zimmer waren sehr schön eingerichtet. Die der Mädchen im sanften Grün und die der Jungen im leichten Blau. Sho untersuchte mit prüfendem Blick die Minibar, während Green sich auf das Himmelbett fallen lies.
"Wir haben Zimmer 443. Das dürfen wir bloß nicht vergessen, denn hier gibt es genug Zimmer um sich zu verirren." Kurz nach diesen Worten schritt sie durch das Zimmer und öffnete ein großes Fenster. Es hatte aufgehört zu schneien und ein kalter Wind wehte herein.
"Ach, ist das nicht herrlich! Der Schnee glänzt so schön! Ich glaube wir können sogar Eiskunstlaufen!" Shos Augen strahlten regelrecht vor Freude, im Gegensatz zu Green, die sich die Decke über den Kopf schob.
"Wollen wir mal gucken wie das Eis aussieht? Im Program des Hotels steht, dass sie Schlittschuhe zum Verleih anbieten." Als die übereifrige Sho sich zu Green umdrehte, wurde sie allerdings enttäuscht, denn diese war eingeschlafen. Einen Moment sah sie ihre Freundin an und überlegte, ob sie wirklich schlief und wenn ja, ob sie sie wecken sollte. Immerhin konnte sie noch nicht tief im Land der Träume versunken sein. Doch obwohl Sho nicht die größte Lust darauf verspürte sich alleine mit den anderen aus deren Klasse zusammenzutun, ließ sie Green schlafen. Sie nahm ihre Jacke, Schal und Handschuhe und verließ das Zimmer.


Ein kühler Wind kräuselte Greens Haare. Sie kniff die Augen zusammen und drehte sich unruhig zur Seite, wobei ihr Glöckchen sanft auf die grüne Decke fiel. Das Mädchen war tief in ihrem Schlaf versunken und wurde nicht einmal von dem kalten Wind des offenen Fensters geweckt. Im Gegenteil eher. Es schien sie weiter in den unheilvollen Schlaf zu locken...
... auch, dass sie nicht mehr alleine im Zimmer war, bemerkte sie nicht. Ruhig und reglos blieb sie liegen, bewegte sich auch nicht, als der Eindringling näher kam. Zu tief war sie bereits in ihren Träumen versunken.
Erst als er nach dem Glöckchen griff, reagierte das Mädchen; Sie packte sein Handgelenk. Der Eindringling erstarrte innerlich, wagte es kaum zu atmen, doch sie schlief noch immer; hatte wohl aus bloßem Reflex heraus gehandelt. Ohne sie zu wecken befreite er sich gekonnt von ihren zierlichen Fingern.
Das Ziel lag nun zum Greifen nah, doch gerade als seine Fingerspitzen es fast berührten, sagte Green:
"...Es...es...ist...so...kalt..." Genau diese Worte ließen ihn mitten in der Bewegung erstarren. Das Mädchen hatte ihre Augen auf einmal fest zusammen gekniffen, ihr Atem war unruhig und ihr Gesicht war bleich geworden. Ein weiterer Störfaktor machte sich bemerkbar, denn auf dem Gang waren Schritte zu hören.
Die Tür wurde förmlich aufgeschlagen und Sho stand zwischen Tür und Angel. Sie erblickte zuerst das offene Fenster und dann, mit leichter Frustration, die nach wie vor schlafende Green. Sho war extra kurz vor dem Aufbrechen noch einmal zurück gegangen, in der Hoffnung ihre Freundin wäre vielleicht wieder aufgewacht. Doch wie sie deutlich sehen konnte, war ihre Freundin nach wie vor in ihre Träume versunken. Also blieb Sho nichts weiter übrig als sich auf dem Absatz um zu drehen, um das Zimmer zu verlassen. Damit ließ sie Green mi ihren Alpträumen alleine zurück...

Schnee, überall Schnee...Kälte, die verschluckt...grauer Himmel,
von hohen, weißen Tannen verhüllt...

Schadenfrohes Gelächter füllte Greens Kopf, die Erinnerungen ließen ihre Gedanken fast zerspringen.
"Schwester Green, willst du es nicht wenigstens noch mal versuchen? So schwer ist es nicht!" Das Mädchen sah sie flehend an, während sie ihre Schlittschuhe langsam senkte. Wahrscheinlich, weil sie verstand, dass es keinen Sinn hatte. Stattdessen nahm sie mit ihren behandschuhten Händen Greens und versuchte sie warm zu reiben.

