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Episode 14
  Episode 14: Meister und Untergebener
Japan Oktober1989

Schon nach dem zweiten Mal Einkaufen zusammen mit Miyako wusste Black, dass er es nicht mochte. Viel zu viele Menschen. Viel zu viel Radau. So ein Einkaufszentrum war schlimmer als jedes Schlachtfeld! Er bekam nicht nur Kopfschmerzen davon, sondern wurde auch wütend von dem Gedrängel, dem Rumgeschubse und besonders die gespielt freundlichen Stimmen der Verkäufer, brachten ihm zur Weißglut und wohlwissend blieb er daher beim dritten Mal im Auto, welches einige Etagen unter Miyako und den anderen Menschen geparkt war. Zu hoch war das Risiko, dass Black der Geduldsfaden riss und er plötzlich jemanden das Genick gebrochen hatte und er wusste, dass dies nur für unangenehme Nebeneffekte führen würde, welche er momentan nicht wünschte. Er redete sich einfach ein, dass er seine aufgestaute Wut und Frustration aufsparen würde für das Schlachtfeld. Ein paar tote Wächter würden ihm und seine Nerven gut tun.
Vor lauter Vorfreude ballte Black die Faust, so dass die Fingerknochen ein knackendes Geräusch von sich gaben, welches er jedoch nicht hörte, denn im gleichen Moment, würde er von einem anderen Geräusch abgelenkt: jemand klopfte an der Fensterscheibe des Beifahrersitzes, wo Black saß. Umgehend und leicht erschrocken wirbelte Black herum und sah jemanden, der sich am Fenster herunter beugte. Jemand, der seine Augen hinter einer Sonnenbrille verbarg und welcher Black erst erkannte, als dieser die Sonnenbrille nach oben schob, wodurch grelle gelbe Augen zum Vorschein kamen.
„Hab ich’s doch gewusst! Dich würde ich doch wirklich überall wieder erkennen!“, sagte der Dämon als Begrüßung auf dämonisch und lachte erfreut, als Black mit fragendem Blick aus dem Auto stieg und seinen gegenüber erst einmal mustern musste, weil er sich im ersten Moment nicht daran erinnern konnte, wer der Dämon vor ihm war: er hatte kurze, strubblige rote Haare und verbarg seine Uniform unter einem langen schwarzen Mantel, worin er sofort seine Hände vergrub, nachdem er Black beiläufig begrüßt hatte, welcher ihn zwar wiedererkannte, sich aber nicht an seinen Namen erinnern konnte. Black wusste, dass er zu Ri-Ils Horde gehörte und dass es seine Aufgabe war, Ri-Ils weibliche Ware mit Bekleidung aus der Menschenwelt zu versorgen, obwohl er selbst nicht besonders modebewusst wirkte. Er und Black hatten sich daher öfters in der Menschenwelt getroffen.
„Was treibt dich denn hierher? Musst du mal wieder für deinen Fürsten einkaufen?“, fragte Black und bemerkte dabei, dass er interessierter klang als er selbst gedacht hatte. Aber war das verwerflich? Er hatte seit fünf Monaten nichts mehr aus seiner Heimat gehört, und war doch ein wenig froh darüber endlich mal wieder einem Dämon über den Weg zu laufen und seine Muttersprache in Gebrauch nehmen zu dürfen.
Der Angesprochene hob verwundert die Augenbraue und antwortete:
„Ich wünschte es wäre so, aber ne! Ich schlage mir die Zeit tot. Ich hatte leider Pech und war auf der falschen Seite. Also was bleibt uns denn anders übrig als die Zeit mit sinnlosem Zeug zu vertreiben!? Ich zu meinem Teil habe keine Lust, Menschen umzubringen, das ist weit unter meinem Niveau. Also hoffe ich, dass mir ein wenig Glück zu Teil kommt und ich zufällig einen Wächterarsch treffe!“ Jetzt war es Black der verwundert dreinsah und er antwortete:
„Wovon zur Hölle redest du? Wenn du einen Wächter umbringen willst, warum gehst du nicht aufs Schlachtfeld, da laufen doch genug herum.“ Die Augen des Angesprochenen verengten sich skeptisch, als würde er sich fragen ob Black den Verstand verloren hatte. Er musste scheinbar intensiv darüber nachdenken was er antworten sollte, denn seine Antwort ließ auf sich warten:
„Weißt du es denn gar nicht? Mann, in welchem Loch hast du dich denn verkrochen, dass du das nicht mitbekommen hast? Verdammt noch mal, Black! Der Krieg ist zu Ende und wir haben verdammt noch mal verschissen!“ Geschockt starrte Black sein Gegenüber an und entsetzt sagte er:
„Wie bitte?! Aber das kann doch nicht… was ist mit Nocturn-sama!? Der Krieg kann doch nicht vorbei sein, dass hätte mein Meister doch nicht zugelassen! Der Krieg kann unmöglich vorbei sein, solange er-“ Black wurde in seinem Wortschwall unterbrochen:
„Tja, Nocturn ist aber abgekratzt.“ Black öffnete noch einmal den Mund um zu widersprechen, dass dies absolut nicht sein konnte, als seine Proteste in sich zusammen fielen, denn ihm wurde bewusst, dass sein Gesprächspartner die Wahrheit sagte. Das erklärte so einiges: der Grund weshalb er solange nichts mehr von seinem Meister gehört hatte und ebenfalls warum er Blacks Auftrag den „letzten Auftrag“ genannt hatte: Nocturn hatte gewusst, dass sie sich nicht wiedersehen würden?!
