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Episode 40
  Episode 40: Alles für ein Lächeln
"Du musst mich in die Dämonenwelt bringen!"
Mit diesen Worten wurde die Tür zu Azumas Zimmer regelrecht aufgerissen und ohne vorher angeklopft zu haben stand Firey plötzlich in der Tür ihres Teamkollegen, mit einer beispiellosen Entschlossenheit in ihren Augen, welche eindeutig durch die Hitze ihres Elementes weiter angefacht wurde. Azuma war von ihrem ungewohnten Anblick so überrascht, dass er nichts tat, um das zu verbergen, was er in diesem Moment in der Hand hielt; etwas, was Firey auch erst bemerkte, nachdem sie ihn mit ihrer plötzlichen Verkündung überrumpelt hatte. Ihre Entschlossenheit verflog auf einmal, denn sie hatte ihren Teamkollegen wahrlich bei etwas Verbotenem entdeckt, weshalb sie auch schnell die Tür hinter sich schloss, da Azuma just in dem Moment, als sie herein gestürmt kam, gemütlich in seinem Sessel saß und …
"T-Trinkst du da gerade … Bier?" Azuma wurde rot und als hätte er die angefangene Flasche und damit sein Vergehen eben erst bemerkt, versteckte er den Beweis eilig hinter seinem Rücken.
"Genauer gesagt ist das Tuborg, dänisches Qualitätsbier", entgegnete der Erdwächter nach kurzem Schweigen, sich offensichtlich bewusst, dass die Chance, dass seine Teamkollegin ihm abnehmen würde, dass es sich bei der Flasche um Wasser handelte, nicht besonders groß war - weshalb er es auch ebenso gut eingestehen konnte.
"Dir ist klar, dass es uns Wächtern nicht erlaubt ist, zu trinken, oder?", tadelte Firey ihn sofort mit erhobenen Augenbrauen.
"Das klingt ja fast so, als wäre ich ein Alkoholiker!", entgegnete Azuma empört und fuhr fort:
"Es ist Dienstag! Ein Feierabendbier wird ja wohl noch drin sein! In Henel trinken sie alle, aber Minare ist so ein verdammter Spießer und lässt mich nie was trinken!"
"Natürlich, denn wir Wächter dürfen gar nichts Alkoholisches trinken und er ist immerhin ein Offizier… Woher hast du das eigentlich, wenn du es nicht aus der Dämonenwelt hast?" Der Erdwächter holte die Flasche wieder hervor und genehmigte sich den letzten Schluck, welcher sich noch in der Flasche befunden hatte, ehe er geheimnisumwoben antwortete:
"Connections, Fireyskat, Connections. Du wolltest nach Henel? Was zur Hölle willst du in der Hölle?" Er schloss seinen Satz lachend ab; anscheinend fand er sein kleines Wortspiel unheimlich amüsant. Firey schwieg jedoch und ging daher nicht weiter auf den Witz Azumas ein, auch nicht, als er sie fragte, ob sie es etwa nicht länger aushalten könne, bis der Krieg offiziell anfinge und ob sie denn schon mal loslegen wolle.
"Du könntest mich also hinbringen?" Ihre Stimme klang selbstbewusster, als sie es eigentlich war, denn die Entschlossenheit, mit der sie Hals über Kopf durch den Tempel gestürzt war und mit der sie Azumas Zimmertür aufgerissen hatte, war erloschen - nicht gänzlich, aber plötzlich kamen die Zweifel in ihr hoch: Zweifel an dieser Aktion und dem Erfolg selbiger.
Doch Azuma interpretierte ihr Schweigen nicht als Zweifel, sondern als Beherztheit und prompt stellte er sich die Frage, warum seine Teamkollegin denn so dringend in die Dämonenwelt wollte.
"Du weißt, dass ich das nicht darf."
"Ich würde mit dir ausgehen."
Azuma verschränkte zweifelnd die Arme und anstatt sich über diese Chance zu freuen oder sie zu nutzen, wurden seine Skepsis immer größer. Mit einem hohlen Lachen antwortete er:
"Gerne, Fireyskat, gerne, aber ich bin nicht so dumm und setze meinen Rang aufs Spiel für ein kleines Date."
"Was willst du dann?" Ratlos schüttelte Azuma mit dem Kopf und entgegnete verdrießlich:
"Es wäre ein Anfang, wenn du mir sagen würdest, warum du überhaupt dahin willst." Natürlich würde sie es ihm nicht sagen. Wie sollte sie es auch erklären? Wenn sie auch nur eine Sekunde zu genau über ihr Vorhaben nachdachte, wurde ihr schnell klar, dass sie dabei war, einen Selbstmordakt zu starten. Sie wollte nicht einfach rumsitzen und zugucken, wie Green in ihr Verderben rannte - das konnte sie nicht und das würde sie auch nicht tun.
Sie war mit der Überzeugung losgestürmt, dass der Siberu und der Gary, die sie kannte, es genauso wenig zulassen würden, wie sie … aber wenn sie nun genauer darüber nachdachte … war dieses überstürzte Vorhaben nichts anderes als … nun einmal ein Selbstmordakt. Zum einen war die Dämonenwelt ziemlich groß, ihr Gespür für Auren ziemlich schlecht… und wer sagte ihr eigentlich, dass es die beiden überhaupt interessierte, falls sie sie denn finden würde? Ihr Herz klammerte sich zwar an die naive Hoffnung, dass es eine Wahrheit hinter der Wahrheit gab, aber sie hatte keine Garantie dafür.
Und vor allen Dingen gab es keine Garantie dafür, dass sie mehr als fünf Minuten in dieser Hölle überleben würde.
Ohne, dass Firey Azuma eine Antwort gab, machte dieser sich allerdings schon seine eigenen Gedanken, denn ihm war wieder eingefallen, was Fail ihm gesagt hatte; war es wohlmöglich wahr? War Firey wirklich verliebt - aber doch nicht etwa … nein, das konnte er sich nicht vorstellen. Firey doch nicht.
"Gut, ich bring dich hin. Musst mir nicht sagen warum, du hast sicherlich deine Gründe", antwortete er plötzlich mit einem eindeutig viel zu freundlichen Blick, welchen Firey allerdings in diesem Moment nicht beachtete, denn sie fühlte, wie er ihr den Boden unter den Füßen wegriss. Gerade noch hatte sie sich den Kopf zerbrochen, wie sie das Ganze logisch abbrechen konnte, denn es war wahrscheinlich erst einmal eine bessere Idee, mit Green zu sprechen, anstatt einem naiven Traum hinterher zu jagen.
"A-Also, Azuma, ich denke …"
"Einen kleinen Augenblick, Fireyskat!" Ohne sich über Azumas plötzliche Freundlichkeit Gedanken zu machen, beobachtete Firey mit bangen Vorahnungen, wie der Erdwächter an ihr vorbei schritt und direkt auf seinen Sekretär zusteuerte. Sie achtete allerdings nicht wirklich darauf, wie Azuma die oberste Schublade des Tisches öffnete, indem er seinen Zeigefinger aufleuchten ließ und das Wappen seines Elementes auf das blanke Holz zeichnete, denn sie dachte fieberhaft über eine Möglichkeit nach, die Aktion abzubrechen - aber sie fand keinen logischen Grund für einen plötzlichen Abbruch. Gerade als sie sich dafür entschloss, dass ihr die Logik gestohlen bleiben konnte, denn ihr eigenes Überleben war ihr wichtiger, ertönte ein Klacken und die schlüssellochlose Schublade öffnete sich, woraus Azuma eine kleine, hölzerne, allerdings mit Gold verzierte Schatulle holte und diese mit einem fünf Zentimeter langen Schlüssel öffnete, welchen er gerade aus seiner Hosentasche herausgefischt hatte. Allerdings, so sahen Firey und Azuma gleichzeitig überrascht, war die Schatulle leer.
