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Episode 69
  Episode 69: Mit dem Wind
Nur einige wenige Zentimeter trennten die Lippen der beiden Frischverlobten voneinander, als Greens Wünsche erhört wurden: Das Alarmsystem, welches Green bereits einmal aus dem Schlaf gerissen hatte, hatte penetrant zu piepen begonnen und als beide ihren Kopf zur Ursache des Geräusches wandten, sahen sie, dass die Alarmleuchte rot blinkte.
Nur einen Augenblick lang schienen beide nicht zu wissen, was sie damit anzufangen hatten und starrten sie an, als wären sie gerade aus einem anderen Film gerissen worden - dann folgten sie dem Filmwechsel und richteten sich auf. Green die Hand nach dem Gerät ausstreckend, plötzlich unheimlich erleichtert - als wäre dieses rote Leuchten etwas Positives, obwohl es doch eigentlich das genaue Gegenteil war. Hoffentlich bemerkte Saiyon ihre Erleichterung nicht, schoss es der Hikari kurz durch den Kopf, doch er lauschte der Übertragung zu aufmerksam, kaum dass Green den roten Knopf berührt hatte. Dieses Mal wurde sie allerdings nicht persönlich von Ukario oder jemand anderem zur Schlacht gerufen: stattdessen ertönte eine mechanische Stimme, die den Code "R8 76" verkündete, dem Green eher fragend gegenüberstand. Sie hatte mit Shaginai zwar alle Codes durchgenommen, die es gab, um Zeit zu sparen, doch Zahlen waren nun einmal nicht gerade ihr Bereich, weshalb sie nach wie vor einige von ihnen nicht zuordnen konnte.
Doch zum Glück hatte sie einen guten Verlobten:
"Die Menschenwelt wird angegriffen. Wahrscheinlich wollen die Dämonen wieder versuchen, an Wasser zu gelangen." Green nickte, denn er hatte ja sicherlich Recht und machte sich schon daran zum Kleiderschrank zu hechten, in welchem sie, wie erwartet, von Itzumi bereits ihre Kleidung einsortiert vorfand - ihre weiße Uniform hing für sie bereit an der Kleidertür.
Auch Saiyon war aus dem großen Bett gesprungen und hatte sich nun ebenfalls seine Uniform genommen, welche über einem Stuhl gehangen hatte. Was Green nicht wusste war, dass auch er Erleichterung in sich spürte: die Anspannung fiel förmlich von ihm und ein bevorstehender Kampf schien ihm plötzlich um einiges einfacher zu sein, so merkwürdig das auch klingen mochte. Dennoch... ein wenig enttäuscht war er schon, aber dieses Gefühl konnte nicht gegen seine Erleichterung ankommen.
Saiyon und Green waren gleichzeitig mit dem Umziehen fertig und kaum dass Green aus dem Badezimmer kam, drehte Saiyon sich auch schon zu ihr herum und strahlte die in Weiß gekleidete Green begeistert an.
"Green, du... du siehst umwerfend aus! Dein Bruder beherrschte wahrlich sein Handwerk." Saiyon konnte es nicht wissen, aber dieses Mal machten seine Worte sie traurig... denn eben diese Uniform, die Grey für sie für den Krieg geschneidert hatte, hatte er nie an ihr zu Gesicht bekommen. Er hatte nicht erfahren, dass sie ihr gut stand...
"Habe ich etwas Falsches gesagt?", fragte Saiyon sofort besorgt, als er bemerkte, dass Green sich nicht über sein Kompliment freute. Er schritt vor sie und legte zögerlich, als wäre er sich immer noch nicht sicher, ob er das auch wirklich tun dürfte, seine Hände an ihre Taille und sah sie mit einem aufbauenden Lächeln an:
"Ist es wegen..." Green wusste, dass Saiyon Greys Namen nennen würde und schüttelte daher vorher schon den Kopf, beteuerte ihm, dass es schon in Ordnung sei. Sie wollte nicht, dass Grey ein Tabuthema wurde, was Saiyon zu freuen schien - warum genau ihn das freute, wusste Green nicht und sie kam auch nicht dazu ihn zu fragen, denn ihm schien gerade ein Geistesblitz gekommen zu sein, während er so auf seine behandschuhten Hände sah, die ihren Körper berührten:
"Green, wir sollten ohne Handschuhe in den Kampf ziehen, damit man unsere Verlobungsringe sehen kann - das würde unsere Mitwächter sicherlich ermutigen!" Einen Augenblick lang zweifelte Green stark an diesem Vorschlag, doch dann kam sie zu dem Schluss, dass sie Saiyon in diesem Falle vertrauen konnte; er wusste es doch besser, er, der doch sein gesamtes Leben ein Teil dieser Gesellschaft gewesen war. Er wusste, was die Wächter nun ermutigte und was nicht.
Er war wirklich... genau der Richtige für sie.
Ihr Bruder beherrschte wahrlich sein Handwerk.


