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Episode 32
  Episode 32: Bolero
Genau wie Youma es vorausgesagt hatte, kehrte er ein Jahr später an genau den gleichen Ort zurück, an dem er Karou eröffnet hatte, dass er nicht vor einem Jahr handeln würde. Seit diesem Tag hatten sie kein Wort mehr miteinander gewechselt, sich nicht gesehen – obwohl Karou alles daran gesetzt hatte, ihn aufzuspüren. Wahrlich alles, einfach alles was ihm zur Verfügung gestanden hatte - doch vergebens. Wo hatte er sich aufgehalten? Definitiv nicht in der Dämonenwelt, das hätte Karou schnell herausgefunden. Youma war unverwundet, sah sogar ziemlich gepflegt und ausgeruht aus. Wozu hatte er das Jahr nur gebraucht? Wohl kaum, um Urlaub zu machen…Karou gefielen diese Fragen nicht, denn sie waren unbeantwortet und er wusste, dass er keine Antwort erhalten würde, womit sie weiterhin offen verweilen würden – und wenn es etwas gab, was er nicht mochte, denn waren das Fragen, auf die er nicht zu antworten vermochte.
Da sie nicht in Kontakt miteinander gestanden hatten, hatten sie sich natürlich auch nicht verabredet; dennoch standen sie sich ein Jahr später zwischen den steinigen Felsen der Dämonenwelt gegenüber, nicht sonderlich überrascht, den jeweils anderen zu sehen. Abermals war Karou alleine gekommen, doch dieses Mal kommentierte Youma Nathiels Abwesenheit nicht.
„Ganz anscheinend…“, begann der Sensenmann das Gespräch mit einem herablassenden, aber ruhigen Lächeln:
„…ist diese Welt noch nicht verrottet.“ Karou antwortete nicht, rührte sich nicht, denn er hatte nicht im Sinne, eine politische Diskussion mit Youma zu führen.
„Ich bin bereit, meinen Teil des Handels einzugehen. Ich hoffe, dass es sich nicht als eine Enttäuschung herausstellt…ansonsten werde ich den Dämon umgehend zurück in das Totenreich schicken.“ Ein sarkastisches Kommentar huschte Karou durch den Kopf, doch er wusste, dass er nicht genug Fakten besaß, um dieses Kommentar zu untermauern, weshalb er nicht aussprach, dass Youma vielleicht nicht in der Lage war, den Dämon wieder dorthin zurückzuschicken, wo er ihn hergeholt hatte….Doch zu mangelhaft waren Karous Informationen über Youmas Kampfstil. Seine Aura lag weit über dem Durchschnitt, doch bekanntlich war die Aura nicht das Entscheidendste.
Der Kommentar verblieb in Karous Gedankenwelt und so antwortete er ruhig:
„Ich versichere Ihnen, dass es die geeignete Wahl darstellt.“
„Das werden wir noch sehen“, antwortete Youma mit einem gelassenen Schulterzucken und fuhr fort:
„Haben Sie das letzte Puzzleteil gefunden und zu meiner Verfügung gestellt?“
„Gefunden, ja. Doch ich verfüge nicht über die geeigneten Fähigkeiten, es Ihnen zur Verfügung zu stellen“, antwortete Karou gelassen und ohne sich anmerken zu lassen, dass sein Schattenarm gefährlich zuckte. Youma schien es nicht zu bemerken.
„Nun gut, dann überlassen Sie es mir“, antwortete Youma und setzte dazu an, auf Karou zuzugehen, welcher ruhig stehenblieb, obwohl ihm nicht entgangen war, dass Youmas linke Hand dessen Sense angriffsbereit festhielt.
„Lassen Sie uns die Schachfiguren setzen…dann werden wir sehen, welche zuletzt noch stehen werden.“

Dies war der erste Schritt des achten Elementarkrieges in der Geschichte der Wächter und der Dämonen: ein Schritt, der in die Geschichte einging, verdammt im Blut unterzugehen und vergessen zu werden.
Es war der 24igste August des Jahres 2007.
Menschlicher Zeitrechnung.






We used to swim the same moonlight waters
Oceans away from the wakeful day

My fall will be for you
My fall will be for you
My love will be in you

If you be the one to cut me
I’ll bleed forever

Scent of the sea before the waking of the world
Brings me to thee

Into the blue memory
Into the blue memory

A siren from the deep came to me
Sang my name my longing
Still I write my songs about that dream of mine
Worth everything I may ever be

The Child will be born again
That siren carried him to me
First of them true loves
Singing on the shoulders of an angel
Without care for love ’n loss

Bring me home or leave me be
My love in the dark heart of the night
I have lost the path before me
The one behind will lead me

Take me
Cure me
Kill me
Bring me home
Every way
Every day

Just another loop in the hangman’s noose
Take me cure me kill me bring me home
Every way every day

I keep on watching us sleep
Relive the old sin of Adam and Eve
But you and me
Forgive the adoring beast

Redeem me into childhood
Show me myself without the shell
Like the advent of May
I’ll be there when you say:
Time to never hold our love

My fall will be for you
My fall will be for you
My love will be in you
You were the one to cut me
So I’ll bleed forever