Kälte, die dich nie wieder freilassen wird...
Die dich festhält....

"Die wird es nie lernen! Die ist einfach zu blöd dazu! Stimmt doch, Green? Gib es doch einfach zu! Du hast Angst davor dich zu blamieren!"

Wegen der du die Kraft verlierst, weiter zu gehen...

Das Mädchen, welches Green die Schlittschuhe geben wollte, achtete nicht auf die Anderen. Weiterhin rieben ihre kleinen warmen Finger Greens, im Versuch diese warm zu bekommen. Ihre Hände waren immer warm... Greens immer kalt.
"Mach dir nix aus denen! Du musst nicht, wenn du nicht willst." Das Gelächter der Gruppe wurde noch lauter.
"Stellst du dich jetzt etwa auf ihre Seite, Kari?!"

Die Müdigkeit und Schwäche in dir erweckt....

Die Angesprochene beachtete sie nicht weiter, doch Green befreite sich aus dem Griff des Mädchens. Das Gelächter verstummte prompt. Erstarrt, doch lauernd sahen sie zu, wie Green sich die Schuhe anzog und Halt am Rand der Schlittschuhbahn fand. Ihre Beine zitterten, als sie den ersten Schritt machte und kaum hatte sie sich ganz vom Geländer gelöst, fiel sie auch schon der Nase lang hin.

Wallender Schnee...

Die Reaktion kam schnell, da sie genau auf dies gewartet hatten. Laut, schadenfroh und hämisch erfüllte ihr Lachen die Luft. Im gleichen Takt wie der Schnee vom Himmel fiel, rollten Tränen an Greens Wangen herab. Ihr Gesicht war rot vor Tränen, sie konnte einfach nicht aufhören zu weinen.

...der keinen Laut durchlässt...

"Heulsuse! Heulsuse! Seht ihr! Ich habe es euch doch gesagt! Green kann noch nicht mal einen Schritt aufs Eis machen!"

... du wirst dich alleine mit dem Schnee vereinen...

Das Gelächter wurde immer lauter in Greens Kopf. Es wiederholte sich tausendfach und breitete sich genauso schnell und wallend in ihrem Körper aus wie die Kälte. Die Kälte umarmte sie, wollte sie nicht mehr loslassen, würde sie nie wieder loslassen... Umso lauter das schadenfrohe Lachen wurde, umso mehr fachte es den Hass in ihrem Körper an; Hass auf al jene die sie in ihrer Kindheit ausgelacht haben, auf die die sie allein gelassen haben, einfach auf alle!
Die Mischung aus Kälte und Hass entwickelte sich zu einer Spirale, die sich in ihr hineinzubohren schien, doch schlussendlich riss es Green auch aus dem Schlaf.
Obwohl ihr gesamter Körper vor Kälte bebte, war sie bedeckt von Schweißperlen. Schweratmend blieb sie liegen, starrte verklärt an die Decke als hätte sie Fieber. Sie versuchte an nichts zu denken, doch das Lachen halte immer noch wie ein Echo durch ihren Geist. Ohne, dass sie es bemerkt hatte, hatten sich ihre Hände um ihr Glöckchen geklammert, als würde es ihr helfen können, die Schatten der Vergangenheit zu bewältigen...