"Sollte da nicht etwas drin sein?", frage Firey ein wenig besorgt klingend, während der Erdwächter die Stirn in Falten legte und für einen Moment tatsächlich ebenfalls nervös aussah - bis er sich plötzlich von seiner Teamkollegin abwandte und auf seine Uniform zuhechtete, welche achtlos auf das Bett geschmissen worden war.
Triumphierend hielt er ein kleines Objekt, gefunden in der Hosentasche der Uniform, in der Hand und richtete sich nun wieder an Firey, doch diese kam ihm zuvor:
"Ist das der Schlüssel für die Dämonenwelt?", fragte Firey, deren Neugierde für einen kurzen Moment die Überhand gewann, plötzlich und fügte kritisch hinzu, wie Azuma denn auf die Idee käme, diesen nicht sofort nach Gebrauch wieder dort zu verschließen, wo er hingehöre - diese Sicherheitsvorkehrungen wären sicherlich nicht umsonst.
"Ich wundere mich sowieso, warum du überhaupt den Schlüssel hast. Warum bewahrt Minare ihn nicht auf?"
"Wir haben beide einen", erklärte Azuma, ohne auf Fireys Kritik einzugehen.
"Du brauchst ihn allerdings nur für den Weg hin; für den Rückweg brauchst du ihn nicht. Für den Rückweg teleportierst du dich einfach. Warum auch immer das so ist!" Skeptisch hob Firey die Augenbraue und fragte sich wieder einmal, warum man ausgerechnet Azuma für die Spionage ausgesucht hatte, denn sie hatten das Thema "Bannkreis" bereits oft im Unterricht durchgenommen, weshalb er es eigentlich wissen sollte:
Würde der Bannkreis nicht existieren, könnte man sich im Prinzip normal in die Dämonenwelt teleportieren, wie es einem beliebte. Den Wächtern war es allerdings verboten, ohne Genehmigung in die Dämonenwelt zu reisen; die offizielle Begründung in den Regeln lautete "um die Wächter vor der dortigen Unreinlichkeit zu behüten und sie dieser nicht länger als nötig auszusetzen" - und sie war eine der obersten Regeln, versehen mit der Unterschrift Hikarus. Dämonen waren von der Magie, die sicherte, dass diese Regel auch wirklich eingehalten wurde, nicht beeinträchtigt, doch Wächtern war es selbst ohne Bannkreis nicht möglich, einfach so ohne eine Genehmigung in die Dämonenwelt zu gelangen.
Wächter, die eine solche Genehmigung besaßen, erhielten das, was Azuma nun beinahe verloren hatte: Er ähnelte einem länglichen Kristall mit einer Größe von um die zehn Zentimeter, befestigt an einer langen Lederschlaufe.
Der Kristall bestand aus geschliffenem, schwarzen Stein mit einem kleinen roten Juwel in dessen Mitte - beim genauen Betrachten sah es allerdings eher so aus, als würde der Rotton nicht vom Juwel an sich kommen, sondern daher rühren, dass sich eine rote Flüssigkeit in diesem befand.
Azuma hielt ihr den Kristall lockend entgegen, doch die bangen Vorahnungen waren wieder hervorgekommen, weshalb Firey den Schlüssel eher angstvoll ansah, als Entschlossenheit zu zeigen. Plötzlich zog Azuma ihn jedoch energisch zurück und für einen kurzen Augenblick wiegte Firey sich in Sicherheit, denn seine darauffolgenden Worte gaben ihr endlich die Möglichkeit, alles abzubrechen:
"Jeder Übergang wird registriert." Er ließ die Worte einen Moment lang in der Luft hängen, dabei beobachtend, wie Firey auf diese reagierte und sie kam wie aus der Pistole geschossen:
"Ja, also ich denke, wir sollten das Ganze dann einfach lassen." Also doch, dachte Azuma, Firey war es zwar egal, ob das Reisen in die Dämonenwelt illegal war, aber dass jemand von ihrem Abstecher Wind bekäme - das war ihr nicht egal. War das, was sie dort wollte, etwa so verboten? Einen Augenblick lang war der Erdwächter darüber so schockiert, dass er unfähig war zu reagieren, als Firey sich dann mit einem Lächeln umwandte und ihm noch einen "Schönen Abend" wünschte.
"Vergessen wir das Ganze einfach, war sowieso nur eine dumme Idee von mir … wir ehm… sehen uns dann morgen?" Doch jetzt war Azumas Neugierde zu sehr entfacht - entschlossen streckte er seine Hand nach ihr aus, gerade als Firey sich glücklich schätzte, die Klinke der Tür in der Hand zu halten. Er legte seinen Arm um ihre Schulter und drückte ihr breit grinsend den Schlüssel in die Hand:
"Ach, Fireyskat! Das war doch nur ein Witz! Der Übergang wird nicht registriert, keine Sorge", log Azuma und fuhr sofort mit seiner Lüge fort:
"Niemand wird etwas von deinem kleinen … Ausflug erfahren." Wieder löste er sich von ihr und legte zwinkernd seine Hand auf sein Herz:
"Das verspreche ich dir." Mit dem Kristall in der Hand starrte Firey ihn nur entgeistert an, sich bewusst, dass sie sich jetzt nicht mehr herausreden könnte. Als er ihr jedoch sagte, dass es sich, wenn sie den Schlüssel besaß, einfach um eine normale Teleportation handelte, kam ihr endlich die Idee, die hoffentlich ihr Leben retten würde: lange würde sie zwar nicht in der Dämonenwelt überleben können, aber doch sicherlich lange genug, um sich, sobald sie dort war, sofort wieder zurück zu teleportieren - und dann würde sie sich sofort zu Green aufmachen, es war immerhin erst halb 11 Uhr abends, sie würde sicherlich noch nicht schlafen.
"Denk' einfach ganz fest an das Kap der letzten Hoffnung, und schon bist du da!"


Kaum, dass sich Firey in Luft aufgelöst hatte, bekam Azuma wieder Besuch, obwohl dies eigentlich nicht die richtige Bezeichnung war, denn diese Person war bereits die ganze Zeit über im Raum gewesen; versteckt unter dem Bett, wo er nun mühsam hervor kroch; ein Schlupfwinkel, welchen er bereits gut kannte, immerhin hatte er sich bereits oft unter einem Bett verkrochen.
"Also ich bin froh, dass ich unter dem Bett gerade erst sauber gemacht habe; das ist ja eine Zumutung!" Als Azuma die Stimme des Tempelwächters hörte, sah er über die Schulter hinweg zu dem sich beschwerenden Fail, welcher sich nun aufgerichtet hatte und seine Uniform wieder glatt strich.