Obwohl es alles plausibel klang und Black eigentlich hätte darauf vorbereitet sein müssen, musste er sich am Auto festhalten, denn diese Wahrheit traf ihn wie ein Blitz. Er hätte es nicht für möglich gehalten, dass Nocturn irgendwann würde sterben können. Für Black war er immer unsterblich gewesen… und jetzt sollte er tot sein? Einfach…weg?
„Wie… wie ist das passiert? Welcher Wächter hat ihn umgebracht?“
„Wir wissen kaum was, es gibt tausend Gerüchte, aber nichts Konkretes. Fakt ist, dass die Wächter einen Bannkreis erschaffen haben, der uns daran hindert Nachhause zurückzukehren und dass man unsere Welt auch nicht mehr verlassen kann. Alle unsere Artgenossen sind eingesperrt! Ich hab also keine Ahnung! Wir, die zum Zeitpunkt des Erstehens des Bannkreises in der Menschenwelt waren, können nicht mehr zurück und sind dazu verdammt hier ein verdammt langweiliges Dasein zu fristen-“ Diesmal war er es, der unterbrochen wurde:
„Welche Gerüchte sind das?!“ Ungläubig starrte der Angesprochene sein Gegenüber an und entgegnete:
„Du interessierst dich mehr für einen toten Dämon, als dafür, dass du nicht mehr zurückkannst?! Alter, bist du völlig bekloppt?!“ Ohne, dass Black es kontrollieren konnte, schnellte seine Hand hervor und er packte den dünnen Hals des Dämons, welcher nicht schnell genug reagierte um auszuweichen.
„Raus mit der Sprache!“, zischte Black drohend, während er seinen Griff festigte, ohne darauf zu achten, dass er so herzlich wenig preisgeben konnte.
„… Ja, ja! … Ich erzähl’s dir ja… Musst nicht gleich…“ Black ließ ihn los und er japste nach Luft ehe er seinen Satz beendete:
„… handgreiflich werden, verdammt noch mal! Hab ich gesagt, dass ich es nicht sagen will, oder was?!“
„Sorry“, antwortete Black säuerlich und sicherlich nicht ernst gemeint und fuhr aus:
„Bin leicht genervt.“
„Ach ne, auf diese Idee wäre ich nie gekommen!“, entgegnete er, während er seinen Hals massierte, offenbar lag nicht viel hinter seinem angeberischen Getue, aber er war ja auch nur ein Einkäufer und konnte nicht mit den Fähigkeiten Blacks mithalten, der mehrere Jahre unter Nocturn gearbeitet hatte.
„Also…“ Ri-Ils Untergebener räusperte sich um es anscheinend spannender zu machen, doch Blacks Blick sagte ihm, dass er sein Glück nicht herausfordern sollte und er erklärte:
„Wie gesagt, ich kann‘s dir nicht genau sagen, weil ich auch keine Ahnung habe was richtig ist und was nicht, klar? Die einen sagen Nocturn habe Selbstmord begangen…“ Blacks Blick wurde mit einem mal so finster, dass es unzweifelhaft nicht vorteilhaft war, dieses Gerücht weiter auszuführen.
„Was natürlich absoluter Schwachsinn ist, nicht wahr? Und dann gibt es noch das Gerücht, dass Nocturn und diese Wächterschlampe White sich gegenseitig umgebracht haben. Jedenfalls ist es Fakt, dass die auch tot ist, könnte also wahr sein! Weiterhin haben wir noch…“
„Es reicht, ich habe genug gehört und Gerüchte die Nocturn-samas Ruf in den Dreck ziehen will ich nicht hören.“
„Ej, warum hast du mich dann gewürgt, wenn du sie sowieso nicht alle hören willst?!“
„Sagte ich doch schon: meine Nerven, weißt du?“ Der Angesprochene grummelte etwas unverständliches, doch Black fragte nicht nach. Er wollte nichts mehr hören und es war daher nicht in seinem Interesse das Gespräch weiter fort zu führen. Doch leider verschwand sein Gesprächspartner nicht einfach so und dieser schien scheinbar nicht im Sinn zu haben, Black diesen Gefallen zu tun, denn er fragte ihn, was er jetzt vor hatte: jetzt wo er doch keinen Meister mehr hatte und ebenfalls nicht in die Dämonenwelt zurückkehren konnte.
Black musste über diese Frage nachdenken, denn erst in diesem Moment drang die Wahrheit, dass er nicht mehr in seine Heimat zurück konnte, in ihn hoch. Erst, als er von weiten Miyako sah, die gerade aus dem Fahrstuhl kam, vollgeladen mit Einkaufstüten und runden Bauch antwortete er:
„Was für eine Frage: Nocturn-samas letzten Auftrag ausführen, natürlich!“ Und damit löste er sich vom Auto, schritt an dem Dämon vorbei und nahm tonlos die Tüten ab, die Miyako mit sich schleppte.
