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Episode 19
  Episode 19: Die Teufelsspirale I
Zufrieden setzte Aores ein kleines Häkchen auf seinem Klemmbrett welches ein magisches Display hatte; sobald er eine Information auf eben dieser hinterließ, wurde diese sofort an den Hauptrechner des Sanctuarians weiter geleitet und gespeichert; er musste sich also jedes Mal zwei Mal überlegen ob die Information die er weiterleiten ließ, auch korrekt war. Diesmal war jedoch jeder Zweifel unnötig, wie er bemerkte, als er noch einen Blick auf seine Patientin warf, die mit ihrem neuen Arm mehrere Bewegungen durchführte.
„Nicht schlecht“, stellte die blauhaarige Patientin fest und grinste ihren Arzt an.
„Wie nicht anders von dir zu erwarten, Aores.“
„Das fasse ich geehrt als ein Kompliment auf, Asuka-sama“, antwortete Aores mit einer leichten Verbeugung, während er seiner Tempelwächterin das Klemmbrett in die Hände drückte. Die Patientin, die für mehr als einen Monat im künstlichen Koma in einer Isolationszelle gelegen hatte, lachte herzhaft als wäre all dies nie geschehen und antwortete:
„Das kannst du auch, ohne weiteres!“ Dann schwang sie ihre Beine von dem Bett herunter und wandte freudestrahlend ihr Gesicht der großen Glaswand zu, welche sie gleich hinter sich lassen würde und wo bereits zwei Personen auf sie warteten: ihre kleine Schwester, welche Tränen in den Augen hatte und sie sicherlich gleich umarmen würde, sobald sie die Isolation hinter sich lassen würde und dann jemand der genervt auf ihre Taschenuhr zeigte und ganz und gar nicht gerührt schien, ihre beste Freundin wieder putzmunter zu sehen.
„So, Aores, dann werd‘ ich mal“, sagte Tinami grinsend und nahm eine Tasche mit ihrer alten Kleidung entgegen, welche die Tempelwächterin ihr reichte.
„Hoffentlich sehen wir uns so schnell nicht wieder, Asuka-sama“, entgegnete Aores mit einem leicht schelmischen Lächeln.
„Oh, das hoffe ich ebenfalls. Ich finde, ich war lange genug Dauerpatient!“ Mit diesen Worten und noch einem „Bye Bye“ verließ Tinami das Zimmer und wurde umgehend, wie sie bereits gedacht hatte, von Azura in die Arme genommen.
„N-Nee-sama! Ich bin… so froh, dass du wieder da bist… ich dachte schon… ich dachte schon…“ Der Rest von Azuras Worten gingen in einem Schluchzen und in Tinamis Kleidung unter. Tinami, welche ganz gerührt war von Azuras plötzlichen Gefühlsausbruch, wusste nicht was sie sagen sollte und legte daher einfach ebenfalls die Arme um ihre tapfere, kleine Schwester.
„Und was ist mit dir, Ai-chan?“, richtete Tinami ihr Wort plötzlich an die letzte im Bunde, welche unauffällig in eine andere Richtung sah.
„Willst du mich denn gar nicht umarmen?“
„Gewiss nicht, Asuka, für solche Gefühlsduseleien haben wir absolut keine Zeit! Es wartet Arbeit auf dich – du glaubst gar nicht was alles passiert ist, während du dich ausgeruht hast!“ Obwohl Kairas Ton ruppig wie immer war und man ihr nicht anmerkte, dass sie mehrere schlaflose Nächte hinter sich hatte, grinste Tinami erfreut als die Zeitwächterin dies sagte.
„Ich hab dich auch vermisst, Ai-chan!“ Kaira drehte sich genervt zu ihr um, doch kam nicht dazu, etwas zu antworten, denn im gleichen Moment stürzte Aores aus dem Zimmer welches Tinami gerade verlassen hatte und rannte, dicht gefolgt von Cecilie, den Gang herunter. Gerade als Kaira sich über dieses Verhalten wundern wollte, tat Tinami es den beiden gleich und ehe Azura oder Kaira reagieren konnten, war Tinami ebenfalls um die Ecke verschwunden.
„Aores!“, rief Tinami, als sie bemerkte, dass sie ihn nicht so ohne weiteres einholen würde; ihre Beine waren zu lange nicht mehr benutzt worden und fingen sofort an müde zu werden. Zum Glück für sie, hörte Cecilie es und diese stoppte ihren geheimen Ehemann, dem dies nicht zu gefallen schien, wie Tinami schnell bemerkte, als sie auf dem überfüllten Korridor bei ihm ankam.
„Handelt es sich um Ee-chan?“, fragte Tinami mit heiseren Atem und erntete sich von Aores einen skeptischen und leicht genervten Blick, denn für sowas schien er wohl absolut keine Zeit zu haben. Tinami sah sich um, ob einer der vielen Wächter ihnen zuhörte, ehe sie sich auf Zehenspitzen stellte und ihm zuflüsterte:
„Unsere Hikari, Green-sama.“ Verblüfft sah er sie an und fragte woher sie das wüsste, immerhin war sie doch noch nicht im Dienst und damit auch noch nicht verkabelt; womit sie es eigentlich nicht wissen konnte. Ansonsten hätte auch sie den Notfallanruf erhalten und nicht er.
„Tja, du hast Recht, dass ich noch nicht im Dienst bin, aber es gibt nur einen Patienten für den du so überstürzt rennen würdest und das ist unsere Hikari-sama. Erzähl mir, was du bis jetzt weißt, während wir weiter … rennen.“
„Aber, Asuka-sama, fühlt Ihr Euch dazu im Stande, wo Ihr doch gerade erst…“
„Absolut. Ich habe zwar keine Ahnung was Ee-chan sich mal wieder gebrochen hat, doch ich habe eine leichte Ahnung… und Ee-chans Gesundheit ist mein Hauptanliegen, also werde ich mich auch darum kümmern, so wie es meine Pflicht ist!“ Und mit diesen Worten rannte Tinami weiter ohne zu wissen wo der Sprint enden würde, doch zum Glück nahm Aores sich ein Beispiel an ihr und gemeinsam, gefolgt von Cecile, rannten sie den Gang entlang, der im Moment recht leer war.
„Ich kann dir noch nichts genaues sagen“, begann Aores, der offensichtlich keine Probleme mit dem Rennen hatte, ganz im Gegensatz zu Tinami, welche ja schon immer nicht die beste Kondition gehabt hatte und nun spürte, dass das lange Koma dieser nicht gut getan hatte.
„Man sagte mir nur, dass unser Patient in Lebensgefahr schwebt.“
„Lebensgefahr?“, wiederholte Tinami während sich ein merkwürdiges Lächeln auf ihrem Gesicht ausbreitete, als würde sie sich auf die Operation freuen.
„Was macht sie nur, wenn ich nicht da bin!“ Aores sah keinen Grund zum Lächeln, sondern eher das Gegenteil.
„Fühlt Ihr euch wirklich im Stande solch eine wichtige Operation durchzuführen? Ich meine, ich kann es Euch nicht verbieten, aber…“, fragte Aores als sie bei den Operationssälen angekommen waren.
„Keine Sorge“, antwortete Tinami und ballte ihre Hand zur einer entschlossenen Faust.
„Alles im grünen Bereich! Also lass uns unsere Hikari retten!“