"Oh, ich hab dich gar nicht kommen hören, Fail." Fail verzog eine bittere Miene und beschloss nicht auf die Worte Azumas einzugehen, genauso wenig wie er darauf einging, dass Azuma kontinuierlich seinen Namen falsch aussprach.
"Ich weiß, es steht mir nicht zu, Euch zu tadeln …"
"Ja, dann solltest du vielleicht die Klappe halten."
"Aber Euer Egoismus wird Euch noch teuer zu stehen kommen! Ich weiß zwar nicht, was Ihr vorhabt, aber Firey-sama hatte offensichtlich doch nicht vor, nach Henel zu ziehen. Ihr habt es Ihr ja regelrecht aufgezwungen! Und das Ganze auch noch ohne Ingnix und Kommunikationsmöglichkeit!" Fail tadelte ihn zu Recht, denn ihm war klar, dass Azuma seine ganz eigenen Pläne verfolgte - und dass ihm dabei egal zu sein schien, dass er nicht nur ein Risiko für Firey einging, sondern auch für sich selbst und das Wächtertum, wenn Dämonen bemerkten, dass eine Wächterin zu Nicht-Kriegszeiten in ihrer Welt war. Auch die Hikari würden ihn zur Rechenschaft ziehen, selbst wenn überhaupt nichts geschah, denn in ihren Augen musste es so aussehen, dass Azuma seinen Kristall aus Vergnügung eingesetzt hatte. Daher war Fail auch ein wenig überrascht, den Erdwächter angesichts dieser Tatsachen plötzlich grinsend zu sehen:
"Egoismus!? Ich! Ich tue das alles nur für das Wächtertum." An Fails Blick bemerkte Azuma schnell, dass dieser ihm kein Wort glaubte, weshalb er hastig fortfuhr:
"Ich werde nämlich einen Verrat aufdecken. Fireyskats Verrat. Denn ich bin mir sicher, dass dieser Typ ein Dämon sein muss - was sonst sollte Fireyskat in Henel machen!? Aber dann werde ICH in Erscheinung treten und dann werde ICH sie vor eben diesem Typen retten, wie der Held, der ich bin und dann wird sie erkennen, dass …" Dies steigerte nicht gerade Azumas Glaubwürdigkeit und deutlich sah der Erdwächter Fail an, dass dieser nicht sonderlich von dieser Idee überzeugt war.
"Du glaubst mir also nicht?"
"Nein. Das tue ich nicht."
"Warum nicht?"
"Weil Firey-sama nicht so ist wie Ihr." Das war wahrlich ein Argument, welches Azuma zum Schweigen brachte und plötzlich schien er ins Grübeln zu kommen, anscheinend über eine andere Möglichkeit nachdenkend. Fail allerdings musste nicht sonderlich lange darüber nachdenken, denn er war bereits auf eine Idee gekommen, die erstaunlich nah bei der Wahrheit war. Anders als Azuma interessierte er sich nämlich für alle Gerüchte und nicht nur für die über Firey, um die sowieso kaum welche kreisten - und die interessantesten galten ihrer Hikari, welche offensichtlich gar nicht so unbegründet waren. So war Fails Erklärung, dass Fireys "Ausflug" in die Dämonenwelt sicherlich mit dem Gerücht in Zusammenhang stand, dass deren Hikari früher einmal eine Beziehung mit einem, man glaube es kaum, Dämon gehabt hatte. Fail sprach seine Gedanken allerdings nicht aus - Azuma fragte ihn immerhin nicht.
"Gut, dann werde ich Plan B befolgen!", verkündete Azuma plötzlich, als wäre es eine glorreiche Kriegsrede; eine Begeisterung, die Fail gewiss nicht nachvollziehen konnte, denn einen Augenblick lang glaubte er seinen Ohren kaum - er hatte sogar einen Plan B?!
""Plan B"?", wiederholte der Tempelwächter zweifelnd:
"Welcher Plan B?"
"Der Plan "Wie mache ich Fireyskat zu meiner festen Freundin, indem ich sie glorreich vor irgendeinem Dämon rette!" Haha!" Zweifelnd hoben sich Fails Augenbrauen:
"Und wie wollt Ihr das machen? Ihr habt gerade Euren Schlüssel an Firey-sama gegeben." Der Tempelwächter sah verblüfft drein, da Azuma vollkommen anders reagierte, als von ihm vorgesehen: wenn möglich wurde Azumas Grinsen sogar noch breiter als zuvor.
"Wer sagt, dass ich nur einen habe?" Fail ging einen Schritt auf ihn zu und ihn ungläubig anstarrend sagte er zögerlich:
"Aber Ihr habt nur die Genehmigung für einen …" Von seiner Reaktion gänzlich unbeeindruckt lehnte Azuma sich an seinen Schreibtisch und holte unter den fragenden Augen Fails ein Buch von dem Bord über seinem Schreibtisch herunter; was hatte er nun mit einem Buch vor?
Schnell bemerkte Fail, dass das vermeintliche Buch schon längst keine brauchbare Lektüre mehr war und Buchwürmer würden wohl Höllenqualen leiden, wenn sie das von Azuma zerschnittene Buch sähen, denn dieser hatte in die Buchseiten eine Vertiefung herein geschnitten, worin nun ein schwarzer Kristall lag.
Fail kommentierte es nicht; er war sprachlos, was Azuma offensichtlich genoss:
"Als Minare und ich unsere Schlüssel bekamen, wurden gerade ein ganzer Haufen für den Krieg bereit gemacht. Da habe ich mir gedacht; einer mehr kann ja nicht schaden! Und weißt du, was das Beste daran ist? Man kann sich zwar mit ihm nach Henel teleportieren, aaaaaber es wird nicht registriert, da der Schlüssel niemandem gehört, haha!"
"… Ihr habt das ausprobiert."
"Natürlich habe ich das. Weißt du eigentlich, wie geil so eine Welt ohne Gesetze ist? Ich gebe ihr noch zwei Minuten und dann tritt der strahlende Held Azuma in Erscheinung!"

Zwei Minuten waren jedoch leider zu viel.
Denn in Lerenien-Sei hatte ein gewisser Computer in innerhalb von vier Sekunden herausgefunden, dass eine Feuerwächterin ihre Füße in die Dämonenwelt gesetzt hatte.


Es verbleiben noch 19 Tage bis zum Kriegsbeginn


Verängstigt beendete Yuuki das Gespräch, welches er eben noch geführt hatte, und schluckte seinen Ananassaft in einem Schluck herunter. Kaum hatte er dies getan, nahm er die Flasche, welche ein Tempelwächter auf einem Tablett trug, herunter und füllte sich nach, nur um es sofort wieder zu leeren. Daraufhin stellte er das Glas weg, schloss die Augen und versuchte sich zu konzentrieren, indem er seine Panik herunterschluckte.
Azuma war in der Dämonenwelt, um Firey zu suchen, welche, dank ihm und seinem unüberlegten Egoismus, in der Dämonenwelt verloren gegangen war.
"Verloren gegangen", wie Azuma es nannte. Wenn man es so nannte, dann klang es noch recht harmlos. Aber es war nicht harmlos. Es war alles andere als harmlos! Eine Feuerwächterin, obendrein die letzte ihrer Rasse, war wohlmöglich entführt worden. Alleine schon, dass sie in der Dämonenwelt gesichtet wurde, war schlimm genug! Wie würde das denn gedeutet werden?
