Online: 1 Heute: 15 Gesamt: 169223
Episode 6
  Episode 6: Das Unmögliche
"Unmöglich, Green! Ich werde niemals mein Einverständnis für solch einen Selbstmordakt geben und ich weiß, unsere hohe Familie wird ebenfalls nicht begeistert sein! Also, schlag dir diese fixe Idee aus dem Kopf und konzentrier dich lieber auf das Fest. Es ist bereits in knapp einem Monat, hast du vergessen?"
Green war wütend. Und verzweifelt - was eindeutig keine gute Mischung war. Mit der flachen Faust schlug sie auf den Mahagonitisch, doch ihr Bruder zuckte nicht einmal mit der Wimper, da er auf einen Wutausbruch seiner Schwester gefasst gewesen war.
"Wie soll ich mich auf das Fest konzentrieren, wenn Sibi und Gary WEG sind?!" Grey seufzte hörbar auf. Der Geruch seines Lieblingstees, der gerade von seinem besten Freund nachgegossen wurde, änderte daran nichts. Green hatte ihr Getränk nicht einmal angerührt. Sie stand aufrecht, beide Fäuste auf dem Tisch und starrte ihren Bruder so intensiv an, als würde sie versuchen ihn zu hypnotisieren.
"Ich muss in die Dämonenwelt!", wiederholte die Hikari noch einmal.
"Nein", wiederholte Grey ebenfalls.
"Wenn du mir nicht helfen willst, werde ich schon selbst einen Weg finden, stimmt's Silence?!" Silence schien es nicht zu gefallen plötzlich ins Gespräch mit einbezogen zu sein und sah daher auch recht missgestimmt aus.
"Silence-san wird dir nicht helfen."
"Oh, doch sie wird!"
"Keiner von euch Beiden ist befugt mir Befehle zu erteilen!", sagte sie barsch und mit Zorn im Blick. Green gab nicht auf.
"Dann rede ich eben mit Mutter, sie wird mich schon verstehen." Nun lächelte Grey triumphierend als er sich in seinem Sessel zurück lehnte.
"Tu das, Schwesterherz. Aber du weißt... Die Wände im Jenseits haben Ohren. Und ich kann mir schon vorstellen, wie ein gewisser Hikari reagieren wird, wenn er davon erfährt." Diese Botschaft kam sehr überzeugend bei Green an, denn es war klar, dass er nicht von Shaginai sprach: Inceres würde an die Decke gehen, wenn er von Greens Pläne erfuhr...
"Aber... Tinami...", fing Green es nun anders herum an.
"Man kann sie doch nicht sterben lassen... Ich bin doch ihre Hikari! Ich kann das doch nicht zulassen!" Grey sah nun bedrückt aus und gab ihr Recht.
"Nur leider... ist dein Leben wichtiger als ihres."
"Soll das heißen ich soll tatenlos zugucken?!" Ihr Bruder antwortete nicht, sondern starrte in seinen Tee, wobei er ein leichtes Anzeichen eines Nickens gab, was auch Green dazu verleitete zu schweigen. Sie wusste, dass er es nicht böse meinte, sondern einfach nur so handelte, wie jeder normale Wächter es tun würde: zum Wohle seiner Hikari. Seufzend und vollkommen in Gedanken versunken, ließ sich eben diese Hikari in ihren Sessel fallen und unweigerlich spielte sich der heutige Morgen noch einmal vor ihren Augen ab.


Es war wohl zirka 4 Uhr morgens gewesen, als Green von einem Anruf aus dem Sanctuarian geweckt wurde. Sofort war sie hellwach, denn der Klimawächter am anderen Ende hatte ihr mitgeteilt, dass Greens Elementarwächter Tinami in Lebensgefahr schwebte.
In kürzester Zeit hatte sie sich etwas übergeworfen und war zusammen mit Silence ins Sanctuarian aufgebrochen. In der Eingangshalle wurde sie von Leanie in Empfang genommen. Sofort bombardierte Green die Tempelwächterin mit Fragen um Tinamis Zustand, doch natürlich konnte Leanie ihr keine Auskünfte geben. Während sie im Fahrstuhl standen und langsam nach oben fuhren, pochte Green ihr Herz bis zum Hals und erschwerte ihr das Atmen. Tinami sollte im Sterben liegen?! Warum, wieso!? Warum gerade Tinami?! Wenn man ihr sagen würde Kaira läge im sterben, könnte sie das irgendwo nachvollziehen, sie war immerhin eine Kämpferin... doch Tinami? Sie war doch im Kampf nicht aktiv... was hatte sie in Lebensgefahr gebracht? Da der Fahrstuhl sie ins Stockwerk für Kriegsverletzungen brachte, konnte sie wohl ausschließen, dass es sich um einen natürlichen Effekt handelte. Mit Übelkeit sah Green, dass es auch noch die Etage für Kriegsverletzung des zweiten Grades war...
Die Fahrt nach oben kam ihr wie eine Ewigkeit vor und als endlich der Fahrstuhl ein befreiendes Piepen von sich gab, hörte Green nicht einmal die Ansage. Als die schweren Metalltüren sich öffneten, sah sie, dass sie von Jemandem im Empfang genommen wurde.