Miyako sagte ebenfalls nichts, doch sie sah sofort ein Gefühl, welches sie nicht auf Blacks Gesicht kannte: Traurigkeit.



Japan November1989

Missgestimmt starrte Miyako auf dem Kalender, welcher am Kühlschrank prangte und sogar vom weiten sah sie den roten Kreis, welcher den Stichtag markierte. Noch zwei Monate! Bis dahin würde sie den Verstand verlieren, dachte sie, während sie auf ein Stück Pfannkuchen kaute – das Ergebnis der sagenumwobenen Geschmackveränderungen, denn eigentlich mochte sie keine Pfannkuchen, schon gar nicht mit Kräuterbutter, doch seit geraumer Zeit, war dies ihr Standartmittagessen. Black schien nichts dagegen zu haben; Heute genoss er seinen Pfannkuchen mit Senf, Ketschup und Pfeffer. Seine Beschwerden waren im Allgemeinen zurück gegangen, sogar Miyakos Stimmungsschwankungen tolerierte er kommentarlos, was sie nicht nur wunderte, sondern wofür sie auch dankbar war.
Wenn sie nichts gegen seinen Willen tat, zum Beispiel alleine versuchte das Haus zu verlassen oder jemanden ohne seine Zustimmung anzurufen, war er sogar recht friedlich. Es war mittlerweile zur Normalität geworden, dass sie jeden Abend zusammen aßen; manchmal auch mittags, wo es meistens nur Pfannkuchen gab. Doch Black beschwerte sich nicht und Miyako kam es so vor, als wäre er selig für jedes warme Essen, welches sie unter Schmerzen auf den Tisch stellte. Sie wusste nicht, ob er bemerkte, wie schwer ihr die Schwangerschaft fiel und dass sie sich häufig nur für ihn aus dem Bett hievte, damit sie ihm etwas Warmes zu Essen auf den Tisch stellen konnte. Am liebsten würde sie den gesamten Tag im Bett oder auf dem Sofa liegen bleiben, doch irgendwie gefiel es ihr, Essen für ihn zu machen. Weshalb dies so war konnte sie sich selbst nicht erklären, denn bedanken tat er sich nicht und ein Gespräch kam ebenfalls nur selten zustande. Vielleicht war der Grund für ihre plötzliche Freude am Kochen auch einfach der, dass sie wusste, dass es ihm gefiel und vielleicht erhoffte sie sich, dass sie vielleicht doch irgendwann auf einem grünen Zweig kommen würden: immerhin sah es nicht danach aus, dass er in nächster Zeit von ihrer Seite weichen würde.
Warum sollte Black auch? Für ihn gab es keinen besseren Ort als hier in Tokyo, wo er ein Dach über den Kopf hatte, warmes Essen und mit Aussicht auf einen Sohn (Black war sich absolut sicher, dass es ein Sohn werden würde, obwohl Miyako dies nicht hatte untersuchen lasen), oder Nachkommen, wie er es so gerne nannte. Obwohl sie nicht oft miteinander sprachen, so hatte Black Miyako doch versucht die Sache mit dem Bannkreis zu erklären, zusammen mit dem Krieg zwischen den Wächtern und den Dämonen. Als Miyako jedoch fragte, warum sie überhaupt Krieg führten, konnte Black ihr nicht antworten: „Wir tun es einfach. Haben es immer getan, werden es immer tun“, hatte er geantwortet.
Jedenfalls war Miyako durch dieses Gespräch klar geworden, dass sie seinen desinteressierten Blick noch eine ganze Weile auf ihrer Haut haften spüren würde, denn Black hatte in absehbarer Zeit keine Möglichkeit in seine Heimat zurückzukehren. Also, sagte sich Miyako, war sie wohl oder übel dazu gezwungen, irgendwie das Beste daraus zu machen.
Obwohl er gewiss nicht ihr Traummann war und die Vorstellung, dass sie bald eine Hausfrau sein sollte, füllte sie ebenfalls nicht mit Freude. Aber wenigstens schlug er sie nicht mehr: zu rund war bereits ihr Bauch und langsam gewöhnte sie sich auch an seine dauerhafte Anwesenheit. Manchmal vergaß sie diese sogar; konnte stundenlang sitzen und lesen, ohne, dass sie ihn überhaupt bemerkte, denn selten kam er ihr näher als drei Meter. Wenn sie in ihrem Bett saß um zu lesen, blieb er am Türrahmen stehen, starrte sie dabei an oder driftete ab in seinen eigenen Gedanken.