Und wenn raus kam, dass das nur wegen eines kleinen Spielchens passiert war … Yuuki wurde ganz schlecht und hatte plötzlich mehr Angst vor den Hikari als vor den Dämonen an sich.
Azuma hatte Yuuki gebeten, sich eine Ausrede für ihn einfallen zu lassen, in Ausreden sei er immerhin gut, doch der Gensou war nicht so selbstlos, dass er sich auf das sinkende Schiff gesellte; dafür war seine Laufbahn als Wächter bereits zu sehr befleckt, als dass er das getan hätte. Wenn er vor den Hikari einen Eid schwören musste, dass er die Wahrheit sprach, dann würde er gewiss nicht für seinen Freund lügen - selbst bei aller Freundschaft!
Doch noch stand er nicht vor den Hikari. Noch hatte es nicht für Aufsehen gesorgt. Obwohl bereits sage und schreibe 14 Stunden vergangen waren, seitdem Azuma Firey in der Dämonenwelt verloren hatte - offensichtlich war das Protokoll für die Benutzung der Kristalle noch nicht überprüft worden.
Da es ein Mittwoch war, war das morgendliche Training natürlich kein Problem gewesen, denn das war an ihrem einzigen freien Tag in der Woche nicht abgehalten worden und somit hatte Yuuki sich auch keine Ausrede aus den Ärmeln schütteln müssen. Bis vor zwei Stunden hatte er auch nichts von Fireys Verschwinden gewusst, denn offensichtlich war es Azuma zu peinlich gewesen, ihn sofort zu alarmieren und seinen Fehler somit einzugestehen. Eigentlich sah er seinen Fehler auch nicht ein; er beteuerte, dass es Firey selbst war, die darauf bestanden hatte, in die Dämonenwelt zu gelangen - als ob Yuuki ihm das glauben würde. Firey war gar nicht der Typ Wächter, welcher sich außerordentlich für die Dämonen und ihre Welt interessierte; in den Dämonologie-Unterrichtsstunden war sie immer sehr ruhig und zurückhaltend gewesen - warum also sollte sie so erpicht darauf sein, Sightseeing in der Welt der Dämonen zu machen?
Aber der Grund für diesen Schlamassel war eigentlich momentan überhaupt nicht von Belang, sondern eher, wie man Firey wiederfinden sollte. Die Dämonenwelt war im Vergleich zum Reich der Wächter riesig! Und wurde obendrein von Tausenden von blutrünstigen Monstern bevölkert, die sich wohl alle über eine verirrte Wächterin freuen würden. Und das ganz ohne Ingnix! Das jedoch war auch Azumas Vorteil, denn sein Gespür für Auren war überaus ausgeprägt; wenn er sie also spüren konnte, gab es vielleicht eine Chance für Firey. Aber das benötigte Zeit und Yuuki war sich nicht sicher, ob sie diese auf ihrer Seite hatten, denn dieser Mittwoch war leider kein normaler, weshalb der Illusionswächter sich auch nicht im Tempel befand, sondern auf Min Intarsier, der dritten Insel des Reiches der Wächter und der ruhigste Teil des Wächtertums. Ein kleines, friedliches Fleckchen schwebender Erde, bestehend aus mehr als 30 kleinen Inselchen, auf denen größtenteils Landwirtschaft betrieben wurde. Ein Ort bedeckt mit grünen Feldern, umringt von Blumen in Abertausenden von Farben, zwischen denen lachende Kinder spielten und wo man sämtliche Gedanken um irgendeinen Krieg verdrängen konnte; hier konnte man sich ins Gras werfen, den Duft von Sonnenblumen in sich aufnehmen, während die Räder der weißen Windmühlen sich langsam drehten.
Am diesen Tag war die Inselgruppierung allerdings alles andere als ruhig, denn es hatten sich rund 1000 Wächter eingefunden, die nun eine große, sonnendurchflutete Halle ausfüllten in dem größten Gebäude Min Intarsiers.
Im Vergleich zum Tempel oder Sanctu Ele'Saces war die Kommandozentrale Min Intarsiers eher klein, doch in dem großen mit Parkett ausgelegten Saal war dennoch Platz für die vielen Wächter, die sich an diesem freien Tag hier eingefunden hatten, um mit Green reden zu können.
Eine politische Begebenheit von großer Wichtigkeit, denn es gab allen Wächtern die Möglichkeit, direkt mit ihrer Hikari in Kontakt zu treten. Doch sie kamen nicht einfach nur, um eine Bitte oder eine Klage vorzutragen; es war eigentlich viel eher eine öffentliche Diskussion, bei der die Wächter zusammen mit ihrer Hikari die Aufstellungen der Bataillonen besprechen konnten oder gar selbst Vorschläge für eine effektive Kriegsführung vortrugen. Es war dabei die Aufgabe der Hikari, die Meinungen ihrer Mitwächter aufzunehmen und diese dann wiederum ihrer Familie im Jenseits vorzutragen; somit hatten die normalen Wächter ebenfalls die Möglichkeit, den Verlauf des Krieges zu beeinflussen.
Da Green dank ihrer Kriegsrede vom einen Tag auf den anderen als einzigartige Rednerin bekannt geworden war, hatten sich außerordentlich viele Wächter eingefunden; mehr als die, die eigentlich vorgesehen waren. Alle waren gespannt darauf, ob Green wieder etwas "Unnormales" tun würde, etwas, worüber man staunen konnte, sich die Münder zerreißen und den Kopf schütteln konnte; oder gar beeindruckt sein konnte, wie man es bereits einmal gewesen war.
Yuuki sah nervös auf eine enorme Wanduhr über den zwei großen Flügeltüren des Saals, womit er feststellte, dass die Diskussion in weniger als 2 Stunden anfangen würde; momentan begann sich der Saal langsam mit Wächtern zu füllen, denn bevor die Diskussion beginnen würde, würde man sich noch an dem vorzüglich riechenden Büfett gütig tun.
Die Dämonen hatten bis jetzt noch nicht darauf reagiert, dass eine Feuerwächterin auf ihrem Territorium "verloren gegangen" war, aber in zwei Stunden würden die Wächter bemerken, dass zwei ihrer Elementarwächter fehlten.
Das war alles nicht gut. Ganz und gar nicht gut! Eigentlich müsste er zu seiner Hikari eilen und Alarm schlagen, dafür sorgen, dass Firey geholfen wurde …
Hoffentlich ging es Firey gut. In 14 Stunden konnte so einiges in der Dämonenwelt geschehen.
Yuuki schüttelte den Kopf: Er sollte sich darum erst einmal keine Sorgen machen. Es würde schon gut gehen. Er war ein Optimist und würde dies auch bleiben: Firey ging es gut, ganz sicher und Azuma würde sie schon bald finden und sicher zurückbringen. Und wenn Yuuki innerhalb der nächsten zwei Stunden nichts von ihm gehört hatte, dann würde er …
"Yuuki!"
Der Angesprochene fuhr erschrocken zusammen, und wenn er das Glas nicht schon vorher weggestellt hätte, dann hätte er es nun wohlmöglich verloren. Er wirbelte herum und sah die im blauen Diplomatenkostüm gekleidete Green, welche zusammen mit Tinami zu ihm geschritten kam, dicht gefolgt von der Tempelwächterin der Hikari, bereits beladen mit Papier, bereit, um alles niederzuschreiben.