Nachdem Green lange und ausgiebig geduscht hatte, war es auch irgendwann Zeit fürs Abendessen. Sie fühlte sich ein wenig besser, auch wenn das heiße Wasser die Kälte nicht vollends besiegen konnte. Wie auch? Die Kälte kam von Innen, wie sollte das Wasser da heran kommen...
Mitten im Essen, welches für Green fast wie ein Festmahl war, platze auch Sho dazu. Sie hatte vor lauter Freude am Eiskunstlaufen die Zeit vergessen. Während sie ordentlich reinhaute, sich dennoch über das Essen beschwerte (ihr Koch konnte das eindeutig besser, betonte sie), erzählte sie von ihrem Nachmittag und zu Greens Glück belagerte sie sie mehr damit, wie viele gutaussehende Männer sie gesehen hatte, als dem Eiskunstlaufen.
Erst spät waren die beiden Mädchen wieder in ihren Zimmern, da sie zuvor noch mit ihren Klassenkameraden zusammen gehockt hatten um über dieses und jenes zu sprechen. Sho war vollkommen kaputt und wollte nur noch ins Bett. Daher war sie auch viel zu müde um mit Green um ein offenes Fenster zu diskutieren: Sho schlief immer mit offenen Fenster, doch ihre Freundin bestand darauf, dass es geschlossen sein sollte.
Als Green sich gerade Bettfertig machte, fiel Sho jedoch noch etwas ein was sie noch sagen wollte, bevor sie den Schlaf im Empfang nehmen wollte.
"Warum hast du das Fenster denn wieder aufgemacht, wenn du mit Geschlossenem schlafen willst?" Die Angesprochene rief vom Badezimmer aus, dass sie nichts aufgemacht hatte; dass sie die ganze Zeit geschlafen hatte.
"Du hast das Fenster wohl nicht richtig zugemacht." Nach diesem Vorwurf von Green setzte Sho sich doch noch einmal auf.
"Habe ich aber!", beharrte sie weiterhin.
"Außerdem sind das die gleichen Fenster die ich auch in meinem Zimmer habe. Die verschließen sich automatisch."
"Ein Autolock Schloss", ergänzte Green und wurde nun ein wenig nachdenklicher.
"Uhu! Dann ist vielleicht jemand bei uns eingebrochen! Wie spannend! Aber sind diese Schlösser nicht unaufbrechbar?" Green musste beim Zähneputzen die Augen verdrehen. Es gab wohl keine andere Person außer Sho, die sich über einen Einbruch freuen würde. Vielleicht lag es daran, dass sie sich das, was gestohlen wurde, im Falle des Falles einfach neukaufen konnte. Geldsorgen hatte sie sicherlich nicht.
Nachdem Green fertig mit dem Waschen war und ihren Pyjama angezogen hatte, kam sie wieder ins Zimmer zurück, wo sie Sho, vertieft in Gedanken, vorfand. Wahrscheinlich schrieb sie bereits eine spektakuläre Story in ihrem Kopf für die nächste Schülerzeitung. Sho war nicht umsonst dafür berüchtigt aus einer Mücke einen Elefanten zu machen; gab es auch nur den leisesten Verdacht auf eine brauchbare Story, so wurde sie soweit ausgearbeitet, bis es zu einer Schlagzeile wurde. Dies war wahrscheinlich auch der Grund, weshalb die Schülerzeitung so beliebt war, auch wenn jeder wusste, dass an den Artikeln nicht einmal die Hälfte wahr war, so fesselte Shos Schreibstil einfach und manchmal musste man zwei Mal darüber nachdenken, ob es wahr war oder nicht.
Green hatte jedoch nicht viel Lust darauf über irgendeine Einbruchstory aus ihrem Hotelzimmer zu lesen, daher versuchte sie, es ihrer Freundin auszureden:
"Ein Autolock Schloss ist nicht unaufbrechbar. Es ist schwerer es zu öffnen, aber es gibt kein Schloss welches sich nicht öffnen lässt: Man muss nur wissen wie." Shos Augen fingen an zu leuchten und sie beugte sich leicht zu ihrer Freundin vor.
"Glaubst du denn wirklich, dass hier jemand eingebrochen ist?" Green schüttelte den Kopf.
"Zum einen fehlt uns nichts. Ich habe gerade nachgeguckt und unser Geld ist noch da, sowie auch alles andere was es wert wäre gestohlen zu werden." Jetzt sah Sho sie skeptisch an. Woher wusste Green, wo ihr Geld war?
"... Und zum anderen bezweifle ich stark, dass jemand aus unserer Klasse in der Lage ist ein Autolock Schloss vom Typ APX D3 von Xerion aufbrechen kann!" Sho sah sie lange und mit großen Augen schweigend an. Es war klar und deutlich in ihrem Gesicht zu lesen, dass sie mal wieder von Greens leicht kriminellem Wissen überrascht war und wahrscheinlich wollte sie am liebsten sofort zu ihrer Geldbörse greifen um zu überprüfen, ob der Inhalt noch komplett war. Green lächelte nur unschuldig und sagte:
"Allgemeinwissen."
"Okay, dann habe ich eindeutig kein allgemeines Allgemeinwissen!"