Diese Momente waren es auch wo Miyakos natürliche Neugierde ausbrach, die sie als Journalistin ausgezeichnet hatte. Obwohl sie seine übermenschlichen Fähigkeiten bereits gesehen und am eigenen Leib erfahren hatte, war es ihr dennoch unbegreiflich, dass ein Dämon vor ihr stand. Für ihn war es nur eine simple Tatsache. Eine Tatsache über die er nicht die geringste Lust hatte zu sprechen; das hatte sie schnell herausgefunden. Dennoch versuchte sie ihn ein wenig zu ködern und nachdem ihr Bauch bereits eine schöne, runde Form angenommen hatte, wurde er ein wenig gesprächiger und endlich erzählte er Miyako mehr von seiner Welt, von den Feinden der Dämonen und von seinen anderen, bereits vor langer Zeit verstorbenen, Kindern.
„Das wievielte Kind ist das hier?“, fragte Miyako mit der Hand auf ihrem Bauch, wo sie ihr Kind deutlich spürte. Sie saßen beide auf dem Boden, draußen regnete es wieder, wie zu deren ersten Treffen hier in diesem Haus. Black hob die Hand und schien es mit seinen Fingern abzuzählen.
„Das Elfte.“ Anstatt wütend zu werden, spürte Miyako zum ersten Mal so etwas wie Mitleid in sich aufkommen.
„Du hast bereits zehn Kinder verloren?“ Er nickte langsam, doch in seinem Gesicht war keine Trauer zu erkennen, nur Nachdenklichkeit.
„Woran sind sie gestorben?“, fragte sie dennoch mit bedächtiger Stimme.
„Im Krieg.“
„Krieg?“, wiederholte Miyako heiser und sah sofort auf ihren Bauch herunter. War dieses arme Kind bereits vor seiner Geburt dazu verdammt zu sterben? Sollte es genau wie seine armen Geschwister in dem ihr unbekannten Krieg sterben?
Black schien ihre Gedanken zu bemerken.
„Momentan ist kein Krieg. Sowas wie…Waffenstillstand.“
„Zwischen euch und den… äh Wächtern?“
„Ja. Das mit dem Bannkreis. Das hab ich dir doch schon erklärt?“ Obwohl Miyako keine Ahnung hatte und sie sich somit kein Urteil erlauben konnte, fühlte sie sich sofort eher verbunden mit den Wächtern. Wenn sie die Feinde der Dämonen waren, mussten sie die „Guten“ sein. Aber auch diesen Gedanken schien Black zu bemerken, denn sein Gesicht verdunkelte sich und gerade als er den Mund öffnete, krümmte sich Miyako vor Schmerzen zusammen und auch, wenn sie es noch nie am eigenen Leibe erfahren hatte, wusste sie sofort was es war. Die Wehen waren eingetreten: einen Monat zu früh.

Es war eine grauenvolle Nacht.
Miyako wusste nicht mit wem sie mehr kämpfte: mit ihrem Kind oder dessen Vater. Verzweifelt versuchte sie einen Krankenwagen zu rufen, Black jedoch schien dies nicht für eine gute Idee zu halten. Anstatt zu erklären, warum dies so war, hielt er sie mit Leichtigkeit davon ab, obwohl ihr Körper beflügelt war von dem Adrenalin, welches ihren schmerzenden Körper durchflutete.
Warum musste es so sehr schmerzen?
Das konnte doch unmöglich normal sein! War es, weil das Kind einen Dämon als Vater hatte? War es Blacks Schuld, dass sie dachte, sie würde sterben, genauso wie es seine Schuld war, dass sie keinen Krankenwagen rufen durfte?
Miyako hatte Angst, schreckliche Angst. Sie durfte doch nicht sterben, sie konnte ihrem Kind doch nicht so einem Rabenvater wie Black überlassen, das ging doch nicht, das konnte doch nicht sein…
Doch irgendwann… war es vorbei und Dunkelheit umfing sie.
Egal wie lange Miyako schlief, sie war dankbar dafür. Für die Zeit der Ruhe, in der sie nichts spürte und an nichts denken musste. Miyako wollte nicht mehr aufwachen. Das Aufwachen erschien ihr die Schrecklichste aller Vorstellungen… Doch sie tat es. Miyako wurde von dem Schreien eines Kindes geweckt. Ihres Kindes.
Das Erste was sie sah, als sie ihre Augen wieder öffnete war Black. Erst nach verstrichenen Sekunden war ihr Gehirn dazu imstande zu koordinieren, dass sie auf seinem Schoss lag und dass das der Grund war, weshalb sie ihn verkehrt herum sah. Sie bemerkte eine Mischung von Erschöpfung, aber auch Zufriedenheit in seinem Gesicht; das gleiche was sich wohl in ihrem Gesicht spiegelte, als er ihr half sich aufzurichten, jedenfalls so weit, dass sie sich aufsetzen konnte. Die Schmerzen waren vorüber und etwas anderes kam in ihr hoch. Ein Gefühl welches für sie unbekannt war, welches sie noch nie zuvor empfunden hatte und welches sie dazu veranlasste ihre Hände auszustrecken um ihr neugeborenes Kind in die Arme zu nehmen.
Miyako spürte die Tränen auf ihrem Gesicht herunter rennen, als sie ihren Sohn in ihren Armen hielt, der sofort aufhörte zu weinen und zu schreien, als er die Stimme seiner Mutter hörte. Miyako hatte nicht die geringste Ahnung wie Black es hinbekommen hatte, dass sowohl sie als auch deren Sohn gesund aus diesem Horror befreit worden waren, aber es interessierte sie im Moment auch nicht: sie war nur zutiefst dankbar dafür.