Da sämtliche Elementarwächter zugegen waren, war das Fehlen von Azuma und Firey recht auffällig und es war kein Wunder, dass Green sofort auf Yuuki zusteuerte, um zu erfahren, warum gerade diese beiden nicht da waren. Obwohl Green noch nicht mehr als den Namen des Illusionswächters gesagt hatte, kam es Yuuki so vor, als würde sie ihn sofort anklagen.
"Hast du Firey und Azuma gesehen? Mir kommt es so vor, als wären sie nicht da." Ja, natürlich war ihr das aufgefallen und in Kürze würde es auch jedem anderen auffallen, wenn sich die Elementarwächter aufstellen, Green zum Rednerpult schreiten würde und zwei wunderbare Lücken in der Reihe der Elementarwächter zu sehen sein würden.
"Nein, ich hab sie nicht gesehen", antwortete Yuuki und fand eigentlich, dass seine Stimme dabei sehr ruhig und überzeugend klang. Scheinbar jedoch nicht überzeugt genug, denn Green schmunzelte:
"Du weißt genau, wo sie sind."
"Woher wollt Ihr das wissen?"
"Weil du sonst nie so kurz angebunden wärst, wenn du nicht wohlmöglich etwas verheimlichen würdest." Erst als sie dies sagte, wurde sein Lächeln eine Spur steifer. Anscheinend kannte Green Yuuki bereits zu gut oder aber er war einfach noch nicht gut genug im Lügen (obwohl er eigentlich von seinen Fähigkeiten überzeugt war), oder … er hatte seinen Meister gefunden.
Verstohlen sah Yuuki in eine andere Richtung, mit einem Gesicht, welches von seiner inneren Unruhe nur so zeugte. Green wartete geduldig, mit der Hand in ihre Hüfte gestemmt, auf seine zögerliche Antwort:
"Sie … sind in der Menschenwelt." Mal sehen, wie gut sein neuer Meister war, dachte sich Yuuki und baute sein durchdachtes Lügenschloss auf:
"Azuma wollte Firey unbedingt sein Heimatland zeigen; das wollte er schon von Anfang an, müsst Ihr wissen, Green-sama, und obwohl Firey doch ziemlich abgeneigt war, hat sie sich schlussendlich doch dazu entschieden, nachzugeben; nach einem Jahr Plagerei von Azumas Seite aus ist das ja auch nicht besonders verwunderlich, immerhin ist er sehr behaglich." Yuuki holte Luft, um weiter auszuführen, als Green die Chance nutzte und ihn unterbrach:
"Die beiden haben sich aber einen ganz tollen Tag dafür ausgesucht."
"Zugeben, ja - aber Azuma hat wohl vergessen, dass die Versammlung heute anstand und Firey hatte es gar nicht erfahren. Oh, Green-sama, ich bin wahrlich untröstlich für diese Umstände, doch verzeiht mir und meinen Teamkollegen doch bitte, zeigt Gnade!" Green winkte mit der Hand ab, ein kleines Lächeln auf den Lippen, welches sich zu einem Grinsen formte, als sie ihm versicherte, dass sie keine Gnade zeigen würde, denn es gab nichts, worauf sie sauer sein musste. Grinsend wandte sie sich an Tinami und bat sie darum die Reihe zu schließen, so dass wenigstens nicht zwei sehr deutliche Lücken zu sehen sein würden.
"Das Lästern kannst du trotzdem nicht vermeiden, Ee-chan", antwortete Tinami ebenfalls mit einem leichten Grinsen.
"Auch wenn absolut nichts da wäre zum Lästern würden sie etwas finden, worüber sie sich die Mäuler zerreißen könnten, es bleibt also egal." Yuuki bedankte sich ausführlich und mit einem Hauch von Theatralik bei seiner Hikari und küsste der überraschten Lichterbin sogar die Handfläche, ehe er sich freudestrahlend von den drei Wächterinnen abwandte, nur um ungesehen sein Handy finster anzustarren und Azuma die Pest an den Hals zu wünschen.


Firey hörte etwas.
Obwohl sie nicht wusste, ob "hören" das richtige Wort war, um es zu beschreiben …
Es glich einem Ruf; einem Ruf, der jedoch nicht durch ihre Ohren in ihr Gehirn drang, sondern direkt durch ihr Herz und in ihren Körper. Was war das? Etwas sagte ihr, dass sie das Gefühl kannte, dass es ihr nicht ungewohnt war und dass sie wissen müsste, was es war.
War das vielleicht das, was Ignes seinen drei Schülern einst erklärt hatte? Der Ruf, den alle Wächter kannten, den es zu befolgen galt und den sie tief in ihren Herzen spüren konnten?
Den Ruf ihres Elementes?
"Was ist das denn für ein bescheuerter Schwachsinn", hatte Azuma damals grinsend gesagt, um mit den folgenden Worten seine spöttische Beschwerde abzuschließen:
"Also mein Element ruft mich nicht an und bittet um eine Audienz; es hat gefälligst die Klappe zu halten und mir einfach zu gehorchen. Ha! Das klingt ja fast so, als hätte so ein Element eine Persönlichkeit." Ignes war ruhig geblieben. Mit einem erschöpften Lächeln hatte er geantwortet:
"Die Tatsache, dass Ihr Euer Element effektiv unter Kontrolle halten könnt, ist der Beweis für eine erfolgreiche Kommunikation zwischen Wächter und Element. Natürlich ist ein Element kein eigenständiges Individuum und hat somit auch keine Persönlichkeit, doch euer Element stellt das Fundament eures Instinkts dar und ist somit ein Teil von uns allen. Als ein Teil unseres Instinktes gilt es, dem Ruf unseres Elementes immer zu befolgen, denn es ist mit mehr Feingefühl ausgestattet als unser Gehirn." Damals hatte er deutlich Azuma mit einem tadelnden Unterton angesprochen, doch jetzt spürte Firey, dass Ignes recht hatte.
Deutlich wie nie spürte sie den Ruf ihres Elementes. Da war etwas in ihrer Umgebung, dass die Aufmerksamkeit ihres Elementes auf sich zog.
Ein … Objekt?
Firey öffnete die Augen, wollte ihren Kopf in die Richtung drehen, von der sie vermutete, dass die Stimme sie hinführen wollte, doch dieses Streben stellte sich schnell in den Hintergrund, als sie mit Schrecken bemerkte, dass sie sich nicht bewegen konnte.
Firey zwang sich, ruhig zu bleiben, doch das fiel ihr nicht leicht, denn die Panik machte sich automatisch in dem angeketteten Körper breit. Sie hing senkrecht an einer Art aus Magie erzeugter Wand, welche den nackten Körper der Feuerwächterin mit türkisleuchtenden Ringen an sich kettete, die um ihre Gelenke gekettet waren und auch um ihre Stirn. Es schmerzte zwar nicht, lag aber so eng an, dass sie nicht einmal den Kopf drehen konnte, um sich umzusehen.