Green schwebte in Lebensgefahr, so viel besagte jedenfalls die erste Diagnose, die kurz nachdem Itzumi sie gefunden hatte und die Ärzte gerufen hatte, festgestellt wurde. Die Tempelwächterin hatte sie ohnmächtig auf dem Boden vorgefunden; in einer Blutlache badend, welche aus ihrem Mund entstanden war. Green hatte viel Blut verloren und aus diesem Grund, hatte man nicht nur Aores so schnell wie möglich zur einer Notfalloperation gerufen, sondern auch Grey, der als einziger das geeignete Blut besaß, welches Greens Verlorenes ersetzen konnte. Während die Operation begann und Grey in einem anderen Raum das Blut abgenommen wurde, waren Shaginai und White bereits unterwegs; beide aus verschiedenen Gründen besorgt. White um ihre Kinder und Shaginai mehr darum, dass das Sanctuarian auch wirklich absolute Geheimhaltung einhielt über diesen sehr ungewöhnlichen Notfall.
Als Vater und Tochter im Sanctuarian ankamen, begrüßte sie das rotleuchtende Licht, welches ihnen mitteilte, dass die Operation bereits eingeleitet war. Missgestimmt grummelte Shaginai etwas vor sich hin, während White ihre Augen schloss und ihre Hände kurz über der Brust faltete, als würde sie Hikari-kami-sama darum bitten ihre Tochter zu beschützen. Beide Hikaris drehten sich jedoch um, als sie eine Aura hinter sich spürten. White kannte sie bereits, doch Shaginai war die Aura unbekannt und deshalb war der Blick, mit dem er die Person ansah, auch sehr unterkühlt und skeptisch – obwohl er die Verlobte seines Enkels vor sich stehen hatte. Noch nie zu vor, hatten Ilang und Shaginai sich persönlich getroffen, doch nun bemerkte Shaginai, dass er keinen Fehler begangen hatte, als er deren Heirat, mit Basis auf Ilangs Unterlagen, zugestimmt hatte: während sie sich vor den beiden Hikaris verneigte, wie es sich für eine wohlerzogene Wächterin gehörte, blieb ihr Blick standhaft und wich Shaginais harten Augen nicht aus.
„Wie geht es Grey?“, fragte White, kaum, dass Ilang sich wieder aufgerichtet hatte, denn nicht nur um Green musste sie sich Sorgen machen, sondern auch um Grey; immerhin stand es um seine Gesundheit nicht gut und es tat ihm sicherlich nicht gut, so große Mengen Blut abgenommen zu bekommen.
„Es geht ihm gut, White-sama.“ Menschen würde diese Situation sicherlich merkwürdig erscheinen: da trafen sich Enkeltochter und ihr Großvater zum ersten Mal und keiner der beiden verschwendete Zeit damit sich einander vorzustellen. Dies hatte jedoch nichts mit den verschiedenen Operationen zu tun, sondern eher damit, dass sie sich beide vollkommen in Klaren darüber waren, wer der jeweils andere war: Ilang wusste wer Shaginai war und was für ein Hikari er war und umgekehrt wusste Shaginai dies ebenfalls über Ilang, dank den Unterlagen über sie. Wenn einer der beiden nach den Namen gefragt hätte, würde es bedeuten, dass sie unterbelichtet waren.
Die beiden Hikaris folgten Ilang in den kleinen Raum neben dem OP-Saal, wo sie Grey auf einer Barre vorfanden, umstellt von zwei Klimawächtern, was Shaginai überhaupt nicht gefiel: es wurden eindeutig zu viele Wächter mit eingemischt und er glaubte Aores kein Wort, dass nichts über Greens Zustand an die Öffentlichkeit geraten würde. In den Gedanken bereitete er schon eine Argumentation vor, um dafür zu sorgen, dass die anderen Ratsmitglieder zustimmen würden, dass es absolut notwendig war allen Beteiligten mittels den Verbotenen Künsten die Erinnerung an diese Operation zu nehmen.
Während White sofort zu ihrem Sohn hineilte um sich von ihm direkt über seinen Zustand zu erkundigen, folgte Shaginai Ilangs Bewegungen aus den Augenwinkeln. Er wollte sich gerade wegdrehen und ebenfalls zu Grey gehen, als ihm auffiel, dass Ilang zu einem kleinen Mädchen gegangen war, welches auf einer mickrigen Bank an der Wand rechts von ihm saß. Ilang setzte sich zu ihr und legte den Arm um die kleinen bebenden Schultern, um sie leicht an sich zu drücken.
Obwohl Shaginai das Mädchen leibhaftig noch nie zu vor gesehen hatte, wusste er wer sie war: Es war seine Enkelin, die Tochter Violets, die nur zwei Etagen weiter oben lag und wie jeden Tag mit sich selbst und den Alpträumen rang.
Shaginai kannte Pinks Unterlagen, wusste damit wie sie aussah und dennoch konnte er sich nicht von ihr abwenden. Sie hatte ihn nicht bemerkt und selbst wenn, hätte sie nur einen Fremden gesehen. Aber das konnte man ihr wohl nicht verübeln, immerhin kannten sie sich nicht.
Einen kurzen Moment rang Shaginai mit den Gedanken, ob er sich als ihren Großvater vorstellen sollte; ob er endlich seine Enkelin kennen lernen sollte, doch diesen Gedanken schob er beiseite, ehe dieser ihn noch zu gefallen begann.
War die Idee an sich nicht schon weit her geholt?
Immerhin hatte er die Chance schon lange verpasst. Er hätte sich ihr vorstellen sollen, nachdem er erfahren hatte, dass sie noch lebte. Doch er hatte gezögert, sich eingeredet, dass es dafür keinen geeigneten Zeitpunkt gegeben hatte und das es sicherlich auch nicht gut für das kleine Mädchen war, wenn er sie mit dem Zustand ihrer Mutter konfrontierte; immerhin war sie nicht nur viel zu unreif dafür, sondern hatte auch all ihre Erinnerung verloren – war es da nicht eine viel zu große Bürde? Das Wissen, dass ihre Mutter sich für sie geopfert hatte, dass sie fortan in anhaltenden Alpträumen lebte, nur um für wenige Stunden, ein paar wenige Male im Jahr, aufzuwachen?
Das letzte Mal, dass Violet aufgewacht war, war so lange her.
Die Ärzte hatten Shaginai gesagt, dass es wohl das letzte Mal gewesen war.
Violet war kurz nachdem Shaginai erfahren hatte, dass Pink noch am Leben war, aufgewacht: Ironie des Schicksals. Nachdem Violet im Nexreszustand verweilte, war sie 11 Mal aufgewacht und jedes Mal war ihre erste Frage gewesen:
„Geht es Pink gut?“
Jedes Mal aufs Neue hatte Shaginai ihr die Wahrheit gesagt: ganze elf Mal hatte er etwas in ihr sterben gesehen, als er ihr gesagt hatte, dass Pink nicht aufzufinden wäre, dass sie wahrscheinlich tot war… niemand hatte geahnt, dass Pink von den Dämon entführt worden war und dass sie obendrein den Aufenthalt in der Dämonenwelt überlebt hatte.
Doch immer und immer wieder vergaß sie seine Worte aufs Neue. Egal wie viel Zeit zwischen ihren Erwachen lag, sie erinnerte sich nie an deren Gespräche.
Als sie jedoch das letzte Mal aufgewacht war, konnte er endlich etwas anderes antworten. Zum ersten Mal musste er sich nicht darauf vorbereiten, dass etwas in ihren Augen sterben würde. Einen Moment lang, war er sogar so naiv gewesen, dass er geglaubt hatte, dass sie das Wissen, dass ihre Tochter noch lebte, dass es ihr gut ging, ihr zur Heilung verhelfen würde.
Sie freute sich.
Shaginai vergaß sogar, dass er in der Nexres-Abteilung war und dass Violet eine Patientin war.
„Ist das wahr, Daddy?! Es geht ihr gut!?“ Obwohl sie so schwach war, hatte sie ihre mageren Arme um seinen Hals geschlungen, aus lauter Freude. Shaginai hatte das Bild dabei, welches zu den Unterlagen Pinks gehörte und Violet kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Mit Tränen in den Augen, erzählte sie ihren Vater, wie sehr Pink doch ihrem Vater ähnlich sah und dass Shaginai ihn gewiss gemocht hätte, wenn er nicht vorher gestorben wäre. Ohne zu zögern, hatte der erhabene Hikari allem zugestimmt, ohne zu erwähnen, dass er Wächter, die auf der Menschenwelt lebten, eigentlich nicht ausstehen konnte. Zu froh, zu erleichtert war er darüber gewesen Violet so lebendig zu sehen.
Doch die Freude verschwand aus Violets Gesicht, als Shaginai ihr versicherte, dass er Pink zu ihr mitnehmen würde, denn in genau diesem Moment war der kurze Glücksmoment zerstört und die schreckliche Realität kehrte zurück.
Seitdem war sie nicht wieder aufgewacht.
Vor diesem Treffen, war Shaginai sich sicher gewesen, dass er Pink innerhalb des ersten Monats aufsuchen würde. Damals war er sich noch sicher gewesen, dass sich das Yogosu-Problem schnell lösen würde und dass Pink sicherlich schnell die Menschenwelt verlassen würde.
Doch die Zweifel hatten ihn gepackt; die gleichen Zweifel, die ihn auch jetzt noch aufhielten. Wie sollte er Pink gegenüber treten?
Der Dämon hatte sie mit den verbotenen Künsten gepeinigt, aber es war Shaginai gewesen, der dafür gesorgt hatte, dass Violet nicht von ihren Schmerzen befreit wurde, sondern für ewig darin gefangen war. Nur weil er ein Egoist gewesen war und zulassen wollte, dass seine geliebte Tochter ihn verließ.
Ja, er hatte sie vor dem Tod bewahrt.
Aber war ihr momentaner Zustand nicht viel schlimmer?
Wieder sah Shaginai das kleine weinende Mädchen an. Er stellte sich vor, wie sie reagieren würde, wenn er sie zu Violet mitnehmen würde.
Nein, das ging nicht. Selbst für ihn war es jedes Mal eine Qual und so ein kleines Mädchen, welches selbst vor so einer kleinen Operation weinte… und wenn er dann auch noch beichten müsste, dass Violet nur wegen ihn in diesem Zustand war…
„Vater?“ Shaginai schreckte aus seinen Gedanken hoch und sah seine Tochter an, welche ihn aus eben diesen geweckt hatte. Sie hatte seinen Blick bemerkt und auch sie sah einen Moment zu Pink, nur um ihn dann wieder anzusehen. Einen Moment fürchtete er, dass sie etwas sagen würde, doch White schien ihn zu verstehen. Ihr Verständnis wunderte Shaginai, immerhin war sie schon lange dafür, dass die Magie die Violet am Leben erhielt, ausgeschaltet werden würde und Violet so endlich Frieden finden könnte.
Auch Grey sagte nichts, genauso wenig wie Ilang.
Und gerade das Schweigen ließ ihn noch elendiger fühlen, ja fast schon schwach.
Als ob er es nötig hatte, dass sie alle Rücksicht auf ihn nahmen!
Obwohl Shaginais Stolz diesen Gedanken hervorgerufen hatte, schwieg er wie die anderen und zwang sich, die Gedanken um Violet und Pink solange beiseite zu schieben, bis er sie das nächste Mal besuchen würde.