Kaira knirschte mit den Zähnen - wie sehr sie diese Situation verabscheute! Sie machte sie schrecklich wütend - nicht nur die Situation, sondern auch das Gefühl, das sie in sich spürte. Ein hassenswertes, erbärmliches Gefühl ausgelöst von dem Schweigen des Raumes, dem sie sich notgedrungen ergeben musste, denn sie hatte bereits alles gesagt. Sie hatte alles getan. Aber das Schweigen war da immer noch. Tinamis abgewandte Augen waren ebenfalls noch da - diese Augen, die nicht zu ihr passten, die Stimmung, die nicht zu ihr passte. Kaira hatte eigentlich geglaubt, dass Tinami am nervigsten war, wenn sie aufgedreht durch die Gegend sprang wie ein Springball; nicht weniger kindisch und nervig als Pink - aber sie hatte sich geirrt. Nichts war nerviger, nichts war schlimmer, nichts machte sie wütender als diese Situation, dieses Gesicht von Tinami. Wie freundlich sie Kairas Vorschlag, dass sie sie doch trainieren konnte, abgelehnt hatte! Eine ruhige, aber bestimmte Freundlichkeit mit einem Lächeln, das ganz und gar nicht zu ihrem Springball-Charakter passen wollte. Da war ihr eine weinende Tinami sogar lieber... wenn Tinami weinte, schottete sie sich wenigstens nicht ab, so wie sie es jetzt tat. Kaira hatte sich eigentlich darauf vorbereitet, dass Tinami sich zu irgendwelchen Sentimentalitäten hinreißen lassen würde - davon war sie sogar fest ausgegangen, sie kannte Tinami immerhin! Aber diese Tinami, die jetzt vor ihr an ihrem Schreibtisch saß, die kannte sie nicht. Sie erkannte gar nichts an ihr - sogar den Raum schien Tinami zu verändern: er kam Kaira fremd vor. Der aufgeräumte Schreibtisch; keine Kabel, über die man stolpern musste, keine eingeschalteten Computer, keine Waffen in Arbeit. Sie entdeckte ja nicht einmal irgendwo Pockies. Da war einfach nur ein unbenutztes Arbeitszimmer, eine eingeschaltete, kaum Licht spendende Schreibtischlampe - und eine Tinami, die nicht Tinami war.
"Ich finde, du kannst es dir nochmal durch den Kopf gehen lassen, Asuka." Tinamis Antwort folgte sofort, mit Augen, die nicht auf Kaira gerichtet waren, sondern auf die nun versiegelten Dokumente:
"Das habe ich bereits."
"Dafür kam deine Antwort aber eindeutig zu schnell", knurrte Kaira, die spürte, dass sie noch wütender dadurch wurde, dass Tinami sie nicht ansah.
"Ich habe mir vorher schon Gedanken darüber gemacht, weil ich mir schon gedacht habe, dass du mir vorschlagen würdest, dass ich mich von dir trainieren lassen soll. Aber ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass ich es nicht möchte."
"Und warum nicht, Asuka?! Ich weiß nicht, ob du es schon bemerkt hast..." In wenigen Atemzügen hatte Kaira den Abstand zwischen ihnen verringert; sie stand nun vor Tinami, die Hand auf den viel zu sauberen, viel zu ordentlichen Schreibtisch herniederdonnern lassend, aber auch das bewegte nichts in Tinamis blauen Augen. Immer noch starrte sie auf die Dokumente, die nicht mehr ihr Arbeitsbereich waren.
"... aber du hast nicht die Fähigkeiten, um auch nur einen Tag auf dem Schlachtfeld zu überleben!"
"Wie ich dir bereits gesagt habe: Ich will deine Zeit nicht verschwenden. In Azura hast du eine gute Trainingspartnerin, mit mir würdest du nur deine Zeit verschwenden, weil es dich nicht voranbringen würde. Ich wäre dir eine Last. Das will ich nicht."
"Dann wirst du draufgehen, Asuka!"
"848 Wächter sind ebenfalls tot." Die Faust Kairas war nun nicht mehr nur mit der Tischplatte zufrieden - stattdessen packte diese nun Tinamis Kragen:
"Asuka----!" Immernoch blickte Tinami in eine andere Richtung, aber ihre Augen sahen zerknirscht und traurig aus - ehe sie sich aufhorchend weiteten, wie auch Kairas, die Tinami vorerst losließ, denn sie beide hatten eine Aura gespürt und hörten dann auch schon das Klopfen an der Tür. Im Gegensatz zu Kaira hatte Tinami aber scheinbar mit Besuch gerechnet:
"Komm nur rein, Shiya-kun." Und schon tauchte ihr ehemaliger Offizier in der Tür auf, sich hastig, aber gepflegt vor den zwei Elementarwächterinnen verbeugend und dann die Tür hinter sich schließend.
"Ich hoffe, ich störe nicht zu dieser späten Stunde."