“Ghost Love Score” © Nightwish



August 2007 Hikari Regime Kurai Yogosu Hikari Green


„Azuma! Wirf zu mir, ich bin frei!“ Hell stand die frühe Morgensonne über Sanctu Ele’saces und begrüßte die eifrigen Wächter bei ihrem morgendlichen Training. Es war kühl an jenem Morgen, doch dies hielt sie selbstverständlich nicht von ihrem strammen Trainingsprogramm ab. Nein, es waren andere Dinge, die das morgendliche Training beeinflussten, ja, beinahe behinderten, wie Firey schnell feststellte, als ihr Teamkollege ihren Ruf ganz offensichtlich überhörte und anstatt Fireys gut gemeinte Hilfe anzunehmen, versenkte der Erdwächter den leuchtenden Ball eigenhändig in dem dazugehörigen Korb, der eigentlich für seine Verhältnisse viel zu hoch angebracht war, doch ein bisschen Hilfe seines Elementes reichte aus, um die Erde unter seinen Füßen sich erheben zu lassen und schon war der Weg zum Korb geebnet.
Die anderen rund 20 Wächter teilten die Euphorie Azumas weniger: erst recht die, mit denen er in einem Team war, zu denen Firey gehörte, die ihm genau wie die anderen einen grimmigen Blick zuwarf. Doch die Aufgabe, diese Gefühle in Worte zu fassen übernahm ein anderer, der vom Rand des Spielfeldes auf Azuma zusteuerte: ein hochgewachsener Mann mittleren Alters, gezeichnet vom siebten Elementarkrieg; der Krieg hatte ihm nicht nur des linken Armes beraubt, sondern auch einen gewissen Ausdruck auf seinem Gesicht. Zwar hatte er für den Großteil der Zeit ein freundliches Lächeln, doch man sah ihm an, dass er einiges erlebt hatte und dass der Krieg ihm einiges abverlangt hatte. Firey kannte ihn sehr gut, denn seit einem Jahr verbrachte sie einen Großteil des Tages mit ihm zusammen: sein Name war Ignes und er war Azumas, Yuukis und ihr Lehrmeister.
„Wie oft muss ich es Euch denn noch erklären, Azuma-sama. Dieses Training soll eure Fähigkeiten zur Teamarbeit verbessern. Der Sinn liegt darin, das Ziel gemeinsam zu erreichen“, erklärte Ignes es bemüht ruhig. Firey stand einige Meter abseits von den beiden, doch hatte genau wie alle anderen Anwesenden kein Problem damit, das Gespräch zu verfolgen. Ignes hatte seine gewohnte Tadelpose eingenommen: nicht wie viele andere stand er dort mit dem Arm in die Hüfte gestemmt - stattdessen zwirbelte er mit der einzigen Hand, die ihm zur Verfügung stand, eine lange Strähne seines rostbraunen Haares zwischen den Fingern.
Die Antwort Azumas hörte Firey nicht, denn eine Wächterin, die links von ihr stand, unterbrach sie bei diesem Versuch:
„Ihr tut mir so leid, Hii-sama, dass ihr euch mit so einem Unhold herum plagen müsst…“ Die Angesprochene konnte sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen, denn es war bei weitem nicht das erste Mal, dass sie solche Worte zu hören bekam: Azuma war bei niemandem beliebt.
„Ach was, so schlimm ist es nicht.“ Der anderen Wächterin gelang es nicht zu antworten, da Ignes Firey zu sich winkte und sie sich sofort über den Platz bewegte, dem Befehl ihres Lehrers folgend.
„Nehmt Euch ein Beispiel an Firey-sama“, sagte Ignes und zeigte auf Firey, als sie bei ihnen ankam.
„Ihre Fähigkeiten sind zwar begrenzt, doch sie ist sich der Bedeutung von Kameradschaft bewusst.“ Firey wusste bei diesem ehrlichen Kommentar nicht, ob sie sich geehrt fühlen oder sich lieber schämen sollte. Es entsprach allerdings den Tatsachen, denn man konnte nicht gerade behaupten, dass sie eine Musterschülerin war.
„Zusammenhalt ist das A und das O eines jeden Wächters. Es ist unser Vorteil den Dämonen gegenüber und diesen Vorteil müssen wir nutzen, wenn wir unsere Feinde erfolgreich bezwingen wollen.“ Azuma verdrehte die Augen und deutlich sah man ihm an, dass die Standpauke seines Lehrmeisters zum einen Ohr hinein und zum anderen wieder heraus ging.
„Das war nur Basketball, kein Grund so einen Aufstand zu machen.“
„Azuma-sama, mir scheint, als würdet Ihr den Ernst der Lage nicht begreifen. Es war lediglich eine Übung, um Eure Fähigkeit der Zusammenarbeit zu steigern, es handelt sich nicht um das Spiel an sich, wie ich Euch bereits oft erläutert habe.“ Als Azuma den Mund öffnete, wusste Firey sofort was er sagen wollte, doch ehe er sagen konnte, was ihm ins Gesicht geschrieben stand, tauchte Yuuki auf; breit grinsend und mal wieder in bester Laune, welche auch nicht ins Wanken geriet, als sich Ignes nun dem zweiten Problemkind im Bunde zuwandte:
„Und wo kommt Ihr her, Yuuki-sama?“
„Vom Spielfeld natürlich! Haben Sie mich etwa nicht gesehen, Sensei? Ich habe mein Team mit Leib und Seele unterstützt! Ich habe mich wie eh und je aktiv im Spiel beteiligt und bin daher von Azumas Fehlverhalten enttäuscht. Aber ich bin mir sicher, dass er sich bessern wird, nicht wahr, Azuma?“ Kameradschaftlich legte er seinen Arm um die Schultern Azumas und streckte dramatisch seine freie Hand in den Himmel empor, als er fortfuhr:
„Der Tag, an dem wir Seite an Seite um unser Leben kämpfen werden, ist nah und an diesem Tage werde ich mich auf meinen Freund verlassen! Genau wie er sich auf mich verlassen kann…“ Sowohl seine Mitschüler als auch Ignes kannten mittlerweile Yuukis ausschweifende Reden und so unterbrach dieser den Elementarwächter der Illusion, ehe er sich zu sehr in einem Netz von Wörtern verknotete:
„Ihr wäret wahrlich ein guter Redner, Yuuki-sama. Doch ich durschaue Eure schalen Redereien, immerhin habe ich deutlich gesehen, wie Ihr Euch vom Spielfeld geschlichen habt.“ Erschöpft schlug Ignes die Augen nieder und beschloss, dass sie den Lehrgang im Tempel fortfahren würden, was Azuma absolut nicht zu gefallen schien, denn während er sich aus Yuukis halber Umarmung löste, sagte er:
„Soll das heißen wir machen für den Rest des Tages nur Theorie? Es ist gerade mal halb neun!“ Das Beschweren des Erdwächters brachte Ignes zu einem triumphierenden Lächeln, als er antwortete:
„Nein, Azuma-sama, da habt Ihr mich missverstanden. Ihr werdet in der Tat den ganzen Tag - unter Aufsicht - lesen dürfen. Aber Firey-sama, Yuuki-sama und ich werden uns nur zwei Stunden lang der Theorie zuwenden, ehe wir den Rest des Tages trainieren werden.“ Der Mund des Erdwächters klappte erbost auf, doch beleidigt schloss er ihn wieder; scheinbar war ihm klar, dass es keinen Nutzen hatte, zu protestieren. Wenn ihr Lehrmeister etwas beschlossen hatte, dann war an seinem Entschluss nichts zu rütteln, selbst wenn man mit Azumas formidablem Mundwerk ausgerüstet war – und natürlich war sich Ignes bewusst, dass Azuma Theorie verabscheute, was sicherlich auch der Grund für sein zufriedenes Lächeln war.