„Du hast einen ganz schönen Biss“, hörte sie den Vater ihres Kindes sagen, welcher neben ihr saß und zum ersten Mal seit sicherlich zehn Minuten, sah Miyako von ihrem Sohn auf, konnte endlich verstehen, was ihre Mutter damit gemeint hatte, dass, sobald sie ihr Kind in den Armen halten würde, würde sie es nicht mehr übers Herz bringen es wegzugeben.
„Jedenfalls, für einen Menschen“, fuhr Black aus und zeigte auf seine Hand, wo einige Bisswunden zu sehen waren. Miyako lächelte entschuldigend und zum erstem Mal, spürte sie sowas wie Sympathie zwischen ihnen.
Zwischen ihr, Black und Blue.

Japan Dezember 1989

Die Geburt ihres ersten Sohnes war wie ein Stein der die Mauer zwischen ihnen einriss. Es war nicht so, dass Miyako von sich behaupten konnte, dass sie Black mochte und schon gar nicht, dass sie ihn liebte. Aber sie akzeptierte ihn. Sie hatte sich mit der Wendung ihres Lebens abgefunden und daran war das Kind in ihren Armen nicht unschuldig dran. Vom ersten Moment an, wo sie ihn in ihren Armen gehalten hatte, liebte sie ihren Sohn und konnte nur mit Abscheu an die Frau zurück denken, die vorhatte ihren eigenen Sohn zur Adoption freizugeben. Alle Schmerzen, all die Pein, die sie bei seiner Geburt durch litten hatte, waren vergessen und verdrängt. Auch die Frage wie Black solch ein Wunder vollbracht hatte, war für sie nicht von Interesse. Er hatte ihr lediglich erklärt, dass er bei mehreren Geburten dabei gewesen war und es für Dämonen wohl normal war, Entbindungen ohne ärztliche Hilfe durch zu führen – was Miyako wohl zum Vorteil gekommen war, denn ein normaler menschlicher Vater wäre bei solch einer Geburt wohl ohnmächtig geworden und nachdem er sie darauf aufmerksam machte, dass er sie jawohl schlecht zu einem menschlichen Arzt hätte bringen können - wie hätten sie die merkwürdige Blutgruppe des Kindes erklären können? – konnte sie ihm nicht einmal mehr deswegen sauer sein. Zu groß war ohnehin die Freude über ihren Sohn, als dass sie sich mit der Vergangenheit hätte beschäftigen wollen.
Miyako war unzufrieden mit dem Namen den Black für seinen Sohn ausgesucht hatte, weil sie der Meinung war, dass kein normaler Japaner, kein normaler Mensch, nach einer Farbe benannt werden durfte. Doch er behaarte darauf mit kindlicher Widerspenstigkeit, welche Miyako irgendwie als niedlich empfand, womit ihr Widerstand verblasste.
Blue veränderte nicht nur deren Gemeinsamkeit und Miyakos Leben, sondern auch ihre Einstellung. Ihren Frust über die zwangsweise Kündigung ihres geliebten Jobs, waren bald verschwunden, da sie ihre gesamte Aufmerksamkeit und Energie auf ihn fokussierte. Es war fast so, dass sie nicht wusste, was sie tun sollte, in der Zeit wo er schlief.
Black jedoch hatte sich nicht verändert. Immer noch verbrachte er die meiste Zeit damit, Miyako zu beobachten und ihr dabei zuzusehen wie sie sich um deren Sohn kümmerte. Er selbst machte sich diese Mühe nicht. Er gab Blue weder Essen, noch hatte er seinen Sohn auch nur ein einziges Mal auf den Arm genommen. Das Verwunderliche: Miyako war ihm nicht einmal böse deswegen und sie glaubte nicht, dass es etwas damit zu tun hatte, dass sie sich lieber selbst um Blue kümmern wollte, um ihn so menschlich wie möglich zu erziehen. Es war viel eher das Gefühl, dass Black gar nicht in der Lage war, Blue das zu geben, was Miyako ihm gab. Er konnte seinen Sohn nicht anlächeln, er sah darin gar keinen Sinn, genauso wenig wie er Sinn darin sah, Blue auf den Arm zu nehmen.
Eines Abends, als Miyako ihren Sohn fütterte, sprach Black sie darauf an. Denn eines hatte sich doch verändert: er war gesprächiger geworden. Seine Wortwahl wurde langsam und sicher ausgereifter, seine Sätze länger und die Probleme die unweigerlich auftauchten, schaffte er nicht sofort mit Gewalt außer Welt, sondern begann doch tatsächlich ein wenig zu argumentieren.
„Warum machst du das?“, fragte Black neugierig und Miyako wunderte sich nicht über diese Frage, sondern eher über den Zeitpunkt der Frage, denn sie hatte seinen fragwürdigen Blick schon beim ersten Mal bemerkt, wo Miyako ihren Sohn an ihre Brust setzte um ihm Milch zu geben.