"Nein, ich habe schon mit einem Besuch von dir gerechnet." Mit was hatte sie denn noch gerechnet, schoss es Kaira durch den Kopf, der allerdings auch klar war, warum Shitaya gekommen war. Sie hatte vorher nicht darüber nachgedacht, weil es ihr eigentlich egal war, wer nun Tinamis Platz einnehmen würde, aber jetzt dachte sie mit einem Grummeln daran. Wenigstens war Shitaya kompetent. Sie konnten kompetente Wächter bei den Elementarwächtern gebrauchen.
"Ich kann auch zu einem anderen Zeitpunkt kommen", begann Shitaya, zu ihnen tretend und Kaira einen flüchtigen Blick zuwerfend, aber Tinami lächelte nur und versicherte ihm, dass Kaira und sie keine Geheimnisse voreinander hatten. Sogar diese Worte passten Kaira nicht - obwohl es weniger die Worte waren, sondern mehr das absolut nicht erfreut aussehende Lächeln, das ihr nicht in den Kram passte. Es war einfach so überhaupt nicht Tinami; jedes Wort, jede Geste von ihr vergrößerte diesen Eindruck nur noch!
"Trotz allem gratuliere ich dir zur Beförderung, Shiya-kun." Kaira und Shitaya schwiegen - und Kaira glaubte, dass sie Shitaya gerade ein paar Pluspunkte gab, denn sie schienen es beide makaber zu finden. Dennoch antwortete Shitaya lächelnd:
"Ich habe abgelehnt." Ja, das waren ein paar Pluspunkte - und es gefiel Kaira auch zu sehen, dass Tinami diese Aussage überraschte. Aber sie kam nicht dazu nachzufragen, denn Shitaya fuhr schon fort, sich nun auf einen Drehstuhl ihr gegenüber setzend:
"Erlauben Sie mir die Frage, ob Sie bei der Urteilsverkündung Ihre Erfindung des Ingnixes erwähnt haben. Die Vorteile Ihrer Erfindung sind immerhin unbestreitbar..."
"Das wurde in Betracht gezogen. Aber eine Erfindung wiegt keine 848 Leben auf und ein verlorenes Gefühl von Sicherheit. Alle müssen sich darauf verlassen können, dass sie sich in ihrem eigenen Zuhause sicher fühlen können und das können sie nur, wenn sie sich auf das Sicherheitssystem verlassen können - ein System, welches eben nicht sicher genug war. Das Vertrauen ist tot, unsere Inseln zerstört... Warst du schon auf Min Intarsier? Ja, natürlich warst du da, du hast ja da gekämpft - wen interessiert es da, ob ich das Ingnix erfunden habe oder nicht?" Wie deutlich hörte Kaira nicht heraus, dass Tinami sich bei diesen Worten große Mühe hatte geben müssen, um nicht zu verzweifeln? Diese durchschimmernden Gefühle waren ein gutes Zeichen - das passte zu ihr.
"Ihr wurdet bereits von den Hikari dafür bestraft - bestraft Euch nicht auch noch selbst!" Tinami antwortete nicht, jedenfalls nicht mit Worten; stattdessen blickte sie zu Kaira. Es war nur ein kurzer Moment, nur ein kurzer Augenkontakt, ehe Tinami sich schon wieder abwandte, aber Kaira spürte dennoch, wie ihre Wut abflaute.
"Wisst Ihr bereits, in welches Bataillon Ihr versetzt werdet?" Tinami schüttelte nur den Kopf als Antwort, was auch Shitaya zum nachdenklichen Schweigen brachte. Genau wie Kaira gefiel es Shitaya gar nicht, Tinami so zu sehen - er konnte es ihr nicht verübeln, denn sie hatte Recht und diese Last war keine, die einfach zu tragen war... aber dennoch schmerzte es ihn, denn dafür achtete er sie zu sehr. Anders als andere Wächter hatte er damals, als Tinami, Kaira und Azura zum ersten Mal die Inseln der Wächter betreten hatten, sofort bemerkt, dass Tinami genau das war, was sich der damals noch sehr junge Klimawächter unter einem Elementarwächter des Klimas vorgestellt hatte - eine Kikou, nein, eine Asuka, die diesen Namen mit Stolz und zu Recht führte. Die Asukas waren immer schon eine sehr geachtete Familie gewesen, geschätzt wegen ihrer großen Intelligenz und ihrem Erfindungsreichtum: die besten Waffen stammten aus ihren Händen, weshalb Shitaya alleine schon weil Tinami zu dieser Familie gehörte vor ihrem ersten Treffen nervös gewesen war; obwohl sie jünger als er war. Aber schon bei ihrem ersten Treffen hatte Shitaya herausgefunden, dass man, wenn man Tinami gegenübersaß, alles andere als nervös sein musste - so eine offene Person, so eine vorurteilslose Person hatte er selten kennengelernt. Ihm war sofort klar gewesen, dass er stolz darauf sein würde, ihr Offizier zu sein, stolz darauf, sie an der Spitze seines Elementes zu sehen, zu wissen, dass sie die Kikou vertrat. Ja, kämpfen konnte sie nicht, aber sie hatte andere Qualitäten, die sie mehr als dazu berechtigten, diesen Posten zu vertreten.