"Onii-chan!" Green schrie dies nicht, sondern sagte es eher aus purer Erleichterung, ehe sie sich ihm in die Arme warf. Beruhigend streichelte er ihr über den Kopf, wie jeder andere Bruder es getan hätte.
"Es ist alles gut, Green. Tinami-san schläft." Green sah auf.
"Ist sie nicht mehr in Lebensgefahr?" Grey biss sich auf die Unterlippe, doch es war nicht ihr Bruder der ihr eine Antwort gab, es war seine Begleiterin, die Green erst jetzt sah.
"Sie wird nicht sterben, Green-san." In Ilangs Augen lag etwas beruhigendes, so dass Green es ihr sofort glaubte und sich ein leichtes Nicken abringen konnte. Sie wischte sich die Tränen aus den Augenwinkeln und löste sich von ihrem Bruder.
"Ich möchte sie gerne sehen", sagte Green zu den beiden und erhielt ein Nicken als Antwort. Grey verabschiedete sich von Leanie, mit den Worten, dass er seine Schwester zu Tinami führen würde. Leanie schien enttäuscht - wahrscheinlich hatte sie sich erhofft Ryô zu sehen.
Grey nahm Ilangs Hand und die drei gingen den langen Korridor herab. So bedrückend die momentane Situation auch war, es freute Green dennoch ihren Bruder und Ilang Hand in Hand zu sehen. Sie passten wirklich gut zusammen.
Um sich abzulenken sah Green sich in dem Stockwerk um - sie war noch nie im dem Abteil für Kriegsverletzungen gewesen. Es herrschte ein reges Treiben. Verletzte wie auch Gesunde kreuzten ihren Weg. Verwundete und blutende Wächter wurden auf merkwürdig durchscheinende Baren von Punkt A nach B gebracht und Ärzte schrien sich Befehle zu. Aufgescheuchte Tempelwächter, mit Bergen an Akten und Unterlagen, oder Spritzen und anderweitige medizinische Utensilien schlängelten sich gekonnt durch die Menge an Wächtern. Green wollte sich gar nicht vorstellen wie es hier aussah, wenn wirklich Kriegszustand herrschte.
Die drei Wächter bogen nach links ab und verließen bald darauf den Korridor, woraufhin sie in einen etwas weniger breiten Gang gelangten, auf dem auch weniger los war. Wenn man es genau nahm, standen hier nur drei Wächter: Ryô, Kaira und Azura. Der Tempelwächter sah nur auf der Etikette wegen. Er verbeugte sich tief vor Green und schrieb sofort weiter auf einem Klemmbrett, welches er auf seinem Arm abstützte. Azura bemerkte nicht einmal deren Ankommen: sie hatte ihren Kopf in Kairas Seite vergraben und weinte bitterlich. Die Zeitwächterin hatte zwar einen Arm um ihre Schulter gelegt, schien allerdings nichts sagen zu wollen, um Azuras Flut an Tränen zu lindern. Es war Ilang, die auf das Mädchen zu ging und ihr über den Kopf streichelte. Grey blieb bei Green.
"Wo ist Tinami?" Auf Greens Frage hin machte Grey einen Wink zur Seite. Die Hikari war so von ihren Mitwächtern abgelenkt gewesen, dass sie keinen Blick an die Wand verschwendet hatte. Jetzt erst bemerkte sie, dass die rechte Seite aus Glas bestand. Allerdings stand Green in einem verkehrten Winkel zum Fenster - sie konnte nicht reingucken. Daher ging sie einige Schritte vorwärts und schaute dann durch das Glas.
Tinami lag mit geschlossenen Augen auf einer bettähnlichen Plattform, in etwa einem Meter Höhe, ihre eisblauen Haare lagen hinter ihr ausgebreitet und ihre Haut wirkte merklich bleich - konnte aber auch an der merkwürdigen Substanz liegen, die sie, wie ein Schutzschild, umgab. Man könnte meinen sie würde in dieser hellblauen Seifenblase nur schlafen, wäre Green nicht auf dem ersten Blick ihr Arm - oder eher das, was davon übrig geblieben war, ins Auge gestochen. Der Arm bestand nur noch aus einem langen kahlen Knochen... sogar Teile des linken Oberkörpers lag ohne Haut und Fleisch vor ihr. Gut 10% von Tinamis Körper waren...skelettiert?!
"Was... was ist da passiert?", fragte Green in die Luft hinaus.
"Das kann ich Euch erklären, Hikari-sama." Kam es prompt als Antwort, von einer Stimme, die sie nicht erwartet hatte zu hören. Sie wandte sich herum und sah in Aores' ernstes Gesicht. Er wurde gefolgt von einer Tempelwächterin, die scheinbar seine Unterlagen trug. Beide Wächter verbeugten sich vor Green und sie bemerkte, dass Kaira und Azura sich hinter ihr aus deren Starre lösten.
"Wurde ja auch Zeit!", war das Erste was Green heute von Kaira hörte. Grey schien im Gegensatz eher genervt von Aores' plötzlicher Anwesenheit und es war Ryô der ihn beruhigte.