„Ihr drei habt 30 Minuten. Wir treffen uns in der Bibliothek und wagt es nicht zu verschwinden, Yuuki-sama.“ Mit diesen Worten verabschiedete Ignes sich von seinen Schülern, drehte sich um und schritt mit langen Schritten, die von Selbstbewusstsein strotzten, über den mittlerweile leeren Platz.
Verstohlen warfen sich die drei gegenseitig einen Blick zu, ehe sie sich ebenfalls dazu aufmachten, zu einem der zehn Orte zu gelangen, von wo aus man sich teleportieren konnte.
Tief seufzte Azuma, verschränkte seine Arme hinter dem Kopf und sagte dann plötzlich:
„Es ist so eindeutig, wer von uns sein Lieblingsschüler ist.“ Firey, die anders als Yuuki nicht ahnte, in welche Richtung das Gespräch ging, sah den Erdwächter neben sich verwundert an und fragte ihn nach genaueren Angaben über seine Aussage.
„Na, dich natürlich. Meinst du nicht auch, Yuuki?“ Sofort schlich sich die Röte hinauf auf Fireys Wangen, doch zu einer Antwort kam sie nicht, denn Yuuki übernahm das Wort:
„Also mir ist das nicht so wichtig, eigentlich eher vollkommen egal, denn Sensei nimmt auf Sympathie sowieso keine Rücksicht. Aber ja, aber ja, ich denke, dass Azuma Recht hat, Firey-chan – und das hat mehr Hintergründe als deine Niedlichkeit. Die kleine Schwester unseres Lehrers war ebenfalls eine Feuerwächterin – auch sie fiel der Reihe an Attentaten des siebten Elementarkrieges zum Opfer. Vielleicht erinnerst du ihn an seine Schwester.“ Während Firey rot anlief, weil er sie niedlich genannt hatte, verengten sich Azumas Augen skeptisch.
„Woher weißt du das denn schon wieder?“ Diese Worte konnten das unbeschwerte Lächeln des Illusionswächters nicht ins Wanken bringen, als er antwortete:
„Ach, ich hab da so meine Informationsquellen, die ich…“ Azuma unterbrach Yuuki, ehe er ausschweifen konnte:
„Informationsquellen? Du hast dich wahrscheinlich nur wieder unsichtbar gemacht…“ Firey wählte dem Gespräch der beiden nicht weiter zu folgen, sondern die Augen zu schließen und ihrem Geist eine kurze Ruhepause zu gönnen, während sie über ein grünes Feld schritten; ein Weg, den sie öfter wählten, wenn sie von Sanctu Ele’saces in den Tempel zurückkehrten. Der kürzeste Weg zum Tempel wäre eigentlich der Teleportationspunkt in der Hauptzentrale der Insel, doch Azuma war nicht gerade in der Lage, sich ruhig zu verhalten, was in den Gängen der Hauptzentrale ein Muss war. Da Yuuki und Firey nicht erpicht auf die finsteren Blicke der an ihnen vorbei Schreitenden waren, wählten sie den langen Weg. Es war August, doch zu dieser Jahreszeit herrschte hier oben auf Espiritou del Aire nicht Sommer; der Herbst war stattdessen angebrochen, während sich im Tempel bereits der Winter ankündigte. Die Luft war kühl, doch angenehm; nur ein leichter Windhauch brachte Fireys Zopf dazu, sich in ihm zu kräuseln. Tief atmete sie die reine Luft hier oben in den Wolken ein und vernahm den Duft der roten, kleinen Blumen um sie herum, die das grüne Feld sprenkelten. Es war ungewohnt, August als einen Herbstmonat oder gar Wintermonat zu bezeichnen; doch es gab viele ungewohnte Dinge, die sie im letzten Jahr kennengelernt hatte und die mittlerweile zu ihrem Alltag gehörten. Der Klimaunterschied, oder die Tatsache, dass sie das Teleportieren beherrschte, waren nur kleine Details.
Ihr Leben hatte sich in innerhalb von nur einem Jahr von Grund auf verändert. Sie war nicht mehr eine Schülerin, die damit beschäftigt war, ihren Schulabschluss zu erhalten, sondern eine Elementarwächterin; darum bemüht, ihre Pflichten so gut es ging zu erfüllen und den Erwartungen dieses neuen Lebens gerecht zu werden.
Eine neue Umgebung; nein, eine andere Welt; vielleicht konnte man sogar sagen, dass es eine neue Identität war, ein gänzlich neues Leben. Dieses neue Leben hatte viele Veränderungen mit sich gebracht; Veränderungen, die sie mochte. Sie mochte es, im Tempel zu leben; genoss es, in ihrer beschränkten Freizeit durch dessen Hunderte von Korridore zu schreiten, an ruhigen Abenden durch die hell erleuchteten Straßen Sanctu Ele’saces zu schlendern zusammen mit Azuma und Yuuki, oder einfach nur auf den weiten Feldern zu liegen und andere Wächter in ihrem täglichen Ablauf zu beobachten. Sie wirkten so zufrieden, schätzten jede freie Minute, die sie hatten, schätzten das Leben und aus jedem einzelnen Sonnenstrahl schienen sie Kraft zu schöpfen. Auf den Gängen wurde man begrüßt (wenn man nicht gerade mit Azuma unterwegs war), ein freundliches Lächeln wurde ausgetauscht. Firey mochte sie: sie mochte die Wächter und ihre Ideale und sie mochte das Gefühl, dass sie dazugehörte – dass sie auch zu dieser Gesellschaft gehörte.
Doch das Reich der Wächter hatte sich im letzten Jahr stark verändert und der Frieden, den Firey so sehr schätzte, würde bald dahin sein; dies prägte Ignes ihnen jedenfalls so gut wie jeden Tag ein. Sie mussten auf der Hut sein, sagte er, immer dazu bereit, zu den Waffen zu greifen und in den Kampf zu schreiten. Wahrscheinlich war das auch der Grund, weshalb die Wächter so zufrieden wirkten – sie freuten sich über jede Sekunde, die sie gesund mit ihren Lieben verbringen konnten. Auch wenn Ignes sie vor der drohenden Gefahr warnte, wirkte er nicht verzweifelt oder verbittert über diese Tatsache. Nein, das letzte Mal, als er dies gesagt hatte, war es eigentlich ein sehr schöner Abend gewesen, mit viel Gelächter und heiteren Reden, wie an so vielen Abenden, wenn Ignes seine drei Schüler zu sich nach Hause mitnahm und sie zusammen mit seiner Familie zu Abend aßen. Vielleicht war das die Mentalität der Wächter; da sie den Großteil ihres Lebens dem Krieg verschrieben, schätzen sie umso mehr, wenn sie das Privileg erhielten, einfach nur ruhig mit ihrer Familie zu Abend essen zu können.
