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Episode 44
  Episode 44: Ein gebrochenes Versprechen
Green bewegte sich nicht.
Sie fühlte nichts.
Dachte an nichts.
All die Gedanken, die ihr durch den Kopf schießen sollten, während ihr Blick auf der aufgespießten, bloßgestellten Leiche ihres Bruders lag, verstummten, ehe sie ihr Bewusstsein erreichten. Sie starrte nur in seine leeren Augen, in das Himmelblau, welches tot und leer in seinen Augenhöhlen schwamm.

Grey war tot.
Grey war tot.
Grey war tot.

Nichts in ihr regte sich, als würde sie es nicht verstehen können, nicht verstehen wollen. Das Offensichtliche wollte sie nicht sehen, wie immer. Jetzt wo sie seine Hand würde nehmen können, tat sie es nicht, sondern hielt mit eben dieser Hand ihr Glöckchen umklammert, als würde sie dieses vor dem Fall bewahren.

Green stand einfach nur da, starrte ihrem Bruder in die nach unten gefallenen Augen und bekam nicht einmal mit, dass nun auch Kaira, Yuuki, Azura, Pink und Tinami hinzu gekommen waren. Pink war langsamer als ihre Mitwächter gelaufen und kam erst kurz nach ihnen an, doch Tinami handelte schnell - noch ehe Pink den schrecklichen Anblick sehen konnte, packte die Klimawächterin sie, zog sie zu sich und hielt ihr die Augen zu.
"Was machst du denn, Tinami-chan!? Green-chan! Green-chan, wo bist du denn, was ist denn los?" Pinks Worte hörte in diesem Moment niemand; nicht einmal Tinami, welche sie festhielt. Sie waren alle hinter Green stehen geblieben, sahen das gleiche wie sie, doch anders als ihre Hikari kamen sie sofort zu einer Schlussfolgerung: ihre Köpfe verweigerten nicht den Dienst und so wandte sich Kaira sichtlich schockiert von Greys Leiche ab und zu Tinami, welche den leblosen Körper Greys erschüttert anstarrte, Pinks Proteste nicht beachtend.
"Asuka, wie … wie ist das möglich? Seine Waffe …"
Die Stimme schien der Weckruf für Green zu sein, denn sie fuhr regelrecht zusammen und besorgt sahen ihre Elementarwächter wie ein starkes Zittern sich ihres Körper bemächtigte, als ihre Hikari sich plötzlich ihre freie Hand vor ihre Augen schlug und diese sich verkrampfte, genau wie ihr Körper, der zunehmend kleiner zu werden schien.

"Vielleicht … vielleicht sollten wir ihn erst einmal da runter holen …", sagte Yuuki.
"Nein, das ist ein … Tatort, wir dürfen nichts anfassen", sagte Tinami.
"Wir müssen es zuerst den Hikari melden", sagte Kaira.
"… und dem Sanctuarian", sagte Azura.
"Green-chan?! Was ist denn los!? Was ist passiert!?", sagte Pink.

--- und dann rannte Green plötzlich los, auf zu dem Ort, von welchem man sich in das Jenseits teleportieren konnte.


Stammelnd brachte Green die Formel über die Lippen, als sie im Saal angekommen war: Sie spürte, wie es langsam aber sicher in ihr hochkroch, das Bewusstsein … dass er … dass Grey …
Die Tempelwächter, welche den Eingang zum Jenseits bewachten, verzogen keine Miene, als sie die aufgelöste Hikari vor ihnen sahen und schienen auch nicht im Sinn zu haben sie durchzulassen, ohne dass sie ihren Namen vortrug.
Genau wie damals … damals, als Grey sie das erste Mal mit ins Jenseits genommen hatte … wie optimistisch er daran geglaubt hatte, dass ihre Familie sie aufnehmen würde.

Ja, er hatte immer an sie geglaubt, war immer … an ihrer Seite gewesen …

"K-Kurai Yogosu … Hikari Green, Rang Eins … oh bitte, macht doch endlich …"
"Eure Abstammung, Hikari-Green-sama?" Green biss sich auf die Unterlippe, um ein Schluchzen zurückzuhalten. Doch sie spürte bereits, wie ihre Augen glasig wurden, wie ihr Gesicht brannte und obwohl sie die beiden Tempelwächter ansah, nur eine einzige Person vor sich sah …
"M-Meine Mutter ist Hikari Akarui T-Tenshi Shinsetsu White … und … und … mein B-Bruder …" Das war zu viel für Green. Stotternd wiederholte sie immer wieder die Worte:
"M-Mein Bruder … er ist … er ist …"
"Green?"
Green hatte es nicht bemerkt, aber sie war auf die Knie gefallen und genauso wenig hatte sie bemerkt, dass ihre Mutter zwischen den beiden ausdruckslosen Tempelwächtern aufgetaucht war und nun auf sie zuging. Durch den dichten Tränenschleier hindurch, das Glöckchen immer noch krampfhaft an ihre Brust gepresst, bemerkte Green, dass ihre Mutter sich vor ihr hinkniete und sanft ihre Schultern berührte; anscheinend, um sie aufheiternd an sich zu drücken.

Sie wusste es nicht.
Ihre Mutter wusste noch nicht, dass … dass Grey …

Green sah auf, sah in das lächelnde Gesicht Whites, welche ihr sanft eine Strähne aus ihrem Gesicht strich und ihr womöglich sagen wollte, dass alles wieder gut werden würde, dass sie sich keine Sorgen zu machen musste …
Green musste es sagen.
Sie musste es ihrer Mutter sagen, musste die Wahrheit aussprechen …
"M-Mutter …" Green biss sich auf ihre Lippen, doch konnte die Wahrheit nicht länger zurückhalten:
"Grey … Grey ist …" Das Lächeln bröckelte und genau wie Green es gespürt hatte, als der Wasserwächter es ihr hatte sagen wollen, spürte auch White es nun, ehe Green die folgenden Worte schrie:
"Er ist … t-tot. Grey … er ist tot! Genau wie … Genau wie … Kanori! Er ist genau wie Kanori gestorben!"