Aber ein Fehler...
"Ich werde dafür sorgen, dass Ihr in mein Bataillon versetzt werdet."
"Was!? Aber.... Shiya-kun - dein Bataillon ist Elysion!", entfuhr es Tinami schockiert, die Shitaya genau wie Kaira mit aufgerissenen Augen anstarrte - aber Shitaya hatte es durchaus ernst gemeint, das verriet sein Blick, der auch nicht von Tinamis Worten, dass nur Wächter, die auf dem ersten Rang waren, in jenem Elite-Bataillon kämpfen durften:
"Da habt Ihr natürlich Recht, Kikou-sama..." Er ließ sich absolut nicht von Tinami unterbrechen, die Anstalten zu machen schien, ihn darum zu bitten, sie nicht so zu nennen, dass ihr dieser Titel nicht mehr zustand... aber er überhörte es völlig und Kaira gefiel das. Der Typ wurde ihr immer sympathischer!
"... aber es gibt Ausnahmefälle. Ein Wächter, der nicht den ersten Rang erhalten hat, kann dennoch nach Elysion versetzt werden, wenn der besagte Wächter drei Empfehlungen hat. Meine ist Ihnen sicher, Ukario-sama werde ich überzeugen und ich nehme nicht an, dass Hikari-sama Ihnen eine Empfehlung verweigern wird. Unser Bataillon besitzt viele gute Kämpfer, aber es mangelt uns an guten Strategen und der Posten Grey-samas ist noch nicht vergeben. Ich werde, wenn Ihr es mir erlaubt, noch heute mit Ukario-sama sprechen. Er arbeitet gerade an den neuen Truppenaufstellungen." Ein seltener Anblick, aber Tinami war offensichtlich verwirrt:
"Was... was soll ich in Elysion? Ich kann nicht kämpfen! Ich werde jedem eine Last sein!"
"Ich werde Sie unter meine Fittiche nehmen - so können wir gegenseitig voneinander lernen."
"Ich will auch deine Zeit nicht verschwenden..." Während Tinami dies sagte warf sie einen flüchtigen Blick zu Kaira, aber der finstere Blick ihrer Freundin brachte sie schnell dazu eingeschüchtert wegzusehen.
"Sie verschwenden meine Zeit nicht. Ich habe viele andere Kikou trainiert. Obendrein haben Sie mir auch viel auf anderen Gebieten beigebracht - oder haben Sie vergessen, wie viele Stunden Sie damit "verschwendet" haben, mich den Kampf gegen die Akurice zu lehren? Es hat Monate gedauert, bis ich in der Lage war, einen Stab zu beschwören, der auch nur halb so lang war wie der Ihre."
"Aber das kann man doch gar nicht... Ich kann doch nicht... Elysion, das bin ich nicht wert-"
"In Lights Namen, Asuka!" Und da wurde auch schon Tinamis Arm gepackt und von einer wütenden Kaira emporgezogen. Wütend funkelten Kairas dunkelbraune Augen in die aufgerissenen, blauen Augen Tinamis und es war ihr ganz egal, ob Shitaya genau neben ihnen saß oder was er sich dabei dachte:
"Dieses Geflenne ist ja nicht auszuhalten! Wenn du meinst, du bist es nicht wert, dann werde es wert!" Ohne auf eine Antwort zu warten, drehte Kaira sich herum und sah an Tinami vorbei und zu Shitaya:
"Sie nimmt an!" Shitaya sah die beiden jungen Frauen ein wenig perplex an, aber nickte dennoch:
"Dann werde ich mich um die Formalitäten kümmern."
"Aber ich habe doch gar nicht..." Kaira wandte sich wieder Tinami zu, sie immer noch nicht loslassend:
"Oh doch, hast du. Und wenn du es wagen solltest, auch nur die kleinste Trainingssession zu verschlafen, werde ich dich persönlich hinschleifen - durch den gesamten Tempel, wenn es sein muss! Haben wir uns verstanden, Asuka!?"
Saiyon hatte Recht gehabt mit seiner Vermutung, dass alle Wächter ihre Hände ansehen würden, welche sie demonstrativ zusammenhielten - und obwohl die Situation sehr ernst war, sah Green tatsächlich bei einigen begeisterte Freude über die Verlobung der beiden. Nicht zuletzt bei Saiyon selbst, der strahlte wie eine aufgehende Sonne und seine Verlobte wahrscheinlich am liebsten wieder im Kreis wirbeln wollte. Die Wächter wären wahrscheinlich vor Begeisterung umgekippt, dachte Green ironisch, denn sie raunten schon erfreut, als Saiyon ihr seine Hand anbot. Warum fühlte sie sich plötzlich wie irgendein Popstar?
