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Episode 25
  Episode 25: Das Ausbreiten der Flügel
„Aniki soll seine Bücher gefälligst selber zurück bringen…“
Saiyon war alles andere als davon begeistert, dass Shitaya ihm die Bücher in die Hand gedrückt hatte, mit den Worten, dass sie noch an diesem Tag unbedingt zurück in die Bibliothek des Tempels müssten und dass er selbst dafür leider keine Zeit hatte – und das mit einem vielsagendem Grinsen und da Saiyon wusste, dass sein Bruder gewiss kein Treffen mit deren Kollegen hatte, war ihm der Hintergrund dieser Tat sehr wohl bewusst. Besonders als Shitaya mit einer andeutenden Bewegung seines Ellbogens sagte, dass sein kleiner Bruder vielleicht Glück hatte und Greens Wege kreuzte.
„Ich brauche deine Hilfe nicht“, hatte Saiyon geantwortet, obwohl ihm bewusst war, dass er dem Wunsch seines Bruders ohne jeden Zweifel nachgehen würde.
„Aber das ist deine Chance! Und ich als dein großer Bruder muss dich unterstützen, das ist meine Aufgabe, weißt du? Ich bin mir sicher, dass unsere Eltern so stolz auf dich währen…“
„Halte doch bitte unsere Eltern da raus…“, hatte er entgegnet, doch keineswegs in einem mürrischen Tonfall, sondern eher peinlich berührt, da sein Vater tatsächlich immer davon geträumt hatte, dass er einer seiner Söhne mit der Hikari verheiraten würde. Es war jedoch Shitaya gewesen, den er für diese Rolle vorgesehen hatte; kein Wunder, so war Shitaya doch immer der Erfolgreichere von ihnen gewesen.
Doch obwohl Saiyon sich gesträubt hatte, fügte er sich natürlich, denn im Stillen hatte er immerhin auch die geheime Hoffnung, dass er Green über den Weg laufen würde. Doch gleichzeitig fürchtete er sich auch ein wenig davor, denn er wusste nicht, wie er sich verhalten sollte, wenn sie sich zufällig treffen würden. Was sollte er ihr sagen, nachdem sie ihm eröffnet hatte, dass die Person die sie liebte gestorben war? Sollte er sie darauf ansprechen? Sein Beileid ausdrücken? Wäre das vielleicht taktlos? Aber wäre es nicht genauso taktlos einfach so zu tun, als wäre das Gespräch nie gewesen?
Er machte sich Sorgen um Green – aber das konnte er ihr wohl kaum sagen.
Saiyon seufzte. Green, Green, Green… er musste an etwas anderes denken. Wenn man es genau nahm, war es schon eine Anmaßung, dass er in seinen Gedanken über „Green“ und nicht über „Hikari-sama“ dachte.
„… doch zum Glück sind die Gedanken frei“, sagte er an sich selbst gerichtet, während er den Korridor entlang schritt, welcher zur Bibliothek führte. Abrupt unterbrach er jedoch plötzlich seinen Weg und am liebsten, hätte er sich auf dem Absatz herum gedreht und hätte sich versteckt: Denn Green kreuzte schnellen Schrittes direkt vor ihm den Gang: Sie bemerkte ihn nicht einmal.
Wie frustrierend.
Und nein, Saiyon, du wirst jetzt nicht hinter her gehen…
Doch obwohl er sich dies sagte, konnte er sich nicht davon abhalten um die Ecke zu schauen, wo er gerade noch Greens wehende Haare sehen konnte, ehe sie die Treppe hinunter ging, welche, wenn Saiyon sich recht erinnerte, in die Turnhalle des Tempels hinab führte.
Saiyon sah ihr lange nach, hin und her zweifelnd, ob er ihr hinterher gehen sollte, bis die Bücher in seinen Armen zu schwer wurden und er sich dazu entschied, zur Bibliothek zu gehen.
Nur damit der Kampf zwischen Gewissen und Verlangen erneut in ihn ausbrach, kaum, dass er die große Tür der Bibliothek hinter sich gelassen hatte. Ein zweites Mal war Saiyons Gewissen jedoch nicht stark genug und bei der Weggabelung bewegten sich seine Füße zur Turnhalle, dessen Tür leicht geöffnet war. Green war nach wie vor in der Halle, wie er hören konnte und ganz offensichtlich war sie alleine.
Ohne sich bemerkbar zu machen, schritt er zur Tür und lugte hinein, wobei der Windwächter sich dumm, ja beinahe elendig vor kam, als er so da stand und Green bei ihren Bewegungen zu sah. Er hatte noch nie etwas von Rhythmische Gymnastik gehört und war demnach ein wenig verwirrt über ihre Bewegungen. Nichtsdestotrotz war er von ihren zarten, doch gleichzeitig beherrschten und sprunghaften Bewegungen förmlich in den Bann gezogen. Wie das Band sich um ihren Körper schwang, ihre Haare auf und ab wehten, die entschlossenen königsblauen Augen, der glänzende Schweiß auf ihrer Haut… das Trikot welches ihren Körper betonte…
Abrupt, als hätte Saiyon etwas Verbotenes gesehen, wirbelte er herum, weg von diesem Bild. Er brauchte keinen Spiegel um zu wissen, dass er hochrot angelaufen war, denn sein Herz schlug ihm bis zum Hals.