Es war unglaublich, in welch kurzer Zeit die Hikari eine Versammlung einberufen konnten; in innerhalb von nur 10 Minuten waren alle Hikari von Rang und Namen zusammengekommen und sahen nun alle auf den ersten Obduktionsbericht, welchen Tinami schweren Herzens in aller Eile zusammengestellt hatte, mit dem Vermerk, dass er wahrscheinlich noch mangelhaft war. So war es den Hikaris nun möglich, Greys Leiche aus allen Winkeln zu betrachten, so wie sie zum Zeitpunkt des Todes ausgesehen hatte.
Die Leiche Greys hatte sich nur wenige Meter von dem großen Bildnis Whites befunden, mit dem Rücken gegen die Wand, das Katanakaze durch die Brust, durch das Herz und mit der Spitze des Schwertes in die Wand gerammt. Ansonsten konnten keinerlei Einstichwunden festgestellt werden, doch Würgemale an seiner Kehle; dort hatte der Täter Hautabschürfungen hinterlassen. Anscheinend hatten Täter und Opfer sich bekämpft, denn außer Greys Blut ließ sich noch das Blut eines Fremden feststellen.
"Obendrein …", begann Tinami, die deutlich blasser war als normal, was sicherlich nicht daran lag, dass sie zum ersten Mal direkt mit den Hikari sprach, oder daran, dass sie durch eine elektronische Übertragung den Befund vorlas.
"… muss Kaze-sama seinen Täter gekannt haben, denn das Alarmsystem wurde von ihm selbst deaktiviert und er hat auch sämtliche Wachen weggeschickt, wozu ebenfalls nur Kaze-sama das Recht hat. Zum genauen Todeszeitpunkt kann ich noch nichts Genaues sagen … kurz nach 18 Uhr wurden die Wachen von ihm weggeschickt. Sobald der Obduktionsbericht abgeschlossen ist, werde ich eine genauere Angabe zum Todeszeitpunkt machen können."
"Das bedeutet auch …", begann Shaginai, der vor seinem Platz auf und ab ging und sich natürlich nichts von irgendeiner Trauer anmerken ließ, sondern diese weit nach hinten verdrängte:
"… dass Grey nicht auf seinen Tod vorbereitet war. Anscheinend wollte er mit seinem Täter reden. Wenn er auf einen Kampf vorbereitet gewesen wäre, hätte er wohl kaum die Wachen weggeschickt."
"Ja, genau so sieht es aus", antwortete Tinami mit einer Verbeugung und führte aus, nachdem Shaginai ihr die Erlaubnis dazu gegeben hatte:
"Kaze-sama wollte augenscheinlich eine private Konversation mit dem Täter führen und es deutet alles darauf hin, dass diese Konversation eskalierte und es zu einem Kampf kam, bei dem Kaze-sama ums Leben gekommen ist." Nun mischte sich auch Hizashi ein, welcher allerdings nicht Tinami ansah, sondern den Bildschirm vor sich, auf welchem er mit den Fingerspitzen hantierte und sich nicht nur die Bilder von Greys Leiche, sondern auch sofort die Dokumente von vor 25 Jahren ansah; genauer gesagt verglich er den Mord an Kanori mit dem seines Sohnes:
"Viel interessanter ist die Mordwaffe ... ein weiteres Mal ist das Katanakaze für den Tod eines Kaze verantwortlich." Einige Plätze neben ihm konnte Seigi seinen sinnlosen Kommentar nicht zurückhalten:
"Das Schwert ist offensichtlich verflucht."
"Darauf wollte ich wohl kaum hinaus, Seigi", entgegnete Hizashi, ohne es für notwendig zu halten, aufzublicken, ehe er fortfuhr, die Fingerkuppeln aneinanderlegend:
"Die Untersuchungen vor 25 Jahren haben deutlich gezeigt, dass das Katanakaze nicht fehlerhaft ist, sondern exzellent funktionstüchtig ist - und ich zweifle daran, dass die Waffe dieses Mal Fehlfunktionen aufweisen wird. Bei dem Mord an Grey-san wissen wir noch nicht, ob es ein Wächter oder ein Dämon war, doch bei dem Mord von vor 25 Jahren war es eindeutig ein Dämon und so muss die Frage wieder aufgerollt werden, wie es möglich sein kann, dass ein Dämon in der Lage ist, unsere Waffen nicht nur zu berühren, sondern diese auch noch zum Ermorden des Besitzers zu benutzen."
"Was meinst du denn damit, dass wir nicht wissen, ob es ein Wächter oder ein Dämon war?", fragte Mary, die ihm direkt gegenübersaß:
"Ein Wächter würde so etwas Grauenhaftes doch nie tun! Grey-kun ist … ich meine war, doch so beliebt im Wächtertum." Abschätzend reagierte Hizashi auf die wohl gemeinten Worte Marys, doch seine Worte waren monoton; wenn auch ein wenig belehrend:
"Alle Möglichkeiten müssen in Betracht gezogen werden; und dazu zählt auch, dass es ein Wächter gewesen sein könnte, der Grey-san tötete. Ich behaupte ja nicht, dass es aus Hass oder sonstigen starken Gefühlen geschah; der Täter hätte auch unter Einfluss der Dämonie stehen können." Offensichtlich hatten sich nun auch andere Hikari die Dokumente, die den Mord an Kanori behandelten, auf den Bildschirm gerufen, denn vielerlei Augen waren für einen Augenblick auf die Bildschirme vor ihnen gerichtet, bis Seigi die Stille brach, nachdem er sich die beiden Fotos der Leichen mit schiefem Kopf angeguckt hatte:
"Die sehen aber wirklich ziemlich gleich aus. Die Waffe steckt genau gleich, nur dass Blackys Vater nicht aufgespießt worden ist und naja, okay, dieser Kanori ist in einem Wald gestorben." Wieder war es Hizashi, der darauf antwortete:
"Wenn wir tatsächlich davon ausgehen, dass es sich um einen Dämon handelt, ist das nicht weiter überraschend. Der Mörder Kanori-sans war unter den Dämonen beliebt und seine Tötungsart berüchtigt; besonders dieser Mord war zu seiner Zeit in aller Munde, weshalb viele Dämonen wohl von dem Tathergang wissen. Interessant wird der direkte Vergleich erst, wenn es sich bei dem Täter um einen Wächter handelt."
"Wurden das Blut und die Hautrückstände bereits analysiert?", richtete sich nun Adir an Tinami, welcher sich bis zu diesem Zeitpunkt ruhig verhalten hatte; aus Respekt vor den Angehörigen, was die anderen Hikari scheinbar nicht beachteten. Daraufhin schüttelte Tinami langsam den Kopf und antwortete:
"Sie befinden sich noch im Labor. Ich denke, ich kann Ihnen in knapp einer Stunde mitteilen, wer oder was der Täter ist." Adir nickte und während er dies tat, sah er aus den Augenwinkeln zu White, welche neben ihm saß und wie alle anderen entweder zu dem Hologramm Tinamis sah oder auf die Bilder des Monitors, die Greys Leiche zeigten.
Ihr Blick war starr, ohne Regung. Eine Maske, die jeder Hikari besaß und die nur einem Zweck diente; die Gefühle zu verbergen.
In knapp einer Stunde würde feststehen, wer der Mörder ihres Sohnes war.
Doch die Untersuchung war gleichgültig. White wusste, wer die Verantwortung für den Tod ihres Sohnes trug.
Es war Nocturn.
Er hatte geschworen, dass er ihr Leben zur Hölle machen würde. Er hatte geschworen, dass er ihr jede Person nehmen würde, die ihr wichtig war.

Sie hatte gedacht, wenn sie ihn töten würde, wären ihre Kinder in Sicherheit.
Sie hatte fest daran geglaubt, dass mit seinem Tod alles vorbei war, dass sie seine verfluchte Nocturne nie wieder würde hören müssen.

Doch nun hörte sie sie wieder.
Jeden einzelnen Ton.
So deutlich, als würde er direkt vor ihr stehen und sie spielen.
Sie hallte wieder in ihren Ohren, ihrem Kopf, in ihrem Sein; brachte sie dazu, sich zu wünschen, sie wäre alleine, damit sie sich verzweifelt die Hände vor die Ohren werfen konnte, im Versuch, die Nocturne zu vertreiben. Alleine, damit sie endlich die Tränen weinen konnte, die ihre Maske zurückhielt … damit sie den Schrei herauslassen konnte, der in ihrer Kehle brannte.