"Verzeiht mir, Toki-sama, aber wahre Fakten benötigen eine gründliche Untersuchung und jetzt sind immerhin auch alle anwesend." Er sah zu Green, die merkwürdigerweise zusammen zuckte. Sie hatte ihre Hand noch auf dem Glas, welches sie von Tinami trennte und sah immer wieder zu ihrem starren Körper zurück. Daher bemerkte sie auch nicht, dass Aores die Hand hinter sich ausstreckte und ohne Bitten, sondern nur mit einer ungeduldigen Handbewegung, die Unterlagen von seiner Tempelwächterin verlangte. Er überflog sie kurz und sah dann zu Azura, die immer noch in Tränen aufgelöst war.
"Sie sollten sich lieber setzen, Mizu-sama. Ich bringe keine guten Neuigkeiten", sagte er ohne den geringsten Funken Mitleid. Azura hickste kläglich, setzte sich dann aber doch hin. Green schritt zu Grey, da sie den Anblick Tinamis nicht länger ertrug. Ihr Bruder funkelte Aores finster an - scheinbar gefiel ihm seine harte Art zu arbeiten nicht.
"Kikou-sama wurde von einem Virus angegriffen und infiziert welches sich "Ogssismutare" nennt. Es ist hochgradig ansteckend - eine Berührung genügt und es überträgt sich auf den nächsten Wächter. Es stammt direkt aus Henel." Green öffnete den Mund um zu fragen, doch Grey hatte ihre Verwunderung bemerkt und flüsterte es ihr leise ins Ohr:
""Henel" ist ein alter Ausdruck für das Wort "Hölle". Viele alte Wächter benutzen diesen Ausdruck statt "Dämonenwelt." Die Hikari nickte verstehend und folgte dann dem eigentlichen Gespräch:
"... Ogssismutare hat bereits viele Dämonen für uns eliminiert, doch im letzten Jahrhundert haben sie es besiegt." Kaira wurde ungeduldig, scheinbar hatte sie kein Interesse an den geschichtlichen Hintergrund. Doch Aores ließ sich von ihren wütenden Blicken nicht aus der Ruhe bringen.
"Sie haben es nicht nur besiegt, sondern auch manipuliert, in dem Sinne, dass sie es seit geringer Zeit als Akurice gebrauchen um ihre wichtigen Daten zu schützen. Der springende Punkt ist, dass die Dämonen es geschafft haben, den "Geschmack" des Virus von Dämonenzellen auf Wächterzellen zu manipulieren. Es zersetzt alles des Wächterkörpers, außer dem Knochenmark. Kikou-sama hatte großes Glück, dass sie so schnell gefunden worden ist und die Prozedur des Virus' unterbrochen worden ist, ehe ein lebenswichtiges Organ angriffen worden ist. Den Arm werden wir amputieren und der Rest wird sich regenerieren, da sehe ich kein Problem." Kaira knirschte mit den Zähnen und brachte nur mit Mühe hervor:
"Was ist dann das Problem?!" Er sah sie nun direkt an.
"Das Problem, Toki-sama, ist, dass wir kein Heilmittel besitzen." Nun mischte sich auch Ilang ein:
"Heilmittel? Sagten Sie nicht gerade sie hätten die Prozedur unterbrochen und dass der Arm und auch der Rest heilen würde?" Er nickte.
"Ich werde es mit verständlichen Worten erklären: Man könnte sagen, dass das Virus schläft. Dass Kikou-sama nicht bei Bewusstsein ist, ist eine Schutzfunktion des Körpers - wenn sie aufwachen würde, würde das Virus ebenfalls wieder erwachen und da wieder anfangen, wo es aufgehört hat. Die Prozedur des Virus kann nur solange gestoppt werden, wie auch Kikou-samas Körperfunktionen auf dem absoluten Nullpunkt sind. Kikou-sama wird also so lange im Koma liegen, bis Ogssismutare vollständig besiegt ist. Und um dies zu vollbringen, benötigen wir ein Heilmittel - welches wir nicht besitzen."
"Warum besitzt ihr es nicht?!", entfuhr es Kaira. Die Zeitwächterin hatte ihre Hände zu Fäusten geballt und es war deutlich, dass sie ihm bei einem verkehrten Wort an die Gurgel springen würde.
"Weil wir nun einmal keine Wunderheiler sind, Toki-sama." Grey hielt Kaira bei dieser Antwort zurück und es war Green die ihre Stimme erhob. Sie hoffte, dass sie als "Hikari-sama" ein wenig mehr Einfluss auf ihn ausüben konnte und ihn dazu bringen konnte ein wenig vorsichtiger zu reden, ansonsten würde Kaira wirklich noch gewalttätig werden.
"Sie sagten doch, dass die Dämonen es besiegt haben. Es gibt also eine Möglichkeit." Aores drehte sich zu ihr herum und lächelte sie beinahe schon spöttisch an.
"Eine andere Antwort war von Euch ja auch nicht zu erwarten, Hikari-sama - oder wäre "Yogosu" nicht vielleicht passender?" Jetzt war es Grey der zurück gehalten werden musste. Doch Green hatte nicht im Sinne auf seine Provokation einzugehen. Aores war auch noch nicht fertig.