Fern ab von diesen Geschehnissen, streifte Blue rastlos durch die Einöden der Dämonenwelt, in Gedanken bei Green ohne zu ahnen, dass ihr Leben in Gefahr war, denn zu weit war er bereits von der Realität entfernt, zu tief war er in seinen Gedanken verloren gegangen: Gedanken die ihn peinigten und obwohl er nicht wie Green blutete, so hatte auch er das Gefühl, als würde er sterben. Nein, als wäre er schon tot.
Er war im gleichen Moment gestorben wie Green Najotake gestorben war.
Was war jetzt noch von ihm übrig geblieben?
Er wusste es nicht; vielleicht war es der Wunsch alles ungeschehen zu machen? Das Treffen mit Green am Flughafen Berlins… er Idiot war so stolz gewesen, als er Ri-Il mitteilte, dass er höchstwahrscheinlich die Hikari ausfindig gemacht hatte, sich nicht bewusst, was für Konsequenzen das nicht nur für Green haben würde, sondern auch für ihn - und später auch für seinen Bruder. Nachdem er dann den Folgen schweren Auftrag erhalten hatte, ging alles so fürchterlich schnell.
Es war eine Zeit, die nicht mehr aktuell war, weit zurück lag… sie gehörte zu einem anderen Leben. Ein Leben welches nie seins gewesen war. Ein Leben welches zusammen mit den Tod von Gary Ookido an Bedeutung verloren hatte.