Kaum hatten die beiden Mädchen mit dem Reden aufgehört, waren sie auch schon eingeschlafen. Green hatte das Schloss noch mehrere Male vorm Schlafengehen untersucht und überprüft ob es auch wirklich zu war. Sie glaubte nicht daran, dass jemand eingebrochen war. Am Schloss und sowohl im Zimmer waren keine Anzeichen auf ein Einbrechen zu entdecken. Dennoch schlief sie mit ihrem Geld unter ihrem Kopfkissen.
Langsam erhob sich Greens geflügeltes Glöckchen von ihrer Brust. Es leuchtete in einen silbernen Schein, und gab plötzlich ein ohrenbetäubendes Klingen von sich, von dem Green auch sofort aus dem Schlaf gerissen wurde. Mit noch geschlossenen Augen griff sie nach ihren Glöckchen und das Klingen erstarb.
Green rieb sich verschlafen die Augen und gähnte erst einmal herzhaft. Erst dann bemerkte sie das dass Glöckchen einen Lichtkreis um sich hatte. Green starrte es an, unsicher, ob sie einfach so tun sollte, als hätte sie das Licht nur im Traum gesehen. Sie schaute zu Sho, doch diese schlief tief und fest. Es erschien ihr merkwürdig, dass sie von dem enormen Lärm ihres Glöckchens nicht aufgewacht war.
Green seufzte tief. Musste sie jetzt wirklich in dieser Eiseskälte raus und einen zu groß geratenden Dämon bekämpfen? Sie lies sich wieder in ihr Kissen fallen. Nein; wenn schon würde sie es nicht mitten in der Nacht machen, sondern morgen. Da war ungefährlicher... Sie schloss die Augen wieder, doch fand keinen Schlaf. Pinks Worte ließen sie nicht zum schlafen kommen: "Es ist unsere heilige Aufgabe!"
"Pink, lass mich in Ruhe schlafen!", zischte Green, doch es brachte alles nichts, schlafen konnte sie nicht mehr also konnte sie genauso gut raus. Ohne Sho zu wecken zog sie extra warme Klamotten an und schlich mit zitterndem Körper hinaus.
Die eiskalte Nachtluft kam ihr entgegen und ihr lief ein Schauer über ihren Rücken.
Das erste Problem war: Es war stock finster. Das Zweite: Wenn man sie hier draußen erwischte würde sie mehr als nur eine Strafarbeit bekommen. Das Dritte: Wie sollte sie unter diesen Umständ kämpfen? Das Vierte und schlimmste Problem: Es war eiskalt.
Green schleppte sich durch den Schnee und versuchte sich einzureden, dass es nicht kalt war. Doch dieser Versuch hatte eher einen kläglichen Erfolg und die Kälte konnte sich Stück für Stück durch ihre Haut bis zu ihren Knochen hindurch fressen. Green fragte sich, wie viele Grad wohl gerade herrschten und auf der anderen Seite, wollte sie eigentlich überhaupt keine Antwort darauf haben. Sie spürte, dass es definitiv zu wenige Grad waren.
Das Glöckchen, welches sie fest in ihrer Hand hielt, leuchtete und zeigte ihr den Weg. Das Klingen konnte sie leise wahr nehmen. Für jeden weiteren Schritt durch diese kalte Hölle wurde das Klingen des Schmuckstücks lauter.
Viel zu lange wahrte es, bis das Leuchten des Glöckchens von der Dunkelheit verschluckt wurde, wie auch das sanfte Klingen. Da sich Greens Augen bereits an die Dunkelheit gewohnt hatten, sah sie, dass sie sich auf einer großen Lichtung befand. Der Mond war aus der Wolkendecke hervor gebrochen und reflektierte sich matt auf dem zugefrorenen Eis eines Sees. Das musste der See sein auf dem Sho ein paar Stunden zuvor mit der Klasse Eislaufen gewesen war, denn man konnte die Kurven auf dem Eis noch deutlich im matten Licht erkennen.
Green spürte wieder das Gefühl von Hass in sich hochkommen, wie auch die Bilder ihrer Vergangenheit. Sie schüttelte den Kopf im Versuch sich davon nicht ablenken zu lassen. Es war wichtiger sich jetzt auf ihre Aufgabe zu konzentrieren als sich in die Vergangenheit zu verlieren. Obwohl sie hier nirgends etwas Bedrohliches ausmachen konnte, geschweige denn einen Dämon, war Vorsicht geboten. Sie sah auf ihr Glöckchen herunter, welches jetzt wieder wie ein ganz normales Glöckchen aussah. Doch als würde es das Gegenteil beweisen wollen, strahlte das Glöckchen plötzlich in einem grellen Licht und wieder ertönte ein Ohrenbetäubendes Klingen nur diesmal viel lauter als zuvor, so laut das Green das Glöckchen fallen lies und sich die Ohren zu halten musste. Da Green nicht ohne Waffe stehen wollte, wenn der Dämon auftauchte, bückte sie sich lieber schnell um das Glöckchen wieder in die Hand zu nehmen. Sofort verstummte es.
Green seufzte erleichtert, was war das denn gewesen? Im Schatten begutachtete sie es genau.