"Was habt ihr Euch denn vorgestellt? Wollt ihr, dass wir uns mit den Dämonen sympathisieren und sie höflich nach dem Gegenmittel fragen? Euer Freundeskreis mag vielleicht aus solchen Wesen bestehen, aber nur weil Ihr unser Oberhaupt seid, bedeutet das nicht, dass wir uns ein Beispiel an Euer Vergehen nehmen!" Das war der Punkt wo er zu weit gegangen war. Nicht nur Greys Wut war am überkochen, sondern von allen. Ilang, die ihren Geliebten am Arm festhielt, hielt ihn eigentlich nicht mehr zurück, sondern sah genauso wütend aus - ja sogar Ryô sah verstimmt aus. Keine von Greens Wächtern schien sich noch irgendwie zurück halten zu wollen, oder den Willen zu haben, einen der anderen aufhalten zu wollen - Aores war zu weit gegangen. Wäre es Green nicht selbst gewesen, die das Wort zuerst erhoben hätte, wäre diese Diskussion wohl zu einem offenen Streit ausgebrochen. Im Gegensatz zu ihren Freunden und Familienangehörigen sagte sie eher ruhig:
"Es ist mir egal wessen Hilfe ich annehmen muss. Solange ich Hikari bin, lasse ich keinen meiner Wächter und Freunde sterben!"
Die Wut verrauchte augenblicklich und zurückblieb Bewunderung. Alle Anwesenden starrten Green an, die einen mehr, die anderen weniger. Sogar Kaira musste sich eingestehen, dass sie Green das nicht zugetraut hatte... sie musste sich eingestehen, dass sie ihre Hikari falsch eingeschätzt hatte. Eigentlich wollte sie das nicht - Bewunderung und fast schon Sympathie für Green empfinden. Seitdem ihr klar geworden war, dass Tinami nur ihretwegen im Koma lag, hatte sie einen Groll gegen sie gehegt - was musste eine Hikari sich auch solche Freunde anschaffen und damit ihre Wächter in Gefahr bringen! Warum war sie nicht wie alle anderen Hikari? Warum machte sie ihrem Gefolge so große und unnormale Schwierigkeiten? Und warum taten auch noch alle was sie konnten für das Wohl von so einer dahergelaufenen und naseweißen Hikari? Jetzt wusste Kaira es: Weil Green einfach etwas Besonderes war... und plötzlich war sie froh darüber, dass sie nicht wie ihre Vorfahren war. Jeder normale Wächter hätte Tinami sterben lassen - Das Risiko um das Gegengift zu besorgen war einfach zu groß. Aber Green war nicht wie die anderen, sie würde es nicht zulassen, dass Tinami starb. Ohne dass es dafür einen Beweis gab, spürte Kaira wie die Hoffnung sich in ihr breit machte und ein Blick zu Azura genügte, dass sie das gleiche spürte.
Aores lächelte unbemerkt.
"Dann lege ich das Wohlergehen Eurer Klimawächterin in eure Hände. Bitte entschuldigt mich." Mit diesen Worten ließ er die Gruppe Wächter hinter sich und verschwand mit seiner Tempelwächterin im Wirrwarr der Korridore.
Während Aores auf dem Weg zu seinem Büro war, herrschte er seine Begleiterin öfters an, sie möge sich beeilen, doch diese ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Ohne eine Miene zu verziehen öffnete sie ihm die Tür zu seinem Büro. Als er eingetreten war, schloss die Tempelwächterin die Tür leise wieder hinter sich und lehnte sich an dieser. Aores entledigte sich seines Umhangs, den er über den Stuhl schmiss.
Ohne, dass die Tempelwächterin gefragt wurde, äußerte sie sich lächelnd:
"Ich mag Hikari-sama. Ich glaube aus ihr kann noch eine gute Hikari werden." Er deutete ein Nicken an.
"Meine Meinung."
"Ich weiß, Aores-sama." Nun drehte der Arzt sich um und sah wie seine Tempelwächterin ihn ein wenig angrinste.
"Du willst mich ärgern, oder Cecilie?" Ihr Grinsen wich einem unschuldigen Lächeln, als Cecilie mit den Schultern zuckte. Bei näheren betrachten war diese Tempelwächterin sogar recht anschaulich, ja fast konnte man sie schon hübsch nennen. Sie hatte lange blonde Haare, die glatt an ihrem Rücken herabfielen, wie ein goldener Wasserfall und ihre klaren Augen hatten die gleiche Farbe, die sich kaum aus ihrem perlweißen Gesicht abhoben. Obwohl man schon leichte Anzeichen des Alters erkennen konnte und ihre tägliche harte Arbeit ihr ins Gesicht geschrieben stand, hatte sie dennoch ein recht kindliches und unschuldiges Erscheinungsbild.
"Hier hört uns niemand. Du kannst mich also bei guten Gewissen mit meinem Vornamen anreden. Seid mehr als zwanzig Jahren sag ich dir das jetzt schon." Cecilie zeigte keine Reue.