Von Anfang an, hatte er den Auftrag geliebt. Neun Stunden am Tag konnte er in der Menschenwelt sein, konnte zur Schule gehen, Wissen aufnehmen, musste niemanden umbringen… einfach nur Green im Auge behalten, alles in Berichte verfassen, sich Lob von Ri-Il abholen, Silver auf der einen Seite eifersüchtig machen und auf der anderen Seite sein erfreutes Gesicht, wenn Blue seinem kleinen Bruder etwas mitnahm. Ja, es war ein leichter und vielversprechender Auftrag gewesen. Ri-Il hatte sogar von guten Chancen für Blues Zukunft gesprochen, würde er seine Leistungen beibehalten.
Zum ersten Mal, seitdem Blue in die Welt der Dämonen gekommen war, hatte er das Gefühl, dass er etwas tat, was sich später lohnen würde: er hatte ein Ziel.
Green war damals für ihn nichts anderes gewesen als sein Beobachtungsobjekt. Wenn er an sie dachte, wenn er über sie schrieb, empfand er nichts. Zu Beginn war es noch Neugierde gewesen, welches er für sie empfand. Immerhin war sie eine Hikari, auch wenn sie nicht so aussah und er auch recht schnell bemerkte, dass auch ihr Charakter nicht zu dem Bild passte, welches er von den Hikaris hatte. Doch bereits nach wenigen Wochen, wo sie gemeinsam zur Schule gingen, nebeneinander saßen, begann sein Opfer ihn schrecklich zu langweilen.
Sie war nur ein normales Mädchen; weder Bedrohung, noch irgendwie speziell. Obwohl er den Auftrag mochte, so fand er fast, dass sie den ganzen Aufstand nicht wert war. Ein normales Mädchen – das betonte er Ri-Il gegenüber immer wieder und dass er sie einfach umbringen könnte, dass das doch kein Problem wäre… doch sein Lehrmeister hatte immer nur den Zeigefinger erhoben und ihm gesagt, er solle sich in Geduld üben und nebenbei genießen zur Schule zu gehen, immerhin wusste Ri-Il wie wissbegierig Blue war.
Natürlich fand Blue sich damit ab, es war immerhin ein bequemer Auftrag, auch, wenn er Green beinahe schon zu hassen anfing. Vielleicht weil sie seinen Erwartungen nicht entsprach, vielleicht weil sie ihn langweilte, vielleicht aber auch einfach nur weil ihre Schwäche ihn gewaltig nervte. Besonders tat sie dies in deren ersten gemeinsamen Jahr: Sie fing immer an zu heulen. Wegen jeder noch so kleinen Kleinigkeit. Nicht, wie viele andere Mädchen in ihrem Alter, laut und schreiend, sondern still und in sich hinein: ihre blauen Augen schienen nur aus Tränen zu bestehen, wie es Blue manchmal vorkam. Stets versteckte sie ihr Gesicht zwischen ihren geflochtenen Zöpfen, mit Schleifen zusammen gebunden, die genauso tief blau waren, wie ihre Augen. Sie war klein, zerbrechlich und unscheinbar. Vielleicht sogar etwas zu dünn; jedoch alles andere als ein süßes Mädchen, obwohl ihre Adoptionsmutter dies immer wieder betonte. Wahrscheinlich war sie die einzige, die Green so sah, vielleicht bildete sie es sich selbst ein, denn egal wie oft sie Green erzählte, welch süßes Mädchen sie doch war, Green selbst schien es genauso wenig zu glauben wie alle anderen um sie herum. Schutzbedürftig wirkte sie, wie jemand der sich immer hinter jemanden verstecken musste. Doch niemand gab ihr diesen Schutz, sie war eine Außenseiterin.
Und das sollte eine Hikari sein?
Blue hatte viel über die Hikaris gehört. Sie waren ein interessantes Thema, obwohl ihn das Thema sogar Angst machte. Ri-Il hatte ihm von White erzählt, wie viele Dämonen sie in kürzester Zeit umbringen konnte und wie schmerzhaft alleine ihre Aura war. Er hatte Blue und Silver sogar mit Lichtintus infizieren lassen, damit sie am eigenen Leibe herausfanden, wie es sich anfühlte von Innen heraus zu sterben.
Es war alles andere als schönes Gefühl.
Doch obwohl er Angst davor hatte, dieses Gefühl jemals wieder zu spüren, hatte er keine Angst vor dem Mädchen welches jeden Tag neben ihn saß. Trotz dessen war er sich nun, mit 17 Jahren bewusst, dass der damalige 12 Jährige Blue seine Abneigung, nein, fast schon Abscheu, ihr oft gezeigt hatte.

Ja, er hatte sie nicht gemocht.
Daher war es für ihn immer noch unerklärlich, wie diese Antisympathie sich irgendwann in eine Teufelsspirale verwandeln würde.


Es fiel Green schwer die Augen zu öffnen. Das Anheben der Augenlieder kam ihr unendlich schwer vor, fast schon ein Kraftakt. Ihren Augen schien es genauso zu ergehen wie der Rest ihres Körpers, denn die Sicht war verschwommen und wollte keine festen Konturen annehmen. Sie sah verschiedene Flecken Farben vor sich, die miteinander verschmolzen, ehe ihre Augenlieder wieder zu fielen; zu schwer war es sie offen zu halten. Vielleicht wollte sie es auch gar nicht. Etwas in ihr sagte ihr, dass sie nicht wissen wollte, was um sie herum geschah, dass sie nicht wissen wollte was geschehen würde. Sie wollte, dass die Zeit stehen blieb, dass ihre eigene Zeit einfach nur still stehen würde.
Green wollte nicht aufwachen ohne zu wissen, dass Siberu und Gary da waren.
Sie wollte sich nicht dem Bewusstsein stellen, dass alles aus und vorbei war, nie wieder kommen würde, eigentlich nie da gewesen war.
Sie wollte nicht mit der Frage konfrontiert werden, was sie jetzt machen würde. Wie es jetzt weiter gehen sollte. Wie sie weiter leben sollte ohne von Siberu und Gary begleitet zu sein.

Nein… sie hatte keinen Grund aufzuwachen… ohne Siberu und Gary gab es keinen Grund aufzuwachen. Die Stimmen um sie herum sollten sie einfach schlafen lassen, damit sie wenigstens in ihren Träumen da sein konnte, wo sie Zuhause war.
Dort wo ihr Herz war.
Ihr Herz welches sich an eine Illusion klammerte… einen Trugbild, eine Fassade… eine Lüge.