So dachte er auch im ersten Moment, dass das Geräusch von ihm selbst kam, ehe er begriff, dass Green gestürzt war.
Genauso abrupt wie er sich von ihr weggedreht hatte, hatte er sich auch wieder herum gewandt und ohne, dass er darüber nachdachte, rannte er in die Turnhalle, wo Green auf den Boden kauerte. Schon bevor er bei ihr angekommen war, sah er, dass ihr rechter Fuß sich leicht verfärbt hatte und wenn ihn nicht alles täuschte, klang es, als ob Green weinen würde. Der Mp3-Player, den sie wohl vorher noch getragen hatte, hatte sie sich von den Ohren gerissen und lag neben ihr auf den Boden. Nach wie vor konnte Saiyon eine ihn unbekannte Klaviermusik aus den Lautsprechern des Gerätes hören.
Saiyon wagte es nicht näher als zwei Meter heran zu gehen, aus Angst, dass er sich nicht mehr unter Kontrolle halten könnte und womöglich noch die Hand auf ihre Schulter legen würde, um sie zu Fragen ob alles in Ordnung war.
„Hikari-sama?“
Green hörte ihn nicht. Ihre Augen waren geweitet, sahen aber nicht den Boden vor ihr. Sie sah nichts. Sie spürte den Schmerz nicht. Sie hörte nur die Melodie, die ihr Musikspieler nach wie vor spielte. Sie wehrte sich dagegen, doch konnte nichts dagegen tun, als die Erinnerung, die mit diesem Lied verknüpft war, sich wieder abspielte, als wäre es auch nur irgendein Lied:

„Hmmm? Seit wann hören wir denn Musik beim Lernen?“
„Ich hab gedacht, vielleicht hilft dir das beim Konzentrieren. Auf einige wirkt Musik stimulierend und das fördert das Denkvermögen. Ich kann das von mir nicht gerade behaupten, aber meine Konzentration wird in diesem Fall ja auch nicht gebraucht.“
„Also ich weiß nicht, ob es meinem Denkvermögen auf die Sprünge hilft, aber ich weiß auf jeden Fall, dass mir die Musik gefällt! Kannst du sie mir auf meinen Mp3-Player speichern?“
„Das wundert mich. Du magst klassische Musik?“
„Warum nicht? Klassische Musik ist gut für meine Gymnastik, da wirkt es auf jeden Fall stimulierend!“
„Gut, dann werde ich dir die Musik geben – auch wenn das nicht Sinn der Sache war.“
„Hihi, danke, Gary.“


Es war keine besondere Erinnerung. Einfach eine ganz normale, ordinäre Erinnerung… welche auch nur eine Lüge war, welche zur großen beigetragen hatte.

Warum nur? Warum nur spürte sie die verhassten Tränen brennend in ihren Augenwinkeln? Warum nur, konnte sie sowas Simples berühren und die Tränen hervorrufen?

„Hikari-sama? Habt Ihr Euch verletzt?“ Erst jetzt hörte Green die Stimme, welche sie als die von Saiyon wieder erkannte. Sie sah ihn nicht an, als sie sagte, dass alles in Ordnung sei, dass sie nur gestürzt war, denn sie wollte vermeiden seine Augen zu sehen. Sie wollte nicht, dass das gleiche geschah wie bereits vor einigen Wochen, wo sie ihn verwechselt hatte…
Green setzte sich auf den Boden und hob den Kopf, darauf bedacht nicht in seine Augen zu sehen. Saiyon setzte sich ebenfalls hin, da seine Neugierde geweckt war und sie scheinbar nicht vorhatte, ihn rauszuwerfen. Hatte er es sich nur eingebildet, dass sie geweint hatte? Er sah nicht die geringste Spur von Tränen in ihrem Gesicht. Er sah nur Erschöpfung und… Traurigkeit. Sein Blick wandte sich von ihren Augen ab und er zog rasselnd die Luft ein, als er ihr Glöckchen sah. Mit geweiteten Augen fragte er entsetzt:
„H-Hikari-sama, was ist mit Eurem Glöckchen geschehen? Ist das nicht…“ Weiter kam er nicht, denn Green antwortete bereits:
„Es ist nichts. Nur ein Kratzer.“ Ein Kratzer? Danach sah das aber nicht aus… eher nach einem Zentimeter tiefen Riss. Er hatte noch nie davon gehört, dass die Glöckchen der Hikari brechen konnten.