… nackt? Mit Schamesröte wurde ihr erst nun mit pochendem Herzen bewusst, dass sie komplett entkleidet an dieser Wand hing. Wo war sie? Was war mit ihr geschehen? Sie hatte nur für einen kurzen Augenblick … den Himmel der Dämonenwelt gesehen, hatte ihn nur kurz verblüfft angesehen, wollte sich zurück teleportieren und dann …
Die Feuerwächterin zwang sich, das, was sie gelernt hatte, anzuwenden und zu versuchen, ruhig die Lage zu untersuchen … aber sie spürte deutlich, wie die Panik zunehmend ihre Sinne vernebelte. Sie konnte nicht viel sehen, denn der Raum, in dem sie sich befand, lag im düsteren Halbdunkel, nur von vielen kleinen und großen beinahe die gesamte Wand ihr gegenüber bedeckenden Monitoren erhellt. Es war ruhig, es waren viele Auren in der Nähe, aber keine in diesem Raum - das einzige Geräusch stammte von dem Computer, der ein leises, doch fleißiges Surren verbreitete und von ihrem beschleunigten Atem, da sie sich langsam mit wachsender Panik bewusst wurde, wo sie sich befand …
Dieser beunruhigende Ort sah verdächtig nach einem… Labor aus.
Und das bedeutete … nein, sie musste sich zwingen, ruhig zu bleiben und nicht darüber nachzudenken, was es denn bedeutete - sie musste ihre Aufmerksamkeit den Computerbildschirmen zuwenden, im Versuch, irgendetwas auf ihnen zu erkennen. Denn sie klammerte sich an die Hoffnung, dass sie hier nicht enden würde; dass sie wieder lebend herauskam und deshalb musste sie versuchen, Informationen herauszufiltern…
"Deine Chancen zu fliehen sind minimal." Im gleichen Moment, wo diese monotone, von jeglichen Gefühlen befreite Stimme ihre Ohren erreichte, spürte sie auch eine Aura, welche plötzlich in ihrer Nähe aufgetaucht war.
Die Stimme gehörte einem enorm hochgewachsenen Dämon, dessen Körper komplett von einem schwarzen Mantel verborgen wurde, welcher mit goldenen Knöpfen verziert war; sie hatten die gleiche Farbe wie seine stechenden Augen, welche Firey ohne zu blinzeln von weit oben ansahen und ihr einen Schauer über den Rücken jagten.
Es war nicht die Gefühllosigkeit, welche sie zutiefst erschreckte, sondern der Dämon selbst: Denn sie hatte ihn erkannt; ihre bösen Vorahnungen waren schneller wahr geworden, als es ihr lieb war und somit war ihr auch klar, dass sie sich wirklich in einem Labor befand.
Ignes hatte sie vor diesem Dämon gewarnt; dem Dämonen, der im letzten Elementarkrieg dafür gesorgt hatte, dass ihre Rasse ausgestorben war, so dass sich das Element des Feuers sie ausgesucht hatte. Ihr unüberlegtes, gedankenloses und naives Handeln war schnell bestraft worden - und die Rechnung, die sie für dieses Handeln bezahlen musste, war wahrlich hoch, denn sie war an den für Feuerwächter gefährlichsten Dämonen überhaupt geraten.
Denn der Dämon vor ihr war Karou.
Ignes hatte ihr gesagt, sollte sie jemals an ihn geraten, so sollte sie den Kampf umgehen; sollte die Flucht wählen, was absolut keine Schande sei. Aber dafür war es bereits zu spät.
"Denn ich habe ein Aufgabe zu Ende zu bringen, Feuerwächterin."


Natürlich fiel es auf, dass der Erdwächter wie auch die Feuerwächterin nicht anwesend waren. Souverän wählte Green die fragenden Gesichter der anderen Wächter zu übersehen und so zu tun, als sei nichts Merkwürdiges zu finden. Als sie zu ihrer Empfangsrede ansetzte, schien es, als würden sämtliche Wächter erwartungsvoll den Atem anhalten; nur um enttäuscht die Luft herauszulassen, als sie schnell bemerkten, dass Green beinahe selbstgefällig grinsend einfach nur die Worte der Hikari zitierte und ihnen somit kein neues Futter gab, um ihre Neugierde zu befriedigen.
Ihr zufriedenes Lächeln verflog jedoch schnell, als sie unter den neugierigen Anwesenden auch Saiyon entdeckte und ihr sofort wieder bewusst wurde, dass sie bis zu diesem Abend noch ihre Entscheidung würde fällen müssen.
Green wählte die offensichtlichen Gefühle in Saiyons Gesicht nicht zu beachten und auch nach der Rede versuchte sie jeglichem Blickkontakt aus dem Weg zu gehen. Nachdem sie ihre Empfangsrede abgeschlossen hatte, gab es eine kurze Pause, ehe alle Wächter ihre vorgesehenen Plätze aufsuchten. Diese Pause nutzte Ryô, um sich unter die Menge zu mischen und zu Grey und Ilang zu gelangen, welche er auf dem Balkon fand, wo Grey sich mit der Handfläche kühle Luft zuwedelte. Genau wie von Ryô vermutet war Ilang bereits dabei, Grey dazu zu überreden, in den Tempel zurückzukehren.
"Dein Fieber ist nicht zurückgegangen, Grey. Du solltest lieber im Bett liegen als deinen Zustand mit dieser Versammlung zu verschlechtern." Natürlich wollte Grey davon nichts hören und wies die Worte seiner kommenden Frau zurück, obwohl ihm deutlich ins Gesicht geschrieben stand, dass er sich dringend ins Bett legen sollte.
"Das ist Greens erste öffentliche Diskussion. Ich muss dabei sein …"
"Es werden noch viele solcher Gelegenheiten kommen, bei denen Ihr Eurer Schwester beistehen könnt", griff nun auch Ryô ein, um seinen Herren davon zu überzeugen, dass er in den Tempel zurückkehren sollte.
"Und es nützt deiner Schwester auch nichts, wenn du dich quälst und wohlmöglich noch ernsthaft krank wirst." Ryô pflichtete dem bei, und ehe Grey widersprechen konnte, sagte Ilang:
"Ryô, ich bitte dich, kannst du Grey bitte nach Hause bringen?"
"Mit dem größten Vergnügen, Ilang-sama."
"Hey, ich hab gesagt, dass das vollkommen unnötig ist!", protestierte Grey, doch da es zwei gegen einen stand und er obendrein wusste, dass es so besser war, gab er nach kurzem Maulen nach. Während Ryô im Saal verschwand, um das Jackett seines Meisters zu holen, lehnte dieser sich erschöpft an eine Säule und sah durch die großen Fenster in den Saal hinein. Ilang blieb stehen, wo sie war, denn sie wusste, wem sein Blick galt.
Der Blick, der niemand anderem gehörte, die Sehnsucht, die nur einer galt …
Vielleicht würde es sich nie ändern, vielleicht nicht einmal, wenn …
Ilang schreckte aus ihren traurigen Gedanken auf, als Ryô eilig zurückkehrte und Grey beim Einkleiden behilflich war. Sie beeilte sich ein Lächeln aufzusetzen und schritt zu ihrem Verlobten, um ihm einen Kuss auf die Wange zu geben, mit den Worten, dass sie ihm "Gute Besserung" wünschte.