Wie war es nur so weit gekommen, dass sie sich zu einer Lüge zurück wünschte?
Sie hatte Gary doch nicht einmal gemocht; von lieben gar nicht zu sprechen. Ja, sie hatte ihn regelrecht gehasst, so einen eingebildeten und arroganten Idioten, der immer etwas zu meckern hatte und absolut kein Blatt vor den Mund nahm.
Doch schon damals hatte sie ihn gebraucht, ohne es selbst zu wissen, ohne es sich bewusst zu sein. Er war der Grund gewesen, weshalb sie ihre Zöpfe abschnitt;
„Du kannst deine Tränen noch so sehr hinter deinen Zöpfen verstecken, man sieht sie ja doch.“
Deutlich sah sie noch vor sich, wie von oben herab er sie angesehen hatte, als wäre sie nur ein kleines Insekt, welches man mit Leichtigkeit zertreten konnte. So jedenfalls hatte sie sich gefühlt und traute sich wie immer nicht zu antworten, aus Angst ihre schlechtes Japanisch könnte für noch mehr Blamage sorgen. Schweigend fing sie an zu weinen, wie immer: senkte den Kopf, wobei ihre Zöpfe vor ihr Gesicht fielen und biss sich auf ihre Unterlippe. Sie wünschte sich zurück an Karis Seite, obwohl sie sich sagte, dass sie nie wieder zurück nach Deutschland wollte. Ihre Hände zuckten, als ob sie sich wünschten, dass jemand diese ergreifen würde, um sie in die richtige Richtung zu führen. Doch es war niemand da, der diese kleinen, zitternden Hände hätte ergreifen können: Gary hatte ihr schon längst den Rücken zugekehrt, genervt von ihrer Reaktion und alle anderen beachteten Green nicht weiter.
Doch egal wie oft sie sich selbst sagte, dass sie stark sein musste - es gelang ihr nicht. Sie hatte sich allein gefühlt, obwohl ihre neue Familie so groß war. Keiner der damals noch Zuhause wohnenden Mädchen sprach Deutsch und Sho, mit der sie schon damals am meisten Kontakt gehabt hatte, da sie in ihre Klasse ging, sprach so schnell, dass Green Kopfschmerzen bekam.
Einzig und alleine Gary konnte sie immer klar und deutlich verstehen. Vielleicht weil er langsamer und weniger gefühlsgeladen sprach als die energische Sho. Wenn es nicht wegen ihrer eigenen Unfähigkeit war, dann war es er, der sie zum Weinen brachte. Green war sich voll auf bewusst, dass sie eine Heulsuse war, wie es im Buche stand und sie hatte nicht den Mut, nicht den Willen, dagegen anzukämpfen - stark zu werden.
Abends, nach dem Nachmittag wo Gary ihr dies gesagt hatte, war sie zusammen mit Sho und Firey baden gewesen.
Warum stand ihr diese Erinnerung plötzlich so klar vor Augen?
Jetzt, ganz plötzlich, wusste sie noch genau, wie die beiden Schwestern in der Badewanne miteinander gealbert hatten, während sie, gekleidet in einen gelben Bademantel, vor dem Badezimmerspiegel stand und ihr Spiegelbild anstarrte. Green konnte sich nicht daran erinnern, wie lange sie vor diesem Spiegel stand und ihr Gesicht anstarrte. Genauso wenig konnte sie sich daran erinnern, woran sie dachte. Es war fast so, als wäre das kleine bezopfte Mädchen für sie selbst genauso ein großes Mysterium, wie für ihre Umgebung. Daher konnte sie sich auch nicht erklären, was sie damals dazu brachte, eine Schere aus der Schublade zu nehmen und sich ohne zögern die Zöpfe abzuschneiden.
Sie konnte sich jedoch noch ganz genau daran erinnern, wie hasserfüllt sie ihr Spiegelbild angesehen hatte, ehe sie auf Deutsch sagte:
„Verschwinde!“
Ganz genau noch, wusste Green, wie hart sie hatte drücken müssen, um ihre Zöpfe abschneiden zu können, da die Schere nicht so ohne weiteres ihre Zöpfe von ihrem Kopf trennen wollte; an das Geräusch, als der erste Zopf zu Boden fiel, samt Schleife, dicht gefolgt vom zweiten.
Verblüfft starrte sie ihr neues Spiegelbild an, vollkommen überrascht davon, wie ihr Gesicht aussah, ohne, dass es von ihren Zöpfen umrahmt wurde. Es wirkte offener, doch sie wusste, dass jeder es nun sehen würde, wenn sie wieder einmal zu weinen anfangen würde, denn von ihren langen Haaren war nichts mehr übrig: sie waren kurz, reichten ihr nicht einmal mehr bis zur Schulter.
„Oh mein Gott, Green! Deine Haare, deine Zöpfe!“ Doch Green hörte nicht auf Shos erschrockenen Kommentar; zu sehr lenkte sie ihr neues Spiegelbild ab.
Ein Spiegelbild, welches sie am nächsten Tag stolz Gary präsentieren würde. Sie hatte ihn nicht angesprochen, sondern war an ihm vorbei gegangen: nur ein kurzes kleines Lächeln konnte sie nicht unterdrücken: ein Lächeln, welches eine klare Aussage beinhielt:

Ich brauche meine Zöpfe nicht mehr, denn ich werde stark werden.


Langsam öffnete Green ihre Augen und genauso langsam nahm die Umgebung um sie herum klare Konturen an. Sie wusste nicht wo sie war, noch was passiert war oder warum sie sich so schlecht fühlte. Sie war immer noch müde und wollte eigentlich weiter schlafen, doch als sie ihren Kopf ein wenig drehte, sah sie, dass es vielleicht besser war, erst einmal nicht zu schlafen. Jedenfalls sollte sie versuchen es nicht zu tun, denn neben ihrem Bett saß ihr Bruder, mit einem besorgten Gesichtsausdruck, als hätte er befürchtet, sie würde gar nicht mehr aufwachen. Deutlich sah sie die Erleichterung in seinem Gesicht.
„Bist du wach, Green?“, fragte er behutsam und erst da fiel ihr auf, dass er ihre Hand fest in seinen Händen hielt. Seine waren kalt und wenn sie nicht alles täuschte, war er bleicher als sonst.
„Du hast mehr als 13 Stunden geschlafen… und bist nur zwischen durch mal erwacht, hast aber nicht reagiert… Mutter war auch bis eben hier.“
„Wie… wie komme ich hierher? Wo… was ist passiert?“ Er schien sichtlich erleichtert darüber zu sein, seine Schwester sprechen zu hören, denn selbst in Greens Zustand bemerkte sie, dass seine Augen glasig wurden.
„Möchtest du sitzen? Soll ich dir aufhelfen?“ Green nickte, obwohl es sie eigentlich nicht interessierte ob sie lag oder nicht. Dennoch bedankte sie sich bei Grey, als er ihr aufhalf und das Krankenbett erhöhte, so, dass sie Aufrecht sitzen konnte.
„Du bist ohnmächtig geworden, Green. Auf Grund von akuten Blutmangel. Itzumi hat sofort die Ärzte des Sanctuarian alarmiert und sie haben eine Bluttransfusion durchgeführt.“
„Warum… hab ich denn plötzlich Blut verloren?“
„Das… wissen sie leider auch nicht. Der Grund waren innere Blutungen; woher diese kamen ist allerdings ein Mysterium. Laut Aores-san benötigen sie noch weitere Untersuchungen, da es mit deinem Glöckchen zusammen hängt und dies noch ein unangetastetes Gebiet ist, jedenfalls in der Form wie es dich betrifft.“ Wieder nickte sie, sah an ihrem Bruder vorbei, hinaus in den weiten Himmel und spürte, wie die Müdigkeit, der Drang zu schlafen, sich ein weiteres Mal den Erinnerungen hinzugeben, sie zu sich rief.
„Ich bin müde… Ich möchte so gerne wieder schlafen.“ Eine Spur von Verzweiflung huschte über Greys Gesicht, als sie das sagte, ohne ihn anzusehen und daher seine Gefühle auch nicht bemerkte. Dennoch zwang er sich ein Nicken ab und antwortete:
„Es ist normal, dass du müde bist… wenn du also schlafen möchtest, lasse ich dich alleine.“ Die Angesprochene wandte ihren Kopf wieder Grey zu, wobei ihr auffiel, dass sie an ihr fremd wirkenden Apparaten angeschlossen war. Anscheinend bemerkte ihr Bruder ihren fragenden Blick, denn er sagte:
„Du musst zwar nicht mehr im Sanctuarian liegen, aber aufstehen, darfst du dennoch nicht. Du musst an sie angeschlossen bleiben, ja, Green?“ Er erwartete, dass sie widersprechen würde, dass sie auf jeden Fall auf ihre Bewegungsfreiheit bestand, doch das tat sie nicht. Mit leeren Augen sah sie auf den kleinen Schlauch, welcher mit ihrer Ellbogenkehle verbunden war und antwortete:
„Ist gut… ich bin sowieso zu müde um mich zu bewegen.“ Grey antwortete nicht. Er wusste nicht was er darauf erwidern sollte. Es fiel ihm schwer den Anblick seiner geliebten Schwester zu ertragen, ihre Antworten zu hören. Vielleicht war es feige, dass er es wählte aufzustehen, doch immerhin hatte sie ihn darum gebeten. Immerhin wollte sie schlafen und diesen Wunsch musste er ihr gewähren. Denn… niemand konnte ihr helfen, niemand konnte etwas tun; sie musste es selbst tun. Nur sie konnte die Heilung für ihr Glöckchen… und für sich selbst finden.
Doch kurz bevor er die Tür erreicht hatte, unterbrach sie ihn von seinem Vorhaben:
„Sagst du den anderen… besonders Pink und Firey… bitte Bescheid, dass ich… alleine sein will?“ Grey sah daraufhin noch einmal über die Schulter hinweg zurück zu ihr, erhoffte sich, dass sie ihn ansehen würde, doch sie hatte sich wieder zurück gelehnt, mit den Kopf Richtung Fenster.
„Ja, das werde ich machen… schlaf gut, Green.“