Doch Saiyon konnte sie nicht weiterhin mit Fragen belagern, was das Glöckchen anging, da er bereits an ihrem Tonfall gehört hatte, dass sie darüber nicht reden wollte und dass das Thema damit abgehakt war. Dennoch hatte Saiyon nicht vor jetzt zu verschwinden:
„Wenn Ihr die Frage erlaubt, Hikari-sama… Was macht Ihr hier?“ Green zeigte nicht die geringste Regung auf seine Frage. Saiyon bemerkte, dass ihr Blick auf dem Mp3-Player lag als sie antwortete:
„Rhythmische Gymnastik.“ Der Mp3-Player verstummte, als sie dies sagte, trotzdem hatte der kleine schwarze Gegenstand ihre gesamte Aufmerksamkeit.
„… Verstehe.“ Er hatte keine Ahnung was das war und verstehen tat er auch nicht. Ihm war bewusst, dass Green nicht reden wollte, er hörte es deutlich an ihrem Tonfall und ihre Körpersprache sprach Bände - es wäre anmaßend wenn er es weiterhin versuchen würde. Obwohl sie es nicht sagte, wusste Saiyon, dass sie alleine sein wollte. Doch gerade weil er es wusste, verwunderte ihn ihre nächste Frage erst recht:
„Mein Bruder hat mir erzählt, dass du deine Magie lange nicht einsetzen konntest, es aber geschafft hast und du von einem Unterwächter zu einem Offizier aufgestiegen bist. Wie hast du das gemacht?“ Saiyon wurde rot, aus zweierlei Gründen. Zum einen, dass sie es überhaupt wusste und dass sie sich an etwas erinnert hatte, was mit ihn in Verbindung stand. Zum anderen, weil er ihr wohl kaum verraten konnte, dass sie der Grund war, weshalb er seine Magie wieder entsiegeln konnte. Diese beiden Tatsachen verunsicherten den Windwächter, wie auch die Tatsache, dass Green so gut wie nackt vor ihm saß. Kein Wächter würde jemals auf die Idee kommen solch ein hautenges Kleidungsstück zu tragen und schon gar nicht die Hikari selbst.
Green schien sein Zögern zu bemerken und sagte:
„Wenn du es mir nicht erzählen willst, ist das vollkommen okay.“
„Nein, nein! Ich habe nicht im Sinnen etwas vor Euch zu verheimlichen, Hikari-sama… es ist nur etwas schwer es in Worten zu fassen…“ Besonders wenn Ihr mich so anguckt, Hikari-sama.
Green huschte ein kleines Lächeln über ihr schönes Gesicht und Saiyon wurde schummrig beim Zugucken. Dennoch fing er an zu erklären, ohne wirklich über seine Wortwahl nach zu denken:
„Ich habe 20 Jahre ohne meine Magie gelebt, weil ich sie nicht gebraucht habe. Ich hatte keinen Grund sie zu brauchen. Natürlich, wäre ich ein guter Wächter gewesen, wäre es Grund genug gewesen meine Mitwächter im Kampf zu unterstützen. Doch es genügte nicht, ich musste für mich selbst einen Grund finden.“
„… Einen Grund…“, wiederholte Green leise.
„Ja, einen Grund. Ich brauchte ein Ziel. Und…“ Saiyon sah Green an und zum ersten Mal seitdem sie zu Reden angefangen hatten, sah sie ihn auch an.
„Dieser Grund wart Ihr.“ Ihre Augen weiteten sich ein wenig, doch ansonsten keine Regung und Saiyons plötzliche Mut schrumpfte zusammen und fiel in sich zusammen wie ein Kartenhaus.
„Als ich… Euch gesehen hatte, da wusste ich, dass ich meine Pflicht Euch zu unterstützen nachgehen wollte, wie es meine Bestimmung ist als Wächter.“
Saiyon konnte es ihr nicht sagen. Er konnte ihr nicht sagen, dass er sich auf den ersten Blick in sie verliebt hatte. Zu große Angst hatte er vor ihrer Reaktion; dass sie gar nicht reagieren würde.
„Und dadurch hast du deine Magie zurück erlangt?“, fragte Green ein wenig skeptisch, denn anscheinend konnte sie seinen Grund nicht ganz nachvollziehen.
„Ja. Wie ich bereits sagte, ich brauchte einen Grund für mich selbst und den hatte ich durch Euch gefunden.“ Die Hikari sah nachdenklich zu Boden, dann aus dem Fenster, wo die Sonne unter ging und den Himmel, wie auch die Turnhalle in ein rotes Farbenmeer tauchte. Eine Weile sah sie hinaus, bis sie sich aufrichtete, was Saiyon ihr umgehend gleich machte.
„Danke für das Gespräch, Saiyon. Ich denke du hast mir sehr geholfen.“ Der Angesprochene schüttelte den Kopf und sagte, dass sie sich nicht für so etwas bedanken brauchte, da es doch selbstverständlich war. Sie verabschiedeten sich voneinander und Saiyon machte sich auf dem Heimweg. Doch ehe er die Turnhallte verließ, drehte er sich noch einmal um.
Green hatte ihm bereits den Rücken zugekehrt, sie hielt den eigenartigen Stab mit dem Band in ihrer Hand umklammert und bückte sich, um den Mp3-Player aufzuheben. Da sah er es. Ihr Fußgelenk sah immer noch verfärbt aus.
Sollte ihre Heilmagie dies nicht eigentlich heilen?