"Danke, Ilang, ich werde mein Bestes geben", antwortete er lächelnd und richtete sein Wort nun an Ryô, der sich gerade dazu bereit machte, aufzubrechen:
"Nein, Ryô, ist schon in Ordnung, ich finde schon alleine in mein Bett." Ilang und Ryô hielten dies beide nicht für eine gute Idee, was sich sofort in deren Gesichtern abzeichnete. Doch dieses Mal blieb er standhaft:
"Ich möchte gerne, dass du hier bleibst, damit du aufschreiben kannst, was gleich besprochen wird. Kann ich dich darum bitten, mein Freund?" Eine Weile sahen sich die beiden schweigend an, ehe Ryô sich seufzend ergab. Sie verabschiedeten sich voneinander, Ilang bekam ebenfalls einen Kuss auf die Wange und schon verschwand Grey zwischen den Wächtern im Saal; jedoch nicht, ohne sich von so vielen wie möglich persönlich zu verabschieden.
Ilang und Ryô blieben stehen und sahen beide mit ähnlichen Gefühlen, wie Grey direkt auf Green zusteuerte, die Hand auf ihre Schulter legte und die beiden kurz ein paar Wörter miteinander wechselten, ehe auch sie sich voneinander verabschiedeten.
Die beiden Verbliebenen sprachen nicht miteinander. Doch manchmal brauchte man keine Worte, um Gefühle zu teilen.


Die beiden ungleichen Wesen starrten in die Augen des jeweils anderen, obwohl eigentlich nur Fireys Blick als ein panisches Starren eingestuft werden konnte, denn Karou sah sie ohne weiteres Interesse an. In seinem fahlen Gesicht war keine Regung zu erkennen, seine schmalen Lippen zu einem geraden Strich eingefroren, genauso kalt wie seine gelb-leuchtenden Augen, welche sich nach mehreren Sekunden teilnahmslos von ihr abwandten.
Kaum, dass er ihr den Rücken zugekehrt hatte, atmete Firey erleichtert auf, als wäre sie gerade wieder an die Wasseroberfläche zurückgekehrt.
Sofort fluteten die panischen Gedanken in ihr hoch: was hatte er mit ihr vor? Warum hatte er sie nicht bereits umgebracht? Wofür hing sie hier? Doch nicht etwa …
Als hätte Firey dies laut gesagt, sah Karou über die Schulter hinweg zurück und sagte monoton:
"Sexuelle Interaktionen sind kein Teil meiner Planung." Kaum, dass Firey darüber ein wenig erleichtert war, erschreckte sie sofort wieder, als sie bemerkte, dass er auf sie zu ging.
"Meine Planung beinhaltet andere Vergnügungen." Karou stand nun direkt vor ihr, wodurch ihr sofort auffiel, wie hochgewachsen er war, denn sie musste nach oben sehen, um sein Gesicht zu sehen. Dieses veränderte sich nicht, als er ihr ein rotes Haar aus ihrem geöffneten Zopf herauszog und es in ein kleines, längliches Reagenzglas hinein gab, welches er kurz schüttelte, ehe er sich wieder von ihr abwandte.
Firey biss sich auf die Unterlippe, während sie zusah, wie seine Finger über das Kontrollpult des Computers jagten. Was er genau tat, konnte sie nicht herausfinden und eigentlich wollte sie es auch nicht wissen. Sie war eher damit beschäftigt zu versuchen, ihre Gelenke freizubekommen, doch ohne Erfolg; ihre Füße und Hände bewegten sich keinen Millimeter.
Was sollte sie nur tun? Sie konnte sich nicht befreien; obendrein konnte er ganz offensichtlich ihre Gedanken lesen, was eine mögliche Fluchtplanung erschwerte. Aber hier sterben? In einem verdammten Labor, als wohlmögliches Versuchskaninchen, welches solange ausgequetscht wurde, bis es nicht mehr atmete?
Aber was sollte sie tun? Selbst wenn sie sich bewegen konnte; wie sollte sie unbemerkt flüchten? Ihr Bogen sowie ihr Köcher, worin sich ihre Pfeile befunden hatten, waren nicht in ihrer Nähe und sie war eine Niete darin, aus dem Nichts Feuer entstehen zu lassen … Firey schluckte, als ihr die Aussichten bewusst wurden; als ihr bewusst wurde, dass ihre Überlebenschancen gleich null waren.
"Deine Überlebenschancen liegen bei 20 %." Die Feuerwächterin sah auf, nachdem sie den Kopf erschöpft hatte hängen lassen. Karou sah sie nicht an, war weiterhin damit beschäftigt, den die Tastatur mit seinen flinken, in schwarze Handschuhe gehüllten Fingern zu malträtieren.
"Du bist die Letzte deiner Art. Es wäre sehr enttäuschend, wenn dies das Ende darstellen würde. Das Positive daran ist, dass nach deinem Tod alles wieder von vorne anfängt … Meine Unterhaltung ist also gesichert." Zum ersten Mal nahm Firey nun all ihren Mut zusammen, um ihm zu antworten:
"Was … hast du eigentlich gegen Feuerwächter?" Eine verdammt dumme Frage, und das konnte sie auch deutlich in seinem Gesicht ablesen, als er sie über die Schulter hinweg mit hochgezogenen Augenbrauen ansah:
"Die Wächter sind sehr bestrebt darin, euer Allgemeinwissen zu steigern. Deine Frage ist daher überaus sinnlos." Plötzlich fiel Firey ein, wie sie sich davor schützen konnte, dass er ihre Gedanken las: Sie pflegte auf Japanisch zu denken, aber wenn sie in der Sprache der Wächter denken würde …
"Es war Hirey, oder?" Einen Moment lang schwieg Karou, sah sie weiterhin mit dem gleichen Gesichtsausdruck an, ehe er antwortete:
"Ah, verstehe, du willst mich provozieren. Lass mich dir sagen, Feuerwächterin, das ist ein vergebliches Unterfangen. Anders als ihr bin ich sehr wohl in der Lage, meine Gemütsbewegungen zu kontrollieren und mich von diesen nicht beherrschen zu lassen." Firey wusste nicht, wohin sie diese Unterhaltung führen würde, aber sie würde ihren Tod sicherlich hinauszögern und vielleicht hatte sie ja wirklich noch eine Chance; immerhin wusste Azuma, dass sie in der Dämonenwelt war und würde sie sicherlich suchen kommen … Tatsache; Karou reagierte nicht darauf, er konnte ihre Gedanken also wirklich nicht mehr lesen.
"Aber wenn du dich nicht von deinen Gefühlen beeinflussen lässt, warum tötest du dann Feuerwächter, die eigentlich gar nichts damit zu tun haben?"
"In der Tat, so kann man meine Aktionen natürlich interpretieren, doch ich bevorzuge …" Karous Worte wurden unterbrochen und sowohl er als auch Firey sahen in die Richtung, von wo aus das Geräusch einer zugleitenden Tür zu hören war - Firey konnte sie nicht sehen, doch sie vermutete, dass es sich um eine Tür handelte und einen kurzen Moment lang erlaubte Firey sich hoffnungsvoll zu sein, doch dies wurde ihr schnell verwehrt, denn die Aura war so enorm, dass es sich unmöglich um ihre ersehnte Rettung handeln konnte, sondern eher um einen extrem starken Dämon.