„Soll Blue verhungern?“ Er sah sie prüfend, doch auch verwundert an:
„… Da kommt… Essen raus?“ Miyako musste sich zurückhalten um nicht zu lachen, als er diese Worte sagte, als währe es eine ganz normale Frage. Zum ersten Mal seitdem sie ihn kannte, wurde Black ein wenig rot, scheinbar gefiel es ihm nicht, dass sie ihn auslachte.
„Was ist daran so komisch?“
„Du weißt einfach nur erstaunlich wenig über die Menschen!“, antwortete sie und erklärte es ihm. Es kam Miyako vor, als würde sie mit einem Kind reden, genauso unschuldig und nichtwissend sah er sie an und fragte auch ebenso neugierig:
„Aber warum ist das jetzt besser, als Blue einfach per Flasche zu füttern?“ Miyako zog sich ihr Oberteil wieder richtig an, als Blue fertig gegessen hatte und legte den Kleinen in ihre Arme, wo er sich zufrieden an sie kuschelte.
„Also rein praktisch, glaube ich, dass das Kind so mehr Vitamine erhält. Aber der eigentliche Grund weshalb Mütter das machen, ist um sich mit den Kindern verbunden zu fühlen. Die Kinder fühlen sich auf diese Weise wohl, weißt du? Sieh doch, wie glücklich unser Kleiner ist…“ Er antwortete nicht darauf, er verfiel wieder ins Schweigen und lauschte dem leichten Gesang Miyakos, in Gedanken jedoch woanders. Aus welchen er jedoch schnell wieder gerissen wurde, sobald die Mutter seines Kindes, ihr Lied beendet hatte und sie deren Sohn in dessen Wiege gelegt hatte.

Japan Dezember 1989

Auf diese Art und Weise lief deren Leben zu dritt eigentlich recht harmonisch weiter. Der einzige Grund um sich zu streiten war der Umstand, dass Miyako weiterhin nicht alleine aus ihrem Haus durfte. Er verstand nicht, was ihr daran störte. Mit ihm zusammen durfte sie doch überall hin – und wenn sie mal eben nach New York wollte, da hatte er auch nichts gegen.
„Warum verstehst du nicht, dass ich auch mal alleine sein will! Seid einem Jahr verfolgst du mich in jeden einzelnen Raum. Jeden Schritt mache ich mit dir zusammen!“
„Und was ist daran so schlimm?!“
„Schon mal etwas von „Individuum“ und „Privatsphäre“ gehört?“, fragte Miyako schnippisch, während sie ihrem übereifrigen Sohn ihre Haare aus der Hand nahm, mit dem er angefangen hatte zu spielen, während er in ihren Armen lag. Black seufzte und Miyako war sich nicht sicher, ob er wusste, worauf sie hinaus wollte. Er antwortete nicht und auch sie vergaß für einen Moment das Gespräch, da Blue ihre roten Haare zu interessant fand, als dass er sich davon aufhalten ließ sie in die Hand zu nehmen und mit ihnen zu spielen. Erst nach einer Weile war es dann Black der das Thema wieder aufnahm.
„Du weißt, ich würde dich finden. Egal wo du dich verstecken würdest.“ Die Angesprochene drehte sich wieder zu ihm herum. Er wirkte gequält, aber auch irgendwie unsicher. Eigentlich sollte Miyako diese Worte als Drohung auffassen, doch es war eher das Gegenteil. Er wollte auf etwas anderes hinaus; Irgendetwas was er jedoch nicht in Worte fassen konnte.
„Black.“ Seine Gesichtszüge zuckten kurz. Es war selten, dass sie seinen Namen sagte.
„Denkst du, ich würde fliehen?“ Sie sah deutlich sein Verlangen wegzugucken, doch er hielt ihren Blick stand.
„Es würde dir nichts bringen. Wie gesagt.“ Black hatte Angst davor, wahrscheinlich wollte er es selbst nur nicht zugeben. Vielleicht wusste er es selbst nicht, vielleicht konnte er seine Gefühle wirklich selbst nicht begreifen und sie somit auch nicht in Worte fassen. Miyako setzte sich ihm gegenüber, nachdem sie sich Blue auf den Schoss setzte, wo er munter vor sich hin brabbelte.
„Ich werde nicht fliehen, wenn du mich nicht einsperrst. Wenn du mich alleine raus lässt, sei es zum Supermarkt oder zu meiner Familie, dann komme ich zurück. Auch ohne, dass du mich mit Gewalt zurück holen musst.“ Lange sah er sie einfach nur stumm an. Sie konnte nicht definieren was in seinem Kopf vorging, oder ob er überhaupt etwas dachte. Doch, nach verstrichenen Sekunden, schien so etwas wie Dankbarkeit in seinen Augen zu erscheinen. Lange hielt dieser Anblick jedoch nicht, denn er wandte sich ab.
„Es gibt etwas, was ich tun muss“, sagte er und wechselte damit das Thema. Miyako fragte ihn, was es war, was er tun musste und ernst doch auch irgendwie mit Stolz antwortete er:
„Ich muss den letzten Befehl meines Meisters ausführen.“
„Meister? Ich dachte er wäre tot?“ Er sah sie wieder an.