"Es macht mir aber Spaß dich zu ärgern."
"Ist das ein Rachefeldzug?"
"Vielleicht?" Er seufzte erschöpft und streckte dann die Hand nach ihr aus, um ihr zu verdeutlichen, dass sie zu ihm kommen sollte. Dieser Bitte ging die Tempelwächterin gerne nach und gesellte sich zu ihm.
"War ich heute wieder zu hart zu dir?"
"Nein, Aores. Nicht zu mir, aber unsere Hikari-sama hast du vielleicht ein wenig zu hart angepackt." Aores lachte.
"Ja, da magst du Recht haben! Hast du deren Blicke gesehen? Sie sind wirklich loyal - zum Glück. Jetzt weiß ich, dass ich mir darum wenigstens keine Sorgen mehr machen muss. Eine Hikari ohne treue Elementarwächter ist nichts wert." Sie sah ihn an.
"Manchmal sind deine Techniken um andere zu prüfen ein wenig zu kritisch. Du machst dich damit nicht gerade beliebt..." Beide sahen sich an.
"Sag mir nicht, Cecilie, dass du wieder schlechtes Gewissen hast?" Sie deutete ein Nicken an und er seufzte.
"Es ist nicht deine Schuld."
"Doch ist es, Aores. Wenn du dich nicht in eine niedere Tempelwächterin verliebt hättest, müsstest du nicht für die Öffentlichkeit dieses Spiel spielen."
"Nenn dich selbst nicht "nieder". Es war und ist meine Entscheidung und meine Rolle spiele ich doch gut? Niemand würde auf die Idee kommen, dass der ach so böse Oberarzt, der alle Tempelwächter nur hin und her scheucht, eben so einer Wächterin sein Herz geschenkt hat." Aores lächelte sie an, was sie dazu brachte ebenfalls zu lächeln, mit einem leichten Rotschimmer, als wäre sie statt 46 16. Sie nahm ihr Barett vom Kopf, beugte sich vor und küsste den Wächter, mit dem sie seit 20 Jahren verheiratet war.


Nachdem Green das Krankenhaus ohne konkretes Ergebnis verlassen hatte, war sie wieder nach Tokyo zurückgekehrt. Sie musste mit Siberu und Gary sprechen. Die beiden könnten das Gegengift garantiert besorgen. Das hatte sie Kaira und Azura versichert - warum sollten sie auch nicht? Gary hatte ihr vor geraumer Zeit mal sein Arsenal an Gegengiften gezeigt; er war für jede noch so kleine Krankheit vorbereitet. Vielleicht besaß er sogar das Gegengift. Das wäre natürlich das Beste, dann musste Tinami nicht unnötig leiden... Obwohl Green nicht wusste, ob sie in ihrem Zustand überhaupt etwas mitbekam. Dennoch: Umso schneller desto besser!
Ohne in ihre eigene Wohnung zurückzukehren, klopfte sie bereits an ihre Nachbartür. Keine Antwort. Green sah auf ihre Uhr. Gut, es war auch gerade mal knapp nach sechs Uhr morgens und da heute Sonntag war, schliefen sie vielleicht noch. Aber eigentlich müssten sie es dennoch hören...
Mit mulmigem Gefühl fiel Green ein, dass sie eigentlich mit beiden auf dem... naja man konnte nicht Kriegsfuß sagen, weil gestritten hatten sie sich ja eigentlich nicht. Sie war mit beiden in einer merkwürdigen Situation - das war die passende Beschreibung. Aber dennoch würden sie ihr doch aufmachen? Wenn nicht, war Green schwer enttäuscht von deren Freundschaft!
Die Hikari kramte ihren Schlüssel hervor und steckte ihn kurzerhand ins Schloss. Vorsichtig öffnete sie die Tür und sagte:
"Sibi? Gary? Tut mir Leid, wenn ich euch wecke..." Sofort sah sie, dass etwas nicht stimmte, das etwa sich verändert hatte. Sie konnte nicht beschreiben was es war, aber sie spürte es, kaum, dass sie die Türschwelle überschritten hatte. Mit langsamen Schritten ging sie in die Stube und sah sich mit immer schneller werdenden Herzen um.
"Sibi, Gary?", fragte sie noch einmal, diesmal zitterte ihre Stimme jedoch schon. Es war niemand da, der ihr hätte antworten können.
Die Wohnung war verlassen. Mehr als das.
Die Wohnung hatte nichts Persönliches mehr.
Das mittlere Chaos, welches Siberu immer in der Stube verbreitet hatte war verschwunden.
Die Bücher, die normal unter dem Couchtisch lagen, waren weg.
Mit schweren Füßen ging Green in das Zimmer welches ihr als nächstes lag, Siberus.
Seine Ausrüstung, die er für sein Hobby brauchte, hing nicht mehr an der Wand.
Das einzige Buch in seinem Zimmer war ebenfalls weg.
In Garys Zimmer waren die Bücherregale leer.
Die Photos waren weg.