Doch diese Momente würden bald seltener werden. Nur knapp eine Woche, nachdem Green mit dem Mal gebrandmarkt worden war, hatten die Hikari ihren Wächtern offenbart, dass der achte Elementarkrieg bevorstünde. Noch gäbe es keine genaueren Informationen, doch es deutete alles darauf hin, dass die Dämonen einen Angriff planten – so die Worte der Hikaris. Obwohl dies für die meisten Wächter aus heiterem Himmel gekommen sein musste und niemand sich erklären konnte, wie ein Krieg zu diesen Zeiten überhaupt möglich sein konnte, war die Veränderung unheimlich schnell eingetreten. In innerhalb von nur einem Monat schien das gesamte Wächtertum umgekrempelt worden zu sein, geleitet von den Strategien zur Kriegsvorbereitung, die Grey und Green beständig aus dem Jenseits brachten und Ukario übermittelten, der sie in die Tat umsetzen ließ. Die Bauarbeiten an Espiritou del Aire waren um die Hälfte reduziert worden; stattdessen wurde die Waffenproduktion verdoppelt. Das Training der kampfbereiten Wächter war von fünf Stunden täglich auf elf Stunden erhöht worden. Für Offiziere und Elementarwächter lag das Minimum bei dreizehn Stunden täglich – Wochenenden gab es nicht. Der einzige Tag, an dem sie frei hatten, war der „Ruhetag“, welcher nach dem menschlichen Kalender ein Mittwoch war. Firey hatte noch nie einen Wächter gehört, der sich über diesen Verlauf beklagte; außer Azuma, der sich jedoch nach dem ersten Monat geschlagen geben musste. Mit anderen Worten hatte Firey, genau wie die anderen, in dem vergangen Jahr nicht viel anderes getan außer trainiert. Aber beklagen tat sie sich nicht, denn sie wusste, es musste sein, wenn sie eine gute Elementarwächterin werden wollte. Das Training, um dieses Ziel zu erreichen war hart und steinig. Obwohl Ignes ihr immer wieder versicherte, dass sie Fortschritte machte, sah die Feuerwächterin diese nicht; zweifelte an sich selbst. Aber konnte man es ihr verübeln, mit einem Teampartner wie Azuma, der jeden Tag eine neue Technik zu lernen schien?
Seine Fortschritte waren absolut unnormal, das hatte selbst Ignes erstaunt zugeben und das, obwohl er bereits so viele Wächter unterrichtet hatte. Auch was Yuuki anging so war Firey sich sicher, dass er ein guter Wächter war, wenn er nicht immer dem Kampf aus dem Weg gehen würde und das er, genau wie Azuma, auf dem ersten Rang wäre, wenn er es denn wollte. Firey wollte es, wünschte es sich mehr als alles andere, doch hatte es trotz aller Anstrengungen nicht geschafft aufzusteigen und verharrte nach wie vor auf dem zweiten Rang, den Azuma, Yuuki und sie gleichzeitig erreicht hatten, nachdem sie nach vielen schlaflosen Nächten des gemeinsamen Lernens die theoretische Prüfung gemeistert hatten, die dazu verholfen hatte, dass sie alle drei in den zweiten Rang aufsteigen konnten. Azuma war da allerdings nicht lange geblieben und hatte knapp zwei Wochen später die Prüfung bestanden, die ihn auf den ersten Rang emporgehoben hatte – zur Überraschung seiner Teamkollegen und seines Lehrers. Firey musste sich eingestehen, dass sie ein wenig eifersüchtig war; immerhin war Azuma fast ein Jahr später mit seinem Leben als Wächter konfrontiert worden und hatte sein Element auch nicht von Geburt an in sich gehabt, sondern erst von dem Moment an, als Kari gestorben war.
Sie trainierten gleich viel; Firey sogar mehr als Azuma, denn den Ruhetag benutzte er nie zum Trainieren, anders als die Feuerwächterin, die, wenn sie den Ruhetag nicht dazu benutzte ihre Familie zu sehen, öfter mal auf die Ruhe verzichtete, um alleine zu trainieren; manchmal auch mit Ignes, der sich dazu bereit erklärt hatte, ihr beim freiwilligen Training behilflich zu sein.
Er meinte, sie war zu streng zu sich selbst, meinte, dass sie sehr wohl Fortschritte gemacht hatte und sich nicht an Azuma messen sollte. Sie hatte andere Qualitäten, betonte er, doch wenn Firey sich mit anderen Elementarwächtern des Feuers verglich, fiel es ihr schwer zu erkennen, was das für Qualitäten sein sollten. Um in den ersten Rang aufzusteigen, musste sie als Feuerwächterin einen besonderen Bogen nutzen können; einen Bogen ohne Strang, denn diesen müsste sie selbst aus Feuer entstehen lassen, genau wie die Pfeile, die für diesen Bogen benutzt werden mussten. Doch jedes Mal, wenn sie an so einem Bogen trainierte, geschah dasselbe: sie verbrannte sich. Und wenn sie Ignes‘ Gesicht richtig deutete, war das das Schlechteste, was einer Feuerwächterin passieren konnte. Er sagte es natürlich nicht, pflegte zu lächeln und zu versuchen, ihre dunklen Gedanken zu vertreiben. Doch Firey hatte bereits genug Bücher gelesen, um zu wissen, dass dies eine direkte Verweigerung des Elementes war. Das Element des Feuers akzeptierte sie nicht – und daran änderte das Lächeln Ignes‘ nichts, genauso wenig wie Yuuki, der immer zu sagen pflegte, dass das doch nicht so wichtig war, denn dafür konnte Firey doch prima mit einem normalen Bogen umgehen. Und tot war tot, ob verbrannt oder aufgespießt, hatte Azuma hinzugefügt.
Auch jetzt, wo die drei durch die angenehm beheizten Korridore des Tempels schritten und sie wie immer an der gigantischen Wandmalerei vorbeigingen, die alle Elemente in deren Glorie zeigte und Firey aus dem Augenwinkel die Feuerwächter sah, kam sie nicht drum herum, sich selbst mit ihnen zu vergleichen.
Aber war das falsch? War es nicht der Grund, weshalb sie dieses Training vollzog? Um auch irgendwann so stolz und mutig den Bogen spannen zu können wie die Feuerwächter, von denen sie in „Geschichte der Wächter“ hörte? Sie bewunderte ihre Vorfahren dafür, auch wenn sie eigentlich nicht ihre richtigen Vorfahren waren. Nicht selten kam es vor, dass sie, vollkommen in Gedanken verloren, Gemälde von Feuerwächtern anstarrte und sich fragte, ob sie das Element nicht vielleicht nur aus Zufall bekommen hatte; ein blöder Zufall, der nicht gerade zum Vorteil für das Wächtertum war. Feuerwächter waren sehr respektierte Wächter, immerhin gehörten sie zu den drei obersten Streitmächten, zusammen mit Erde und Wind. Mit ihrem Feuer konnten sie mehrere Dämonen auf einen Schlag vernichten und mit ihrem Pfeil und Bogen zielgenau bestimmte Dämonen eliminieren. Sowohl im Nahkampf als auch aus der Ferne war ihr Element von großem Nutzen – und ausgerechnet Firey war die einzige Trägerin dieses Elementes.
Immer wenn sie sich in solchen Gedanken verfing, war es Yuuki, der dies als erstes bemerkte; und er bemerkte es immer. Er pflegte dann zu sagen, dass Firey den Kopf nicht hängen lassen sollte und dass alles, was ihr fehlte, eine Portion Selbstbewusstsein war.
Firey mochte ihn sehr. Er war immer so heiter, so optimistisch. Es war unmöglich, nicht ebenfalls positiv gestimmt zu werden, wenn er in der Nähe war - als ob er eine Fähigkeit besaß, die andere dazu brachte, genauso optimistisch in die Zukunft zu sehen wie er. Doch sie mochte nicht nur Yuuki gerne, auch Azuma mochte sie. Sie mochten sich alle drei; waren gute Freunde geworden, jeder mit seinen eigenen Macken und Kanten. Firey war froh, dass sie sie kennengelernt hatte, genauso froh wie sie darüber war, dass Ignes ihr Lehrmeister war.