Lange hielt diese beinahe ausgelassene Stimmung natürlich nicht; vor allen Dingen da Saiyon und Green sich voneinander trennten, immerhin waren sie trotz ihrer Verlobung in verschiedenen Bataillonen. Saiyon wollte sich gerade neben Ilang stellen, als ihm auffiel, dass diese gar nicht da war - hatte er somit das Kommando über Rallasion? Er würde es gleich erfahren, denn Ukario stellte sich bereits entschlossen vor ihnen auf, während Tempelwächter die Kommunikationsgeräte verteilten, die die kampfbereiten Wächter sich sofort aufsetzten. Zwei Bataillone waren im Einsatz: Rallasion und Elysion. Es war also tatsächlich ein Angriff auf die Menschenwelt und scheinbar auch kein kleiner, wenn sogar Elysion eingesetzt wurde. Green hatte sich soeben zu den Mitgliedern dieses Bataillons gesellt, doch sie sah nicht zu Saiyon herüber, anders als Shitaya, der von seinem Standpunkt an der Spitze von Elysion gut zu ihm herunterblicken konnte. Sein Blick war neugierig, aber etwas sagte Saiyon auch, dass nicht nur er etwas zu erzählen hatte, sondern auch sein großer Bruder ihm. Was das sein sollte, konnte er nur erahnen.
Auch Green sah sich um, ob sie einen ihrer Elementarwächter erkennen konnte, doch das war natürlich blöd - ihre Elementarwächter waren in den anderen Bataillonen und offensichtlich wurden diese im Moment nicht gebraucht. Aber auch sie bemerkte, dass Ilang nicht zugegen war - wo war sie?
"Hikari-sama!" Green fuhr förmlich zusammen, als sie die Stimme Ukarios dicht bei sich hören konnte und sah ihn auch schon vor sich. Sie hatte ihn nicht bemerkt, da sie zu intensiv nach Ilang gesucht hatte; jetzt jedoch sah sie ihn überrascht an, wie er da vor ihr stand und sie verwundert musterte:
"Warum nehmt Ihr denn hier Platz? Ich brauche Euch neben mir." Green schallte sich selbst eine Närrin, denn das hätte ihr wahrlich klar sein müssen und schnell schritt sie mit ihm nach vorne - allerdings froh darüber, dass es er war, der die ermunternden und organisatorischen Worte übernahm, bei denen Saiyon tatsächlich das Kommando über Rallasion übertragen wurde, während Shitaya das Kommando über Elysion erhielt. Doch gänzlich aus dem Schneider war sie leider noch nicht, wie sie schnell herausfand, als er ihr das Wort übergab - und da stand sie dann, die Augenpaare zweier Bataillone auf sie gerichtet und mit keiner Ahnung, was sie sagen sollte. Sie hatte allerdings nicht vor, deren Zeit zu verschwenden, immerhin hatten die Dämonen bereits mit dem Angriff angefangen... daher purzelten die Worte nur so aus ihr heraus:
"P-Passt gut auf euch auf!" Einen Moment sahen die anwesenden Wächter sie mit hochgezogenen Augenbrauen an, als würden sie auf mehr warten, bis sie diese Worte, die zum Glück ehrlich klangen, erfreut belächelten, womit Ukario wieder das Wort übernahm:
"Ich wiederhole es noch einmal: Niemand wird seinen Ingnix deaktivieren, ehe ich oder Hikari-sama nicht ausdrücklich den Befehl dafür gegeben haben; ansonsten ist unser Überraschungseffekt verloren, meine Mitwächter! Und nun - auf ins Gefecht!"


Green war fest entschlossen, dass dieser Kampf besser ausfallen würde als der zu Beginn des Krieges - und vor allen Dingen länger. Sie hatte im vergangenen Jahr so hart trainiert und wollte diese Früchte nun endlich ernten. Die Voraussetzungen schienen bei dieser Schlacht auch besser zu sein als bei der ersten, immerhin hatte sie sich kein voriges Duell mit Nocturn geleistet und vor allen Dingen war Silence wieder zurückgekehrt. Sie hatte ihr versichert, dass sie ihr zur Seite stehen würde - und das war immer ein Pluspunkt!
Aber ehe sie den sicheren Boden des Tempels verließ, piepte ihr Kommunikationsgerät wie ein kurzes Warnsignal, ehe das Gewitter über sie hereinbrach - das Gewitter mit dem Namen Shaginai.
"Yogosu!"
"Dir auch einen guten Abend, Großvater...", stöhnte Green ein wenig Abstand nehmend zu den anderen Wächtern, die sich zum Teleportationspunkt aufmachten.
"Dir ist hoffentlich vollkommen klar, dass du dich geehrt fühlen solltest, dass du an dieser Schlacht teilnehmen darfst, nicht wahr, Yogosu?"