Blue war bereits mehrere Stunden weg. Dies stellte Silver fest, als er die Tür zu deren kleinen Zimmer hinter sich schloss und sein Blick auf die Armbanduhr fiel, die er früher manchmal in Tokio getragen hatte und welche nun auf dem kleinen Tisch lag, zusammen mit vielen anderen Sachen aus Tokio, die er nirgends eingereiht oder eingeräumt hatte. Die Uhr lief nach wie vor nach japanischer Zeit. Genau wie so vieles andere, hatte auch sie sich noch nicht dem neuen Leben angepasst.
Silver schüttelte den Kopf und setzte sich seufzend an den Tisch, um wenigstens für ein bisschen Ordnung zu sorgen – was sollte er sonst tun? Er musste sich mit irgendetwas die Zeit totschlagen, denn das Warten machte ihn wahnsinnig. Eigentlich hatte er viel mehr Lust seinen Bruder suchen zu gehen, doch da er nicht an deren Trainingsplatz gewesen war, musste bedeuten, dass er nicht wollte, dass Silver ihn fand oder überhaupt nach ihm suchte. Blue wollte nicht gefunden werden, denn er wollte alleine sein.
Was für ein Egoist. Als ob es ihm, Silver, damit gut gehen würde! Wurde er gefragt ob er alleine sein wollte? Nein. Wollte er alleine sein? Nein! Wenn er alleine war, konnte er die Gedanken nicht lange zurück halten. Gedanken, die ihn traurig machen würden und er wollte nicht traurig sein… Er mochte diese Gefühle nicht spüren.
Es musste doch irgendwie weiter gehen.
Er und Blue, sie hatten doch jetzt ein neues Ziel. Ein Ziel für welches sie weitermachen mussten, für welches sie die Trauer und die Sehnsucht zurück stellen, zur Seite schieben mussten.
Obwohl Silver sich dies einredete, spürte er das Wasser in seinen Augen hochkommen, als unter dem Hab und Gut, welches von seiner Identität als Siberu Nakayama zeugte, sein altes Kippbild zum Vorschein kam, welches auch noch ausgerechnet das Bild von Green zeigte. Wie gern er dieses Bild doch früher angeguckt hatte, wie gerne er ihr strahlendes Lächeln, ihre von Lebensfreude zeugenden Augen, bewundert hatte! Jetzt tat es weh, es zu sehen, denn er war sich bewusst, dass er und sein Bruder genau dieses Lächeln zerstört hatten.
Er war sich bewusst, dass sie das einzig Richtige getan hatten, dass sie keine andere Wahl gehabt hatten, dass sie es für sich und vor allen Dingen für Green haben tun müssen – doch warum löste es dennoch ein so schlechtes Gewissen aus, so schlimm, dass ihm fast schlecht wurde, nur beim Ansehen des Bildes?
Silver konnte den Anblick nicht ertragen und ohne zu zögern, fast so als wäre das Bild eine giftige Schlange, stieß er es von sich. Er hörte wie es auf den Boden fiel und wie das Glas zerbrach, doch scherte sich nicht darum, sondern schob nur den Rest der Sachen mit einer brutalen Bewegung seines Armes vom Tisch, wo es polternd zu Boden fiel.
Der Halbdämon musste einen Moment lang erst einmal Luft holen, ehe er nach Rui rief, die im Draußen vor auf der Treppe hockte, wie sie es so oft tat. Umgehend tauchte seine treue Untergeberin in der Tür auf, doch blieb dort stehen. Offensichtlich war sie nicht so oberflächlich wie sie manchmal zu sein schien, denn sie wusste sehr wohl, dass es nicht angebracht war zu fragen, warum seine Schultern bebten. Sie wartete, bis er selbst etwas sagte, was er tat, nachdem er ein weiteres Mal tief durchatmete:
„Wirf das weg.“ Er machte eine gestikulierende Armbewegung in die Richtung der am Boden liegenden Sachen und fügte hinzu:
„Nein, vernichte sie lieber. Und guck nichts davon näher an, ich warne dich. Lass es… bitte. Vernichte es einfach.“ Einen Moment lang zögerte Rui, da sie ohne genauer hinzusehen schon sah, dass es sich dabei um die Sachen handelte, die er aus Japan mitgenommen hatte. Doch sie sagte nichts, sondern packte alle Sachen langsam in ihre Arme, ohne es genauer anzusehen, genauso wenig wie Silver selbst. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, verließ Rui das Zimmer wieder und hinterließ ihn in seiner Gedankenwelt.
Es war fast so, als wären seine Gedanken zum Stillstand gekommen, oder wenigstens tat er als ob; denn er wollte nicht darüber nachdenken; nicht dem Strudel der Zeit verfallen, um darin zurück gezogen werden. Doch er konnte nichts dagegen tun, dass er genau wie sein Bruder ein Opfer seiner Erinnerungen wurde. Zurück zu dem Zeitpunkt wo es auch für ihn angefangen hatte, wo der Auftrag für ihn interessant wurde – wo er plötzlich zu etwas anderem wurde, als ein Grund zur Eifersucht, weil Blue die Gelegenheit hatte zurück nach Japan zu kehren und er nicht.
Sein Interesse wurde geweckt, als Blue nach einer Woche, wo er nicht in der Dämonenwelt gewesen war, zurückkehrte und Silver davon erzählte, dass Green nun erwacht war und dass er deswegen neben ihr eingezogen war, da der Auftrag nun in seine nächste Phase überging. Er sollte sie nicht mehr nur observieren, nun sollte er auch dafür sorgen, dass sie sich näher kamen.
„Wie „nah“ meint Sensei eigentlich?“, hatte Silver gefragt, nachdem Blue ihm das erzählt hatte. Sie saßen beide auf dem großen Baum, der auf deren Trainingsplatz stand und er konnte sich daran erinnern, dass Blue länger über die Frage nachgedacht hatte, ehe er mit den Schultern gezuckt hatte:
„Ich weiß es nicht genau, Ri-Il hat es nicht definiert. Ich denke so nah, dass es vorteilhaft ist für die Informationsbeschaffung.“
„Ahja.“ Die beiden Brüder schwiegen kurz, einen Moment den Silver ausnutze um seinen Bruder von der Seite her aufmerksam zu mustern, doch dieser sah ihn nicht an, sondern war in seinen Gedanken versunken, aus welchen Silver ihn weckte:
„Wie ist sie eigentlich so? Also jetzt wo du sie näher kennst?“ Blue sah auf und sah ihn erst verwundert, dann skeptisch an:
„Was genau meinst du?“
„Wie sie so ist eben. Ist sie ein hübsches Mädchen? Ist sie gut gebaut?“ Blues Augen verengten sich weiter ehe er sagte:
„Sie ist eine Hikari.“