„Hej, ser jeg syner? Da ist ja unsere Hikari-sama!“ Jäh wurden Fireys Gedanken unterbrochen von den spöttischen Worten Azumas, der offensichtlich auf Green aufmerksam geworden war, was Fireys Aufmerksamkeit sofort auf sich zog. Ohne auf den abfälligen Tonfall ihres Kollegen zu achten, sah sie nun in die Richtung, in die Azuma blickte und beugte sich über die Brüstung, um in einen der vielen Höfe hinunterzusehen, wo sie tatsächlich Green ausmachte. Diese schien einen Konditionstest zu machen, denn Tinami, die sie begleitete, war ausgerüstet mit einem Klemmbrett und einer Stoppuhr und schrieb Daten auf, während sie mit Green sprach, die ihre Hände auf ihre Knie gestützt hatte und Luft holen zu schien. Die Klimawächterin lachte und reichte ihr etwas zu trinken, was Green dankbar lächelnd annahm. Was sie miteinander besprachen konnte Firey nicht hören, dafür war sie zu weit weg. Aber von Tinamis munterem Lächeln zu urteilen war mit den Werten der Hikari alles in bester Ordnung. Nachdem Green sich einen Schluck genehmigt hatte, ging sie wieder in Startposition, dieses Mal jedoch nicht um zu rennen, sondern um ihre Springfähigkeiten zu testen, indem sie einen Hochsprung durchführte. Auf Tinamis Signal hin, nahm sie Anlauf und Firey bemerkte, wie ihr kurz der Atem stockte, als Green sich in der Luft drehte, um die Hürde mit graziöser Leichtigkeit zu überwinden – natürlich ohne den Stab zu berühren, obwohl er ziemlich hoch angelegt gewesen war. Firey kam nicht drum herum sich zu fragen, ob Green Flügel auf dem Rücken hatte; sogar ihre Landung schien elegant zu sein, obwohl das eigentlich unmöglich war, da diese recht unspektakulär war. Als Green auf dem großen, blauen Plastikkissen lag und in den Himmel sah, schien sie Firey zu bemerken, denn sie erhob lächelnd die Hand zum Gruß, ehe sie wieder heruntersprang und fortfuhr mit den Tests, nachdem Tinami die Stange höher gesetzt hatte.
„Wow, Fireyskat, du hast ja einen Gruß erhalten! Fühl dich geehrt von der großen Hikari-sama einen Gruß zu erhalten.“ Finster blickte die Angesprochene zur Seite, wo Azuma sie neckisch angrinste, doch zum Antworten kam sie nicht, denn im gleichen Moment, in dem sie sich zum Erdwächter gewandt hatte, drehte sie sich auch schon wieder herum, als sie die folgenden Worte einer ihr fremden Tempelwächterin hörte:
„Sie kann noch so schön sein, das wird der auch nichts bringen!“ Die zwei Tempelwächterinnen waren mit Wäsche beladen und hatten Green wohl ebenfalls zugesehen; wobei sie die drei Elementarwächter noch nicht bemerkt hatten, die mehrere Meter von ihnen entfernt standen, ansonsten hätten sie ihr Gespräch wohl nicht fortgeführt:
„Ich habe von Itzumi gehört, dass sie im letzten Jahr nur drei Anträge bekommen hat! Kannst du dir das vorstellen? Ich weiß noch, zu White-samas Zeiten war das ganz anders…“
„Ja, ich erinnere mich. Aber wer will schon eine Hikari, die freiwillig das Bett mit Dämonen geteilt hat?“
„Was soll nur aus unserem Reich werden! Wenn das so weiter geht, steht das Regime der Hikari bald erblos da…und was machen wir dann?“
„Hey!“, mischte sich nun Firey in deren Gespräch ein und machte somit auf sich aufmerksam. Beide Tempelwächter zuckten zusammen und sahen beschämt drein, als sie bemerkten, dass man ihr Gespräch gehört hatte; vor allen Dingen, als sie die Wappen der drei Wächter erkannten, unter dem auch ihr Stand als Elementarwächter geschrieben stand. Doch sie sollten lieber Angst haben, denn sie hatten Fireys Temperament zum Feind, die ihre Freundin sofort in Schutz nahm:
„Was redet ihr da für einen Stuss! Unsere Hikari hat sich überhaupt nichts zu Schulden kommen lassen und diese Gerüchte sind nichts weiter als Lügen!“ Die Tempelwächter waren nicht so dumm dem nicht zuzustimmen und sofort verbeugten sie sich tief vor der wütenden Feuerwächterin und entschuldigten sich vielmals. Kaum hatten sie das getan, taten sie das, was wohl jeder getan hätte: sie machten sich schnell aus dem Staub, im Vergleich zu Azuma, der nicht so viel Angst hatte vor Fireys Temperament:
„Scheinbar bin ich nicht der einzige, der was gegen unsere ach-so-tolle Hikari hat.“
„Du solltest lieber leise sein“, versuchte Yuuki zu beschwichtigen, der Fireys Blick bemerkt hatte, mit dem sie ihren Mitschüler durchbohrte.
„Es ist sowieso ein offenes Geheimnis, dass ich finde, dass sie eine eingebildete Schnepfe ist. Sie ist sich doch zu gut, um mit uns zu essen! Die letzten Tage haben wir sie weder beim Abendbrot gesehen noch beim Frühstück!“
„Du schläfst beim Essen auch meistens“, erwiderte Yuuki, scheinbar im Versuch dem Gespräch einen lockeren Touch zu geben, da er einen heißen Streit vermeiden wollte. Doch Firey überhörte ihn einfach und richtete ihr entfachtes Temperament gegen Azuma:
„Du hast doch gar keine Ahnung! Green trainiert nun mal sehr hart und hat kaum Zeit!“
„Als ob! Wir haben ja wohl auch ein enorm strenges Programm und trotzdem sind wir immer beim Essen!“ Das war scheinbar ein Argument, welches das Temperament von Firey ein wenig dämpfte, denn sie schwieg kurz auf der Suche nach einem Gegenargument. Denn Azuma hatte Recht, das konnte Firey nicht verneinen. Die Elementarwächter aßen für gewöhnlich zusammen Frühstück, morgens um halb acht - und abends um punkt 18 Uhr stand das Abendessen auf dem Tisch des größten Speisesaals im Tempel – und Green war wahrlich nicht immer dabei. Doch ehe sie erwidern konnte, dass es sicherlich an ihrem eigenen Lehrmeister lag, unterbrach Azuma ihre Gedankengänge:
„Du brauchst sie gar nicht in Schutz nehmen, nur weil ihr mal befreundet wart.“ Mit einem finsteren Blick sah Firey auf.
„Wir sind es immer noch, Azuma.“
„Ach wirklich? Dafür habt ihr euch aber lange nicht mehr gesehen. Sagt sie nicht alle Besuche ab?“ Darauf wollte Firey offensichtlich nicht antworten, denn sie schenkte ihm nur einen bösen Blick und wandte sich dann herum, um zu gehen. Azuma hatte dazu allerdings noch etwas zu sagen, obwohl er scheinbar das Thema verfehlte:
„Sag, Fireyskat, wollen wir nicht übermorgen was zusammen unternehmen? Am Ruhetag? Deine „Freundin“ hat wahrscheinlich sowieso keine Zeit für dich.“ Firey blieb auf der Stelle stehen und sah langsam über die Schulter. Als ob ihr Blick nicht schon genug war, zeigte sie lässig mit dem Finger auf ihn und sagte langsam, aber deutlich:
„Von Mensch zu Mensch, Azuma: Du kannst mich mal.“ Kaum war sie zwischen den Säulen verloren gegangen, richtete Yuuki nun auch sein Wort an Azuma:
„Und von Freund zu Freund, Azuma: Du bist ein taktloses Arschloch.“