Silence hatte lange darüber nachgedacht, was sie mit dem, wohl bemerkt, mangelhaften Informationen anfangen sollte, die sie durch das Gespräch mit Youma erhalten hatte. Aus verschiedenen Gründen: Zum einen konnten diese Informationen wohl kaum als solche definiert werden, sondern waren eher Vermutungen, denn wahre Fakten konnte sie aus dem Gespräch mit ihrem Bruder nicht heraus filtern. Das Youma einen Krieg erwünschte, um seine eigene Machtposition zu stärken, wusste sie bereits im Vorfeld, immerhin hatte er ihr das erzählt; dass er jemanden für die Hohen wiederbeleben sollte, um im Austausch dafür eine Machtposition zu erhalten, war jedoch nichts weiter als eine Theorie Silence‘. Eine Theorie die obendrein auch noch Hand und Fuß fehlte. Zu viele Fragen waren nach wie vor unbeantwortet: Wen sollte Youma wiederbeleben, für wen und zu welchem Zweck?
Der andere Grund war der, dass Silence in den vielen Jahrhunderten in denen sie bereits existiert hatte, die Kriege zwischen den Wächtern und den Dämonen immer nur beobachtet hatte; sie war nie ein aktiver Teilnehmer in diesen gewesen, nichts anderes als ein stummer Zuschauer. Selbst, wenn sie denn mal Informationen gehabt hatte, die den Wächter zu einem Vorteil geholfen hätten, hatte sie diese für sich behalten; nicht, weil sie auf der Seite der Dämonen stand, sondern einfach daher, dass sie sich den Wächtern nicht zugehörig gefühlt hatte. Genauer gesagt, hatte sie sich der Welt der Lebenden zu keinem Zeitpunkt zugehörig gefühlt. Sie war immer nur ein Beobachter gewesen… und es kostete Überwindung diese Grenze zu überschreiten.
Doch sie hatte es getan, nicht nur weil der kommende Krieg anders sein würde, anders für sie, da ihr Bruder wieder auf der Bildfläche erschienen war, sondern, weil...
Silence führte eine seufzende Position aus, denn sie entschied sich dazu, dass sie ein anderes Mal darüber nachdenken konnte und nicht in diesem Moment, wo sie den ersten Fuß über diese Grenze gesetzt hatte und sie vor White stand.
Die Frage, ob White sich noch an ihren Tod erinnern konnte, war berechtigt. Denn es war normal für die im Jenseits existierenden Hikari, dass sie sich nicht alle an diesen Moment erinnerten – die wenigsten erinnerten sich daran, wie sie den Tod hinter sich gelassen hatten und ins Jenseits übergegangen waren. Doch White gehörte nicht zu diesen.
Die Erinnerung an Kanori… ihren letzten Traum. Den Traum ihrer eigenen, kleinen, bescheidenen Utopie – sie war dankbar, dass sie diesen immer in ihren Herzen trug.
„Ja, ich erinnere mich daran.“
„Und die Gesichtsbücher lügen nicht, wenn sie besagen, dass du und der Dämon Nocturn zusammen gestorben sind?“ Whites Gesicht zuckte, als würde ein Gefühl versuchen hervor zu brechen, doch von irgendetwas unterdrückt wurde. Silence wusste nicht, welches Gefühl dieses war, aber sie war sich sicher, dass sie ein Kapitel von Whites Leben ansprach, welches für sie nicht behaglich war und dass sie dieses offensichtlich gerne umgehen würde.
„Nein, die Geschichtsbücher lügen nicht“, antwortete White mit einem versteckten Widerwillen, welchen Silence jedoch heraus hörte. Doch die Wächterin der Dunkelheit stellte ihre Frage ohne Rücksicht:
„Ich habe eine Frage an dich: Hast du gesehen, wie Nocturn sich aufgelöst hat?“ Fragend sah White sie an, nur einen Moment ehe sie den Kopf senkte um die Augen zu schließen. Als ihr Gesicht in Schwärze gehüllt war, tauchten verschwommen Fetzen der Erinnerung vor ihr auf. Die Bilder waren unscharf, verblasst und auch an die Stimmen konnte sie sich nicht mehr erinnern, nur einzelne Strophen der Nocturne hörte sie noch immer in ihrem Ohr, in ihrem Kopf, schmerzend in ihrem Herzen. Es fiel ihr schwer, sich an den Moment ihres Todes zu erinnern, daher musste White sich stark konzentrieren, um sich daran zu erinnern, ob Nocturn sich aufgelöst hatte oder nicht.

Nocturns letzte Verzweiflungstat… die Vereinigung derer Lippen.
Der Wind… Kanori… der Wunsch sich endlich mit ihm zu vereinen..
Der Schmerz… das Gift! Oh süßer, schrecklicher Schmerz…
Nocturns friedliches Lächeln….
„Merci“

„Ja, das habe ich.“ White sah wieder auf als sie das sagte, ein wenig benommen von dem Ausflug in ihre Erinnerungen, aber dennoch mit Stärke und Gewissheit in ihren Worten.