Green war in dem Moment froh, dass sie nicht alleine war. Sie hatte nicht ihren Platz im Konferenzsaal eingenommen, sondern saß draußen vor der Tür auf der untersten Stufe einer Treppe, in den Armen von Inceres, welcher auf der obersten Stufe saß und seine kleinen Kinderarme so um sie schlingen konnte; versuchend, sie zu trösten. Trost konnte er ihr keinen geben, aber es tat gut, gehalten zu werden, obwohl keine Tränen ihr Gesicht benetzten.
Sie wusste, dass ihr Bruder nicht mehr da war. Dass er tot war.
… und zur gleichen Zeit, wusste sie es doch nicht.
Egal wie oft sie es sich sagte, es schien nicht zu ihr vorzudringen; die Leere, welche sich in ihrem Herzen befand, blockte die Wahrheit ab, egal, wie oft ihre Lippen stumm die Worte "Grey ist tot" formten.
Green wollte weinen, konnte es aber nicht - die Wahrheit war zu weit von ihr entfernt und Green streckte sich nicht nach ihr aus, um sie zu erfassen. Stattdessen richtete sie ihr Wort an Inceres:
"... du wusstest es … oder Inceres?" Er streichelte ihr über den Kopf und wählte nichts zu erwidern, doch als Green ihm sagte, dass sie nicht böse auf ihn wäre, wenn er die Frage mit "Ja" beantworten würde, entgegnete Inceres:
"Ich … habe es geahnt, denn dein Bruder hat sich immer für dich entschieden." Green schluchzte und im gleichen Moment bemerkte Inceres, dass er wohl etwas Taktloses gesagt hatte.
"Was nicht heißen soll, dass es deine Schuld ist … du warst ihm sehr, sehr wichtig, und wenn er für jemanden gestorben wäre, dann für dich. Dich trifft keine Schuld dafür, dass du ihm so wichtig gewesen bist." Er grinste sie ein wenig an, als sie aufsah, und versuchte sie aufzumuntern:
"Du bist eben überaus liebenswert, mein Schmetterling." Dies brachte Green zu einem kleinen, schwachen Lächeln, welches jedoch schnell verschwand und sie drückte sich und ihr Gesicht wieder an Inceres, der sie weiterhin streichelte, bis sich die Tür vor ihnen öffnete und White herauskam. Sofort richtete Green sich auf, was Inceres ihr gleichtat.
"Green … ich muss dich leider darum bitten, mir alles zu sagen, was du bemerkt hast." Mutter und Tochter sahen sich schweigend an, in die traurigen Augen des jeweils anderen, bis Green wegsah und sie leise sagte:
"Ich … Ich habe eine Aura gespürt … kurz bevor ich … Grey…" White nickte, um ihr zu bedeuten, dass sie nicht weitersprechen musste; dass sie schon verstanden hatte. Green hielt weiterhin die eine Hand um ihr Glöckchen, während Inceres die andere hielt und mit seinem Daumen ihren Handrücken zärtlich streichelte. Er sah zu ihr hoch, doch sie sah in eine andere Richtung, bis White ihr plötzlich eine Frage stellte, wodurch sie ihre Aufmerksamkeit wiedererlangte:
"Green, du … hast du ein Instrument gehört?" Die Augen der Angesprochenen weiteten sich bebend, denn natürlich verstand sie die Bedeutung von Whites Frage; zu deutlich hatte auch sie wieder Kanoris Tod vor Augen, auch ohne abermals die Dokumente gelesen zu haben.
Green öffnete den Mund, doch kam nicht zum Antworten, denn in dem Moment kam nun auch Shaginai heraus und mit dem Blick auf Green geheftet ging er an White vorbei und auf seine Enkelin zu, jedoch nicht, ohne Inceres zu ignorieren und ihm nicht den gebührenden Respekt zu zollen. Dieser reagierte darauf nicht, sondern hielt weiterhin die Hand der Hikari, welche den Blick Shaginais mit ausdruckslosen Augen erwiderte, welche die Leere in ihr nur allzu deutlich widerspiegelten: was Shaginai so überhaupt nicht zu gefallen schien.
"Yogosu!" White schloss erschöpft die Augen, als sie den drakonischen Tonfall ihres Vaters hörte; einen Tonfall, den sie selbst nur allzu gut kannte; einen Tonfall, den sie als Kind zur gleichen Zeit gefürchtet wie auch gehasst hatte. Es war der Tonfall eines Hikaris; ein Tonfall, welcher sie stets daran erinnerte, wie man die Maske zu tragen hatte, um sämtliche Gefühle zu verbergen - die Maske, welche sie getragen hatte, als ihre Mutter gestorben war.

Sie tat weh, so schrecklich weh, aber sie saß zu fest, um sie abzusetzen.

Unbeirrt ging Shaginai auf Green zu, und kurz bevor er bei ihr ankam, streckte er die Hand nach ihrer Brust aus und griff nach dem Glöckchen, welches Green, seitdem sie ihren Bruder gefunden hatte, fest in ihrer Faust gehalten hatte. Green schien nicht zu wollen, dass er es anfasste, sie versuchte, sich loszureißen, doch barsch zerrte er einen Finger nach dem anderen von ihrem Glöckchen und während Green weiterhin den Kopf gesenkt hielt, sah Shaginai sich das Relikt mit kritischen Augen an, bis er zu einem Urteil kam und sich daraufhin wieder abwandte:
"Anscheinend hast du doch etwas aus deinen Fehlern gelernt, obwohl du wahrlich schleppend Fortschritte machst." White und Inceres sahen Shaginai jeder auf ihre Art fassungslos hinterher, während er wieder auf die Tür zum Konferenzsaal zuging und keiner der beiden bemerkte so, dass Green den Kopf hob, um etwas zu sagen, gerade als Shaginai die Türklinke in der Hand hatte:

"Blue war es."