Das Zimmer Fireys war mit einem kleinen privaten Bad ausgerüstet: klein aber fein, konnte man es wohl nennen. Jedenfalls war sie froh darüber, denn sie war nicht unbedingt eine Person, die sich gerne vor anderen Leuten auszog, wie es bei einem öffentlichen Bad der Fall gewesen wäre. Daher war sie froh, dass sie wenigstens vom Titel her eine Elementarwächterin war, denn solange Wächter alleinlebend waren, hatten sie kein Recht auf ein Einzelgemach mit eigenem Bad: dafür musste man schon den Titel eines Elementarwächters innehaben. So nutze Firey ihre Pause, wie sie es immer tat: mit einer schnellen Dusche. Sie hatte nur noch zwanzig Minuten und obendrein lag die Bibliothek nicht gerade um die Ecke und Ignes mochte keine Verspätungen, denn sie brachten seinen wohlstrukturieren Tagesplan aus den Fugen. Aber sie ließ sich nicht stressen, sie genoss das heiße Wasser auf ihrer Haut und wie es sich mit ihren offenen roten Haaren vermischte, doch kam nicht drum herum, über Azumas Worte nachzudenken, während sie das wohlriechende Shampoo in ihre Haare einknetete. Leider waren seine Beleidigungen nicht aus der Luft gegriffen; er hatte ganz Recht, was die Treffen von Green und ihr anging. Es war lange her, dass sie unter vier Augen miteinander gesprochen hatten, denn anders als Firey stand der Hikari der Ruhetag nicht zu – jedenfalls nicht nach Shaginais Meinung, der felsenfest darauf bestand, dass Green definitiv zu lange auf der faulen Haut gelegen hatte. Wenn sie nicht trainierte, dann war sie im Jenseits, oder mit Grey unterwegs im Reich der Wächter, um mit höher stehenden Wächtern Gespräche zu führen, sie besser kennen zu lernen wie umgekehrt – politische Bande knüpfen, wie Grey es nannte. Firey glaubte nicht, dass Green das besonders gerne tat oder dass sie deren Treffen freiwillig absagte. Immerhin setzte sie sich immer, wenn sie zum Essen aufkreuzte neben sie und war immer ganz erpicht darauf, alles zu hören, was Firey erlebt und gelernt hatte.
Firey atmete tief durch, während sie den Kopf hob und das heiße Wasser über ihr Gesicht laufen ließ, bis ihre Entspannung ein jähes Ende hatte, als sie ein Klopfen an ihrer Zimmertür vernahm. Firey fluchte lauthals und hoffte er hörte es, denn sie wusste genau, wer vor ihrer Tür stand, weshalb sie ernsthaft überlegte, ob sie ihn nicht einfach ignorieren sollte. Doch das Klopfen wurde lauter und so war das Entspannen schlichtweg unmöglich. Daher stieg sie aus der Dusche, nahm sich einen Bademantel und band ihn sich extra fest, ehe sie mit einem Ruck die Tür öffnete und ihren Besucher finster anblickte. Dieser schien noch ein wenig kleiner zu werden als sowieso schon.
„Was willst du, Azuma?!“, fragte Firey mit Ärgernis in der Stimme.
„Ich wollte…“ Dann schien er plötzlich ihre Haare zu bemerken und seine Augen begannen zu strahlen.
„Oh! Was siehst du hübsch aus mit offenen Haaren…“
„Komm zum Punkt, Azuma!“, antwortete Firey ohne von dem Kompliment Notiz zu nehmen.
„Naja, also…“ Azuma sah zur Seite und zögerte ein wenig. Seinen Wangen wurden plötzlich ein wenig rot, als er sagte:
„Ich wollte mich entschuldigen…also…“
„War‘s das?“, fragte Firey unwirsch, mit der Tür schon in der Hand. Azuma schien eine andere Reaktion erwartet zu haben, denn er war ganz offensichtlich verärgert darüber.
„Mehr hast du dazu nicht zu sagen, wenn ich mich dazu durchringe, mich bei dir zu entschuldigen?!“
„Azuma“, fing Firey seufzend an:
„Du entschuldigst dich immer. Aber man kann keine Entschuldigung ernst nehmen, wenn sich durch die Entschuldigung nichts ändert und du es am nächsten Tag schon wieder machst. Du bist und bleibst ein Arschloch.“ Und mit einem „Wir sehen uns gleich“ schloss Firey die Tür hinter sich und ließ Azuma auf dem Flur stehen.
Ohne ein schlechtes Gewissen zu haben ging Firey wieder ins Bad, nahm sich ein Handtuch und begann ihre Haare zu trocknen, mit einem mehr oder weniger genervten Gesichtsausdruck, da sie sich über Azuma ärgerte. Eigentlich hatte sie nichts gegen ihn – auch wenn sie die Wächter schon verstehen konnte, die einen großen Bogen um ihn machten. Aber sein dringendes Bedürfnis auf die Gefühle anderer zu treten und sich danach einfach dafür entschuldigen und so zu tun, als ob nichts wäre, um es dann zwei Tage später wieder zu tun, war nicht zum Aushalten. Zu Beginn hatte sie seine Entschuldigungen immer angenommen und fand es sogar irgendwie süß, wie er jedes Mal rot wurde, aber mittlerweile ging es zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus.
Firey seufzte tief und setzte sich auf ihr Himmelbett, wo sie in aller Eile ihre Haare kämmte- was bei ihrer Länge natürlich einiges an Zeit in Anspruch nahm und da deren Pausen nicht besonders lang waren, sah sie meistens aus wie ein Wischmopp. Ein weiteres Mal seufzte sie und sah sich dabei in ihrem Gemach um, ihrem Zuhause.
Im Prinzip war es nur ein Jahr und im Prinzip hatte sich nicht viel verändert… Firey war jetzt 17, hatte damit laut den heiligen Regeln der Wächter das kriegsfähige Alter erreicht und ihr Aussehen hatte sich dennoch kaum verändert. Ihr Zopf war länger geworden, aber ansonsten…
Sie grummelte errötet und dachte an ihre Oberweite.
Aber sie war größer geworden! Also…ihr Körper. Leider nicht ihre…
Plötzlich sah Firey sich um, als würde sie erwarten, dass jemand sich heimlich in ihr Zimmer geschlichen hätte, doch natürlich war niemand dort. Dann zog sie plötzlich eine Schublade ihres Nachtschränkchens heraus und holte eine abgeschlossene Box hervor. Den passenden Schlüssel trug Firey seit einem Jahr um ihren Hals und schloss die Box mit eben diesem Schlüssel auf. Zum Vorschein kam nichts anderes als ein eingerahmtes Bild, doch es war viel mehr als dieses…viel mehr als nur ein eingerahmtes Bild.
Es war das einzige Zeugnis im gesamten Tempel, dass die Freundschaft und die tiefe Verbundenheit zwischen Gary, Green und …Siberu überhaupt jemals existiert hatte. Firey war auf diesem Bild zwar nur ein beinahe unbedeutendes Randdetail, nicht mal zur Hälfte auf dem Foto vorhanden, dennoch war dieses Bild ihr wertvollster Besitz. Ein Schlüssel zur Vergangenheit…es tat jedes Mal weh, es anzusehen.
Dennoch musste Firey genauso grinsen wie der lachende Siberu auf dem Bild.
„Du kannst mich also immer noch mit ruhigen Gewissen Flachbrett nennen, Bakayama!“
Doch das Grinsen schwand schnell dahin und seufzend lehnte sie sich zurück in ihrem Bett. Mit dem Bild immer noch in der Hand sah sie nun zur verzierten Decke und dachte daran, dass sie die einzige im Tempel war, die auf diese Art und Weise mit Bildern sprach. Denn alle taten so, als gehörten Gary und Siberu zu einer unangenehmen Episode, die man am liebsten vergessen würde. Firey hatte deren Namen seit einem Jahr nicht mehr gehört, auch sie selbst begann nie ein Gespräch über sie. Das einzige, was von ihrer ehemaligen Existenz übrig geblieben war, waren diese widerlichen Gerüchte, die Green umgaben wie ein giftiger Schatten. Sie selbst ignorierte diese, als wüsste sie nicht wer die „Dämonen“ waren, die in diesen Gerüchten immer wieder auftauchten. Ihre echten Namen wurden nicht mehr genannt. Vielleicht existieren sie irgendwo in den Akten…
Zufällig senkte Firey ihren Blick, wobei ihre Augen die Uhr entdeckten, die ihr sagte, dass sie nur noch zwei Minuten hatte, um sich sowohl anzuziehen, als auch in der Bibliothek anzukommen.
„Oh…shit!“