Ihre Vermutung stellte sich als richtig heraus, denn als er näher herankam und somit von den Computerbildschirmen erleuchtet wurde, erkannte sie ihn als Lerou, dem momentanen König der Dämonen.
Während Firey ein Schauer über den Rücken lief, wandte Karou sich zu ihm herum und schritt Lerou entgegen; wäre Firey nicht damit beschäftigt, Lerou anzustarren, so wäre ihr wahrscheinlich aufgefallen, dass Karous Körperhaltung sich vom einen Moment zum anderen versteift hatte. Was ihr jedoch auffiel, war, dass die beiden sich gar nicht mal so unähnlich sahen; die gleiche hagere Statur, das gleiche fahle Gesicht und die gleichen gelben Augen. Der entscheidende Unterschied war nicht die verschiedene Haarfarbe oder die Frisur, sondern die Mimik ihrer Gesichter. Wo Karou absolut keine Gefühle zeigte, standen Lerou diese deutlich ins Gesicht gemeißelt: Sobald Karou bei ihm angelangt war, sah dieser ihn mit unzufriedener Ungeduld, aber auch leicht flehend an. Auch seine Stimme unterstrich dies, und obwohl Firey kein Wort von dem verstehen konnte, was die beiden miteinander sprachen, so war es deutlich, dass Lerou Karous Hilfe benötigte und dieser schien davon ziemlich genervt zu sein, was Firey daran erkannte, dass seine Hand sich regelrecht in seinen rechten Arm bohrte.
Darüber hinaus gab es noch etwas anderes, was sie beunruhigte: die Stimme Karous war nicht länger monoton, sondern wütend und sie beschlich das unheimliche Gefühl, dass das nichts Gutes für sie bedeutete.
Lerou unterbrach sich selbst plötzlich und es war deutlich, dass Firey daran schuld war, denn seine gelben, neugierigen Augen lagen plötzlich auf ihr und mit Schamesröte fiel ihr wieder ein, dass sie nackt war.
Während Karou weiterhin auf ihn einsprach, bemerkte Firey mit Schrecken, dass Lerou zu grinsen anfing und damit seine gelben Zähne entblößte. Dies fiel auch Karou auf und anhand Lerous Betonung, wusste Firey sofort, was dieser Karou gesagt hatte: alle Dämonen waren gleich, dachte sie mit gekränktem Zorn, im gleichen Moment, wo Karou sich die Hand vor die Stirn schlug. Alle achteten sie immer nur auf Kurven!
Doch Firey verbot sich selbst, wütend zu werden; es war sicherlich nicht gerade hilfreich für ihr Überleben, wenn ihr Temperament aus Versehen den Dämonenkönig ansengte.
Kaum, dass sie das gedacht hatte, kam ihr plötzlich ein Gedanke - warum nicht? Wenn sie genug Feuer entfachen konnte, dann konnte sie vor ihrem eigenen Tod doch wenigstens noch jemanden mit ins Grab nehmen und so wichtiger dieser Jemand war, desto besser. So konnte sie wenigstens noch zu irgendeinem Nutzen sein.
Aber wenn es nicht gerade wegen ihres unkontrollierbaren Temperaments war, dann fiel es ihr unheimlich schwer, Feuer zu entfachen - vor allen Dingen konzentriert auf eine Person. Sie wusste, dass dies zum Einmaleins eines Feuerwächters gehörte, dass sie sich schämen musste, ihren Gedanken nicht sofort umsetzen zu können. Ignes hatte ihr gesagt, dass sie sich nicht zu schämen brauchte, dass es oft das Einfachste war, was den "menschlichen Wächtern" fehlte und dass irgendwann der Moment kommen würde, in dem sie es beherrschen würde. Aber er hatte ihr nicht gesagt, wie sie es lernen konnte und vor allen Dingen nicht, wann dieser Moment kommen würde. Jetzt brauchte sie eben diesen Moment, egal ob sie wusste, wie es ging oder nicht. Jetzt musste einfach der Moment sein …
Konzentriert schloss Firey die Augen, versuchte, ihr Element zu erreichen, während sie sich auf Lerou konzentrierte. Auch wenn es wohlmöglich nicht funktionieren sollte, sie musste es versuchen - es musste doch möglich sein, sie war doch auch eine Wächterin …
Ihr eigenes Aufschreien unterbrach ihre Konzentration abrupt. Entsetzt über den plötzlichen Schmerz riss sie die vorher noch konzentriert geschlossenen Augen wieder auf und sah Karou, der ihren Schrei nicht beachtet hatte und Lerou, der sie ahnungslos ansah. Dieses Bild sah sie jedoch nur wenige Sekunden, ehe ihre Augen verwirrt aber auch mit Angst ihren rechten Arm anstarrten. Sie spürte den Schmerz ihres Unterarmes, spürte eine Wunde, als hätte etwas Spitzes sich tief in ihr Fleisch hineingebohrt. Nein, es hatte sich nicht hineingebohrt, sondern das Gegenteil - es schien, als wäre die Wunde von innen heraus entstanden. Aber wie …
"Du hast unheimliches Pech." Erschrocken sah Firey auf und bemerkte nicht nur, dass sie wieder alleine mit Karou war, sondern auch, dass dieser nun abermals vor ihr stand. Leider bemerkte sie noch etwas; etwas, was sie lieber nicht bemerken wollte.
Er war wütend.
Und sie wusste genau, wer unter dieser Wut nun würde leiden müssen.


Obwohl er es nicht hatte zugeben wollen, so war Grey dankbar dafür, dass Ryô und Ilang ihn dazu überredet hatten, in den Tempel zurückzukehren. Aus seiner Uniform herauszukommen, in seinen Pyjama zu schlüpfen und sich dann ins Bett zu legen, erschien ihm in diesem Moment als puren Segen. Sein Kopf dröhnte vor Schmerzen, ihm war schlecht und seine Glieder schmerzten abscheulich; nicht gerade die besten Voraussetzungen für einen Krieg. Aber selbst mit seinem Immunsystem sollte er innerhalb der nächsten 19 Tage wieder fit sein, wenn er es ruhig anging.
Grey öffnete den obersten Knopf seiner Uniform und lockerte den Kragen, ehe er die Medizin nahm, die Ryô bereits auf seinen Nachttisch gestellt hatte. Er setzte sich auf die Bettkante und zog seine Stiefel aus; die letzten Knöpfe seiner Uniform wurden ebenfalls geöffnet, um sich dieser zu entledigen, als er angespannt verharrte.
Er spürte eine Aura. Eine Aura, die ihm nicht unbekannt war, welche er aber niemals unter diesen Umständen zu spüren erwartet hätte.
Fast so, als erwartete er, dass dieser Jemand vor der Tür stehen würde, sah er in Richtung dieser. Grey wusste, er war nicht in der Verfassung dafür. Er wusste, er gehörte ins Bett. Aber was auch immer dieser Jemand im Tempel zu suchen hatte, Grey musste diese Chance ergreifen.
Alles Zögern war nur Heuchelei, denn in dem gleichen Moment, wo er die Aura gespürt hatte, hatte er den obersten Knopf seiner Uniform sofort wieder geschlossen. Er würde gehen, egal wie schlecht es ihm ging, egal, wie naiv es war.
Für das Lächeln seiner geliebten Schwester würde er alles tun.