"Oh ja, ich fühle mich geehrt, mein Leben aufs Spiel zu setzen." Diesen Kommentar hatte sie sich nicht verkneifen können, obwohl sie natürlich genau wusste, auf was er hinauswollte; nämlich darauf, dass sie ja nun einmal eigentlich an gar keinen Schlachten mehr teilnehmen durfte - jedenfalls bis jetzt nicht. Scheinbar waren die Hikari zu einem Entschluss gekommen, wie es mit Green und ihrer Kriegsteilnahme nun weitergehen sollte - und scheinbar war Shaginai der Meinung, dass Green ihm dafür die Füße küssen sollte.
"Zum aktuellen Zeitpunkt ist nur beschlossen worden, dass du dich an den Kämpfen auf Terra beteiligen darfst..." Von der Stimme her zu urteilen hatte Shaginai keinen Gefallen an Greens Antwort gefunden: im Gegensatz zu Seigi, den Green im Hintergrund lachen hören konnte.
"... wie es mit Henel aussieht, ist noch ungewiss. Es geht besonders darum, dass du dich deinen Wächtern gegenüber als fähig beweist - also tu das auch! Ich will einen guten Kampf von dir sehen, Yogosu! Keine Albernheiten!"
"Das hatte ich auch vor, ohne dass du es mir ins Ohr schreist!"
"Gut, dann sind wir uns ja da einig!" Er schien gerade auflegen zu wollen, aber dann überlegte er es sich wohl doch anders - kurz spielte Green mit dem Gedanken, ob er ihr viel Glück wünschen würde, aber da hatte sie ihr Glück wohl überschätzt:
"Ich hoffe, deine erste Nacht mit deinem Verlobten verlief erfolgreich!" ... ernsthaft?
"Großvater - das fragst du mich ernsthaft kurz vor einer Schlacht?" "Ja? Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Wir haben immerhin das Training dafür abgesetzt! Das sind zwei wichtige Pflichtbereiche..." Ganz zu schweigen davon, dass da noch andere Hikari im Raum waren?! Was ging sie das überhaupt alle an!? Verdammter, ungeborener Lichterbe...
"Weißt du was, Großvater - du bist ein unsensibler Hornochse." Mit diesen Worten wollte Green eigentlich auflegen, aber leider war das kein Handy und die Hikari entschieden, wann das Gespräch abgeschlossen war und wann nicht - und Shaginai hatte gerade beschlossen, Blitze auf "das ungezogene Gör" herniedersausen zu lassen. Aber Green hörte seine wütende Stimme und das bellende Lachen Seigis nur als Störgeräusch, denn sie hatte sich das Kommunikationsgerät einfach vom Kopf genommen und unter den Arm geklemmt, rannte nun den anderen Wächtern hinterher, ein wenig grinsend.
Aber sie kam noch einmal zum Stillstand. Denn gerade als Shaginai endlich verstummt war und Green es für sicher befunden hatte, sich das Kommunikationsgerät wieder auf den Kopf zu setzen, ertönte eine andere Stimme. Die ihrer Mutter.

"Ich wünsche dir den Beistand des Lichts, Green." Greens Herz war sofort kurz stehen geblieben und ihr Herz hatte sich beschleunigt - aber es hatte sich gut angefühlt. Erbauend, aufmunternd, diese Art des "Viel Glück"-Sagens ihrer Mutter. Das war es, was sie immer vermisst hatte und jetzt hatte sie es gehört; jetzt beflügelte es sie, brachte sie dazu, ihren Stab gekonnt zu schwingen gegen die Dämonen, die es zu bekämpfen galt.

"Danke, Mutter." Es hatte kurzes Schweigen geherrscht - sie fühlte diesen Moment noch, jetzt im Moment des absoluten Nicht-Schweigens, inmitten des schreienden Kampfes. Aber es waren entschlossene Rufe; laute Stimmen, die Attacken beschworen, Attacken, die bunte Lichter in die Nacht hinein malten - schön waren sie, aber gleichzeitig so tödlich. Green musste aufpassen; sie war fest entschlossen, ihrem Großvater keinen Grund zu geben, sich zu beschweren - sie wusste, er sah zu, genau wie White es tat. Ihre Augen, die Augen ihrer Familie, lagen auf ihr; sie musste sich konzentrieren und obwohl ihr Herzschlag sich beschleunigt hatte und ihr Körper unter der konstanten Anstrengung bebte, so spürte sie dennoch ein kleines Lächeln auf ihren Lippen - war es, weil sie sich vorstellte, wie White gelächelt hatte, als sie mit Green gesprochen hatte?
"Es tut mir Leid, dass ich noch nicht bei dir war, um mit dir über deine Verlobung zu sprechen..." Green war ihr ins Wort gefallen, ein wenig aufgeregt - nicht so aufgeregt wie jetzt natürlich -
"Das muss es nicht, schon okay! Es ist ja auch noch ganz frisch!" Eben diesen Verlobten spürte Green nun an ihrem Rücken; beide in Angriffsstellung - Saiyon mit ausgestreckter Hand und wirbelnder Windmagie, Green mit erhobener Hand, den Schlachtplatz erhellend und die Dämonen blendend. Saiyon lächelte sie kurz an, fragte sie, ob es ihr gut ginge, ehe sie wieder auseinandersprangen, um zusammen mit den anderen Wächtern den Vorteil von Greens Magie auszunutzen.