Eine ungewünschte Unruhe hatte sich in der Welt der Dämonen einen Platz gesichert und die Vertreibung dieser hatte sich als schwierig herausgestellt. Eine Unruhe, die einem bedrohlichen Ärgernis glich und verbunden mit bitterer Ungeduld bereits verheerende Folgen nach sich gezogen hatte. 17 Jahre waren die Dämonen eingesperrt gewesen, was bereits an ihren Nerven gezerrt hatte, doch das letzte Jahr hatte das Glas zum Überlaufen gebracht. Der Grund dafür waren Gerüchte; Gerüchte, die vor einem Jahr in der Dämonenwelt umgegangen waren und die leise Hoffnung in den Gefangenen geweckt hatte, dass sie nun bald wieder frei sein sollten. Frei, um das zu tun, was sie am besten konnten – und vor allen Dingen, um den Wächtern zu zeigen, was geschah, wenn man sie in Ketten legte.
Doch nichts dergleichen war geschehen; die blutige Rache war bis auf weiteres verschoben worden. Nicht mit Worten, sondern mit Schweigen. Zu den Gerüchten wurde keine Stellung bezogen; man tat, als hätte es sie nicht gegeben. Ein Akt, der nach ein paar Monaten die Unruhe geschürt hatte und der Mangel an Wasser verbesserte die Lage nicht besonders. Die Ressourcen, die die Dämonenwelt selbst besaß, verringerten sich zunehmend und die Halbdämonen kamen gar nicht nach, was das Besorgen von Wasser aus der Menschenwelt anging. Nachkömmlinge starben wie Fliegen; Eltern ließen ihre Kinder verdursten, um selbst Wasser zu haben und wenn sie dieses nicht bekamen, dann richtete sich ihre Wut und Verzweiflung gegen den jeweiligen Fürsten. Tatenlos, doch mit bösen Vorahnungen, hatten die Mitglieder der Hohen mit angesehen, wie zwei ihrer ehemaligen Mitglieder in einem gierigen Kampf gestürzt und deren Leben der Verzweiflung zum Opfer fielen. Eines dieser Gebiete hatte sich bereits wieder beruhigt und ein neuer Fürst war aus diesem Sud geboren worden, doch das andere Gebiet war dem Chaos verfallen und hatte sich auch noch nicht beruhigt, obwohl der Nachbarfürst sich eingemischt hatte – natürlich in der Hoffnung, es sich einzuverleiben.
Auch in Lerenien-Sei war die Unruhe zu spüren, obwohl Lerou sie nicht zu bemerken schien; genauso wenig wie es ihn kümmerte, dass er in diesem Jahr bereits vier Mal angegriffen worden war, im Versuch auch ihn zu stürzen. Verzweiflungstaten, die gewiss nicht von den Hohen stammten, sondern von desperaten Dämonen, die Lerou lachend zu Boden warf und sie wie Spielzeuge auseinander riss. Er war sich nicht bewusst, was hinter den Taten seiner Untergebenen lag, deutete sie als nichts Anderes außer Zeitvertreib; wenn er sie denn überhaupt deutete. Karou und auch den Fürsten, gefiel dies nicht; denn würde es tatsächlich einem Dämon in diesen Zeiten gelingen, Lerou vom Thron zu werfen, dann würden die Pläne von so manch einem sich in Luft auflösen. Nein, ein Königswechsel war zu diesen düsteren Tagen alles andere als wünschenswert.
Und so schenkte niemand dem ungleichen Paar in den Straßen Lerenien-Seis weitere Beachtung: zu beschäftigt waren sie damit, ihr Wasser zu beschützen und sich an ihre mickrige Existenz zu klammern, als dass sie Karou und Youma bemerken würden, die auf den Turm zusteuerten.
In Gebiet 17, dem Gebiet Ri-Ils, machte sich die Unruhe der Dämonenwelt ebenfalls bemerkbar, doch er war nicht angegriffen worden und die wohl strukturierte Horde Ri-Ils nicht in Auflösung gegangen. Nein, bis jetzt hatte er sogar Gewinne aus der Unruhe machen können, denn sein Wassersystem war weiterhin intakt und lockte somit viele Dämonen aus anderen Horden an, die sich ihm anschließen wollten, um Wasser zu erhalten. Jedoch war die Wasserknappheit der Welt auch nicht spurlos an Ri-Il vorbeigegangen und der Verbrauch seiner Untertanen musste gedrosselt werden – was besonders Mekare nicht gefiel, die nun nicht jederzeit baden durfte, sondern sich genau wie die anderen Mädchen mit einem eingeschränkten Verbrauch zufrieden geben musste und Ri-Il musste somit damit leben, öfter Ohrenschmerzen zu haben, wenn sich Mekare nicht mit einem simplen „nein“ zufriedengab.
Ein solches „nein“ schien sie gerade wieder gehört zu haben, denn sie kochte vor Wut und Frustration, als sie mit einem Ruck die Tür zu dem kleinen Zimmer der beiden Halbdämonen aufriss und ohne auf die verwirrten Blicke Blues und Silvers zu achten, sich auf das einzig freie Sitzkissen niederließ und sofort verkündete, was ihr auf der Seele lastete:
„Es ist alles scheiße! Einfach nur scheiße!“ Blue, der auf seinem Bett gesessen hatte, in einem Buch vertieft, legte dieses nun zur Seite. Auf der einen Seite, weil ihm bewusst war, dass er sich ohnehin nicht konzentrieren konnte, wenn Mekare sie besuchte und zum anderen, weil zwischen den vielen wütenden Wörtern, die aus ihrem Mund strömten, auch ab und zu einige nützliche Informationen vorhanden sein konnten.
Silver hatte gerade eben noch mit Blue gesprochen oder eher versucht, dessen Aufmerksamkeit zu erregen, doch machte sich nun für Mekares obligatorische Umklammerung bereit, welche jedoch erst einmal ausblieb. Stattdessen umklammerte sie ihre eigene Arme und rieb diese, als würde sie frieren.