Die Hand des stolzen Hikaris verharrte über der Klinke und mit skeptischem Blick sah er über die Schulter, zurück zu Green, welche seinen Blick entschlossen erwiderte. White sah ihre Tochter überrascht an, doch es war Inceres, der am meisten über Greens Worte erstaunt zu sein schien.
"Blue ist der Mörder meines Bruders. Ich habe Blues Aura gespürt, kurz bevor ich Grey … gefunden habe." Shaginais Skepsis verblasste nicht und so fragte er sie, ob sie sich wirklich sicher war, eine Frage, die auch Inceres ins Gesicht geschrieben stand.
"Ja, ich bin mir sicher." Ein mechanisches Lächeln breitete sich auf Greens Gesicht aus und von einem ironischen Unterton begleitet antwortete sie:
"Seine Aura würde ich unter Tausenden erkennen." Inceres sah sie weiterhin fragend, aber auch mit Sorge in seinen dunklen Augen an, doch Shaginai schien genug gehört zu haben, denn er wandte sich nun ab und bevor er die Tür öffnete, sagte er:
"Wir warten den offiziellen Befund ab, ehe wir handeln."
Damit fiel die Tür ins Schloss und White, Inceres und Green standen wieder alleine im Gang. Der Blick Greens war nach wie vor auf die Tür gerichtet, ein Blick, den White nicht zu deuten vermochte. Die Entschlossenheit war aus ihren Augen gewichen und ihr tiefes Blau zeigte nichts außer der gleichen Leere, die White auch in sich spürte.
Doch obwohl White vor Green ihre Maske nicht aufsetzen musste, wusste sie, dass sie jetzt noch nicht das Recht hatte, zu trauern. Es war noch nicht der Zeitpunkt gekommen; das wusste sie, genauso wie sie wusste, dass sie sich jetzt um Green kümmern musste.
Doch ehe White hätte handeln können, unterbrach sie Inceres von diesem Vorhaben, indem er sein Wort an Green richtete:
"Green, es tut mir leid, aber … ich muss noch einmal zurück, ich muss etwas überprüfen." Die Worte Inceres' weckten Green zwar aus ihren Gedanken, doch sie sah ihn nicht an, während sie antwortete:
"Ist schon okay." Seine blauen Augen sahen Greens Profil zögernd, besorgt, aber auch mit einem flehenden Unterton an, doch sie reagierte nicht auf diesen Anblick, als würde sie es nicht bemerken. Der kleine Hikari öffnete seinen Mund, um anscheinend noch etwas zu sagen, doch er unterließ es und kaum, dass er seinen Mund wieder geschlossen hatte, so verschwand er auch schon und die Hand, welche er eben noch gehalten hatte, hing wieder schlapp herunter.
White und Green waren nun alleine im Gang, beide mit ihren Gedanken gänzlich woanders, beide in ihrer eigenen Trauer verstrickt; beide Augenpaare ins Nichts sehend.
"Grey … er hat sein Versprechen gebrochen."
White sah auf, als Green dies flüsterte und ehe sie etwas sagen oder tun konnte, fuhr ihre Tochter auch schon brüchig fort:
"… Er hat versprochen, dass er auf sich aufpassen würde … er hat es mir doch versprochen … gestern Abend noch … gestern Abend war er noch …"
Es war, als könnte sie ihn vor sich sehen; sein fragendes Gesicht, als sie ihm den kleinen Finger hingehalten hatte; es war, als könnte sie seine Berührung immer noch spüren - seinen kleinen Finger um ihren kleinen Finger …
Sein Lächeln …
"Grey hat dabei … gelächelt … sein Lächeln war so schön, so schön ansteckend … es war so …" Plötzlich schlug sie sich die Hände vor die Ohren und rief beinahe panisch:
"Nein! Ich will nicht so über Grey reden! Er "war" nicht, er "ist" doch; er muss doch da sein … er muss doch …" Die von Trauer und Verzweiflung geprägten Worte Greens wurden von dem weißen Stoff von Whites Kleid verschluckt, als diese ihre Arme um sie schlang und sie an sich drückte in einer tröstenden Umarmung. White wusste nicht, was sie sagen sollte, wusste nicht, ob sie überhaupt etwas sagen sollte, ob etwas angebracht war und eigentlich … eigentlich wünschte sie sich, es wäre jemand da, der auch sie in die Arme nehmen konnte, damit auch sie für einen kurzen Moment die Schwäche zeigen konnte, die sie nun Green erlaubte zu zeigen, nachdem diese sich kurz versteift hatte, nur um sich daraufhin an dem Kleid ihrer Mutter festzuklammern und sie fest an sich zu drücken.
Während sie so dort standen, musste White gegen den Drang ankämpfen, nicht ebenfalls zu verzweifeln; die Sehnsucht danach, es ebenfalls zu tun, zerfraß sie innerlich, doch sie musste standhaft bleiben … für Green. Denn wie auch immer Nocturn es geschafft hatte, Whites Leben selbst nach seinem Tod wieder aufs Neue zu zerstören … ihr das letzte zu nehmen, was ihr von Kanori geblieben war … die Nocturne des Schreckens noch einmal erklingen zu lassen, White wusste, dass es dann noch nicht vorbei war.

Es würde erst dann vorbei sein, wenn Green ebenfalls starb.
Und das würde White nicht zulassen. Sie würde nicht noch einmal versagen, für sich selbst, für ihre Tochter und für Grey.

"Green." White holte tief Luft und blickte zu ihrer Tochter hinab, welche nun aufsah, als ihre Mutter zu ihr sprach. Ihre Augen waren glasig und ihre Wangen feucht, doch sie war willig, ihrer Mutter zu lauschen. Diese lächelte sie kurz mit ihrem heilenden Lächeln an, ehe sie ausführte:
"Ich bin mir bewusst, wie viel ich von dir verlange, doch ich bitte dich darum, hier im Jenseits zu verweilen." Erstaunt sah Green sie an, öffnete den Mund, um ihr zu widersprechen, doch White kam ihr zuvor:
"Nur für einen kurzen Zeitraum, solange, bis wir die genauen Hintergründe für Greys Tod in Erfahrung gebracht haben." Wie White es sich bereits gedacht hatte, war Green von dieser Idee absolut nicht angetan. Sie löste sich aus der Umarmung ihrer Mutter und machte einige Schritte rückwärts, als würde sie befürchten, ihre Mutter würde sie festketten wollen. Doch obwohl White genau wusste, wie viel Green dagegen einzuwenden hatte, hatte sie nicht im Sinn nachzugeben.
Solange sie nicht wusste, wie genau Nocturn Greys Tod möglich gemacht hatte, würde sie Green nicht mehr aus den Augen lassen. Eines ihrer Kinder war ihrer Unachtsamkeit bereits zum Opfer gefallen, ein zweites Kind … nein - und sollte Green sie jetzt in diesem Moment hassen, dann war das auch ein Preis, den sie willig war, zu bezahlen.
"Mutter, du musst dir keine Sorgen machen…", versuchte Green sie zu überreden mit einem gespielten Lächeln, welches White schnell durchschaute.
"… Ich bin stark genug, um Blue gegenübertreten zu können. Ich werde nicht …"
"Ich diskutiere das nicht mir dir, mein Mädchen."
Einen Moment lang sahen sich Mutter und Tochter in die unterschiedlichen Augen des jeweils anderen und es war deutlich, wessen Blick stärker war. Greens durch Trauer und Verzweiflung geschwächter Blick beugte sich schnell den stählernen weißen Augen ihrer Mutter, welche an ihr vorbei schritt, während Green nachgebend den Kopf senkte.
"Green …" White seufzte, sich bewusst, wie sehr ihre Tochter sie in diesem Moment verfluchen mochte und sagte daher:
"Ich tue das nicht, um dich zu strafen. Ich tue es, um dich zu beschützen." Ohne von Green daran gehindert zu werden, schritt White dem Gang hinab und wollte gerade um die Ecke biegen, als Green es sich anders überlegte. Sie wirbelte herum und bündelte ihre gesamte Stärke in ihrer Stimme, als sie ihre Mutter anschrie:
"Wovor, Mutter, wovor willst du mich beschützen?! Vor einem Alptraum, vor dem du selbst nach all den Jahren immer noch Angst hast?!" White blieb stehen, kämpfte mit sich selbst, mit dem, was sie eigentlich sagen wollte, gegen den Drang, sich wie Green herumzudrehen und ihre Gefühle genauso hemmungslos preiszugeben, wie ihre Tochter es tat. Doch sie tat es nicht und erschöpft antwortete sie:
"Vor einigen Dingen sollte man sich fürchten."