Ging es ihr gut? Green hatte keine Zeit, sich diese Frage zu stellen. Sie wusste nicht einmal, ob sie verletzt war.
"Ich weiß, dass es für dich sicherlich nicht einfach ist...", hörte Green ihre Mutter in ihrem Kopf sagen, während das Licht ihres leuchtenden Stabs einen Dämon durchbohrte.
"... ich kann mir denken, dass Vater großen Druck auf dich ausübt. Aber du hast keinen Druck. Geh es in dem Tempo an, das für dich das richtige ist - ja, Green?" Schnell. Schnell - das war ihr Tempo. Sie musste schneller werden; schneller, besser, zielgenauer. Sahen ihre Mutter und ihr Großvater wie schnell sie war? Dass das harte Mördertraining Shaginais sich ausgezahlt hatte? Wie schnell sie einen Dämon nach dem anderen tötete, kurz und schmerzlos, genau wie Shaginai es sie gelehrt hatte? Und wie schnell sie angerannt kam, wenn Ukario sie zurückrief, um einen Wächter zu heilen?
Die Uniform, die Grey ihr geschneidert hatte, sie fühlte sich so leicht an - der Rock des langen weißen Kleides wirbelte um ihre Beine herum und obwohl er eigentlich wegen seiner Länge eine Behinderung sein müsste, fühlte es sich nicht wie eine an; der Stoff war leicht, fast federleicht. Green spürte kaum einen Widerstand, als wäre das Kleid aus Luft... Luft, die als Wind um sie herum tanzte.

Grey war auch bei ihr.
Grey war es, der ihr diese Schnelligkeit gab; es war sein Wind, der sie begleitete. Jedenfalls fühlte es sich so a---

Dann kam Green ungewollt zum Stillstand - noch schlimmer, sie stürzte, konnte sich aber zum Glück auffangen und sich abrollen. Was hatte sie zum Sturz gebracht? Sie war ausgerutscht, als wäre der Boden aus---- Eis. Eis, das Greens Knie nun auch umschloss und Kälte in ihr hochkommen ließ wie ausbreitendes Feuer. Greens Augen bebten kurz nervös und schon spürte sie Silence' Nähe - sie wollte wohl übernehmen, weil sie glaubte, die Kälte wäre zu viel für Green---
Aber Green würde es auch ihr beweisen, dachte sie mit vor Entschlossenheit brennenden Augen, als sie ihren Stab über den Kopf hob und schon schmetterte sie ihren Stab in das Eis hinein--- es brach--- sie sprang schnell wieder auf die Füße--- sie spürte eine starke Aura, direkt vor ihr--- aber dann auch schon eine eisige Kälte an ihrem Hals. Eine eisige Kälte, die die Form einer Lanze hatte; eine spitze, eisige Lanze, die ihrem metallischen Gegenpart in nichts nachstand, wie ihr Führer deutlich bewies, als sie mit der anderen Hand einen Wächter aufspießte, der zu Greens Rettung geeilt war.
Kein Wunder; die Führerin dieser eisigen Lanzen und die Herrscherin des Eises war immerhin keine geringere als die Fürstin Lacrimosa.
Greens Füße waren wieder frei; sie stand zwar auf vereistem Boden, aber sie hätte sich dennoch bewegen können - es war auch nicht die Lanze an ihrem Hals, die sie davon abhielt, genau das auch zu tun. Es war etwas anderes - es waren ihre gelben Augen, die sie kurz fesselten. Die gelben Augen, umrandet von lila Farbe, die Green unablässig in die Augen sah, die nicht einmal blinzelten, oder wegsahen, als das Blut des armen Wächters ihr ins Gesicht spritzte.
Dieser Wächter war es nun, der Green auch dazu brachte, sich zu bewegen, denn er lebte noch. Stöhnend und schreiend lag er zwischen ihnen, mit einer großen, runden Bauchwunde, aus der das Blut plätscherte. Bauchwunden - Bauchwunden konnte Green heilen. Sie ließ sich daher auf den Boden fallen, kniete sich hin und begann mit der Heilung - ohne von Lacrimosa unterbrochen zu werden, die sie immer noch ansah und sie dabei beobachtete, wie Green den Wächter heilte.
"Ich habe dir etwas mitzuteilen, Green", übersetzte nicht nur das Kommunikationsgerät an Greens Kopf, sondern auch das der umherstehenden Wächter, die den Befehl bekommen hatten auf Abstand zu bleiben und die das Geschehen genauso neugierig beobachteten wie die Hikari im Jenseits.