Ihre Hand, welche an der nun kahlen Wand lag, rutschte langsam hinunter, während ihre blauen Augen auf den Punkt starrten wo vorher die eingerahmten Bilder gestanden hatten. Greens Knie gaben nach, knickten langsam zusammen, als die Wahrheit sich über ihr entlud und sie unter sich beerdigte.

Siberu und Gary waren nicht mehr da.

Und Green wusste, es war endgültig.

Zwei Stunden später stand Green vor dem Fenster in ihrem Tempelzimmer. Sie hatte es in ihren eigenen vier Wänden nicht ausgehalten. Ihre Wohnung glich der von Siberu und Gary einfach zu sehr. Sie krallte sich an ihren Oberarmen und hielt tapfer den Tränen stand.
Weg. Sie sind weg. Weg!
Silence stand etwas weiter von ihr entfernt und lauschte Greens Gedanken, die nur diesen einen Dreh und Angelpunkt hatten. Sie wusste nicht wie oft sie das Wort "weg" in den letzten beiden Stunden schon gehört hatte, sicherlich öfter als in ihrem gesamten Leben zusammen.
Sie hätten mir doch eine Nachricht hinterlassen können...
Einen Abschiedsbrief oder sonst was!
Sie hätten sich persönlich von mir verabschieden können!
Oder vielleicht wurden sie zur Abreiße gezwungen...
Nein, Green, denk logisch. Es sah nicht nach Zwang aus. Sie haben die Zeit genutzt in der ich weg war... oder waren sie vorher schon weg? Ich hätte auf die Auren achten sollen...
Aber warum? Warum so plötzlich? Ist es... wegen dem von gestern?

"Silence, darf ich dich was fragen?", ertönte Greens Stimme plötzlich und die Yami erschrak schon fast, ihre Stimme plötzlich im Raum zu hören, anstatt in ihrem Kopf.
"Was ist denn?" Die Hikari wandte sich nicht zu ihr herum. Silence bemerkte, dass ihre Finger unruhig auf ihrem Oberarm auf und ab rutschten.
"Wenn Tao offensichtlich vor dir Angst haben würde... wie würdest du reagieren?" Silence sah lange auf Greens unruhige Finger während sie über die Antwort nachdachte... obwohl die Antwort sofort klar vor ihr gestanden hatte.
"Zwei Dinge. Zum ersten würde ich es nicht ertragen können, wenn die Person die ich liebe, Angst vor mir hätte. Zum zweiten, würde ich dann dementsprechend handeln. Wenn Tao vor meiner dämonischen Abstammung angst gehabt hätte und ich wüsste, dass ich eine Gefahr für ihn da stelle... Ich hätte Abstand genommen." Green holte rasselnd Luft und Silence wusste, dass sie ihre Gedanken bestätigt hatte.
Es wahrte lange, doch Green drehte sich plötzlich um und verschwunden war die Trauer. Entschlossen sah sie Silence ins Gesicht.
"Ich muss in die Dämonenwelt!"


Und so kam es, dass Green vor Grey saß und förmlich darum bettelte. Ihr Bruder war weder angetan von der Idee, noch von der Situation allgemein. Green sah ihrem Bruder an, dass er jegliche Kommentare über deren Verschwinden zurückhalten musste. Er hatte gerade begonnen den beiden ein wenig Sympathie entgegen zu bringen - auf jeden Fall Gary und nun enttäuschte er ihn! Grey brauchte das nicht laut zu sagen, es stand förmlich in sein Gesicht geschrieben. Obendrein hatte er natürlich auch gehofft Siberu und Gary könnten problemlos an das Gegengift herankommen. Tinamis Rettung war plötzlich in weite Ferne gerückt.
Da Grey keine Kooperation zeigte, verkroch Green sich in die Bibliothek. Doch anstatt zu lesen, diskutierte sie eher heftig mit Silence.
"Das kann doch nicht so schwer sein in diese verfluchte Welt zu gelangen! Der vierte Elementarkrieg wurde doch hauptsächlich dort geführt!"
"Es war der Dritte."
"Wenn diese ganzen Wächter dahin gekommen sind, kann ich das jawohl auch!"
"Green, so hör mir doch mal zu! Zu Zeiten des dritten Elementarkrieges gab es keinen BANNKREIS, der die TORE VERSCHLIESST und das durschreiten UNMÖGLICH macht!"
"Sibi und Gary kommen und gehen jawohl wie sie wollen?! Und andere auch!?"
"Ja, weil sie Halbdämonen sind! Nur Halbdämonen sind in der Lage die Grenze zu überschreiten, warum auch immer."
"Und du?!"
"Ich BIN eine Halbdämonin, falls du es vergessen hast."
"Inceres ist wohl alles andere als ein Dämon."
"Inceres ist... Inceres." Green blätterte wild in dem Buch vor ihrer Nase herum und jeder Bücherwurm hätte wohl einen Nervenzusammenbruch erlitten, wenn er diese ruppige Art gesehen hätte. Während sie die Seiten förmlich zerriss sagte sie:
"Dieser Bannkreis. Grey hat mir das mal erklärt. Wie war das noch? Der Schlüssel... das Tor von unserer Seite aus... du weißt was ich meine, Silence?" Die Yami nickte.