„Du bist dir ganz sicher?“, hakte Silence noch einmal nach, zur Sicherheit, da auch sie sich bewusst war, wie verklärt der Moment des Todes war. Auch sie, konnte sich nur noch verschwommen daran erinnern, wie Youma sie umgebracht hatte und sie wusste, dass es bei den Hikaris nicht anders war.
Doch White nickte und sagte:
„Ich bin mir ganz sicher. Meine Erinnerungen trügen mich nicht, deutlich sehe ich die kleinen leuchtenden Punkte des Sterbeprozesses: einmal begonnen, kann dieser Prozess nicht mehr unterbrochen werden, wie du sicher auch weißt.“ Silence nickte und schloss konzentriert die Augen, in ihren Erinnerungen suchend, wie es White vorkam. Obwohl sie sich dessen bewusst war, unterbrach White sie, denn sie musste Klarheit haben:
„Welche Gedanken liegen hinter deinem Fragen?“Silence sah auf, sah die Frau an, die ganz offensichtlich angesichts des Themas und der Frage Silence‘ langsam nervös wurde, dies aber hinter einer ernsten Miene zu verstecken versuchte, gespannt auf die Antwort der Yami. Diese jedoch sah ab von ihr, in den Abendhimmel hinaus. Einige Momente lang tauchte ihr Blick in die Rottöne des Himmels hinab, ehe sie sich von diesem Panorama abwandte und an White gesagt sagte:
„Ich verspreche dir, dass ich gut auf Green aufpasse. Egal was passiert.“ White öffnete den Mund, als sie dies sagte, war bereits dabei aufzustehen, doch zu spät: Silence war im gleichen Moment, wo sie dies gesagt hatte, verschwunden.


Natürlich gab es einen Grund, weshalb Silence diese Frage gestellt hatte und obendrein auch dafür, dass sie White nicht alles erzählt hatte. Die Informationen die sie jetzt erhalten hatte, stellten sie zufrieden und beruhigten sie fürs erste auch einmal, denn das Schlimmste, was sie sich ausgemalt hatte, konnte so nicht eintreffen. Lights beeindruckende Fähigkeit Tote wieder zurück ins Leben zu holen war nämlich nicht so uneingeschränkt wie die Hikari es zu glauben vermochten: sie war begrenzt gewesen und genauso war es Youmas nun auch. Sie konnten beide kein Leben aus dem Nichts entstehen lassen – und da Nocturns Leiche nicht mehr vorhanden war, gab es nichts was Youma wiederbeleben könnte. Somit war die Frage allerdings wieder ungeklärt wie es den Dämonen gelingen sollte das Siegel zu brechen.
Silence war auf dem Weg zu Green und wieder einmal stellte sie sich die Frage, ob sie von ihren Gedankengänge erzählen sollte, denn sie hatte ihrem Medium nach wie vor noch nicht von ihrem Treffen mit Youma berichtet. Doch als sie durch die geschlossene Tür von Greens Zimmer schlüpfte und Green zusammen mit Pink und Firey auf ihrem Bett sitzend vorfand, entschied sie sich wieder dafür, dass es noch nicht an der Zeit war Green mit Verschwörungstheorien zu belagern. Sie musste sich auf sie selbst konzentrieren, damit sie so schnell wie möglich ihr Licht wiederfand. Silence seufzte und entschied sich dazu, ihr Medium mit den beiden Mädchen alleine zu lassen. Sie schienen ausgelassen miteinander zu reden und man sollte der Hikari wohl einen Moment der Ausgelassenheit gönnen, besonders im Anbetracht ihres doch recht hartnäckigen Trainings.
Im gleichen Moment, wo die Ausgelassenheit ein jähes Ende fand, löste sich Silence in Luft auf, ohne die Veränderung der Stimmung wahr genommen zu haben. Denn nachdem die drei Mädchen über belanglose Themen gesprochen hatten, von Kekse und Kakao begleitet, hatte sich Firey dazu entschlossen, dass es Zeit war Green das zu erzählen, was sie nun bereits seit ihrer Rückkehr in den Tempel plagte und ihre Gedanken einnahm. Die Chance dies zu erzählen, bekam Firey als Pink verkündete, dass sie noch Schokolade im Zimmer hatte und diese holen müsse – man könne doch keine Kekse essen ohne Schokolade!
„Also, Firey, was liegt dir auf der Zunge?“, war es Green die das Gespräch anfing, sobald Pink den Raum verlassen hatte. Überrascht über diese Frage sah Firey sie mit großen Augen an und fragte ihre Freundin, wie sie auf die Idee kam, dass sie unbedingt etwas loswerden wollte. Green sah den großen, runden Keks an, welchen sie zwischen den Fingern hielt und antwortete:
„Dein plötzlicher Heißhunger auf Schokolade war ja gar nicht zu übersehen und dass wo ich genau weiß, dass du keine Milchschokolade magst, sondern nur Zartbitter. Mit anderen Worten; du warst ziemlich erpicht darauf, dass Pink mein Zimmer verlässt.“ Die Hikari grinste ihre Freundin an, welche nach wie vor überrascht war; nun aber darüber, dass Green sich gemerkt hatte, dass Firey keine Milchschokolade mochte.