Green antwortete nicht - die ihre Hand mit Blut tränkende Wunde beanspruchte sie zu sehr, aber sie blickte auf, blickte wieder in Lacrimosas nur auf sie gerichtete Augen, die nun einen schalkhaften Ausdruck annahmen, als sie zu lächeln begann:
"Alle Fürsten befinden sich momentan in Lerenien-Sei..." Die Hikari wechselten umgehend einige vielsagende Blicke, ohne etwas zu sagen:
"... inklusive Ri-Il." Sie zwinkerte und das Schneegestöber, das immer stärker geworden war, wurde jetzt zu einem wahren, eisigen Wirbelsturm, der Green dazu brachte, sich den freien Arm vor die Augen zu halten.
"Ich dachte, das wäre für euch interessant zu wissen!" Dann war sie verschwunden - und mit ihr ihre gesamte Horde.


Als Youma endlich alleine im Badezimmer war, um sich fertig zu machen für das Schlafengehen, seufzte er erst einmal tief. Was hatte er da gerade gehört?
"Ich werde dich zu meinem Mörder formen!"
Das hatte Nocturn wirklich gesagt - und auch so gemeint. Wusste Nocturn selbst, wie wahnsinnig er war und wie wahnsinnig diese Worte waren? Wusste er es? Sagte er sie gerade deswegen? Meinte er das wirklich ernst? Ja, wahrscheinlich tat er das, auch wenn Youma nicht verstand, wie er es ernst meinen konnte: jemand, der gesund war, konnte so etwas doch nicht ernst meinen! Aber Nocturn war nicht gesund - nein, definitiv nicht - wahrscheinlich sollte Youma nicht zu viel darauf geben und gar nicht so viel da hineindenken, sich nicht darüber wundern, dass Nocturns einzige Bedenken gewesen waren, ob Youma gut genug war, um irgendwann sein Mörder werden zu können.
Hörte er sich überhaupt selbst reden? Wie er da vor ihm gesessen hatte... sich nicht nur fragend, ob Youma irgendwann fähig dazu sein würde, ihn umzubringen, sondern auch um das "Ambiente" besorgt... darum besorgt, ob Youma diese Rolle, die Nocturn schon im Kopf für ihn ausmalte, auch gut spielen konnte! Aber dass Youmas Hauptwaffe eine Sense war, das gefiel ihm - wie der Tod, hehe! Wie konnte man da überhaupt lachen? - damit konnte man arbeiten... Und wenn Youma ihn nicht umbringen wollte? Rein hypothetisch gesehen?
Dann, hatte Nocturn mit einem fahlen Lächeln geantwortet, dann würde er ihm schon einen Grund geben.
Sollte er doch denken, was er wollte, dachte Youma mit einem Kopfschütteln, sich von der Tür abfedernd, und mit seinen wahnsinnigen Suizid-Gedanken Spaß haben... solange er sich bis zu dem Tag, an dem Youma Nocturn umbringen sollte, wenigstens ein bisschen an Youmas Pläne hielt, dann war ihm alles recht. Ja, auch wenn Youma das alles ziemlich abstrus vorkam - er war ja auch klardenkend! - sollte er sich damit nicht so sehr beschäftigen. Nocturn war wahnsinnig, das war ein Fakt - und wenn Youma ihn umbringen sollte, dann tat er das eben. Wenn das die Art war, wie Nocturn dachte und wenn das die Art war, wie dieses ganze Zusammenarbeiten funktionieren sollte, dann sollte es eben so sein. Wenn Youma an seinem Ziel angelangt war, dann brauchte er Nocturn ohnehin nicht mehr. Und wenn Nocturn wieder tot war, dann kehrte die Magie, die Youma geopfert hatte, um diesen bekloppten Dämon wiederzubeleben, auch wieder in die nun leere Kapsel zurück - und dann wäre die Magie wieder "frei": frei, um Silence wieder ins Leben zurückzuholen... wenn sie denn...
Youma hatte sich gerade seinen schwarzen Pyjama angezogen, gerade die Zahnbürste in den Mund gesteckt, als sein feines Gehör hörte, wie die Tür am Ende des Ganges sich öffnete - und schon hörte er, wie Nocturn an der Badezimmertür vorbeiging. Skeptisch, weil der ach so begabte Künstler sich eigentlich in sein Zimmer zurückgezogen hatte, öffnete Youma die Badezimmertür und nahm die Zahnbürste noch einmal aus dem Mund:
"Wo gehst du denn jetzt noch hin?!" Nocturn drehte sich nicht zu ihm herum; mit wehendem Umhang durchquerte er die Wohnung und hob nur flüchtig die Hand:
"Inspiration!" Mit himmelnden Augen begann Youma wieder damit, seine Zähne zu putzen; war schon wieder ins Badezimmer verschwunden, als er die Augen aufriss:
Nocturn hatte seine Uniform getragen. Mit anderen Worten machte Nocturn sich in die Dämonenwelt auf.
Aber zu spät, wie Youma mit entsetztem Blick - denn Eigenaktionen von Nocturn konnten nichts Gutes bedeuten - bemerkte: die Stiefel Nocturns waren weg. Er war bereits in der Dämonenwelt.