"Der Geheimgang ist doch hier irgendwo, oder? Der fängt doch hier in der Bibliothek an?" Silence zeigte auf die Engelsstatue des Brunnens.
"Ich meine da irgendwo war der Schalter. Aber wir können das auch einfacher machen."


Wie schön war es doch eine Expertin der verbotenen Künste als Freundin nennen zu dürfen. Da das Teleportieren innerhalb des Tempels dank verschiedener Zauber nicht möglich war, waren normale Wächter gezwungen den anstrengenden Geheimgang zu benutzen wenn sie zum Bannkreis, der die beiden Welten von einander trennte, wollten. Silence hatte Green und sich selbst einfach substanzlos gemacht und sie durch Boden, Wänden und Wasser geführt, ohne dass sie davon hätten aufgehalten werden könnten. Nachdem Green mit ihrem Glöckchen den Durchgang geöffnet hatte, standen sie nun auf dem Bannkreis, wenige Meter vor den Kugeln wo Whites und Nocturns Mächte dafür sorgten, dass die Grenzen verschlossen waren. Das Licht der Sonne flutete auf die steinernen Gesichter der Wächtergottheiten und das Plätschern der kleinen Kanäle erfüllte den heiligen Ort mit zaghaften Leben. Mit einem mulmigen Gefühl hatte Green bemerkt, dass zirka in der Mitte des Kreises dunkle Flecken zu erkennen waren. Da Green ein wenig von den Umständen wusste, war ihr klar, dass es altes Blut sein musste, das von ihrer Mutter und Nocturns. Welch schöner Gedanke.
Silence schien das nicht zu stören; sie sah die Gottheiten mit Vorwurf in den Augen an, als würde sie sie am liebsten auf der Stelle anschreien wollen. Green stattdessen starrte auf die weiße Kugel, als würde sie sie mit ihren Blick zum bersten bringen wollen.
Dennoch fiel Silence auf, dass Greens Haltung verunsichert war und schnell wusste sie auch warum: Green hatte einen übergroßen Abstand zur schwarzen Kugel genommen und nach dem Anstarren von Whites Kugel, linste sie immer mal wieder zur Schwarzen, als würde die Kugel sie plötzlich angreifen.
Silence konnte nicht drum herum neckisch zu grinsen.
"Ah, hat Hikari-sama etwa Aaangst?"
"Natürlich habe ich das! Wer hätte nicht Angst vor seinen wahnsinnigen Dämon..." Trotz ihrer ehrlichen Antwort wurde sie rot vor Scharm. Das verleitete Silence sie weiterhin zu necken.
"Nocturn ist seit mehr als 17 Jahren tot und du hast Angst vor seiner versiegelten Macht?" Die Hikari nahm das Gesprächsthema aber scheinbar ernster als sie.
"Ich bin nun einmal nicht White: nicht die leiseste Chance hätte ich gegen ihn. Ich wäre ihm hoffnungslos ausgeliefert... und..." Green dachte an einen Traum zurück, der so lange zurück lag und an den sie sich trotzdem noch erinnern konnte. Es war wahrscheinlich ein Traum den sie niemals vergessen würde; ihr schlimmster Alptraum. Ihre erste "Auseinandersetzung" mit Nocturn. Obwohl er nicht "echt" war, sondern nur ein von ihren Ängsten erfundener Alptraum, hatte sie seit dem Angst vor ihm. In ihrem Traum hatte er sie gegen Siberu und Gary aufgehetzt... er hatte ihren Körper kontrolliert und mit Greens Hand ihre besten Freunde umgebracht. Einen schlimmeren Alptraum konnte sie sich nicht vorstellen.
"... Diese Fähigkeit die er hatte." Sie sah von der Seite aus zu der schwarzen Kugel und ihre Augen verwirrten sich in die Dunkelheit dieser, die nur gelegentlich nicht undurchdringbar war.
"Ich kann mir nichts Grauenhafteres vorstellen." Silence schwieg, da sie spürte, dass Witzeleien nicht angebracht waren.
"Aber nicht nur vor Nocturn habe ich Angst. Auch vor den anderen Dämonen, wie Ri-Il. Ich bin eine Hikari; ich darf nicht schwach sein! Ich muss stark sein - aber ich bin es nicht. Bis jetzt habe ich zwar überlebt und mich ganz gut geschlagen, aber was kann ich schon! Im Grunde genommen bin ich total hilflos. Als Ri-Il aufgetaucht ist, konnte ich nicht einmal mehr richtig atmen! Wie soll ich da eine Rase beschützen können… wie soll ich anderen Mut schenken, wenn ich selbst vor Angst am liebsten in die Knie gehen würde? Wenn ein Krieg in meiner Lebenszeit ausbrechen würde, wüsste ich nicht was ich machen sollte." Green fing plötzlich an zu lachen. Ironisch und ohne jegliche Gefühle, lachte sie über ihre eigene Hilflosigkeit.