Obwohl Green sie nun ziemlich direkt dazu aufgefordert hatte, zögerte Firey noch ein wenig, was die Hikari nervös machte. Scheinbar nicht ohne Grund, wie sich herausstellte, als Firey endlich anfing:
„Sho hat es herausgefunden.“ Green musste gar nicht fragen, was Sho heraus gefunden hatte: es war nur allzu deutlich, um was es sich handelte und sofort erhob die Hikari sich aus ihrer eher entspannten Pose und saß kerzengerade im Bett.
„Wie hat sie das herausgefunden?“ Firey sah weg und antwortete:
„Sho hat wohl ein Gespräch von dir und deiner Mutter mit angehört.“ Lange musste die Angesprochene nicht überlegen um zu ahnen, um welches Gespräch es sich handelte und sie fluchte über sich selbst, denn ihr war klar, wem sie dieses Dilemma zu verdanken hatte: niemand anderen außer ihr selbst, denn sie war es gewesen, die ihre Mutter darum gebeten hatte, das Gespräch auf Japanisch zu führen.
Ausgerechnet Sho! Von allen Menschen, ausgerechnet Sho! Nicht nur, dass sie der neugierigste Mensch war, den Green jemals getroffen hatte, sie stand auch in Kontakt mit Green und Firey, was sie zu einem potentiellen Druckmittel für die Dämonen machen würde, sobald diese herausfinden würden, dass Sho über alles Bescheid wusste. Zwar waren eigentlich alle Menschen, zu den besonders Green Kontakt hatte, in der Schusslinie, aber, dass sie Bescheid wusste, verminderte nicht gerade ihre Chance in Gefahr zu geraten… und so wie Green Sho kannte, würde diese auch nicht schreiend davon rennen, wenn man sie vor einem Dämon warnen würde. Sie würde Green und Firey vielleicht sogar hinterherrennen, ganz gleich wie groß die Gefahr war! Ihre Neugierde würde ihre Angst weit übersteigen und obendrein war sie eine Person, die überaus impulsiv war… sie würde erst nachdem sie in Gefahr geraten war, bemerken, dass sie in eine hinein gerannt war. Sie war ein verdammt gut gefundenes Fressen!
Green seufzte tief und nach einem kurzen Zögern, in dem sie erst einmal ihre eigenen Gedanken beruhigen musste, sagte sie:
„Erzähl mir erst einmal, wie das Gespräch gelaufen ist.“


„Du ziehst auch in den Krieg, nicht wahr, Firey?!“
Die beiden rothaarigen Geschwister hatten sich sicherlich mehr als zehn Sekunden lang nur angestarrt, nachdem Sho dies gesagt hatte. Nach diesen zehn Sekunden wurde Firey bewusst, dass sie nichts sagen konnte, um sich heraus zu winden; zu lange hatte sie geschwiegen, zu lange hatte sie gebraucht um zu erkennen, dass es ihre Schwester war, die die Wahrheit ausgesprochen hatte und dass sie somit wusste, dass Firey eine Wächterin war…
„Jetzt ergibt es merkwürdigerweise alles plötzlich einen Sinn.“ Aus Reflex schüttelte Firey den Kopf und ein unechtes Lächeln tauchte auf ihrem Gesicht auf, welches jedoch nicht die steinharte Fassade von Shos Gesicht erreichen konnte.
„Ich weiß gar nicht wovon du…“ Sho unterbrach sie:
„Tu nicht so. Es ist völlig klar, dass du ebenfalls in dieser Sache mit drin steckst. Was seid ihr? Magier oder sowas?“ Wieder schüttelte Firey den Kopf und setzte zu einem erneuten Versuch an, es Sho auszureden, doch diese unterbrach sie schon nach dem ersten Wort, in einem Tonfall der Firey sagte, dass Sho es überaus ernst meinte:
„Verarsch mich nicht! Erzähl mir was los ist, oder ich lasse dich nicht gehen!“ Um dies zu unterstreichen drehte Sho den Schlüssel im Schloss herum und steckte den Schlüssel in ihre Tasche. Firey wusste, dass sie Sho den Schlüssel abnehmen konnte, aber das wollte sie nicht. Sie konnte den Gedanken nicht verkraften, sich im Streit von Sho trennen zu müssen, auf ein Schlachtfeld ziehen zu müssen, von welchem sie vielleicht nicht wieder zurückkehren würde.
„Bitte, Sho, gib mir den Schlüssel…“
„Erst erzählst du mir alles. Ich will wissen, was die Dinge bedeuten, die ich von Green und ihrer Mutter gehört habe.“
„Bitte, Sho, ich kann nicht. Ich darf nicht!“ Sho tat so, als würde sie den inständigen Tonfall ihrer kleinen Schwester nicht hören und sah desinteressiert in eine andere Richtung.