„Einige Dämonen wissen was Loyalität ist und das diese auch über den Tod hinaus geht!“ Sie hatte ihn beleidigt, das fühlte sie sofort. Das Problem dabei war nur: es tat ihr nicht gerade Leid.
„Was ist das für ein Befehl?“, fragte Miyako.
„Das willst du lieber nicht wissen. Es gibt jedoch etwas was du wissen musst: für diesen Befehl werde ich weg sein. Doch wenn ich da bin, verlange ich, dass du auch da bist. Wenn ich nicht da bin, ist es mir egal wo du bist.“ Unweigerlich hellte ihr Gesicht auf, denn sie wusste was in seinen Worten lag: sie durfte aus dem Haus – alleine.
Black hatte wohl Angst gehabt, dass sie weg sein würde, wenn er wieder kam. Das war vielleicht auch das Problem gewesen, weshalb er sie nie aus den Augen gelassen hatte. Aber egal was der Grund war, Miyako war zu froh über die Tatsache, dass sie sich endlich wieder frei bewegen durfte, als das sie es hinterfragen würde. Sie war so froh darüber, dass sie Blue kurz runterlassen musste, um sich daraufhin Black um den Hals zu werfen.
Sofort bemerkte Miyako, dass sein gesamter Körper sich versteifte, anscheinend war er solch Zärtlichkeit nicht gewohnt und erwidern tat er es gewiss ebenfalls nicht, obwohl er sie auch nicht von sich weg schob und als sie sich wieder von ihm löste, bemerkte sie breit lächelnd, dass er bis über beide Ohren rot angelaufen war.
„Ou, ein Dämon kann also auch schüchtern sein?“
„Ach sei doch still, Mensch!“


Japan Januar 1990

„Ich will noch ein Kind.“
Miyako senkte ihr Buch und sah über dessen Seiten hinweg den Mann an, mit dem sie ihr Haus teilte. Er war gerade erst wieder Heim gekehrt – nach drei Tagen Abwesenheit. Sie hatte aufgegeben zu fragen was zum Teufel dieser Auftrag war. Auch diesmal sah er wieder erschöpft aus, als er in die Stube trat, wo Miyako sich gerade hingesetzt hatte um zu lesen, nachdem sie von einem Besuch bei ihrer Mutter zurück war – dafür hatte sie immerhin nun genug Zeit. Sie legte das Buch beiseite und überdachte seine Worte noch einmal, wobei er an der Tür stehen blieb und sich an den Türrahmen lehnte. Miyako lehnte sich in ihren Sessel vor und sagte:
„Blue ist gerade mal drei Monate alt. Warum willst du jetzt schon wieder ein Kind haben?“
„Heißt das, du hast im Prinzip nichts dagegen?“
„Doch, habe ich“, schoss es sofort aus ihrem Munde hervor. Ihre Stimme hatte eine Oktave höher geklungen als sie gedacht hatte. Sie klang ein wenig angstvoll, wahrscheinlich war es der Gedanke wieder diese Schmerzen erleiden zu müssen, welche sie bei Blues Geburt erlitten hatte.
Sie hatte Todesangst gespürt. Und die Angst beschlich sich ihrer wieder als sie nur daran zurück dachte.
„Reicht nicht ein Kind?“, fragte Miyako sichtlich unsicher und mit gesenktem Kopf.
„Nein.“ Die Unsicherheit fiel schnell von ihr ab, als sie ihren Kopf sofort wieder anhob und ihn zornig anfunkelte:
„Warum willst unbedingt noch ein Kind?! Du kümmerst dich doch sowieso nicht um deinen Sohn. Du interessierst dich nicht einmal für Blue – als er das Krabbeln gelernt hat, viel zu früh wohl bemerkt, warst du weg und als Blue krank war, war ich es der an seinem Bettchen saß! Du hast ihn ja noch nicht einmal angefasst!“ Miyako bereute ihre Worte nicht, denn ihre Seele hatte gesprochen. Dies waren die Gedanken, die sie schon die ganze Zeit mit sich herumgetragen hatte. Sie hatte sich zurück gehalten, weil sie immerhin endlich ihren Wunsch nach Freiheit erfüllt bekommen hatte und sich somit eigentlich nicht beschweren konnte. Eigentlich hatte sie sich auch gesagt, dass sie es akzeptieren wollte, dass Black nichts mit deren Sohn anzufangen wusste, doch nach drei Monaten, wo er zu 60% der Zeit nicht da war, hatte sich doch einiges angestaut und nun war ihr der Kragen geplatzt – und dies hatte Folgen.
Schneller als Miyako überhaupt blinzeln konnte, lag sie plötzlich auf dem Boden. Ihr Hinterkopf dröhnte vor Schmerz und ihr Sichtfeld verschwamm für einen Moment. Black hatte seine starke Hand oberhalb ihrer Brust platziert und drückte sie sowohl mit dieser, als auch mit seinen Knien zu Boden.