„Was soll das denn heißen? Hikaris sehen ziemlich hübsch aus, wenn man davon absieht, dass sie nur weiß sind.“
„Gut, dass du den Auftrag nicht machst. Deine Einstellung dazu ist eindeutig unpassend. Du bist eindeutig zu frühreif: was machst du die ganze Zeit, wenn ich nicht da bin?“
„Weichst du der Frage aus, Aniki?“ Wieder eine kurze Pause in der Silver seinem Bruder eindeutig ansah, dass er seine Röte zurück halten musste. Er schien zu wissen, dass Silver ihn nicht in Ruhe lassen würde mit dieser Frage, also begann er nach kurzem Zögern:
„Sie… ist nicht hässlich, sagen wir das mal so. Aber sie ist so miserabel in Mathematik, noch viel schlimmer als du; ich hätte nicht gedacht, dass das möglich wäre! Als Green und ich eine Gleichung…“ Silver seufzte ungehört, als er bemerkte, dass er wohl keine Auflösung darüber bekommen würde, ob die Hikari nun gut gebaut war oder nicht. Er begann dem Vortrag seines Bruders nur noch mit halbem Ohr zu folgen, bis ihm plötzlich etwas auffiel:
„“Green“?“ Blue sah auf, als er ihn mitten in seinen Vortrag über eben diese Gleichung unterbrach.
„Ja, Green. So heißt sie.“ Fast schon argwöhnisch beäugte Silver seinen Bruder, ehe er antwortete:
„Seit wann nennst du sie „Green“? Du hast sie nie bei ihren Vornamen genannt.“ Der Rotschopf sah seinem Bruder an, dass er nun verstand worauf er hinaus wollte und seine anfängliche Verwunderung wurde ebenfalls argwöhnisch, aber auch ein wenig verärgert. Doch er kam nicht zum antworten, denn Silver fragte ihn:
„Kommst du ihr nicht vielleicht zu nah?“
„Silver“, fing Blue an mit einem verärgerten Seufzten:
„Ich gebe ihr Nachhilfeunterricht, damit wir eine freundschaftliche Beziehung aufbauen können. Der Faktum, dass wir uns nicht länger mit unseren Nachnahmen anreden ist vorteilhaft für den Auftrag.“
Silver erinnerte sich daran, dass sie wütend auseinander gegangen waren und dass sie sich nach diesem Gespräch erst wieder in der Menschenwelt gesehen hatten, nachdem Silver sich dazu entschlossen hatte, sich gegen den Willen Ri-Ils in den Auftrag einzumischen, denn er wusste, anders als Ri-Il und wahrscheinlich auch Blue, wie sehr dieser sich nach seinem menschlichen Dasein sehnte. Wie gern er vergessen würde, dass er Blue, ein Dämon, war und nicht Gary Ookido, ein Mensch. Damals fürchtete Silver noch nicht, dass Blue sich wohlmöglich in Green verlieben könnte; er fürchtete eher, dass Blues Sehnsucht nach einem normalen, menschlichen Leben dank Green stärker werden würde und er am Ende sein Leben als Dämon nicht mehr fortsetzen könnte.
Er fürchtete, dass er seinen Bruder verlieren könnte.
Aus diesem Grund fühlte sich Silver dazu gezwungen sich einzumischen, ohne genügend Hintergrundwissen zu haben. Denn er wusste nicht, dass Ri-Il Blue ausdrücklich verboten hatte, Green auch nur irgendwie in Gefahr zu bringen. Silver nahm an, dass es das Beste war, wenn er dafür sorgte, dass der Auftrag abgeschlossen wurde. Er würde Green einfach umbringen, indem er das Glöckchen stahl: ohne Glöckchen keine Hikari, ohne Hikari kein Auftrag und ohne Auftrag kein unglücklicher Bruder. Dass Ri-Il sauer werden könnte, wie Blue ebenfalls – tja, das nahm er in Kauf. Er war nie jemand gewesen, der sich über die Konsequenzen seiner Handlungen Gedanken gemacht hatte, erst recht damals nicht. Er hatte zu schnell gehandelt, zugegeben. Aber konnte man es ihm übel nehmen, dass er sich Gedanken gemacht hatte, nachdem Blue ihm um jeden Preis das Glöckchen abgenommen hatte? Man hatte ihn immerhin nicht über die Hintergründe informiert – wie hätte er Blues Handlungen den anders deuten sollen, als dass Blue zu tief in seinem Auftrag versunken war? Keinen Augenblick dachte Silver ernsthaft, dass sein Bruder sich irgendwie zu Green hingezogen fühlte: Sein Bruder und Mädchen!? Nein, das war vollkommen unmöglich. Es war Silver der sich öfter Ärger einhandelte, wenn er Ri-Ils Mädchen nachsah und es war Blue, der ohne Interesse an das weibliche Geschlecht weiter ging, in seinen eigenen Gedanken versunken. Daher war der Gedanke, dass Blue irgendetwas für Green empfand, damals noch völlig abwegig für ihn.
Ohne groß darüber nach zu denken, hatte er sich zu einer anderen Methode entschlossen und so nutzte er seinen Charme, seine Lieblingswaffe aus, um Green so nahe zu kommen, wie Blue es sich niemals getraut hätte, ohne wirklich an sie interessiert zu sein.
Natürlich wollte auch er sehen was für ein Mädchen so eine Hikari war und wie sie es schaffte Blue so sehr zu beeinflussen. Wirklich begeistert von ihr wurde er erst, als sie ihn bekämpfte; als sie sich zur Wehr setzte… aber in sie verlieben? Er wusste nicht, ob er sich in sie verliebt hatte, auch jetzt nicht, wo er darauf zurück sah.
Sowieso hatte er sich nie Gedanken darüber gemacht ob weder er noch sein Bruder ernsthaft in Green verliebt wären; ob das Gefühl der Liebe und Zuneigung irgendwie im Spiel war und somit zu einer Hinderung des Auftrages würden könnten. Die beiden Brüder hatten nie darüber gesprochen… dass sie Green mochten, nicht als Opfer, nicht als Objekt eines Auftrages, sondern als Person, war etwas was sie jeder für sich langsam rausfanden. Doch darüber sprechen hatten sie nicht getan, fast so als fürchteten sie, dass es dadurch nur noch schlimmer werden würde. Vielleicht aber… wollten sie es nicht wahrhaben. Vielleicht wollten sie sich selbst nicht mit dem konfrontieren, was sie taten, dass sie nur bei Green waren des Auftrags wegen, sie beschützten, des Auftrags wegen…
Ihre Dämonenaugen waren blind gewesen.
Durch die Augen von Menschen ersetzt worden, Augen die nur Green sahen, die ihnen lächelnd die Hand ausgestreckt hatte, mit der Absicht sie aus der Dunkelheit zu befreien und sie zurück ins Licht zu führen.
In das Licht… ein Licht welches nicht blendete, welches sorgenlos war, nicht schmerzhaft, sondern sanft und welches das Gefühl von Heimweh endlich stillen konnte.