„So? Dann kannst du ja auch noch eine Weile hier drin bleiben.“
„Sho…“, antwortete Firey mit einem tiefen, erschöpften Seufzen, das die Angesprochene dazu brachte, ihren Kopf wieder ihrer kleinen Schwester zuzuwenden:
„Sag es einfach. Ich schwöre, ich werde es für mich behalten.“ Firey konnte nicht drum herum die Augenbraue zu heben und skeptisch zu antworten:
„Du schwörst es für dich zu behalten? Wie oft habe ich das nicht schon aus deinem Mund gehört und das wohlbehütete Geheimnis entweder von einem Klassenkamerad oder von unseren Schwestern gehört?“
„Ich kann echte Geheimnisse von weniger Echten unterscheiden“, entgegnete Sho, doch ein wenig peinlich berührt, dass Firey ins Schwarze getroffen hatte. Der Feuerwächterin gefiel diese Antwort weniger, denn sie fand, dass es keinen Unterschied zwischen der Echtheit verschiedener Geheimnisse gab und dass die Geheimnisse, die sie ihrer großen Schwester anvertraut hatte, allesamt von großer, privater, Wichtigkeit gewesen waren.
Anscheinend hatte Sho bemerkt, dass Firey nicht gerade angetan war von dieser Antwort, denn sie versuchte es den anderen Weg herum:
„Das ist doch sicherlich auch der Grund, warum merkwürdigerweise Sachen in Flammen aufgegangen sind, wenn man dich geärgert hat – kontrollierst du irgendeine Feuermagie?“ Firey seufzte wieder erschöpft, ehe sie leise sagte:
„Ich bin noch in Ausbildung.“ Diese erste Information schien Sho überaus zu freuen, so, dass sie sich weiter hinaus wagte, auf das recht wackelige Gerüst an Informationen:
„Und Green? Was ist sie?“
„Sie ist… was anderes.“
„Was „anderes“? Und was ist mit Siberu-kun und Gary? Sie haben auch was damit zu tun oder? Sie waren ewig nicht mehr in der Schule und als ich ein wenig herum geforscht habe, hieß es, sie seien weggezogen.“ Sho bemerkte sofort, dass dies ein Thema war, welches Firey nicht weiter ausführen wollte. Eine gewisse Traurigkeit trat für einen kurzen Augenblick in die braunen Augen ihrer Schwester, doch verschwand schnell wieder. Gedankenverloren schwieg sie einen Moment, ehe ihre Stimme ernst wurde und auch ihre Augen sich dieser Stimmung anpassten:
„Hör zu, Sho. Es ist wirklich nicht gut, wenn du das weißt, wirklich nicht. Du solltest nicht mehr fragen, ansonsten bringst du dich noch selbst in Gefahr.“
„Und was ist mit dir? Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das Wort „Krieg“ gehört habe und ich als deine große Schwester kann nicht zulassen, dass du in einen Krieg ziehst, wo ich nicht weiß, wie gefährlich er für dich ist und ich hab genug Rollenspiele gespielt um zu wissen, dass man Leute, die Feuermagie kontrollieren, meistens an die erste Front schickt. “ Einen Moment lang, sah Firey sie nur schweigend an, ehe sich ein ironisches Lächeln auf ihrem Gesicht ausbreitete. Doch der Gedanke, dass Sho eigentlich nie eine „gute, große Schwester“ für Firey gewesen war und es auch nie gewollt hatte, behielt sie für sich- wie auch der Gedanke, dass man die Situation wohl kaum mit einem Rollenspiel vergleichen konnte.
„Ich habe diesen Weg selbst gewählt und ich trage allein die Verantwortung für diese Entscheidung. Du musst es nicht nachvollziehen oder verstehen können, aber bitte, hindere mich nicht daran, eine Pflicht auszuführen, die ich mir selbst auferlegt habe. Ich möchte Green beiseite stehen und ich denke, das ist auch in deinem Sin. Obendrein…“ Einen Moment lang schwieg sie, dachte darüber nach, ob sie ihren anderen Grund erzählen sollte. Doch nein, das war vielleicht keine gute Idee, denn Sho würde ein riesen Theater daraus machen, wenn Firey Siberus Namen auch nur erwähnen würde.
„Obendrein spüre ich, dass es der Weg ist, den ich zu gehen habe.“


„Und dann?“ Firey hatte eine längere Pause eingelegt, nachdem sie Green erzählt hatte, was sie ihrer Schwester geantwortet hatte. Auch ihrer Freundin hatte sie nicht die ganze Wahrheit gesagt, sondern genau das gleiche, was sie Sho erzählt hatte. Siberu als einen weiteren Grund, hatte sie mit keinem Wort erwähnt und wie immer, wenn sie an diesen Grund dachte, wurde sie nachdenklich, denn sie hatte keinerlei Anhaltspunkte. Eigentlich hatte sie keine Ahnung, wie sie dieses Vorhaben in die Tat umsetzen sollte.
Als Green sie jedoch ansprach, sah die Feuerwächterin wieder auf und beendete ihren Vortrag, in dem sie erzählte, dass Sho sie daraufhin lange angesehen hatte und ihr dann plötzlich den Schlüssel vor die Füße geworfen hatte, mit den Worten, dass sie sie ja sowieso nicht aufhalten konnte.