Grey war im gesamten Wächtertum unheimlich beliebt gewesen.
Es gab so gut wie keinen Wächter, der sich nicht von seinem freundlichen Lächeln, seiner sympathischen Offenherzigkeit und seinem vornehmen Benehmen hatte anstecken lassen. Dieser Beliebtheit war es nun zu verdanken, dass sich die Nachricht über Greys plötzlichen Tod wie ein Lauffeuer verbreitet hatte. In innerhalb von knapp zwei Stunden wusste sogar das kleinste Kind, dass der Elementarwächter des Windes ermordet worden war. Die Frage, wer der Mörder war, ging im gleichen Atemzug herum und auch die anderen Wächter waren zu demselben Schluss gekommen, wie die Hikari ebenfalls: Grey hatte seinen Mörder gekannt. Warum sonst erzählte das Wachpersonal, dass sie von Grey selbst weggeschickt worden waren?
Neben der Trauer über den plötzlichen Verlust eines so liebevollen und qualifizierten Wächters machten bereits Verschwörungstheorien die Runde. War das der erste Schritt zum neuen Krieg? War das womöglich die Einleitung? Wie hoch waren ihre Chancen eigentlich, den Krieg heil zu überstehen, wenn Grey das erste Opfer war?
Sie alle warteten auf das offizielle Statement der Hikari; alle, bis auf einige wenige, welche eingeweiht worden waren. Zu diesen wenigen gehörten selbstverständlich die Elementarwächter … und Ryô.
Ryô hatte es jedoch von niemandem erfahren. Ryô hatte es gewusst.
Er war nicht dabei gewesen, als man die Leiche seines Meisters gefunden hatte. Er hatte sie nicht gesehen und verspürte auch nicht den Wunsch danach.
Er verspürte gar nichts.
Der Tempelwächter stand alleine auf dem Gang, auf dem Grey gefunden worden war. Die Untersuchungen am Tatort waren schnell beendet gewesen, Greys Leiche befand sich nun im Sanctuarian, wo die Obduktion stattfand, welche Aores durchführte, da Tinami abgelehnt hatte. Sie konnte den Gedanken nicht ertragen, hatte sie gesagt; es war eine Schande für sie, aber es ging nicht, hatte sie gesagt.
Eine Elementarwächterin konnte so etwas sagen; man nickte verständnisvoll und gab ihr vielleicht noch mal einen kleinen Klaps auf die Schulter. An Green und Ilang und die Hikari wurden sicherlich schon die ersten Beileidskarten geschrieben.

Niemand sprach Ryô Beileid aus.
Niemand scherte sich darum, wie es ihm ging.
Niemand wusste, dass die Welt um ihn herum zerbrochen war und nicht länger einen Sinn ergab.

Ryô stand auf dem Gang, wo Grey ermordet worden war, ausgerüstet mit Putzutensilien, die ihm dabei helfen sollten, den weißen Marmor wieder porentief rein zu bekommen, indem er Greys Blut wegwischte.
Er hielt den Eimer mit dem dampfenden Wasser in der linken Hand, den Wischmopp in der anderen und starrte auf das bereits getrocknete Blut desjenigen, der seine Welt ausgemacht hatte.
Warum war er eigentlich noch Teil dieser Welt? Warum war er nicht ebenfalls zersplittert wie der Rest der Welt?
Warum hatte er Greys Tod nicht zu verhindern gewusst? Warum war er nicht da gewesen, um die tödliche Wunde abzufangen und selbst daran zu sterben? Zehn Mal wäre er für Grey gestorben und wenn es sein musste, öfter. Seit so vielen Jahren war er ein Teil von Greys Leben gewesen, ein Teil von ihm selbst … so viele Jahre, selbst bevor er sein Tempelwächter war.
Ryô war sein Tempelwächter geworden, um die Person zu beschützen, welche ihm am wichtigsten auf der gesamten Welt war, die Person, die seine Welt ausgemacht hatte …

… und er hatte versagt. Elendig versagt.
Grey war tot.

Und Ryô blieb nun alleine zurück.

Alleine, als wäre er ein Mond, dessen Erde zerstört worden war - ohne Planet, was gab es da noch für den Mond für einen Sinn? Es gab nichts, worum man seine Kreise ziehen konnte, nicht, wofür es sich lohnte, zu existieren.
Er hatte keinen Sinn mehr.
Der Gedanke, jemand anderem zu dienen, widerte ihn an und er lehnte es strikt ab. Er war kein Tempelwächter geworden, weil es ihn erfreute, jemand anderem das Leben zu erleichtern oder weil ihm die Arbeit Spaß machte. Er war der Tempelwächter geworden, der er jetzt war, um Grey unterstützen zu können; um einen Grund zu haben, für immer an dessen Seite zu bleiben.

Weil er … weil er … Grey geliebt hatte aus den gleichen Gründen wie die anderen Wächter. Doch anders … so gänzlich anders … als sie klein waren, hatte Grey seine Hand genommen, hatte mit ihm gespielt, ihn wie einen Ebenbürtigen behandelt, hatte ihn immer wie einen Freund behandelt … und Ryô war es so gerne gewesen. Er hätte alles geopfert, alles getan, um es für immer bleiben zu können.
Und Ryô hatte nicht vor, jemals von seiner Seite zu weichen. Er würde egoistisch sein:
An dem Tag, wo Grey zu Grabe getragen würde, würde man auch ihn zu Grabe tragen.
Den letzten Weg würde er noch mit seinem besten Freund gehen. Ihm den letzten Tribut zollen.
Dann…

Ryô sah das Blut zwischen seinen Händen an, welches verdünnt war mit dem warmen Wasser und nun zwischen seinen Fingern heruntertropfte. Der Wischmopp lag auf dem Boden, das Wasser war ausgekippt und inmitten des Blutes kniete ein einsamer Wächter, der keinen Platz mehr in dieser Welt hatte.
Der nichts weiter war als ein Mond, der endlich untergehen wollte.

Plötzlich spürte er zwei Hände auf seinen kalten Schultern. Jemand hatte sich zu ihm in das Blut gekniet, lehnte seinen Kopf nun an seinen Hinterkopf und versuchte, den armen, kalten Körper zu wärmen. Ryô wusste nicht, wer diese Person war, dem die warmen Hände gehörten - war es womöglich Grey? Um ihm zu sagen, dass er sich alles nur eingebildet hatte; das Blut ein Trugbild, der Tod seines Meisters nur ein schrecklicher Albtraum?
Um ihm zu sagen, dass er doch noch einen Platz in dieser Welt hatte, an der Seite seines geliebten Freundes?

Es war nicht Grey.
Die Haare der Person waren genauso golden wie Ryôs Haare, denn es war seine Zwillingsschwester, welche natürlich den Schmerz ihres Zwillings spüren konnte, wusste, was Ryô vorhatte, und nun verzweifelt versuchte, ihn davon abzubringen, ohne viele Worte zu sagen.
Sie musste nichts sagen; er spürte ihre Worte, ohne dass sie über ihre Lippen gingen und genauso wie er sie spürte, spürte auch Itzumi, dass es bereits zu spät war.
Ryôs Entschluss war gefällt.