"Und jetzt sind Sibi und Gary weg... und plötzlich habe ich das Gefühl alles würde über meinen Kopf zusammenstürzen und mich begraben. Das ist der beste Beweis dafür, dass ich nicht fähig bin alleine zu sein. Du hast damals vollkommen recht gehabt, Silence, als du genau das gesagt hast! Alleine bin ich nichts. Ohne die beiden fühle ich mich so... inkomplett. Es ist als würden mir meine Füße fehlen und ohne sie, kann ich nicht aufrecht stehen. Aber warum? Seit wann bin ich so schwach? Als Kind war ich doch auch alleine. Ich habe mich doch immer alleine durchgekämpft. Ich bin von Deutschland nach Japan gekommen und habe mir eine eigene Existenz aufgebaut..." Green geriet plötzlich ins stocken und die ersten Tränen zeigten sich auf ihrer Haut.
"Nein... das stimmt nicht. Gary war immer irgendwie da. Zwar anders als jetzt, aber doch da... Er brachte mich damals dazu bei Sho auszuziehen und selbstständig zu werden. Mit seinen Sticheleien war er es, der dafür sorgte, dass ich gut wurde in Sport... und er brachte mich dazu meine Zöpfe abzuschneiden. Ich weinte nicht mehr in der Öffentlichkeit. Ich tat das alles... weil ich ihm beweisen wollte, dass ich es konnte, dass ich niemanden brauchte. Aber in Wahrheit... habe ich ihn gebraucht!" Silence sah zu wie die Hikari auf die Knie ging und ihr Gesicht in ihren Händen vergrub.
"Und jetzt lassen sie mich alle beide alleine. Jetzt wo ich sie am dringendsten brauche! Sie lassen mich alleine und ich gehe hoffnungslos unter... was soll ich machen, wenn ich sie nie wieder sehe? Was?"
Silence gab ihr die Zeit die sie brauchte um mit den Trauer und der Verzweiflung fertig zu werden. Green war bereits den ganzen Tag über den Tränen nahe gewesen, es war nachvollziehbar, dass jetzt alles über sie zusammenbrach. Immerhin hatte sie von einem Moment auf den anderen das verloren was ihr Leben ausgemacht hatte.
Erst nach verstrichenen Minuten kniete sich Silence zu ihr herunter und sagte mit mildem Tonfall:
"Sie haben dich gewiss nicht verlassen um dich in Verzweiflung zu stürzen. Sie wollten dich beschützen, so wie sie es immer getan haben." Das Beben von Greens Schultern ließ ein wenig nach und sie löste ihre Hände von ihrem Gesicht um zu Silence zu sehen.
"Du vertraust ihnen doch. Dann vertrau auch jetzt auf deren Entschluss und darauf, dass Gary dich wirklich liebt. Wolltest du nicht in die Dämonenwelt, um ihn genau das zu sagen? Wolltest du nicht in die Dämonenwelt um ihm zu beweisen, dass du keine Angst vor ihn hast? Und... wolltest du ihm nicht sagen, dass du ihn liebst?" Silence' Worte zeigten Wirkung. Langsam verebbte das Beben und sie konnte förmlich sehen, wie die Tränen aufhörten zu fließen. Als die Hikari aufstand, wischte sie sich die Tränen weg und sagte leise:
"Es tut mir Leid, dass ich dich so voll jammere."
"Ach was, das bin ich gewohnt." Aus den Augenwinkeln sah Silence das Grinsen ihres Mediums. Doch das was Green sagte, überraschte Silence:
"Ich bin so egoistisch." Die Yami antwortete nicht, da Green sofort ausführte:
"Ich denke nur an mich, obwohl es Sibi und Gary sicherlich nicht gut geht. Ich habe Gary im Unklaren gelassen… und jetzt denkt er auch noch, dass ich Angst vor seiner dämonischen Seite habe. Vielleicht habe ich das auch. Aber ich… ich muss diese Angst überwinden." Green ballte ihre Hand zu einer Faust und ihre Stimme hallte nun fest und mutig durch den heiligen Raum:
"Und deshalb werde ich in die Dämonenwelt gehen. All die Kämpfe die wir bis jetzt bestritten haben, sollen nicht umsonst gewesen sein. Ich werde den beiden beweisen, dass ich auch diesen Kampf beschreiten kann, den Kampf gegen meine eigene Angst - und das ich siegreich sein werde!"


Tief in Gedanken versunken ging Green durch die Gänge des Tempels. Silence schwebte neben ihr, las zwar in ihren Gedanken, doch hielt sich raus. Wieder dachte sie an die Möglichkeit mit den Hikari zu sprechen, der sie seinen Liebling nannte: Inceres. Aber bei ihm hatte sie eher das Gefühl auf Granit zu beißen. Er würde ihr nicht helfen in die Hölle zu gelangen - er würde ihr den Hals umdrehen, wenn er davon erfuhr.
"Wenn man vom Teufel spricht" , hörte Green plötzlich in ihren Gedanken Silence sagen und auch sie bemerkte es. Die Mittagssonne warf drei Schatten zu fiel.
Silence Gesichtszüge gefroren zu Eis, während Green ironisch lächelte.
"Na, bist du hier um mich zu richten..." Sie drehte sich um und sah das wohl mächtigste Kind, flankiert von Ecui und Acui vor sich stehen.
"Inceres?"