„Ich hatte das Gefühl, als sie mich dann ansah, dass sie mir etwas sagen wollte. Aber ich weiß nicht was.“ Green konnte sich schon denken, was Sho sagen wollte. Zu viele Dinge hatten ihr in diesem Moment wohl auf der Zunge gelegen; zu viele Dinge, die sie eigentlich hätte sagen wollen, die aber vielleicht unangebracht gewesen wären. Sicherlich wollte Sho ihre kleine Schwester genauso gerne von ihrem Vorhaben abbringen, wie Green es immer wieder versuchte. Doch beide mussten schweren Herzens erkennen, dass es zu spät war.
Firey hatte sich entschieden und sie beide mussten es akzeptieren, egal, wie sehr sie dagegen waren. Seitdem Green ihr Licht verloren hatte, hatte sie umso deutlicher gesehen, dass nicht in ihr, sondern in Firey ein kleines Licht angefangen hatte zu leuchten. Sein Strahlen war noch nicht stark, doch Green zweifelte nicht daran, dass es gedeihen würde und dass dieses kleine Licht ihr den Mut für diesen entscheidenden Schritt gegeben hatte und ihren Willen auch weiterhin stärkte. Obwohl sie unsicher war, stand sie.
Anders als Green.
Gerade, als Green dies mit einem ironischen Lächeln gedacht hatte, öffnete sich die Tür und Pink kam herein, beladen mit Süßigkeiten: hauptsächlich Schokolade. Doch das war nicht das, was Green plötzlich ablenkte, denn als die Tür aufging und Pink im Türrahmen stand, sah Green für einen kurzen Moment, einen Wächter hinter Pink den Gang hinunter laufen. Einen Wächter, dessen Namen die Hikari vergessen hatte, aber von dem sie wusste, dass er für die Außeneinsätze verantwortlich war. Wenn er den Gang hinunter rannte, was eigentlich nicht erlaubt war und ein so alteingesessener Wächter wie er, würde sich an die Regeln halten, bedeutete das wohl, dass es einen ernsthaften Angriff auf die Menschenwelt gegeben hatte.
„Was ist los, Green-chan?“ Die Angesprochene hörte die Stimme Pinks nicht, denn nur einen kurzen Augenblick ertönte die Stimme der Vernunft in ihr, welche ihr sagte, dass sie nicht nur lebensmüde, sondern auch unverantwortlich war.
Doch diese Stimme tauchte nur einen kurzen Augenblick lang auf und hielt nicht länger, als bis zu dem Moment, wo Green aufgesprungen war und bereits Draußen auf dem Gang stand. Im letzten Moment, denn der Wächter war kurz davor um die Ecke zu verschwinden. Da Green nach wie vor nicht seinen Namen wusste, rief sie ein wenig unbeholfen:
„Ähm, entschuldigung!?“, während sie auf ihn zu rannte. Sie konnte nicht mit Sicherheit sagen, ob er sich angesprochen fühlte oder nicht, aber er blieb auf jeden fall stehen.
„Hikari-sama?“
„Es gibt einen Kampf, nicht wahr?“, fragte Green ohne Umschweife und ohne sich weiter mit der Frage zu beschäftigen, wer der Wächter war, mit dem sie sprach. Er sah sie ein wenig zweifelnd, doch auch skeptisch an, als sie dies fragte und es war nur allzu deutlich, dass er nicht gerade erpicht darauf war, Green irgendwohin mitzunehmen. Da er nichts von ihrem kaputten Glöckchen wusste, hatte es wohl einzig und allein mit ihrer mangelnden Erfahrung zu tun.
„In der Tat. Im Süden Kanadas sind Dämonen eingefallen, doch keiner von den feindlichen Objekten bedarf der Aufmerksamkeit der Hikari…“
„Und warum rennen Sie hier dann rum? Sie brauchen doch sicherlich Verstärkung oder?“
„Nein, also eigentlich…“
„Ich werde mitkommen.“
„Aber, Hikari-sama, ich bitte Euch. Die Dämonen sind nur in der Überzahl, keiner davon ist in Gefahrenstufe A.“ Green atmete tief durch, denn sie hatte keine Zeit sich sein Gerade anzuhören. Es war nur eine Frage der Zeit ehe Grey oder Silence auftauchen würden um sie von ihrem Vorhaben abzubringen und sie würde sich nicht aufhalten lassen. Das war ihre Chance wieder aufzustehen und sie würde sie nicht nehmen lassen.
Beflügelt von diesem Gedanken, packte sie den Arm des Wächters, der zuerst unglübig die Hand der Hikari anstarrte um sie daraufhin den Blick ihr zuzuwenden. Im gleichen Moment, wie Firey aus dem Zimmer Green kam, sagte die Hikari mit entschlossenen und angriffslustigen Blick:
„Lassen Sie uns gehen! Es gibt Dämonen die eindeutig in ihre Schranken gewiesen werden müssen!“