Erst nach einer ganzen Weile, als fürchtete Itzumi, er würde es tun, sobald sie ihn losließ, richteten sie sich beide auf und erst da bemerkte Ryô etwas an seiner Schwester, was er vorher noch nie gesehen hatte: Ihre Augen waren rot vom Weinen.
Waren ihre Tränen für Grey vergossen worden oder … weil sie wusste, dass Ryô ebenfalls bald sterben würde?
Ihre Finger zitterten, als sie seinen Ärmel ergriff, in einem flehenden, verzweifelten Gestus und auch ihre Stimme war unnormal brüchig, als sie sagte:
"Ich … bin eigentlich gekommen, um dich zu holen … man braucht deine Hilfe auf Min Intarsier." Während Ryô die kleine Hand seines Zwillings ansah, antwortete er leise:
"Meine Hilfe benötigt niemand mehr." Itzumi sah auf, im gleichen Moment, in welchem Ryô es ebenfalls tat und die goldenen Augen des jeweils anderen trafen sich. Itzumi atmete tief durch und sagte entschlossen:
"Es geht um Ilang-sama. Du bist der Einzige, der ihr jetzt helfen kann." Ryô wünschte sich, er könne den goldenen Augen seiner Schwester entgehen, zusammen mit dem Bewusstsein, dass es seine Pflicht war, Ilang zu helfen - der Person, die er nun am allerwenigsten sehen wollte, mit der er nun am allerwenigsten reden wollte.
Doch er konnte nicht ablehnen. Sie war ein Teil von Grey und somit war es seine Pflicht, ihr zu helfen.


Ilang hatte sich in den letzten zwei Stunden nicht vom Fleck bewegt. Sie saß noch genau dort, wo man sie zurückgelassen hatte. Der Saal, in dem vorher das Forum abgehalten worden war, war nun wächterleer bis auf die Tempelwächter, die dabei waren, aufzuräumen. Ilang saß inmitten des Raumes und Ryô erblickte sie somit sofort, als er hineinkam. Anstatt jedoch sofort zu ihr zu gehen, blieb er im Türrahmen stehen, als fürchtete er sich davor.
Vielleicht tat er das auch. Er wollte seine Trauer nicht teilen, genauso wenig wie er die Trauer eines anderen haben wollte. Seine Trauer gehörte nur ihm, denn dies war das letzte, was ihm von Grey geblieben war.
Doch ihm blieb nichts anderes übrig und so schritt er schweren Herzens auf die Verlobte seines Herren zu, welche nicht reagierte, selbst, als er genau neben ihr stand. Ilang hatte den Kopf gesenkt und die Hände in ihrem Schoss gefaltet. Da ihre Haare wie gewohnt hochgesetzt waren, sah man deutlich ihre starren Gesichtszüge, die ausdruckslosen Augen, welche ihre Hände anstarrten, wo der weißgoldene Verlobungsring im Licht glänzte.
"… Ilang-sama … Ich denke, Ihr soll-" Doch der Satz, den Ryô hätte sagen wollen, verblieb ungesagt, denn als hätte Ryôs Stimme sie aus ihrem Schlaf erweckt, unterbrach sie ihn plötzlich:
"…Wir wussten es beide … wir wussten beide, dass unsere Liebe zu ihm von Anfang an nie so erwidert werden würde, wie wir es uns gewünscht hatten." Verwundert über das plötzliche Thema schwieg Ryô, denn er wusste nicht, was er dazu hätte sagen sollen.
"Er liebte immer nur seine Schwester. Er sah immerzu nur Green … Ich wusste es schon immer, genauso, wie ich wusste, wie schwer ihm diese Liebe fiel … wie sehr er darunter litt, dass sie unerwidert war. Genau wie unsere Liebe, Ryô, genau wie unsere … er wusste, dass sie zum Scheitern verdammt war." Rasselnd zog sie nach Luft und fuhr mit brüchiger Stimme fort:
"Aber man kann nicht einfach aufhören, jemanden zu lieben, nur weil man weiß, dass man keine Möglichkeit hat, sie jemals erwidert zu bekommen, nicht wahr, Ryô? Man hört nicht auf … man hofft, man hofft und man hofft … so dumm und naiv das auch sein mag … Aber als Grey mir den Antrag machte … da dachte ich … da dachte ich …" Sie brach ab, als die ersten Tränen über ihr Gesicht rannen, doch schien nicht im Sinn zu haben, sich von den Tränen zurückhalten zu lassen:
"… Ich wollte ihm helfen, seine schmerzhaften Gefühle zu überwinden. Ich wollte ihm helfen … wollte, dass es ihm besser ging … genau, wie du es versucht hast, nicht wahr, Ryô? Wenn man liebt, dann fragt man nicht … nach Gegenleistung. Wir wollten doch nur, dass es ihm besser ging … sein Glück ist doch unser Glück … und heute Morgen … da dachte ich, wir wären endlich auf einem guten Weg … heute Morgen, als … als …" Plötzlich sah Ilang auf, nahm beherzt Ryôs Hände und ein flehender Ausdruck trat in ihre Augen, als sie das sagte, was Itzumi nur im Schweigen ausgedrückt hatte:
"Bitte, Ryô, ich bitte dich: beende dein Leben nicht! Du denkst, du wirst nicht mehr gebraucht, aber das wirst du! Ich brauche dich! Ich und …" Ilang atmete tief durch, sah einen Moment weg und dann wieder zu ihm zurück:
"Ich und Greys Kind brauchen dich."
Geschockt sah Ryô in die verweinten, aber doch entschlossenen Augen Ilangs und musste sich an der Tischplatte festhalten, um nicht rückwärts zu taumeln, als ihm diese neue Information bewusst wurde.
"I-Ihr seid schwanger? Wie …", stammelte der Tempelwächter verwirrt, als könnte er diese Information nicht einordnen, eine Information, welche doch so im Gegensatz zu dem stand, was heute geschehen war …
"Ich habe es erst heute Morgen erfahren … ich wollte es Grey morgen früh sagen … nachdem er sich ausgeruht hätte …" Ilang sah wieder weg, während sie sich die Hand vor dem Mund hielt, um ein Aufschluchzen zu unterdrücken. Eine Weile schwiegen sie; Ryô wusste nicht, was er dazu sagen sollte, denn er wusste nicht einmal, wie er selbst zu dieser Information stand. Zu sehr waren die Gefühle in ihm plötzlich aufgewühlt und schienen nicht im Sinn zu haben, sich zu beruhigen.
Weiterhin hielt Ilang die Hand Ryôs fest, als würde sie befürchten, er würde verschwinden, sobald sie seine Hand gehen lassen würde. Ihr Griff wurde ein wenig fester, als sie fortfuhr, ohne ihn anzusehen:
"… Ich habe Grey nur 5 Jahre gekannt … doch du, du kennst ihn schon so lange, so viel besser als ich. Daher …" Sie blickte zurück zu dem armen und verlassenen Tempelwächter und fuhr entschlossen fort, entschlossen, Ryôs zukünftige Taten zu vereiteln:
"Daher, Ryô, bitte ich dich inständig: bleib am Leben. Wenn nicht für mich, dann für Greys Kind. Denn nur du kannst dafür sorgen, dass Grey in den Erinnerungen unseres Kindes weiterleben wird."