So deutlich erinnerte er sich noch an einen Abend; einen Abend von vielen Abenden, wo sie bei Green aßen. Wenn sich Silver nicht täuschte, war es sogar das erste Mal gewesen. Noch in der Schule hatte sie die Beiden eingeladen, natürlich um Geld zu sparen. Pink war nicht Zuhause, nur sie drei zusammen. Nur sie drei an einem gedeckten Tisch, mit vier Stühlen, mit drei Tellern – der Geruch des Essens hing in der Luft und mitten drin stand sie, die Haare zu einem Zopf gebunden, einen Kochlöffel in der Hand. Als sie ihnen die Tür öffnete, hatte Green vor Freude gelacht.

„Willkommen Zuhause!“

Silver wusste nicht, ob Blue es in diesem Moment auch gespürt hatte, ob es ihn ähnlich erging. Doch als er diese Worte hörte, traten ihm Tränen in die Augen.

Endlich. Endlich, nach so vielen Jahren, waren sie wieder Zuhause.

Nur um es selbst zu zerstören…


Blue war schon sehr früh bewusst gewesen, dass er und sein Bruder in einer Teufelsspirale festsaßen; eine Teufelsspirale welche unaufhaltsam nach unten raste und nicht nur in Dunkelheit, sondern auch in Leid und Trauer enden würde; für alle Beteiligten. Der Auftrag war außer Kontrolle geraten; die Teufelsspirale drehte sich und war nicht mehr aufzuhalten.
Umso länger der Auftrag dauern würde, umso schwerer würde es werden ihn zu beenden. Auch wenn Silver und er nie darüber sprachen, sah er seinem Bruder an, was er in sich selbst spürte: dass er nicht nur Green mochte, sondern auch, dass ihm das Leben als Mensch gefiel. Blue hatte nie gewusst, was er von Silvers tausenden Liebeserklärungen halten sollte, da Silver sich wahrscheinlich nicht einmal sicher war, wie er das Gefühl „Liebe“ für sich definierte. Daher hatte er sich darüber keinen Kopf gemacht, immerhin lief sein Bruder ziemlich vielen Röcken hinterher und war eindeutig zu frühreif. Auf die Idee, dass Silvers Gefühle für Green anders waren, als zu diesen Mädchen, kam er erst später, kurz nach Neujahr, nachdem Silver die gesamte Schule Kopf gestellt hatte, nur um Green zu beweisen, dass seine Gefühle „ernst gemeint“ waren. Das Theater welches er veranstaltet hatte, war nicht der Grund, weshalb Blue anfing sich Sorgen um ihn und seine Gefühle zu machen – es war die Umarmung Greens gewesen, zusammen mit seiner doch recht heftigen Reaktion auf ihre Ablehnung. Green hatte er vielleicht damit nicht bewiesen, dass er sie liebte, aber Blue hatte er damit eindeutig bewiesen, dass Silver den Auftrag nicht mehr gefühllos gegenüber stand. Aber darauf ansprechen tat er ihn nicht, wahrscheinlich weil er selbst wusste, dass er nicht mit Steinen werden konnte: immerhin saßen sie beide im Glashaus, egal wie sehr Blue versuchte gegen die unweigerliche Tatsache anzukämpfen. Er verfluchte seine Röte, die immer wieder bewies, dass er Gefühle ins Spiel brachte, die nicht in den Aufrag hinein gehörten.
Aber irgendwann kam der Moment wo Blues Widerstand mehr und mehr in Schwanken geriet. Einer dieser Momente, der besonders entscheidend war, war nachdem Blue Green getröstet hatte, als Kari gestorben war. Der Augenblick wo sie sich verabschiedeten. Ihre Augen.. wie sie strahlten, obwohl sie immer noch rot vom Weinen gewesen waren. Ihr heiteres Lächeln, ihre Haare, die sie nach hinten gestrichen hatte… einfach alles.
Sie standen da, im Türeingang, grinsten sich an. Ob sie das etwas auch bemerkte, welches in der Luft schwebte? Diese Gefühle die zwischen ihnen waren? Ja, sie wusste es, dessen war er sich sicher und er sollte stolz darauf sein, dass es ihm gelungen war, eine Hikari dazu zu bringen einen Dämon zu lieben.
Aber er war es nicht.
Er bereute es.
Denn er hatte nie gewollt, dass es so weit ging. Freundschaft, ja, das war zum Vorteil. Aber sie sollte ihn nicht lieben…
Warum machte sie es sich nur selbst so schmerzhaft…
„Verdammt!“ Blue ertappte sich dabei, wie er aus lauter Wut und wahrscheinlich auch Verzweiflung beinahe an die Tür schlug, doch er konnte sich zurückhalten. Er war wütend. Wütend über sich selbst. Wütend über das was er fühlte.
Er musste sich einfach irren.
Es durfte noch nicht zu spät sein um diese Entwicklung zu stoppen.
Es durfte einfach nicht!
„Bitte...es darf noch nicht zu spät sein!“
Denn, was war mit ihm? Machte er es sich nicht selbst ebenfalls schmerzhafter als es Not tat? Er hatte von Anfang an gewusst, dass es ein schwerer Auftrag war, dass es die oberste Priorität war seine Gefühle aus dem Spiel zu lassen. Absolut aus dem Spiel!
Aber es war bereits zu spät. Alles Flehen und Bitten würde nichts bringen; das wusste er. Er konnte sich nicht gegen die Tatsache wehren, dass er Green mochte… dass er sie zu sehr mochte.
Aber natürlich hatte er das schon lange gewusst. Immer wieder, wenn er die Berichte an Ri-Il schrieb, die ihn unweigerlich daran erinnerten, dass er an einem Auftrag arbeitete, wurde ihm bewusst, wie weit unten sich die Teufelsspirale bereits geschlungen hatte…
Die Zeit in der Green nicht in der Menschenwelt war…
Als sie ihre Erinnerungen verlor, sich nicht mehr an sie erinnern konnte…
Als sie im Krankenhaus gewesen war…
.. und jetzt das.
Eine Hikari hatte in seinen Armen gelegen und es hatte sich gut angefühlt; gut, angenehm, schön – aber nicht richtig.
Er hatte schon lange gewusst, dass es für ihn unheimlich schwer werden würde, den Auftrag zu Ende zu führen. Er wusste, dass ihn dieser Auftrag prägen würde… dass er ihn vielleicht niemals würde verkraften können.
Oh, böses Schicksal! Warum war es so grausam? Warum quälte es ihn so?
Warum musste er es gewesen sein, der Green damals auf dem Flughafen in Deutschland gesehen hatte!
Warum musste sie es sein… warum war sie nur die Hikari?
Warum nur, sollte sie sein Opfer sein?
Warum nur… musste er die Person die ihm so viel bedeutete umbringen…?