Im Schatten?!
Sie war doch auf einer Lichtung...wo kam da ein Schatten her?!
Green wagte es kaum sich umzudrehen, denn mit einem schrecklichen Gefühl im Bauch hatte sie bereits eine Erklärung gefunden. Das Umdrehen wurde ihr auch erspart. Eine gewaltige Kraft entfachte ein wahres Höllenfeuer der Schmerzen, als diese ihren Rücken entzweite. Der Druck war so enorm, dass sie weggeschleudert wurde. Erst kurz vor dem See kam Green zum Stillstand. Sie hatte ihre Augen fest zugekniffen. Das "Etwas" hatte ihre Klamotten auf ihren Rücken zerrissen, das warme Blut wurde schnell von der Kälte abgekühlt. Green keuchte und öffnete ihre Augen wieder um dem "Etwas" ins Gesicht zu sehen. Doch dies war gar nicht so einfach; Denn das "Etwas" stellte sich als einen übergroßen Dämon heraus, welcher sich schon für den nächsten Angriff bereit war. Green schwang das Glöckchen, wodurch es sich in ihre treue Waffe verwandelte. Auch sie war bereit; bereit diesem zu groß geratenden Dämon für ihre zerrissenen Klamotten büßen zu lassen!
Green war bewusst, dass dies nicht leicht werden würde. Zum einen übertraf dieses Monster die anderen was die Größe anging; es war sicherlich mehr als zehn Meter hoch. Doch scheinbar hatte dieser Dämon einen Mangel an Gehirnzellen, denn ohne Konzept oder Plan schlug es wild um sich und zerschmetterte einige umstehende Bäume. Es fiel Green, trotz ihrer Verletzung, nicht besonders schwer auszuweichen, da es nicht Zielen konnte. Hier war der Größenunterschied zum Vorteil, denn es war leicht für Green zwischen seinen Angriffen hindurch zu schlüpfen und damit auszuweichen. Doch Green konnte nicht ewig ausweichen, also beschloss sie dem Kampf ein Ende zu setzen. Sie nutzte eine weitere Attacke des Dämons für dieses Vorhaben aus: durch die entstehende Druckwelle der Attacke, war es Green möglich diese als Aufschwung zu missbrauchen. Als sie hoch genug war, gerade so über die Baumwipfel sehen konnte, holte sie mit ihren Glöckchenstab aus;
"DARKLIGHTNING!", schrie sie in die kalte Nachtluft herein. Die Energie in ihren Stab bündelte sich und traf den Dämon direkt. Gerade wollte Green sich stolz auf die Schultern klopfen, als sie, immer noch mitten in der Luft hängend, erstaunt feststellte, dass der Dämon nicht mal eine Schramme hatte. Der Dämon nutzte es aus, dass Green nicht ausweichen konnte und schoss einen dunklen Strahl auf Green. Dieser traf ins Ziel und Blut war kurz vor der runden Mondscheibe zu sehen. Die Wächterin hatte es am Arm erwischt; zu allen Überfluss war es auch noch der Arm, welcher den Stab führte. Green konnte ihn nicht mehr halten und er fiel zu Boden, wo er im Schnee landete. Seine Besitzerin hätte neben ihn landen müssen, doch sie konnte im letzten Moment noch mit dem gesunden Arm Halt an einem Ast finden. Sie hatte nur noch einen Arm zu Verfügung, so würde es schwer werden der nächsten Attacke des Dämons auszuweichen und es bereitete sich gerade darauf vor. Green suchte schnell den Boden nach ihren Stab ab. Der Stab lag nicht weit weg von dem Dämon. Um es genauer zu sagen, lag die Waffe nicht weit entfernt von dessen klauenbesetzten Füßen. Wenn Green ihre Waffe zurückholen wollte, bestand nicht nur für sie ein gewisses Risiko darauf von es zertrampelt zu werden, sondern auch die Waffe war in Gefahr. Aber ohne ihre Waffe würde es ein schwieriges Unterfangen sein lebend aus dieser Sache heraus zu kommen. Green spürte wie ihre Finger, die sich verzweifelt um den Ast klammerten, langsam taub wurden und mit einem mulmigen Gefühl schätzte sie die Meter zum Boden und stellte fest, dass das nicht gerade wenige waren. Da ihre Auswahlmöglichkeiten nur aus zwei Alternativen bestanden, nämlich sich fallen zu lassen, oder von der nächsten Attacke getroffen zu werden, schwang Green sich in letzter Sekunde vom Ast herunter. Ein weiterer Strahl verfehlte sie knapp. Der riesen Dämon hatte wohl beschlossen, nicht mehr wie wild um sich rum zu schlagen, sondern sein Opfer mit den Strahlen zu attackieren.
Green wusste nicht ob sie vom Glück oder Pech sprechen sollte, als sie in einem großen Haufen Schnee landete und beinahe darin unterging. Ihre Beine dankten ihr ganz gewiss, denn ohne diesen Landeplatz, wären diese vielleicht jetzt gebrochen... doch der Rest ihres Seins war alles andere als dankbar.