Natürlich war Green kein artiges Mädchen.
Und daher hatte sie auch nicht die geringste Spur von schlechtem Gewissen, als sie das Jenseits verlies. Mit sturen Schritten durchquerte sie die Korridore des Tempels, ohne wirklich zu wissen, wo sie eigentlich hin wollte. Sicher war für sie jedenfalls, dass sie sich nicht im Jenseits würde einsperren lassen - das kam überhaupt nicht in Frage und stand nicht zur Debatte. Besonders nicht, ohne den Grund dafür zu kennen. White war in den Tempel aufgebrochen; aber was hatte sie hier vor? Was auch immer es war, Green wollte dabei sein. Einfach stillsitzen und nichts tun … nein, das konnte sie jetzt nicht.
Das Problem war nur, dass tote Hikaris keine Aura besaßen und sie so nicht wusste, wo sie nach White suchen sollte. Vielleicht war sie auf dem Weg zu Tinami, wegen der Untersuchungsergebnisse … aber Grey … sein … er lag doch im Sanctuarian, was wollte sie denn hier im Tempel?
Diese Frage blieb vorerst unbeantwortet, denn etwas anderes verlangte Greens Aufmerksamkeit. Sie spürte die Aura Azumas ganz in ihrer Nähe, zusammen mit Yuuki - aber Fireys spürte sie nirgends, selbst als Green stehen blieb und sich auf die Aura ihrer besten Freundin konzentrierte. Wenn Yuukis Worte der Wahrheit entsprachen, waren Azuma und Firey doch zusammen gewesen …
Skeptisch folgte Green der Aura der beiden Elementarwächter, bis sie vor der Tür des Kontrollraumes stand, mit der Frage im Gesicht, was die beiden Elementarwächter in eben diesem zu suchen hatten. Zwar hatten sie als Elementarwächter Zugriff auf den Hauptrechner, aber wozu brauchten sie diesen? Green hatte gelernt, dass dies die Kommandozentrale der Wächter war und dass dir Arbeitsleistung des Hauptrechners eigentlich nur im Krieg gebraucht wurde; normalweise war die Zentrale sogar verriegelt. Aber Elementarwächter und andere höher stehende Wächter wie Ukario konnten ihn öffnen und den gewaltigen Computer in Gebrauch nehmen - wozu also brauchten Yuuki und Azuma ihn?
Green spürte förmlich, dass etwas im Busch war, denn man würde so einen Computer wohl kaum dazu gebrauchen, Spiele zu spielen. Daher legte sie behutsam ihr Ohr an die Tür, konnte aber wie erwartet natürlich nichts hören, da die Tür aus Metall bestand, weshalb sie nun ganz vorsichtig die Türklinke herunterdrückte, darauf bedacht, nur einen kleinen Spalt entstehen zu lassen - und wie erhofft, hörte sie nun deutlich die Stimmen der beiden Elementarwächter, welche offensichtlich beunruhigt waren.
"Das ist wirklich das letzte und einzige Mal, dass ich dir helfe, Azuma! Du kannst froh sein, dass ich weiß, wie man dieses Mordsteil bedient, ansonsten säßest du jetzt wirklich in der Patsche … und von Firey will ich gar nicht sprechen. Ich hoffe, dein Gespür hat sich nicht getäuscht und du hast ihre Aura wirklich gespürt, ansonsten bringt das hier gar nichts." Was war denn da los? Irgendwie klang das nicht nach einem gemütlichen Ausflug nach Dänemark…
"Mein Gespür hat sich nicht geirrt. Wer ist nochmal der Beste im Auren spüren? Ha, haaaa? Das bin ich! Und ich habe ihre Aura gespürt, dessen bin ich mir sicher."
"Warum hast du sie dann nicht gerettet, wenn du dir so sicher warst, dass es ihre war?"
"Weil ich gegen zwei Dämonen gekämpft habe. Zwei gleichzeitig! Du hättest mich sehen sollen; ich war absolut glorreich und siegreich und …"
"… und deswegen siehst du auch so aus. Wenn du siegreich warst, wo ist dann Firey? Ist sie einfach mal vorgegangen, oder wie? Scheinbar hat sie sich ja nicht nach Hause begeben."
"Deswegen soll dieses Etwas hier ja auch Fireyskat suchen, damit wir herausfinden, wo sie sich hin teleportiert hat."
"Sag mal … hast du im Kampf …"
"--Falkenstjerne eingesetzt? Klar habe ich das! Und du glaubst gar nicht, wie Henel danach aussah! Hahaha, die Dämonen haben schon herausgefunden, mit was für einem grandiosen Wächter sie es zu tun-"
"Henel?!" Green hatte sich nicht länger zurückhalten können; wütend hatte sie die Tür nun gänzlich aufgeschlagen und betrat den doch recht düsteren Raum, da sich dort keine Fenster befanden und die sich im Boden befindenden, kleinen, ruhig leuchtenden Pünktchen die einzige Lichtquelle waren und schummrige Schatten auf die Gesichter der drei Anwesenden warfen. Die Wand des kreisrunden Raumes war mit Bildschirmen gepflastert, wovon im Moment jedoch nur der eine große Bildschirm in der Mitte des Raumes benutzt wurde, welcher hell erleuchtet war. Genau in dem Moment, als Green hereinkam, hatte selbiger Firey offensichtlich gefunden, denn ein roter Punkt war auf der Weltkarte des Computers erschienen, zusammen mit den Koordinaten, wo der gesuchte Wächter sich befand. Greens Geografiekenntnisse waren weiß Gott nicht die Besten, dennoch erkannte sie, dass Firey sich in Litauen befand - warum auch immer.
Yuuki sah sichtlich überrascht aus, Green dort zu sehen, während Azuma es nicht war: Offensichtlich hatte er sie schon vorher erspürt gehabt.
Ehe Green jedoch etwas zu den beiden überraschten und offensichtlich ertappten Elementarwächtern sagen konnte, schnellte Yuukis Kopf nach unten, ebenso wie Azumas, welcher jedoch nur den Kopf plötzlich geneigt hielt, weil Yuuki seinen Kopf nach unten presste.
"Ich hatte vorhin nicht die Gelegenheit, es zu sagen, daher sage ich es nun: mein aufrichtiges Beileid, Green-sama!"
Greens wütende Worte blieben ihr sofort im Halse stecken, als Yuuki dies sagte und sie somit effektiv aber taktlos von ihrem Vorhaben, die beiden zusammenzuschreien, abgehalten hatte. Sie öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch wusste nicht, welche Worte sie gebrauchen sollte, so sah sie einfach nur weg. Stattdessen war es Azuma, der sein Wort erhob:
"Wieso aufrichtiges Beileid? Wer hat denn den Löffel abgegeben?" Yuuki warf dem Erdwächter einen vielsagenden Blick zu, doch es gelang ihm nicht, seinen Freund aufzuklären, denn Green entschloss, dass Azuma der Letzte war, von dem sie Beileid ausgesprochen haben wollte.
"Du warst also nicht mit Firey in Dänemark, sondern in der Dämonenwelt! Was zur Hölle habt ihr denn dort getrieben?!", fragte Green stattdessen, um dem Thema aus dem Weg zu gehen. Sie hatte die drei Worte, die Greys Tod bezeugten, heute schon oft genug gesagt und wollte sie nicht wiederholen.
"Also ich ... ehm …"
"Azuma war zusammen mit Firey in Henel, denn er wollte ihr beweisen, was für ein toller Wächter er doch ist, doch verlor sie aus den Augen, da es zum Kampf gekommen war." Beide Wächter sahen Yuuki mit geschockten Augen an, jedoch aus verschiedenen Gründen. Green, weil sie über diese Information an sich geschockt war und Azuma, dass Yuuki es so freiwillig erzählte. Offensichtlich bemerkte Yuuki Azumas Blick, denn er erwiderte daraufhin:
"Tut mir Leid, mein Freund, aber ich habe wahrlich schon genug Regelverstöße in meiner Akte." Azumas Antwort ging in den Worten der nun ziemlich hitzigen Hikari unter:
"Wie kannst du Firey nur solch einer Gefahr aussetzen!?"
"Also eigentlich war es gar nicht meine Idee gewesen, sondern ihre eigene!" Zornig schüttelte Green den Kopf und entschloss, dass sie diese Diskussion ein anderes Mal fortsetzen würde. Sie sah sich die Koordinaten des Computers an und verkündete, dass sie Firey holen würde und dass sie sich danach um Azuma "kümmern" würde - und dass dieser dafür beten sollte, dass es Firey gut ging, ansonsten würde sie sich ihn persönlich vorknöpfen. Mit diesen Worten nahm sie ein kleines, viereckiges Gerät aus der Hand Yuukis und verschwand damit auch umgehend aus dem Raum, weshalb sie nicht sah, wie Azuma ihr ziemlich wütend den Stinkefinger hinterher zeigte, mit den Worten, dass er gewiss keine Angst vor ihr hatte.

