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FanFiction
  A fairy tale
by Tekuu

Vielleicht war dies ein Tag wie jeder andere - vielleicht auch nicht.

Blue war sich seit langem nicht mehr so sicher bei diesen Dingen, nicht mehr, seit die Hikari in sein Leben getreten war. Nein, berichtigte er sich unwillkürlich, es liegt nicht an einer Hikari...

...es liegt an Green.

Jeder noch so unscheinbare Tag konnte in einer schönen Erinnerung enden - oder in einem Fiasko. Und damit meinte er gewiss kein Blutbad, das sie bei einem Kampf gegen die zahlreichen Dämonen angerichtet hatten, die Green zuleibe rücken wollten. Die junge Lichterbin führte die Kopfgeldliste der Dämonen schon seit ihrer Geburt an - seit klar war, dass die Lichtprinzessin White, wie einige Dämonen sie spöttisch betitelten, mit dem verhassten Dämonenmischwesen Nocturn zusammen verendet war.

Er seufzte.

Ein Blutbad war kein Unglück....

Nein, er meinte die ihm so leidlich wertvollen Momente des Beisammenseins...

- Ihr eigentliches Unglück?

- Seines?

...

Denn die Teufelsspirale, die die unreine Hikari unbewusst auslegte, war so einladend...

...

Der junge Halbdämon schüttelte energisch den Kopf, um all die Gedanken aus seinem Kopf zu vertreiben. Er saß im Mathematikunterricht, hatte er da nichts besseres zu tun, als sich über ihr Opfer Gedanken zu machen? Er durfte nicht an Green glauben. Er musste an die Hikari in ihr denken. An den Feind, den Schänder, den Mörder. Ihre Freundschaft würde keinem etwas Gutes tun...es durfte einfach noch nicht zu spät sein. Doch zu spät für was eigentlich...? All die Monate, die sie mittlerweile mit Silver und ihm verbracht hatte, erschienen ihm wie Jahrzehnte. Doch selbst wenn jeder Moment, jede Erinnerung, für ihn wie ein langsam fallendes Sandkorn in einer unendlich großen Sanduhr war - für die gesamte Außenwelt war es ein Sandmeer, das sich unaufhaltsam in das viel zu leere Glas ergoß...und es unaufhaltsam füllte...somit rücksichtslos dem Punkt Null immer näher kam.

...Dem nächsten Krieg...



Und da saß sie, ganz unberührt von der zerstörerischen Zukunft, die sie erwartete.

Wie all die anderen Mädchen um sie herum schrieb sie kleine Zettelchen an Firey, Sho und natürlich an Silver, hielt es nicht für nötig, dem Unterricht zu folgen...sie konnte ja schließlich späterhin bei ihm Nachhilfeunterricht nehmen. Ihn damit tiefer in sein eigenes Grab stürzen.

"Najotake, wenn du dich unbedingt unterhalten musst, mach' das vor der Tür. Das gleiche gilt für Hinako und Nakayama. Ja, ich meine dich, Siberu. Ich bin keines deiner Fangirls, also lass den Blick! Und jetzt alle drei raus hier, bevor ich mich vergesse! Nehmt euch lieber mal ein Beispiel an unserem Musterschüler" - ein stolzer Blick wurde in seine Richtung gesandt - "Gary ist mit euch respektlosen Rüpeln befreundet und weiss trotzdem, was sich gehört! Mhmpf!"

Silver schoss ihm einen belustigten Blick zu und zwinkerte.

Ein Mörder weiss, was sich gehört?

Jemand, der Vertrauen...Liebe...erschleicht,

nur um irgendwann genüßlich zu durchbohren?




Firey funkelte Silver wütend an und kümmerte sich nicht um ihn.

Du bist auch nicht besser als ich.

Du wirst sie ebenfalls hintergehen...

Denn das ist unser Ziel.

Wir sind Profis, Silver.




Und Green...

Green lächelte ihm einfach nur verschmitzt zu und winkte.

Tat so, als würde sie sich vor ihm, dem Musterschüler, verbeugen.

Die Klasse lachte, der Lehrer seufzte und schob sie unwillig zur Tür hinaus.

Und Green...

Green streckte ihm spaßend die Zunge entgegen, lächelte, und war verschwunden.

Es war nur ein Lächeln...

Nur einige kleine Muskeln in ihrem hübschen Gesicht...

Doch warum war es für ihn so viel mehr?

Weil er wusste, dass er der Grund für die Wärme in ihren blitzenden Augen war?

Oder weil sie, die Hikari, wollte...dass er so fühlte?

Er wusste es nicht.

Er wusste nur, dass ihn manchmal dieses Bedürfnis überkam, sie zu umarmen und ihr sanft durch die Haare zu streichen. Ihr süße, leere Worte ins Ohr zu flüstern, von denen er wusste, dass er sie niemals einhalten konnte. Seinen Arm um sie zu legen. Anderen zu zeigen, dass sie ihm gehörte.

Ihrer liebevollen Teufelsspirale zu folgen, bis er darin ganz und gar verloren war...

Doch das waren nur hinderliche Wünsche...kindliche Träume.

Er durfte ihnen nicht nachgeben.

Er wusste, dass er sie eines Tages ermorden würde.

Abschlachten würde.

Denn das war sein selbstgewähltes Schicksal.

Das war die Realität...

Und auch sie musste es bemerkt haben...



...because life is not a fairy tale.