Green verfluchte sich selbst und ihre Schwächen, als sie sich von den Schneemassen befreite. Die Schmerzen wurden ein wenig von der Kälte abgeschwächt, dennoch reichten sie um sie zu schwächen und auch wenn die Zeit, die zwischen den Attacken des Dämons lag, locker für Green ausreichte um wieder an ihren Stab heranzukommen, wusste sie, dass ihr nicht mehr viel Zeit blieb, ehe ihr Körper nicht mehr mitspielen würde. Gar nicht zu sprechen von den anderen Einwirkungen...
Und sie konnte nicht ewig ausweichen. Aber ihre einzige Angriffsmöglichkeit zeigte keine Wirkung und Pink war über hundert Kilometer entfernt von ihr und konnte Green nicht helfen. Wieso musste es auch ausgerechnet immer ihr passieren?!
Sie sah ihren Stab flehend an, als würde dieser plötzlich über eine Hilfsoption verfügen, doch alles was das Ding tat, war sie anzuschweigen und tatenlos zuzugucken, wie dessen Besitzerin vom ewigen Ausweichen langsam müde wurde und wie ihre Verletzungen stark bluteten. Gerade als sie zum, wie es ihr vorkam, tausendsten Male ausgewichen war, gaben ihre Beine nach und sie fiel hin.
Es war aus. Hinter ihr hörte sie schon den Dämon, der sich für den Endschlag bereit machte.
Sie klammerte ihren Stab an sich, sie wollte nicht sterben...! Bitte! Dieses Ding, welches sie festklammerte, musste doch noch mehr drauf haben!
Als sie schwach die Augen öffnete fiel ihr Blick fiel auf die zwei Energieleisten die in dem Starb eingebaut waren. Die Schwarze war zirka bis zur Hälfte gefüllt; das war die Energie die sie in ihre vergangen Kämpfen absorbiert hatte, aber was war mit der anderen Leiste? Der weißen Leiste? Wahrscheinlich durch ihren leichten Anflug von Panik begriff sie recht schnell, dass es doch noch einen Ausweg gab.
Green flehte ihre lahmen Beine an, dass sie noch einen Augenblick durchhalten würden und rappelte sich auf. Aus reiner Verwunderung, dass Green überhaupt noch in der Lage war aufzustehen vergaß der Dämon seine Attacke. Green hielt ihm Angriffslustig ihren Stab hin. Der Dämon konnte nicht wissen, dass Green sogar etwas damit bezweckte; etwas anderes als mit erhobenen Haupt zu sterben.
Es musste einfach auf diese Art funktionieren; wenn sie dunkle Energie mit dem Stab aufnehmen konnte und damit die schwarze Leiste auffüllte, musste man doch auch die weiße Energie auffüllen können? Vielleicht musste sie einfach die dunkle Energie in weiße Energie umwandeln? Einen Versuch war es wert - da ihr ohnehin keine anderen Auswahlmöglichkeiten übrig blieben. Der Dämon holte aus und feuerte eine gewaltige Energie auf Green ab. Sie schloss die Augen und hoffte inständig, dass ihr Plan aufging, es musste einfach auf diese Art und Weiße funktionieren, immerhin hatte sie nicht die geringste Lust zu sterben.
Sie spürte die gewaltige Energie die auf sie zukam und auch wie ihre Hände, die den Starb umklammerten zu beben begannen. Als sie auch noch ein Gefühl von Schwindel überkam, spürte sie langsam die Panik in sich - so war das nicht geplant! Ihr Starb begann ebenfalls zu Beben - oder waren es ihre nervösen Finger?
Bis ihr Stab alle Energie in sich aufgenommen hatte. Die Weiße Leiste hatte sich halb gefühlt. Plötzlich ohne den Grund dafür zu wissen, wusste das Mädchen ganz genau was sie zu tun hatte. Es war fast so als ob sie nicht mehr sie selbst war, als ob ein anderer ihren Körper steuerte. Sie nahm wieder eine weitere Attacke des Dämons als Aufschwung. Im Mondlicht erhob sie den Stab und eine glockenhelle Stimme durchhallte den Abendhimmel;
"Du wagst es dieses Mädchen anzufassen? Du wagst es ihr weh zu tun? Du, Kreatur der Dunkelheit, sollst Green nie wieder wehtun! SPIRIT OF LIGHT!", das grelle Licht prallte auf den Dämon und löste es vollständig auf. Die Energie die übrig blieb wurde von dem Glöckchenstab absorbiert. Die junge Frau schloss ihre Augen für en paar Sekunden. Als sie ihre Augen wieder öffnete war es als wäre sie ein ganz anderer Mensch.
Mit einen Schrecken bemerkte Green, dass sie mitten in der Luft hing, doch es blieb ihr keine Zeit drüber nach zu denken wie sie hier hin kam, sie stützte schon auf den zugefrorenen See zu. Ohne etwas dagegen machen zu können durchbrach ihr Körper das Eis. Das kalte Wasser umschloss sie. In diesen Zustand konnte sie unmöglich schwimmen... Alles um sie herum wurde schwarz...