Beide wollten daraufhin den Kontrollraum verlassen; Yuuki hatte sich bereits herumgedreht, um den Computer wieder auszuschalten, als er bemerkte, dass er gar nicht mehr an war.
Aber er hatte ihn doch gar nicht ausgemacht?


Wenn man sich über eine große Distanz teleportierte, tat man dies normalerweise, indem man sich den Ort, an den man wünschte, zu gelangen, bildlich vorstellte - das konnte man natürlich nur tun, wenn man den Ort auch kannte, ansonsten wäre man dazu gezwungen, sich in 30 Kilometer Abständen voran zu teleportieren. Nur die, die wahre Meister auf diesem Gebiet waren - etwa Illusionswächter - konnten diesen Abstand vergrößern; manchmal sogar verdoppeln. Wenn andere sich auf die andere Seite der Erde teleportieren wollten, dann brauchten sie die Koordinaten, die in ein kleines Gerät eingetippt wurden, welches somit die Orientierung übernahm. In eben dieses Gerät hatte Green ihre Daten eingegeben und befand sich nun in Litauen.
Es war kalt in Litauen, als Green um 22 Uhr 11 dort ankam; kalt, dunkel und feucht. Green wusste nicht genau, wo sie war, jedoch war keine Menschenseele zu sehen. Der Ort, wohin sie die Koordinaten geführt hatten, war nahe eines Flusses, wo nichts weiter stand als ein großer Baum, dessen kahle Äste sich vor dem hellen Vollmond auftaten. Ein sanfter Nieselregen sorgte dafür, dass Greens Haut feucht wurde, welche sie sich warm rieb, während sie sich aufmerksam umsah.
Auf den ersten Blick konnte sie niemanden spüren noch sehen und ein ungutes Gefühl beschlich sich ihrer. Wo war Firey? War sie überhaupt am richtigen Ort? Warum konnte sie ihre Aura nicht spüren? Doch nicht etwa, weil …
Doch nein, ihre angstvollen Gedanken waren umsonst gewesen, denn kaum, dass Green sich dem Fluss näherte, sah sie, dass in dessen Flussbett ein Mädchen mit langen roten Haaren lag und bemerkte auch, dass die Aura ihrer Freundin sehr wohl spürbar war. Sie war jedoch sehr schwach, weshalb Green sie nicht sofort bemerkt hatte. Kaum, dass Green Firey gesichtet hatte, nahm sie auch schon ihre Beine in die Hand und lief zu ihr hin.
Bereits auf halbem Weg stellte sie fest, dass auch Firey mitgenommen aussah, aber auch ihre merkwürdige Kleidung, die verdächtigt nach Kleidung aussah, welche man in der Dämonenwelt trug, wirbelte Fragen in Greens Kopf auf. Doch erst einmal war sie erleichtert, dass sie Fireys Puls spüren konnte, welchen sie nahm, sobald sie bei ihr angekommen war. Firey war also nur ohnmächtig.
Okay, dachte sich Green, mit den offensichtlichen Fragen würde sie sich später beschäftigen. Jetzt musste sie ihre Lichtmagie erst einmal sammeln, um ihre beste Freundin zu heilen.
Die Hikari klatschte ihre Hände beherzt ineinander und wollte gerade mit der Heilung beginnen, als ihr Vorhaben vereitelt wurde.
Der Vollmond war hell in dieser Nacht, und als die Regenwolken ihn kurz von seiner Gefangenschaft befreiten, erkannte Green dank dessen Licht mit einem entsetzten Schaudern, dass jemand hinter ihr stand. Jemand, dessen Aura sie nicht spüren konnte, obwohl er nur wenige Meter von ihr entfernt stand. Ein Mensch?

Greens Hände waren von einem Moment auf den anderen zu Stein erstarrt und das Licht ihrer Hände flackerte, um schnell zu ersticken, denn zu sehr waren ihre Augen plötzlich von dem Schatten des Fremden gefesselt.
Ein Schatten, den sie nicht kannte, ein Schatten, der ihr aber dennoch tiefe Angst einjagte. Es waren nicht die langen, wehenden Haare, nicht die doch recht hohe Statur des Fremden, sondern der spitze Gegenstand, der aus der rechten Schulter des Fremden ragte … ein Gegenstand, der verdächtigt nach einer Flöte aussah.
Langsam drehte Green ihren Kopf herum, wollte es nicht, tat es aber dennoch. Sah entsetzt, geschockt, verängstigt in das Gesicht des schwarzgekleideten Dämons, dessen rote Augen sie aufmerksam ansahen. Rotglühende Augen, welche sie nur einmal auf einem Aktenbild gesehen hatte und welche ihr bereits damals den Wunsch abrangen, sie würde diesen Dämon nie in der Realität kennenlernen.
Sie hörte seinen langsamen Atem in der stillen Abendluft, vergaß, selbst zu atmen, bis ihr Herz sich aus Furcht beschleunigte, als plötzlich ein boshaftes Grinsen auf seinem schiefgelegten Gesicht auftauchte.
"Ich glaube, das wird amüsant. Höchst amüsant."
Der Drang, laut zu schreien, als diese Worte gesagt wurden, drang in Greens Kehle empor, doch blieb dort stecken, obwohl sie nichts anderes tun wollte, als panisch zu schreien, als sie den Dämon vor ihr auf den ersten Blick erkannt hatte.

Es war Nocturn.