„Zum Glück muss ich dich nicht um Erlaubnis bitten.“ Damit riss er ihr Oberteil auseinander, wobei ihre Haut unter dem zerrissenen Stoff zum Vorschein kam.
„Nein!“, schrie Miyako rein aus Instinkt, als seine Hände ihren Oberkörper packten. Sie spürte eine unbekannte Angst in ihr vor dem was kommen würde und war überrascht darüber, dass sie nicht schon viel früher damit gerechnet hatte, aber sexuell angefasst, hatte er sie nicht mehr seid Manhattan und obwohl er schon ziemlich animalisch veranlagt war, hatte sie nie daran gedacht, dass er auf die Idee kommen würde sie zu vergewaltigen.
„Auf diese Art werde ich garantiert nicht schwanger!“, drang es aus ihrem Mund, obwohl sie erst im Nachhinein über ihre Worte nachdachte, denn ihr Gehirn hatte sich von der Angst gelöst und ihr kam eine rettende Idee:
„Menschen… Menschen können nicht schwanger werden, wenn die dazu gezwungen werden“, log Miyako und hoffte inständig, dass Black nicht genug über die Menschen wusste, um ihre Lüge zu erkennen und auch nicht daran dachte, dass ihre erste Schwangerschaft ebenfalls nicht unbedingt freiwillig war.
„Was soll das heißen?“, fragte er sichtlich verwundert, wie Miyako erleichtert feststellte: er schien ihre Lüge nicht zu wittern.
„Das soll heißen, dass ich meine Zustimmung geben muss. Es… muss auch von mir kommen. Ich muss es auch wollen. Ansonsten werde ich nicht schwanger.“ Black setzte sich auf und verschränkte die Arme vor der Brust. Er dachte nach, dass sah Miyako sofort. Diese Zeit nutzte sie um ihr Oberteil wieder soweit zu richten, dass nichts mehr entblößt war.
„Gut. Wie bekomme ich deine Zustimmung?“, fragte er sichtlich missvergnügt, da er, zur Abwechslung, sich nicht mit Gewalt das holen konnte, was er wollte. Anstatt jedoch Forderungen zu stellen, fragte Miyako:
„Warum willst du unbedingt ein Kind mehr?“
„Das geht dich nichts an.“
„Finde ich sehr wohl.“
„Hast du etwa Angst vor den Schmerzen?“
„Das geht dich wiederum nichts an.“
„Du hast es doch nie bereut Blue bekommen zu haben, oder?“
„…“
„Du wirst es auch diesmal schaffen.“
„Versuch nicht mich zu überreden.“
„Dann stell deine Forderungen, anstatt rumzuheulen.“ Miyako war kurz davor ihm Beschimpfungen an den Kopf zu werfen, unterließ es jedoch, da sie sich zum einen darauf konzentrieren musste Forderungen zu finden und zum anderen doch leicht gerührt war. Hatte er sich Sorgen gemacht? Hatte er überhaupt realisiert wie ungewohnt sanft seine Stimme geklungen hatte, als er ihr Mut zugesprochen hatte?
„Kümmer dich mehr um deinen Sohn“, stellte Miyako als Forderung auf. Black sah sie finster an, schien über ihre Forderung aber nicht überrascht.
„Das ist nicht meine Aufgabe.“ Miyakos positive Gefühle waren auf einmal davon gewischt und sie erwiderte seinen zornigen Blick.
„Es ist genauso sehr deine Aufgabe wie meine! Sie brauchen einen Vater!“
„Tz. Was für eine menschliche Einstellung“, antwortete er abfällig. Miyako stellte auf stur. Sie sagte, wenn er nicht bereit dazu war diese Forderung einzugehen, dann gab es auch keine Kinder. Sie sah ein, dass es nutzlos war ihm erklären zu wollen, warum es wichtig war, dass Kinder auch ihren Vater brauchten und warum es genauso sehr sine Aufgabe war sich um sie zu kümmern, wie Miyako. Black verstand es einfach nicht; zu sehr war er von seinen dämonischen Grundsätzen beeinflusst.
Dennoch gab er klein bei wie es schien, denn er erhob sich und deutete ein weniger erfreutes Nicken an.
„Gut, von mir aus.“ Miyako spürte einen kleinen Triumpf in sich. Sie hatte Black alleine mit Worten besiegt! Wozu brauchte man Gewalt, wenn man es so auch konnte?
„Aber ich kümmere mich um deren dämonische Seite“, sagte er, als er ihr den Rücken zugekehrt hatte, um Richtung Tür zu gehen. Auf seine Worte hin, unterbrach Miyako den Versuch aufzustehen und ließ sich zurück auf den Boden fallen, da seine Worte sie überraschten und vor einer Tatsache stellten, die sie nicht sehen wollte.
„Was meinst du?“, fragte sie mit heiserer Stimme. An der Tür angekommen, stemmte Black die Hand in den Rahmen und sah sie über die Schulter hinweg an. Miyako sah in seine roten Augen und stellte ein weiteres Mal fest, wie unmenschlich sie aussahen…
„Sie sind auch meine Kinder. Verdräng nicht, dass sie damit Halbdämonen sind.“