„Diese Wassersparmaßnahmen sind einfach zum Kotzen! Diese paar Tropfen, die mir zustehen werde niemals ausreichen, um den widerlichen Gestank dieser Typen abzuwaschen! Meint, es würde ausreichen, damit ich nicht krank werde. Ha! Soll er doch die Beine breit machen, dieses gottverdammte Arschloch…und ich arbeite genauso fleißig wie immer! Hallo!? Die letzten Diamanten sind Ewigkeiten her!“ Tief seufzte sie und sah auf, wobei ihr plötzlich aufzufallen schien, mit wem sie sprach, denn sie wurde rot bei dem was sie gesagt hatte und sah mit roten Wangen zur Seite.
„Aber in Diamanten kann man auch nicht baden“, fügte sie nun hinzu und ihre Hände kamen langsam zur Ruhe.
„Nein, wohl eher nicht“, antwortete Silver darauf; froh darüber, überhaupt etwas gefunden zu haben, was er erwidern konnte, immerhin hatten weder er noch Blue eine Antwort auf ihren Wortschwall parat. Was sie auch nicht verlangte; sie dienten ihr lediglich als Ventil. Doch nun hatte sich Mekare beruhigt und eine Weile schwieg sie, während Blue und Silver sich einen fragenden Blick zuwarfen, bis der Rotschopf bemerkte, dass die Finger des anderen Rotschopfes sich in seine roten Haare verfangen hatten.
„Deine Haare sind ja länger geworden, Silver-kun. Das ist mir vorher gar nicht aufgefallen.“ Der Angesprochene antwortete darauf nicht, denn natürlich war es ihm bewusst, dass seine Haare gewachsen waren; jeder noch so kleine Zentimeter blieb ihm nicht unbemerkt. Er reagierte erst, als Mekare eine Strähne zwirbelte und sie nachdenklich sagte:
„Sie sind ein wenig fettig. Ich werde Ri-Il mal anhauen, dass er euch öfter in die Menschenwelt lassen soll. Deine Haare sind einfach zu hübsch, um fettig zu sein.“ Natürlich erfreuten diese Worte Silver ungemein; besonders das Kompliment, doch anstelle ihr Angebot erfreut anzunehmen, überließ er mit Absicht seinem Bruder das Reden:
„Danke, Mekare-san, doch ich denke, Silver wird es auch so überleben – und seine Haare ebenfalls.“ Natürlich wusste Silver sofort, was er antworten sollte und er tat es auch wie aus der Pistole geschossen, mit dem perfekten Imitat eines beleidigten Schmollmundes:
„Da wäre ich mir aber nicht so sicher! Du kannst dir ja gar nicht vorstellen, was für eine intensive Pflege sie benötigen…“
„Oh doch, immerhin sagst du es mir oft genug, dass ich mir schon ein ziemlich lebendiges Bild davon machen kann.“
„Dann solltest du anfangen dir ein Beispiel an mir zu nehmen; deine Haare würden dir dankbar sein!“
„Und dein Gehirn wäre dir dankbar, wenn du…“
„Jungs, Jungs!“, unterbrach Mekare die beiden Meisterschauspieler in ihrem Schauspiel ohne zu ahnen, dass es ein solches war.
„Ich muss euch zwei unterbrechen, denn ehe ich es vergesse…ich bin nicht nur hier, um mich auszukotzen. Ich soll euch Bescheid sagen, dass ihr in zwei Stunden bei Ri-Il sein sollt. Wir sollen nach Lerenien-Sei und scheinbar will er euch mitnehmen.“ Nun wurde Blue hellhörig:
„Nach Lerenien-Sei? Eine Versammlung der Hohen etwa?“ Ratlos zuckte Mekare mit den Schultern und antwortete:
„Keine Ahnung. Er sagte nur, dass er euch mitnehmen will, mit den Worten…dass es für euch lehrreich sein würde.“ Silver und Blue warfen sich einen ratlosen Blick zu, aber auch mit einem Hauch von bösen Vorahnungen.
„Ich werde ebenfalls mitkommen. Werbung sozusagen.“ Sie grinste plötzlich und klappte schwungvoll ihren Fächer auf, wohinter sie ein schelmisches Lächeln verbarg.
„Als ob ich Werbung benötige!“ Sie kicherte in sich hinein und schien plötzlich total vergessen zu haben, dass sie sich vor wenigen Minuten erst über ihre Berufung beschwert hatte. Ohne noch ein weiteres Wort zu sagen, richtete sie sich auf und schritt zur Tür, die sie beiseiteschob. Ehe sie das Zimmer allerdings verließ, drehte sie sich herum und richtete den Brüdern folgendes aus:
„Kommt ja nicht zu spät, Jungs!“ Ihre spitzen Absätze waren auf den Treppenstufen zu hören, während Silver und Blue sich anschwiegen. Sie rührten sich nicht, schwiegen, lauschten. Einige Treppenstufen weiter oben ging die Tür hinter Mekare mit einem Rattern zu und das kleine Treppenhaus vor ihrer Zimmertür war wieder verlassen. Doch erst einige Sekunden später wandte Silver sich herum.
„Hast du eine Idee, was es sein könnte?“ Der Angesprochene fummelte an dem Buchrücken des karminroten Buches in seinem Schoss und seine Stirn legte sich nachdenklich in Falten. Lange musste Silver sich damit zufrieden geben dies anzusehen, ehe Blue seine Überlegungen preisgab:
„Ja, ich bin mir sogar ziemlich sicher.“
„Dann schieß los, Aniki!“ Wieder schwieg Blue und Silver wusste, dass er in die Dunkelheit hinein lauschte und überprüfte, ob irgendwo in der Nähe Schritte zu hören waren oder ob er Auren spüren konnte, die sich in der Nähe ihrer Tür befanden. Erst nach mehreren verstrichenen Sekunden führte er aus:
„Es muss sich zwangsweise um eine große politische Begebenheit handeln, da Ri-Il persönlich nach Lerenien-Sei geht, obwohl er erst in der vorletzten Versammlung der Hohen der Sprachführer war. Die Tatsache, dass er Mekare mitnimmt, lässt darauf schließen, dass auch die anderen Fürsten anwesend sein werden, denn niemand anderes kann es sich leisten, ihre Dienste anzunehmen – und es gibt nur einen Grund für die Fürsten, sich allesamt persönlich zusammenzufinden; ein Grund, der wahrlich überaus lehrreich für uns sein wird, denn eine solche Begebenheit gab es nur sieben Mal in der Geschichte.“
„Du meinst…?“ Blue stand auf und legte das Buch auf dem niedrigen Tisch ab.
„Ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass unsere Majestät den Hohen befohlen hat, sich zu versammeln, um einen erneuten Krieg zu verkünden.“