Rote Haare wehten im kalten Wind der Nacht, sie waren gesprenkelt von dem weißen Schnee, da es wieder zu Schneien begonnen hatte. Mit einer gewandten Geste strich er sich seine Haare hinters Ohr, obwohl er es mochte, wenn sie sich im Wind wogen.
Er hatte die Schlacht genau beobachtet. Schlacht. Ha! Sowas konnte man wohl kaum Schlacht nennen. Schlacht war etwas anderes... Doch eins wunderte ihn. Es wunderte ihn nicht, dass das hübsche Mädchen gewonnen hatte - nein, das war ihm eigentlich klar gewesen. Der eigentliche Grund war das Ende des Kampfes, welches ihn verwundert hatte. Denn zufolge seiner Informationen hatte dieses Mädchen dunkelblaue Augen... handelte es sich um eine optische Täuschung, oder hatte er wirklich kurz den Eindruck gehabt, ihre Augen wären weiß?
Er schloss die Augen.
Naja war ja auch egal, sagte er zu sich selbst in Gedanken. Er war nicht der Typ der über so eine Kleinigkeit lange nachdachte. Er war ein Typ der handeln musste.
Er grinste, da ihm die nächste Handlung überaus gefiel. Das war eine Aufgabe die ganz nach seinem Geschmack war.
Sein Grinsen wurde breiter und im Mondlicht blitzen seine etwas spitzeren Zähne gefährlich auf, ehe er sich von der Lichtung abwandte und von den Schatten verschluckt wurde...